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Trugbilder von Harald Latus

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„Status Fähnrich Miyaoka?“
Wikland schaute den kleinen Japaner an, der gerade an der Navigationskonsole Dienst hatte.
„Fünf Minuten bei gegenwärtiger Geschwindigkeit Sir!“
Die Zeit wurde verdammt knapp.

Obwohl sie die Fluggeschwindigkeit erhöht hatten, war es ihnen nicht ganz gelungen die Zeitdifferenz aufzuholen.
Selbst bei optimaler Leistung würde die Energie der Sonde, deren Bild noch immer stabil war, in zwei Minuten versagen.
Wikland hatte es gegen den Rat seiner Führungsoffiziere vermieden die Notenergie in den Antrieb zu leiten, da er beim Eintreffen nicht hilflos im Raum hängen wollte, wenn der Antrieb eine Abkühlphase benötigte.
So näherte sich die ALEXANDRIA der Position an der sie die Sonde zurückgelassen hatten und auch das Schiff der Dalerianer hing noch immer wie eine große dunkle Gewitterwolke über der Holoprojektion.
Den Abtastern zufolge hatte sich weder die SIGORTAAN noch die Sonde von ihrem Platz bewegt.

„Nummer Eins, wie wollen Sie die Annäherung an die Sonde durchführen? Wir müssen ja den genauen Platz wieder einnehmen und unseren Anflug können wir nicht verbergen.“
Roger van Dyke, der an der hinteren Konsolenwand stand, drehte sich zu Wikland, der ihn angesprochen hatte.

„Sir, ich habe den Kurs so programmiert, dass wir von hinten auf die Sonde zufliegen und genau auf die Position kommen die wir verlassen haben.
Um die sichtbare Anflugphase so kurz wie möglich zu halten werden wir die maximale Energie uf die Trägheitsdämpfer geben und drei Sekunden vor unserem Zielpunkt unter Warp gehen.
Dann werden wir mit einem Energiestoß aus dem Hauptdeflektor einen millimetergenauen Stopp vornehmen.
Das Ganze wird durch unseren Navigationscomputer automatisch gesteuert, da die Einstellungen zu komplex sind um sie manuell durchzuführen.

Unsere einzige Sorge ist, dass die Projektion vorher zusammenbrechen wird. Wir müssen also wachsam sein um eventuelle Notmaßnahmen direkt einleiten zu können.“

Wikland nickte kurz.
„Verstanden, na dann los!“

Auf der Konsole der Wissenschaftsstation war die Projektion der Sonde zu sehen und das Videosignal welches übertragen wurde.
Daneben wurde die Restzeit angezeigt, die nach der Berechnung des Energieverbrauches noch für die Projektion zur Verfügung stand.
Es waren nur noch wenige Sekunden. Während sich die ALEXANDRIA dem Zielpunkt näherte zählte die Uhr auf null und der Computer meldete:
„Die Energie für die Projektion der U.S.S. ALEXANDRIA ist aufgebraucht. Die Simulation wird beendet.“
Erstaunlicherweise waren das Bildsignal und auch die Energiewerte der Projektion noch immer vorhanden.
Was bedeutete, dass noch eine gewisse Restenergiemenge vorhanden war.
Van Dyke übergab die Kontrolle des Schiffs an den Navigationscomputer und aktivierte das Unterprogramm.
Die ALEXANDRIA ging wenige Sekunden danach unter Warp und im selben Augenblick verschwanden alle Anzeigen der Sonde von den Bildschirmen.
Die Holoprojektion blinkte noch einmal kurz auf und erlosch dann.
Einzig ein kleiner Metallkörper von zwei Metern Länge schwebte unter der Sigortaan und war nur noch ein energieloses Stück Technik.

