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Trugbilder von Harald Latus

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„Das kommt überhaupt nicht in Frage, wir kriechen ja jetzt schon wie eine flügellahme Ente durch’s Weltall“, polterte Captain Wikland los, als er erfuhr dass seine beiden besten Ingenieure auf die glorreiche Idee gekommen waren, den Warpantrieb für annähernd drei Stunden abzuschalten.
Er hatte erst vor kurzem sein Gespräch mit Admiral Wellington beendet und seine Laune hatte sich seitdem noch immer nicht gebessert.

Im Gegenteil, diese Nachricht von Lt. Commander Jefferson war seinen derzeitigen Entspannungsversuchen eher abträglich.
Sichtlich ungehalten, dass die Situation nicht zu verbessern war, verzog er sein Gesicht.
Er wusste, dass seine Mannschaft alles daran setzte um das Schiff wieder voll funktionstüchtig zu machen und er vertraute auf die Fähigkeiten seiner Offiziere, dennoch war er über die anhaltenden Anstrengungen und die ausbleibenden Ergebnisse verärgert.

„Ich erwarte das wir unsere Reise sobald als möglich beenden Commander Jefferson!“, sagte er und blickte auf die Uhr auf seinem Tisch, sie zeigte 17:54 Uhr.
„Captain, auch wenn sich dieser Vorschlag haarsträubend anhört, so bringt er uns doch mehr als wir im laufenden Zustand der Anlage machen können. Wir werden Ihnen das genaue Prinzip in wenigen Minuten im Besprechungsraum detailliert erklären. Jefferson, Ende“

Der Captain warf nochmals einen Blick auf die Statusanzeigen des Antriebs und informierte sich über die Fortschritte der Reparaturarbeiten. Es ging nur langsam voran. Die Schäden waren außer dem des Antriebs nicht gravierend, aber es waren viele und teilweise an unzugänglichen Stellen des Schiffes, was die ganze Prozedur verlangsamte. Er wollte auf keinen Fall den restlichen Schub auch noch verlieren, auch wenn wirkliche Geschwindigkeit etwas anders war. Was wenn sich der Antrieb nach dieser Abschaltung nicht mehr anfahren ließ?
Wikland wollte lieber nicht daran denken. Langsam stand er auf und ging zur Tür.

„Captain auf der Brücke“, rief der Wachposten am vorderen Turbolift, der den Captain als erster erblickte und sofort Haltung annahm.
Wikland blickte auf den Hauptschirm und sah den gleichen jämmerlichen Anblick von langsam vorbeiziehenden Sternen den er bereits in seinem Bereitschaftsraum feststellen musste, aber auf dem großen Schirm sah es noch bedrückender aus.
Er durchquerte die Brücke mit großen Schritten und trat in den am hinteren linken Ende der Brücke gelegenen Konferenzraum.

Die technischen Offiziere waren bereits anwesend, daher setzte der Captain sich ans Kopfende des Tisches und kam gleich zur Sache:
„Ihre Berichte zur Lage meine Damen und Herren, und bitte, nur gute Nachrichten wenn es Ihnen keine Mühe macht.“

„Captain...“, begann der stellvertretende Chefingenieur Otumbwe
„...wir konnten die Langstreckensensoren und die Navigation soweit wieder voll funktionsfähig machen, allerdings ist nicht genügend Energie vorhanden um alle Systeme voll einzusetzen.“
Captain Wikland richtete seinen noch immer finsteren Blick auf Jaqueline Jefferson und sagte:
“Na dann wollen wir doch mal hören, wie uns da geholfen werden kann?“

Jaqueline Jefferson erhob sich und ging zum Wanddisplay, das eine schematische Darstellung der Materie/Antimaterie Mischkammer des Warpantriebs zeigte und die derzeitigen Beschädigungen durch hellblaue Konturen hervorhob.
„Wir haben leider nur wenige Optionen.
Wenn wir den Antrieb weiterlaufen lassen, können wir nur mit minderer Energie weiterfliegen, dass bedeutet maximal Warp 2.“
Die Mine des Captains machte den Eindruck als sei sie aus Stein gemeißelt und seine stahlblauen Augen fixierten die Chefingenieurin bei jeder Bewegung. Seine Anspannung war deutlich zu erkennen und er konnte seinen Ärger nur noch mit Mühe unterdrücken. Das alles zehrte stark an seinen Nerven.

