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Trugbilder von Harald Latus

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Commander David Alexander Robinson hatte gerade die Überprüfung der Antimaterie Lagereinheiten abgeschlossen und glaubte seinen Ohren nicht zu trauen, als er den Turbolift auf Deck 24 verließ.
Dröhnender Rock & Roll schallte durch den Flur, und Jaqueline Jefferson und Jan van Holt waren mit rhythmischen Bewegungen damit beschäftigt die Kalibrierungsanordnung für die Plasmainjektoren aufzubauen.

„Was ist denn hier los?“, platzte es aus Ihm heraus
„Sind wir hier im Rockkonzert?“
Eine ausladende Bewegung seiner Arme begleitete den erstaunten Gesichtsausdruck, während er mit dem PADD in seiner rechten Hand herumwedelte.

„Nein Sir, aber die Musik hält uns wach und motiviert dazu im gleichen Tempo mitzuarbeiten. Sie wollen doch wohl auch wieder schnell nach Hause, oder ?“
Jaqueline Jefferson sah Robinson prüfend an und er verzog sein Gesicht zu einer strengen Mine, aber ein kleines Lächeln im Mundwinkel konnte er doch nicht verbergen.

„Dann lassen Sie wenigstens den Rest der Crew schlafen und drehen Sie die Lautstärke runter. In Anbetracht der Situation verzichte ich darauf den Captain über diese Disziplinlosigkeit zu informieren.“
Robinson drehte sich um und machte sich auf den Weg zu seinem Quartier, er hatte sich in seiner dienstfreien Zeit mit einigen anderen Offizieren zu einem kleinen Pokerspiel verabredet und war eigentlich schon viel zu spät dran.

Jan van Holt war mit dem Aufbau seiner Geräte gerade fertig geworden, da kamen die beiden Techniker schon mit den ausgebauten Plasmainjektoren zum Tisch.
Die Injektoröffnung war durch die Überhitzung sehr stark beschädigt und erinnerte eher an eine ausgefranste Jeanshose aus dem 20. Jahrhundert als an einen präzisionsgebohrten Diamant-Kerillit Plasmazerstäuber.

Mit Hilfe des dipolaren Kalibrierungsstrahlers wurde zunächst die Spitze des Injektors abgeschnitten um die Ausfransungen zu beseitigen.

Danach wurde im Anschluss an die besonders aufwendige Feinjustierung die Innenbohrung neu hergestellt. Schon die geringsten Unebenheiten führten zu einem unregelmäßigen Materiefluß und somit zu verminderter Leistung.
Mit einem normalen Phaser wäre eine so glatte Oberfläche selbst bei höchster Präzision nicht erreichbar gewesen. Der dipolare Kalibrierungsstrahler konnte jedoch das Verbundmaterial aus Diamant und Kerillit langsam und ultrafein abtragen.

Nach endlosen 22 Minuten war der erste Injektor fertig und konnte wieder eingebaut werden. Weitere 30 Minuten später war auch der zweite Injektor wieder auf dem Weg zur Mischkammer.

„Jetzt müssten wir nur noch einen Weg finden, wie wir die Matrix der Hyperkondensatoren neu aufbauen können, dann könnten wir wieder richtig Gas geben!“, sagte Jefferson zu van Holt der ihren Blick mit erschöpfter Mine erwiderte

„Vergessen Sie’s, wir kommen auch ohne die Dinger auf Warp 4,5. Mehr ist ohnehin nicht drin, da die Warpfeldharmonie bei einseitigem Antrieb so asymmetrisch ist, dass es dass Schiff bei hoher Beschleunigung glatt zerreißen würde.“

„Das weiß ich auch...“, entgegnete Jefferson
„...aber ich will mehr!“ sagte sie trotzig.

„Alleine die Berechnung für das multiple Kennfeld der Kondensatoren beträgt zwei Tage, die variablen Energieverteilungsgitter nicht mitgerechnet.“, gab van Holt zu bedenken.
Jefferson winkte ab,
„Schon gut, ich verabschiede mich von diesem Gedanken.
Ich gehe erst mal zu Captain Wikland um Ihn über den neuesten Stand zu informieren. Beginnen Sie schon mal mit der Reinitialisierungssequenz.“
Damit verschwand sie im Gang zum Turbolift.