Zwei Sekunden später wurde sie von dem Föderationsschiff überdeckt und war nicht mehr zu sehen.
Wikland wartete einen Augenblick um die Situation zu bewerten, aber es geschah nichts.
Das Schiff der Dalerianer veränderte weder seine Position noch waren ansteigende Energiewerte zu messen.
Wikland schaute sich um und gab dann Roger van Dyke und Andy Duke ein Zeichen ihm in seinen Raum zu folgen.
Nachdem sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, fragte er seine beiden Führungsoffiziere:

„Wie beurteilen Sie die Situation meine Herren? und wie würden Sie weiter vorgehen?“
Andy Duke blickte den Captain an und sagte:
„Nun, als Sicherheitschef muss ich Ihnen dringend empfehlen, Alarmstufe Rot auszurufen und das Schiff in höchste Bereitschaft zu versetzen. Wir wissen nicht, wie die Dalerianer reagieren werden.
Es ist möglich, dass sie unseren Schwindel bemerkt haben und jetzt die vorher angedrohten Vergeltungsmaßnahmen zur Anwendung kommen.“

Roger van Dyke blickte aus dem Fenster und konnte einen Teil des Rumpfes erkennen, der einen Eindruck von der imposanten Größe des fremden Schiffes vermittelte.

„Captain, bei aller nötigen Vorsicht gehört zu so einem wunderschönen Bluff auch die nötige Selbstüberzeugung und Selbstsicherheit.
Ich bin der Ansicht, dass wir unser Spiel ruhig weiterführen sollten, wenn Sie beim Pokern ein schlechtes Blatt in der Hand haben erzählen Sie es ja auch niemandem.
Tun wir einfach so, als wären wir nie weg gewesen, egal was die Dalerianer sagen, wer kann uns das Gegenteil beweisen, schließlich sind wir doch hier, oder?“

Wikland wägte die Vorschläge ab, er dachte an seine Entscheidung bei Sakras 5, für die er sich sicherlich noch an anderer Stelle verantworten musste.
Für den Moment wollte er sich lieber auf die Urteilskraft seines Stabes verlassen.
Irgendwie widerstrebte es ihm, das Schiff schon wieder in Gefechtsbereitschaft zu versetzen, andererseits durfte man sich seinem Schicksal auch nicht schutzlos ergeben.

„In Ordnung, Commander van Dyke ich denke Ihr Vorschlag hat seine Vorzüge, aber ich will auch die Crew und das Schiff so wenig wie möglich gefährden.
Ein wenig Wachsamkeit kann nie schaden. Gehen Sie auf Alarmstufe gelb.
Wenn sich in 15 Minuten noch keiner gemeldet hat, ergreifen wir das Wort. Das ist alles, vielen Dank meine Herren.“

Van Dyke und Andy Duke verließen den Bereitschaftsraum, nur Wikland blieb am Fester stehen und blickte hinaus auf die Sigortaan.

Er überlegte, welcher Teufel Ihn geritten hatte, dass er sich noch einmal hierher begeben hatte.
Eigentlich hätte er direkt zur Sternenbasis fliegen und den nächsten Auftrag ausführen können. Aber er war nun mal aus einem anderen Holz geschnitzt.
Er hasste es, angefangene Dinge liegen zu lassen oder ganz beiseite zu legen.
Er war sich seiner Pflicht als Sternenflottenoffizier bewusst. Natürlich erwartete man von Ihm, dass er über seinen Flug durch diesen Sektor einen Bericht abgeben würde, und man baute darauf, dass dieser kürzere Weg auch künftig von anderen Versorgungsschiffen genutzt werden konnte.
Das war aber nur dann möglich, wenn er seine Aufgabe hier zu Ende brachte. Zudem gab es für einen gestandenen nordischen Mann keine Herausforderung, der er sich nicht stellen würde.

Er war sich sicher, dass er einen Ausweg aus dieser Situation finden würde, auch wenn die Verständigung mit den Dalerianern sehr mühselig werden würde.
Er beschloss, sich noch einmal die Aufzeichnung der ersten Gespräche anzusehen um sich auf die kommende Aufgabe vorzubereiten.
Auch die Videoprojektion der Sonde ließ er in kurzen Sätzen über den Schirm gehen, um zu sehen, welche Informationen die Dalerianer erhalten hatten.