„Das Hauptproblem hierbei sind die eingebrannten Plasmainjektoren, mit denen der Materiefluss aufgrund der Streuung nicht mehr genau dosiert werden kann. Hier hilft normalerweise nur ein Austausch, wofür uns allerdings kein Material zur Verfügung steht.“

Sie wandte sich dem Captain zu und fuhr fort,
„Lieutenant van Holt hat jedoch aus einer experimentellen Versuchsanordnung einen dipolaren Kalibrierungsstrahler,
den wir modifizieren können und mit dem die Bohrungen sowie die Austrittsöffnungen der Injektoren überarbeitet werden könnten.
Danach ist zwar die Austrittsöffnung um 7,254 Prozent größer, aber das können wir durch den Versorgungsdruck wieder kompensieren.“
Der Captain hatte noch erhebliche Zweifel bezüglich der zu erwartenden Vorteile und fragte:
„Wie lange dauert es, und was versprechen Sie sich davon?“
Jefferson schaltete das Display auf ein Arbeitsschema um.
„Nach Abschalten des Warpantriebs eine Stunde für die Reparatur und zwei weitere Stunden für die Reinitialisierung des Warpkerns.
Danach können wir bei einer Nominalleistung von 88 Prozent auch mit nur einer Warpgondel Warp 4 bis Warp 4,5 erreichen.
Abgesehen davon könnten wir in der Zwischenzeit mit voller Impulskraft weiterfliegen und mit dem reinitialisierten Warpantrieb selbstverständlich wieder alle Schiffssysteme ans Netz nehmen.“

Die Mine des Captains erhellte sich langsam, auch wenn die zu erreichende Reisegeschwindigkeit noch immer deutlich unter seinen Vorstellungen lag.
Allerdings würde das Wiedereinschalten der Holodecks und Freizeiteinrichtungen die Stimmung an Bord einschließlich seiner eigenen Laune wieder erheblich steigern.
„Irgendwelche anderen Optionen zu unserem Energie- und Antriebsproblem?“, fragte Wikland in die Runde, aber außer Stille und gesenkten Köpfen war keine Reaktion zu erkennen, die Crew war bereits seit vielen Stunden auf den Beinen und die Konzentrationsfähigkeit und Kreativität hatte in den letzten Stunden rapide abgenommen.
„Gut“, sagte Wikland „Der Vorschlag ist akzeptiert, halten Sie mich auf dem Laufenden und sobald genügend Energie vorhanden ist möchte ich, dass der Kindergarten, die Schule und der Kinderfreizeitbereich zuerst wieder ans Netz gehen.“

Wikland stand auf und während die anderen Offiziere den Raum verließen ging er hinüber zu Lt. Commander Jefferson, die noch immer am Wanddisplay stand.
„Ehrlich gesagt war ich nicht davon überzeugt, dass diese Abschaltung des Antriebes meinen Tag doch noch retten würde, aber die Aussicht auf Warp 4,5 hat mich dann doch überzeugt, auch wenn ich mehr erwartet hätte.“
Jaqueline Jefferson blickte dem Captain fest in die Augen und sagte:
„Eine Änderung, die uns nicht mindestens doppelt so gut stellt wie bisher, hätte ich Ihnen gar nicht erst angeboten, Sir.“

Der Captain nickte verständnisvoll,
„Machen Sie sich gleich an die Arbeit. Ich weiß, dass Ihre Schicht schon lange zu Ende ist, aber ich würde es begrüßen, wenn Sie die gesamte Aktion überwachen“
Jefferson winkte ab.
„Wir sind ohnehin schon seit 13 Stunden ohne Pause an den Reparaturen, da machen die paar Stunden dann auch nichts mehr aus, wenn ich danach nur ungestört ausschlafen darf“

„Versprochen!“, sagte Wikland, dessen Laune sich inzwischen gravierend gebessert hatte
„Für Warp 5,5 würde ich Sie sogar mit einem alten schwedischen Wiegenlied in den Schlaf singen!“
Die Cefingenieurin lächelte süffisant
„Ich nehm Sie beim Wort!“, sagte sie und verschwand kurz darauf durch den Gang in Richtung Turbolift während sich Captain Wikland wieder auf die Brücke begab.

„Captain auf der Brücke“, rief der Wachposten im hinteren Bereich der Brücke und zog seine Uniform glatt.
Wikland setzte sich auf seinen Stuhl,
„Lieutenant Ramirez, gehen Sie unter Warp und aktivieren Sie den Impulsantrieb. Wir fliegen mit vollem Impuls weiter“
„Aye, Sir“, kam es von der Conn zurück.
„Lieutenant Alisha, sichern und deaktivieren Sie die Computerkerne drei bis fünf und schalten Sie auf Reserveenergie um, der Warpantrieb wird in wenigen Minuten für Reparaturen abgeschaltet.“
Andy Duke der zweite Offizier und Ran Byrell, der die taktische Station überwachte, warfen sich fragende Blicke zu.
Noch vor wenigen Minuten war der Captain extrem ungehalten über das dahinkriechen seines stolzen Schiffes und jetzt war er sogar bereit, unter Warp zu gehen.
Obwohl sie schon seit geraumer Zeit auf der ALEXANDRIA stationiert waren, hatten sie diese Art von Verhaltensänderung beim Captain bislang nie verstehen können.


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