Auf der Brücke waren alle Stationen bereits mit der Nachtschicht besetzt. Auf dem Platz des Captains saß Commander Darian Wells, der leitende Schiffsarzt und bedeutete Jefferson mit einer leichten Geste, dass sich der Captain noch in seinem Bereitschaftsraum befand.

„Herein“, rief Wikland, als er das Türsignal hörte, und Jaqueline Jefferson betrat den Raum.
„Captain, wir haben die Plasmainjektoren erfolgreich überarbeitet und bauen Sie gerade ein, Lieutenant van Holt beginnt bereits mit den Vorbereitungen für die Reinitialisierung des Warpantriebs.
In ca. zwei Stunden kann der Antrieb wieder ans Netz gehen.“

Der Blick des Captains fiel auf den Tischcomputer. 19:05 Uhr zeigte das Display,
„Dann liegen wir also gut im Zeitplan nicht wahr?“, erwiderte der Captain.
„Ja, Sir, auch wenn...“, sie stoppte mitten im Satz.
Der Captain schaute auf und blickte ihr direkt in die Augen
„...wenn was ?“, fragte er langsam.

„Nun Sir, ich bin mir sicher, dass mit funktionierenden Hyperkondensatoren noch mehr aus unserem Antrieb herauszuholen wäre, aber Lieutenant van Holt hat mit Recht darauf hingewiesen, dass alleine die Berechnung der neuen Matrix einige Tage in Anspruch nehmen würde. Abgesehen von der Warpfeld-Asymmetrie.“

Captain Wikland lehnte sich in seinem Sessel zurück und setzte einen gelassenen Hochschullehrerbilck auf.
„Da hat er natürlich Recht, und das ist ja auch nicht schwer zu erraten wenn man 1 und 1 zusammenzählen kann und im Studium an dieser langweiligen Stelle gut aufgepasst hat, zumindest unter normalen Bedingungen des Schiffsbetriebs.“

Jaqueline Jefferson stand etwas verwirrt vor dem Captain „Sir?“
Wikland nahm ein PADD mit dem Schiffsstatus vom Tisch auf und schaltete das Display eine Seite weiter.
„Was würden Sie sagen, wenn ich Ihnen die Mitarbeit von drei überaus eifrigen Helfern anbieten könnte, die sich voll auf Ihre Matrix konzentrieren?“, fragte der Captain.
„Das ist ein überaus großzügiges Angebot Sir, aber bei der Erstellung der Matrix kommt es im Wesentlichen auf Berechnungen an. Die Kontrolle der Konsolen kann leicht von nur einer Person erledigt werden. Zusätzliche Crewmitglieder würden uns da nicht weiterbringen.“

„Oh, ich dachte eigentlich nicht an Crewmitglieder...“, begann der Captain mit einem schelmischen Ausdruck im Gesicht,
„...wir haben aus Energiegründen die Computerkerne drei bis fünf gesichert und deaktiviert. Sie sind von der Schiffskontrolle komplett getrennt und könnten alle drei zu 100 Prozent an dieser Aufgabe arbeiten.“
Die Augen von Jefferson begannen zu leuchten.
„Das würde die Berechnungszeit auf wenige Stunden reduzieren Sir.“

Der Captain blickte Sie fragend an
„Worauf warten Sie dann noch?“
Jefferson machte auf dem Absatz kehrt und war schon durch die Tür als Ihr der Captain noch hinterherrief „Viel Erfolg Commander!“

* * *

Um Punkt 21:00 Uhr meldete sich die Stimme von Jaqueline Jefferson wieder beim Captain.

„Maschinenraum an Captain Wikland. Sir, wir sind so weit.
Der Warpantrieb ist wieder am Netz.
Bitte beschleunigen sie langsam, wir haben nur eine Warpgondel und wir arbeiten noch immer an der Warpfeldgeometrie um etwas mehr rauszuholen“, gab J.J. dem Captain zu verstehen.
„Wie weit sind Ihre Heinzelmännchen mit der neuen Matrix?“
fragte Captain Wikland der aus seinem Bereitschaftsraum auf die Brücke getreten war.
Die anderen Offiziere der Brücke wechselten belustigte und verständnislose Blicke untereinander, da sie den Hintergrund nicht kannten.
Lediglich K’Orak der klingonische Wissenschaftsoffizier hatte bemerkt, dass die Computerkerne drei, vier und fünf vor einer Stunde und 45 Minuten vom Maschinenraum aus aktiviert worden waren, ohne jedoch einen Teil der Schiffsaufgaben zu übernehmen.