* * *

Eine halbe Stunde war seit der Ankunft der ALEXANDRIA vergangen und nichts hatte sich ereignet.
Der Captain hatte alle Informationen noch einmal gründlich gesichtet und war bereit den nächsten Schritt zu tun, auch wenn dies länger gedauert hatte als die vorher veranschlagten fünfzehn Minuten.

Er drehte sich zur Kommunikationskonsole um und gab die Anweisung eine Verbindung zur Sigortaan herzustellen.

Es dauerte einige Sekunden, dann erschienen das bereits gewohnte Bild auf dem Hauptschirm, welches den Raum mit dem großen Tisch zeigte.

Auf den Stühlen saßen zwei Dalerianer, Karthofeen und ein anderer, der Ihnen noch nicht vorgestellt worden war.
Ihre Gesichter sahen übernächtigt aus aber im Gegensatz zu den menschlichen Zügen, die meist nach einer durchzechten Nacht deutlichen Veränderungen unterlagen,
waren außer einer blassen Farbe und einigen Flecken an der Stirn keine Zeichen im Gesicht zu erkennen.
Die restliche Körperhaltung deutete jedoch auf eine totale Erschöpfung hin.

„Ich grüße Sie Karthofeen Alvat der Sigortaan.

Ich hoffe die von uns abgegebene Erklärung konnte Ihnen den Sinn unserer Reise und die friedliche Absicht unserer Föderation in angemessener Art und Weise verdeutlichen, wozu ich bemerken möchte, dass dies nur ein kleiner Teil unserer Informationen ist, den wir Ihnen zu geben bereit sind.“, sagte Wikland.

Der Dalerianer hob den Kopf ein wenig und antwortete:
„Wir haben Ihre Informationen sorgfältig aufgenommen und bewertet, aber bitte gewähren Sie uns eine angemessene Ruhephase, wir melden uns bei Ihnen. Bitte halten Sie Ihre Position.“
Damit verschwand das Bild vom Hauptschirm und die Sigortaan füllte wieder die ganze Wand aus.

„Was war denn das?“, wollte van Dyke wissen. Er schüttelte den Kopf und blickte Wikland verwirrt an.
„Keine Ahnung Nummer Eins, aber wie auch immer, sie sehen ziemlich mitgenommen aus. Man könnte fast meinen, sie hätten seit Tagen nicht mehr geschlafen.

Behalten Sie Position und auch Alarmstufe gelb bei. Wir warten ab was passiert.
Halten Sie mich über den Status auf dem Laufenden, auch was die Reparaturen an unseren Shuttles und Runabouts betrifft.“ Damit ging er in den Bereitschaftsraum.

Bis zum Schichtende ereignete sich nichts mehr und auch Wikland hatte an diesem Tag keinen Sinn mehr für weitere Studien, er übergab die Brücke an Lt. Commander Stephanie Hawkins, die häufig in der Deltaschicht arbeitete.
Die kleine und sportliche Person strahlte ein gewisses Etwas aus, welches den Captain häufig an seine verstorbene Frau erinnerte.
Vielleicht war es auch nur die ähnliche Frisur, oder eine ganz bestimmte Körperhaltung. Er wusste es nicht.

Er schüttelte den Kopf, als könne er sich so von diesen unliebsamen Gedanken befreien und ging mit schnellen Schritten zum Turbolift. Bevor er eintrat sagte er:

„Denken Sie daran mich zu wecken, wenn sich etwas tut. Auch wenn es bedeutet, dass Sie mich aus dem Schlaf reißen müssen. Ich verspreche, dass Sie nicht mehr als ein Bein und einen Arm verlieren.“
Ihr leichtes Lächeln, welches er noch wahrnehmen konnte bevor sich die Tür des Turboliftes schloss empfand er als angenehm erfrischend.