„Die Matrix ist in ungefähr 45 Minuten fertig, bis dahin wollen wir noch eine Lösung für die Feldsymmetrie finden“, antwortete Jefferson.
„Wir versuchen jetzt erst mal diese langweilige Schleichfahrt zu beenden, Lieutenant Ramirez, beschleunigen sie langsam auf Warp 4 und prüfen Sie was darüber hinaus noch möglich ist.“
Befahl der Captain der zu Commander Wells in die Mitte der Brücke getreten war.
„Aye, Sir“ kam das Echo von der Conn und kurz darauf war das gewohnte vorbeiziehen der Sterne auf dem Hauptschirm zu sehen, die bei steigender Warpgeschwindigkeit zu immer länger werdenden Strichen verzerrten.

Nach 8 Minuten vorsichtigen Beschleunigens meldete Lieutenant Ramirez mit freudig vibrierender Stimme
„Warp 4,6 Captain…“, und fügte hinzu,
„...der Antrieb hat zwar genug Energie, aber das Drehmoment um die Hochachse des Schiffes läßt sich durch die Stabilisatoren nicht weiter ausgleichen.
Ich muss jetzt schon extreme Kurskorrekturen vornehmen um das Schiff auf einfachem direkten Kurs zu halten.“

„In Ordnung, behalten Sie Kurs und Geschwindigkeit bei, ich bin in meinem Quartier. Commander Wells, Sie haben die Brücke. Gute Nacht“
Damit verschwand er im Turbolift, begleitet von der Meldung des Wachoffiziers „Captain verläßt die Brücke.“

* * *

„Verdammt, ich habe gedacht, dass wir das Warpfeld harmonisieren könnten wenn diese Hyperkondensatoren wieder laufen, aber die Energiesignatur hat immer noch einen deutlichen Überhang nach links.“
Jefferson schaltete das Display der Diagnoseeinheit ab und setzte sich enttäuscht an Ihren Tisch, der direkt gegenüber des Warpkerns in der Ecke des Maschinenraumes gelegen war.

Sie war nun seit über 17 Stunden auf den Beinen und hatte immer noch keine Lösung für das Problem des asymmetrischen Warpfelds gefunden.
„Ich glaube Sie sollten sich schlafen legen Jaqueline“, sagte van Holt.
„Ich bin auch total erschlagen und außerdem fliegen wir ja schon mit Warp 4,6. Sie haben Ihr Versprechen gehalten, was wollen Sie mehr?“

Aber J.J. war trotz ihrer stundenlangen Schicht nicht bereit klein beizugeben.
„Ich will, dass dieser Kasten den Arsch hochkriegt und gefälligst mit Warp 6 oder mehr nach Hause fliegt.“, erwiderte sie wütend.
„Es muss doch eine Möglichkeit geben dieses Warpfeld wenigstens teilweise zu harmonisieren.“

„Dazu müssten wir auf der rechten Seite einen gleichschwingenden Gegenpol erzeugen, der die Warpblase überdehnen kann...“
Van Holt saß mit aufgestützten Ellenbogen am Tisch und legte müde den Kopf in die Hände, „...und das geht mit der defekten Warpgondel nicht mehr.“

J.J. stand auf und ging zum Wanddisplay mit der Schadensdarstellung. Es gab keine Möglichkeit die jetzt noch immer hellblau markierten Systeme zu optimieren oder zu reparieren. Lange verweilte Ihr Blick auf der Anzeige der rechten defekten Warpgondel.

„Moment Mal, Es sind eigentlich nur zwölf der insgesamt 18 Warpspulen durchgebrannt. Wenn wir die restlichen sechs einzeln mit Energie belegen, könnten wir durch die Induktion ein Elektromagnetisches Feld erzeugen...“

„...welches in gleicher Polarität und Stärke mitschwingt, auch wenn kein Antrieb in der Kammer erzeugt wird.“,
ergänzte van Holt den Satz und war bereits mit dem Phaseninduktor unterwegs zur Jeffriesröhre um die Einzelverbindung zu den Spulen wieder herzustellen.

Die ganze Prozedur war in weniger als 35 Minuten abgeschlossen und zufrieden betrachteten Sie das Warpfeld, welches sich beim Einschalten der Energie deutlich mehr in Richtung Schiffsmitte verschob.
„Geschafft!“
Jefferson sprang in die Luft und umarmte van Holt ganz spontan. Sie klopften sich gegenseitig auf die Schultern und öffneten eine Kom-Verbindung zur Brücke.
„Maschinenraum an Brücke. Wir haben die Feldharmonie des Antriebs optimiert, versuchen Sie mal mehr rauszuholen!“

Commander Wells nickte Lieutenant Edison Carter zu, der Ramirez inzwischen an der Conn abgelöst hatte.
Er ließ sogleich seine geschickten Hände über die Konsole wandern.
Mit vorsichtigen Steigerungsraten forderte er dem Antrieb immer mehr Energie ab und als der Punkt erreicht war,
an dem die Scherkräfte aufgrund des immer noch einseitigen Antriebes wieder auftraten, zeigte die Skala Warp 6,2 an.

Der leitende medizinische Offizier, der die Nachtwache hatte lächelte und sagte
„Gute Arbeit Commander Jefferson, wir haben jetzt Warp 6,2 und werden bei dieser Geschwindigkeit in maximal 36 Stunden auf Sternenbasis 491 eintreffen“, und als wollte er die Leistung der Chefingenieurin besonders honorieren erklärte er:

„Ich glaube es steht Ihnen zu, den Captain zu informieren, ich bin sicher, dass er noch nicht schläft. Wells, Ende.“

* * *

Captain Wikland kam gerade aus der Dusche, als das Kom-Signal ertönte. Er befürchtete schon neue Hiobsbotschaften,
dabei wollte er sich gerade zu Bett begeben, was er sich nach seiner eigenen Meinung an diesem Tag redlich verdient hatte.

„Wikland hier...“, tönte es aus dem Audiosystem im Maschinenraum und auf dem Display erschien das Gesicht des Captains. Er rubbelte sich gerade seine blonden Haare trocken und ließ dann das Tuch sinken.
„Hier spricht Lt. Commander Jefferson, Captain“
Jaqueline sah Lieutenant van Holt spitzbübisch und lächelnd an,

„Ich hoffe ich habe Sie nicht beim Schlafen gestört, aber ich wollte Ihnen gerne noch mitteilen Sir, dass wir uns inzwischen mit Warp 6,2 in Richtung Sternenbasis bewegen und die Schleicherei endlich ein Ende hat“

„Gut gemacht Commander...“, entgegnete Wikland
„...Sie und Ihr Team haben hervorragende Arbeit geleistet. Ich werde mir das merken, und daran denken wenn sich wieder eine gute Gelegenheit für einen ausgedehnten Landurlaub oder Freigang bietet.
Sie haben sich das ehrlich verdient.
Aber jetzt sollten Sie den Maschinenraum der Delta Schicht überlassen und endlich schlafen gehen, Sie wollten doch in aller Ruhe ausschlafen oder?“
Wikland war stets besorgt um seine Crew, das zeigte sich auch in solch schwierigen Situationen.
Dazu gehörte bei aller Arbeit und Spitzenleistung auch eine geregelte Entspannungsphase, da nur so die gute Leistung auf Dauer aufrecht zu erhalten war.

„Ja Sir,...“, antwortete Jefferson
„Ich erwarte Sie dann in einer halben Stunde in meinem Quartier zum Wiegenlied!“
Wikland und Jefferson brachen gleichzeitig in schallendes Gelächter aus und van Holt blickte sie verständnislos an. Er hatte die scherzhafte Bemerkung des Captains bei der Besprechung natürlich nicht mitbekommen.
„Gute Nacht Commander, Wikland Ende.“

J.J. betrat ihr Quartier und war nur noch müde.
Obwohl die Anspannung des langen Dienstes langsam von Ihr abfiel, fühlte Sie immer noch eine gewisse Unrast in sich und trat vor den Spiegel. Das Bild das Sie sah jagte Ihr einen Schrecken ein.
Die Haare klebten zusammen, und im Gesicht hatte sie einige Schmutzstreifen, die wohl bei der Arbeit in den Röhren entstanden waren. Auch die Passform der Uniform hatte durch die viele Kriecherei zu den unwegsamen Stellen des Schiffes deutlich gelitten.