Als das Türsignal ertönte rief J.J. bedenkenlos "Herein", obwohl sie nur in einen Bademantel gehüllt vor dem Spiegel stand und sich die Haare mit einem Tuch trocken rubbelte.
Wenn Sie schon nur Ultraschallduschen hatten, so war wenigstens die Möglichkeit gegeben in einem kleinen Becken die Haare mit Wasser zu reinigen und die entsprechenden Pflegestoffe aufzubringen.
Sie stand noch immer mit dem Rücken zur Tür und hatte nicht bemerkt, dass Roger van Dyke inzwischen eingetreten war.
Erst als das leichte Zischen erkennen ließ, dass sich die Tür wieder geschlossen hatte, fuhr sie herum.

„Commander, was machen Sie denn hier?“ rief sie erstaunt und versuchte schnell ihre Haare zu ordnen die in alle Himmelsrichtungen abstanden.
Van Dyke blickte an sich herunter, und suchte demonstrativ nach den nicht vorhandenen Rangabzeichen an seiner Freizeitkleidung „Welcher Commander?“ fragte er und blickte Jefferson dabei mit einem freimütigen Lächeln an.
Gleichzeitig nahm er seine rechte Hand hinter dem Rücken hervor und hielt ihr eine langstielige rote Rose entgegen, die er dem botanischen Offizier im Arboretum für eine kleine Reparatur der automatischen Bewässerungsanlage abgerungen hatte.

„Abendessen, schon vergessen? Sie bestimmen das Essen, ich Zeit und Ort.“ sagte er mit einem fragenden Blick.

Jaqueline freute sich sehr über die Rose, sie nahm eine dünne hohe Vase aus einer der Schubladen und füllte sie mit Wasser, steckte die Rose hinein und plazierte sie auf dem niedrigen Couchtisch. Er war nahezu ausgeschlossen, dass ein solches Exemplar so lange unentdeckt blieb. Gerade im All war es eigentlich ausgeschlossen, dass man so Gewächs tatsächlich zum Blühen brachte.

„Oh Gott, ich hätte nie gedacht, dass Sie diesen Scherz wirklich ernst nehmen!“, sagte sie, drehte sich zu van Dyke um und verschränkte die Arme vor der Brust.
Van Dyke griff mit der rechten Hand an die Verstrebung der Schiffskonstruktion, die hier auf Deck sieben wie eine Dachschräge langsam bis zum Boden lief.

„Normalerweise pflege ich auch nicht meine Scherze in die Tat umzusetzen, aber ich dachte mir, wir beide haben uns einen ruhigen Abend in der Bar verdient, und wieso sollen wir ihn denn jeder für sich alleine verbringen.
Ich gebe zu, ich hätte gerne etwas Gesellschaft und Sie sind meine erste Wahl. Einverstanden?“

Jefferson druckste zunächst etwas verlegen herum aber entschied sich dann doch mitzugehen.

„Ja, na klar, wieso eigentlich nicht. Treffen wir uns im Lookout in zehn Minuten, ich bin zwar schon ein bisschen verrückt, aber nicht so verrückt, dass ich in diesem Aufzug durchs Schiff stolziere.“

Dabei wies sie mit Ihrer rechten Hand auf den blauen Bademantel aus glitzerndem glatten Stoff, der bis zum Boden reichte.

„In Ordnung, ich halte uns einen schönen Tisch frei. In zehn Minuten also. Bis dann.“

Damit verließ Roger das Quartier und Jefferson wandte sich wieder dem Spiegel zu, wobei sie einen Schreck bekam.
Wie? so hatte sie vor van Dyke gestanden? Ihre Haare sahen aus wie die zottige Mähne eines Langhaarhundes nach der Wäsche mit einem Gartenschlauch.
Wie sollte Sie das in der kurzen Zeit nur geregelt bekommen.

Van Dyke hatte einen Platz in der Ecke direkt vor den Fenstern gewählt.
Auf dem Tisch standen eine Kerze und zwei Gläser mit einem leicht bläulichen Getränk.