Jaqueline schüttelte den Kopf, so wollte sie den nächsten Arbeitstag nicht beginnen. Sie öffnete die Uniform und schälte Ihren hübschen Körper aus dem nachgiebigen Stoff.
Mit schnellen Schritten hatte sie das kleine Badezimmer erreicht und entledigte sich noch kurz der letzten Kleidungsstücke bevor sie in die Ultraschalldusche trat.
Als sie nach mehr als einer Stunde den kleinen Raum wieder verließ, leuchteten auch Ihre Haare wieder in dem gewohnten aschblonden Farbton.
Sie hatte sich entschlossen, dieses Kapitel ein für allemal zu begraben und nichts mehr zurückzulassen, was sie daran erinnerte.

* * *

Im LOOKOUT, der kleinen Bar auf Deck 9 war nicht viel los.

Die meisten Leute waren durch den harten Einsatz der letzten Tage sehr erschöpft und hatten sich gleich nach ihrem Dienst zur Ruhe begeben.
In der abgerundeten Sitzecke saßen der zweite Offizier Andy Duke und Lt. Alisha, die vor einer Stunde ihre Stationen an die Delta Schicht übergeben hatten und schauten auf ihren Drink.
Es war ein ungeschriebenes Gesetz, dass diese Sitzecke nur den Senioroffizieren zur Verfügung stand und es wurde selbstverständlich von jedem Crewman und Junioroffizier respektiert.

Andy Duke drehte sich zu Alisha um und sagte:
„Wissen Sie etwas Genaueres darüber, dass wir einen neuen Offizier an Bord nehmen sollen?“
Alisha drehte ihr Glas mit der rechten Hand auf dem Untersetzer aus Eropimasbaumrinde und antwortete leise:

„Andy, Sie wissen doch, dass ich als Operationsoffizier lediglich die für die aktuelle Mission anstehenden Informationen erhalte...“
Sie blickte zu Andy und ergänzte, „...einen neuen Einsatzplan gibt es noch nicht, also auch keine neuen Daten.
Ich weiß nur, dass er den Rang eines Commanders begleitet und es geht das Gerücht um, dass er möglicherweise einen Brückenposten, vielleicht sogar den von David Robinson übernehmen könnte.“

Als Bolianerin verstand sie oft nicht mit welcher Logik die Personalentscheidungen der Sternenflotte getroffen wurden, da ihr Volk eine gänzlich andere Struktur und Gesellschaftsform hatte.
Aber im vorliegenden Fall schien selbst Captain Wikland von dieser Situation überrascht zu sein, wenn sie seine Reaktion auf der Brücke richtig interpretiert hatte, die recht heftig ausfiel und einige Flüche und Verwünschungen über den mangelhaften Informationsfluss enthielt.

Andy setzte einen traurigen Gesichtsausdruck auf und blickte auf den Tisch.
Auch wenn er mit David Alexander in seiner Zeit an Bord nie eine richtige Freundschaft aufgebaut hatte, so schätzte und respektierte er ihn doch als guten Kollegen und kam mit ihm immer gut zurecht. Er bedauerte sehr, dass David möglicherweise das Schiff verlassen würde.
Andy stand auf und ging die drei Stufen zur oberen Ebene hinauf. Er stellte sich direkt vor das Fenster das den Blick in Flugrichtung der ALEXANDRIA freigab.

Als Sicherheitschef hatte er in seiner bisherigen Laufbahn reichlich Erfahrung damit gesammelt, dass Personalwechsel in der Führungsebene oft mit vielen Problemen einhergingen. Er hätte zu gerne gewusst was da auf sie zukam.

* * *

Captain Wikland stand auf der Brücke und blickte auf den Hauptschirm.

Die Langstreckensensoren hatten bereits vor einer Stunde den Subraumleitstrahl von Sternenbasis 491 aufgefangen und er hatte sich inzwischen wieder beruhigt. Der Captain war zufrieden mit seiner Mannschaft und der überaus guten leistung die sie erbracht hatte..
Nach der Notreparatur konnte man die Reise mit hoher Warpgeschwindigkeit fortsetzen, und die Sternenbasis war gerade als winziger Punkt bei maximaler Vergrößerung auf dem Hauptschirm erschienen.

„Gehen sie langsam unter Warp Mr. Ramirez und bringen Sie uns zur Andockrampe“, befahl er dem Offizier an der Conn.
Innerhalb von wenigen Minuten verschwanden die typischen Warpsterne und es war wieder der fast statische Anblick auf das Universum zu sehen.
„Sternenbasis 491, hier ist die U.S.S. ALEXANDRIA, wir bitten um Zuweisung einer Andockrampe und Einweisung über den Leitstrahl“, gab Carah Pehl die Offizierin an der Kommunikation auf Captain Wiklands Kopfbewegung hin durch.

„Hier Sternenbasis 491, willkommen im heimischen Hafen, Sie können am Andockring Acht festmachen“, kam die Stimme aus dem Audiosystem.
„Lieutenant Carah, stellen Sie eine Verbindung zu Admiral Parker her, ich will den Reparaturbedarf umgehend mit Ihm besprechen. Ich bin in meinem Raum“, sagte Wikland und war im nächsten Moment bereits unterwegs in Richtung Bereitschaftsraum.
„Captain verläßt die Brücke“, war die logische Reaktion auf diese Aktion die auch sofort durch den Wachposten im hinteren Teil der Brücke erfolgte.

* * *

Wikland war direkt nach dem Andocken auf die Station gegangen und stand nun im Büro von Admiral Theo Parker, dem verantwortlichen Leiter für Materialbeschaffung sowie der Wartungs- und Reparaturcrews. Er hatte seine Lage bereits vor der Ankunft geschildert und man hatte sich geeinigt direkt nach dem Eintreffen die nötigen Dinge zu besprechen.

„Sie haben Glück Captain Wikland...“, begann Admiral Parker, nachdem er die Schadensberichte eingehend geprüft hatte.
Er machte mit der Pfeife in der rechten Hand eine ausholende Bewegung und stopfte dann den Tabak nach.
„...wir haben für die Generalüberholung der U.S.S. Phoenix gerade zwei komplette Warpgondeln erhalten.

Da das Schiff von Captain Galagher aber durch den derzeitigen Auftrag noch mindestens zwei Wochen gebunden ist,
können Sie eine komplette Einheit bekommen und wir haben bis zum Eintreffen der Phoenix noch genügend Zeit um eine Neue anzufordern.“
Damit nahm er einen genüsslichen Zug aus der Tabakpfeife.

„Danke sehr, Admiral“, entgegnete Wikland,
„Ich weiß es sehr zu schätzen, dass Sie mir und meinem Schiff so entgegenkommen. Wie kann ich mich dafür bei Ihnen revanchieren?“
Der Admiral trat ans Fenster seines Büros und blickte hinaus auf die ALEXANDRIA, die an der Andockrampe festgemacht hatte. Äußerlich waren eigentlich keine Schäden zu erkennen.
„Nun, wenn Sie mich so direkt fragen, Captain...“
Parker drehte sich zu Wikland um.
„...wir werden in Kürze einige technische Probleme lösen müssen, und ich würde mich freuen, wenn sich einer Ihrer technischen Offiziere dieser Sache annehmen könnte.

Jemand der diesen angeschlagenen Vogel dort draußen...“, er deutete mit Pfeife auf die ALEXANDRIA, „...mit nur einer Warpgondel auf Warp 6,2 beschleunigt, ist sicher auch geeignet uns bei der Lösung einer besonderen technischen Herausforderung zu unterstützen.“
Wikland nickte mit dem Kopf.
„Selbstverständlich Admiral. Lassen Sie mir die Unterlagen über Ihr Problem zukommen, ich werde sehen, wer für diese Aufgabe am besten geeignet ist, Sir.“

„Wie ist es eigentlich zu dieser Beschädigung gekommen, soviel ich weiß ist Ihr Schiff doch eines der bestausgerüsteten unserer Flotte?“, wollte der Admiral von Captain Wikland wissen.
Das war eine unbehagliche Frage, denn sie kratzte sehr stark am Ego des Captains und eigentlich wollte er diesen Bericht nicht wiederholen, den er in seinem Logbuch bereits vermerkt hatte.

„Wir hatten bereits einen Großteil der argosianischen Flotte zurückgedrängt, aber die Neromianer können sich nun mal nicht in die Föderationstaktiken einfügen. Sie bevorzugen die - Schlag zu und Hau ab - Taktik und haben unserem Schiff nur wenig Deckung gegeben.“
„Verstehe“, sagte der Admiral.
„Leider konnten wir die Neromianer nicht dazu bewegen Ablenkungsmanöver zu fliegen und so konzentrierte sich das Feuer der Argosianer immer wieder auf unser Schiff.“

Wikland machte eine kurze Pause und sah zur ALEXANDRIA hinüber.
„Nachdem wir mit einigen heftigen Salven von Photonentorpedos und dauerndem Phaserbeschuss zwei der Führungsschiffe kampfunfähig gemacht hatten, beschlossen wir,
den Hauptverband, der aus zahllosen Einzelschiffen bestand durch den Einsatz unserer neuen Subraum-Verzerrungs Photonentorpedos zu zerstreuen.“

Wikland machte wieder eine kleine Pause. Scheinbar war es ihm peinlich diese Geschichte zu wiederholen. Sein geischt sah aus als habe er in eine Zitrone gebissen, alles verzog sich zu einem schmerzlichen Ausdruck.

„Nach dem Abschuß gingen wir auf Warp eins und navigierten mit dem Delta 4 Ausweichmanöver eine Wende nach Backbord.
Die Detonation erzeugte aber eine extrem unsymmetrische Subraumverzerrung und ein Ausläufer erreichte unsere rechte Warpgondel genau in dem Moment als wir beschleunigten.“, erklärte er ärgerlich.

„Noch nicht ganz ausgereift diese Dinger, nicht wahr?“, war die Reaktion des Admirals, der noch einen Zug aus seiner Pfeife nahm und zu wissen schien, wie man dies zu bewerten hatte.
„Was ist mit den Argosianern passiert?“

„Die Subraumschockwelle hat die Schilde und Anrtiebseinheiten der Argosianer lahmgelegt und die Neromianer haben die ganze Flotte kalt erwischt. Sie haben Ihnen die Wahl gelassen zwischen Kapitulation und Friedensvertrag oder vollständiger Vernichtung der Flotte.“

Wikland senkte kurz den Blick und schaute dann den Admiral an.
„Die Argosianer haben Gott sei Dank die Friedensverhandlungen vorgezogen, es hat ohnehin schon genug Opfer in dieser Auseinandersetzung gegeben.“, schloß Wikland seine Ausführungen.
Theo Parker nickte wissend. Es war immer ein Nachteil wenn es zu solch großen Verlusten an Menschenleben kam auch ihm waren diese Situationen unangenehm. Sie hatten den bitteren Beigeschmack, dass man möglicherweise nicht alles getan hatte um so ein Desaster zu vermeiden.

„Wenn Sie erlauben, möchte ich jetzt gerne auf mein Schiff zurück, der neue Offizier wird um 15:00 Uhr an Bord kommen und ich möchte die technische Crew noch über die durchzuführenden Arbeiten informieren.“
Admiral Parker ging auf Wikland zu und reichte Ihm die Hand,
„Das ist verständlich Captain, die Wartungscrew der Station wird die neue Warpgondel aus dem Hangar nehmen und die Ankopplung vorbereiten.
Wenn alles klappt, ist Ihr prächtiges Schiff in vier Tagen wieder voll einsatzfähig.“

„Danke Admiral“, sagte Captain Wikland und verließ das Büro. Umgehend machte er sich auf den Weg zum Andockbereich. Seinen Freund Carter Wellington würde er wohl später aufsuchen müssen, denn jetzt wurde die Zeit dafür zu knapp.


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