Die Bar war an diesem Abend nicht sehr stark besucht.
Das mochte auch daran liegen, dass immer noch einige Sonderschichten in den Shuttleabteilungen mit Reparaturen beschäftigt waren, oder an der Aufführung des Theaterstückes für das einige der Crewmitglieder in ihrer spärlichen Freizeit geübt hatten.

Als Jaqueline Jefferson den Raum betrat stand Roger höflich auf und rückte ihr den Stuhl zurecht.

„Oh, ein Kavalier der alten Schule, was?“
Van Dyke lächelte, „Nun, man tut was man kann.“
J.J. erwiderte sein Läcjeln und setzte sich langsam auf den bereitgestellten Stuhl.
Sie nahmen beide einen Schluck des bereitgestellten orionischen Weins und blickten durch die Fenster in den Weltraum.
Die Sigortaan schwebte über Ihnen und so konnten sie in die Tiefe des Weltalls schauen, als stünden sie am Rand einer Klippe.

J.J. war der Ansicht, dass Sie dem Commander noch einen kleinen Dank schuldete. Sie erinnerte sich daran, das Sie beim letzten Problem sehr genervt und nicht gerade freundlich war.
„Ich fand es übrigens sehr nett, dass Sie mir wiederholt mit einem kleinen Tip auf die Sprünge geholfen haben Commander, dass war bislang nicht im Fahrpreis mit inbegriffen.
Die meisten Führungsoffiziere scheren sich einen feuchten Kehricht um den Lösungsweg. Sie wollen nur die Resultate, und das am besten Blitzschnell.“, erklärte Jaqueline Jefferson.

„Nun, dann will ich auch jetzt nicht mit Vorschlägen geizen. Wie wäre es wenn Sie einfach den Commander mal weglassen, den höre ich im Dienst oft genug. Sagen Sie einfach Roger, das reicht.“
Jaqueline Jefferson lächelte.

„Okay, aber nur unter der Bedingung das Sie mich J.J. nennen. Das ist ein Vorrecht, dass nur meinen Freunden zusteht.“, und damit reichte sie ihm die Hand über den Tisch.

Er nahm ihre Hand und drückte sie mit einem freundschaftlich festen Druck.
„Ich freue mich, dass ich mich zu den Privilegierten zählen darf!“ spielte er mit künstlich aufgesetzter ernster Mine. Damit hob er sein Glas und nahm einen Schluck.

„OK, was essen wir heute? ich bin gespannt auf Ihre Auswahl.“
J.J. drückte einige Anweisungen in das PADD das auf dem Tisch lag und gab es dem Crewman, der für die Bedienung verantwortlich war.
„Lassen Sie sich überraschen, es wird Ihnen sicher gefallen.“ antwortete sie lächelnd.

„Sagen Sie mal Roger, Sie lassen nicht gerne den Führungsoffizier heraushängen oder? Ich habe eher das Gefühl, dass Sie ständig versuchen sich mit Ihren Kollegen auf die gleiche Stufe zu stellen.“
Van Dyke wurde ein wenig verlegen.

„Naja, ich kann natürlich auch den harten Kerl spielen, aber es entspricht nicht wirklich meinem Naturell.
Sicher, wenn es darauf ankommt, kann nur eiserne Disziplin und eine klare und präzise Führung den Erfolg garantieren.
Aber sind wir doch mal ehrlich, dass Letzte was wir brauchen wenn wir ein Problem haben ist ein ungeduldiger quengelnder Vorgesetzter, der uns alle paar Minuten auf die Nerven geht, wann wir denn endlich fertig sind.
Ich habe für mich recht früh erkannt, dass man viel mehr erreicht, wenn man sich in Augenhöhe trifft und Erfahrungen austauscht oder neue Ideen in eine verfahrene Situation einbringt.

Ein Unbeteiligter hat oft einen ganz anderen Blickwinkel und sieht die Lösung ohne große Anstrengungen.

Ich habe mir angewöhnt, wenn ich irgendwie festhänge, frage ich einfach jemand anderen und meist kommt mit der anderen Sichtweise schnell ein Lösungsweg.“
J.J. nickte verständig.

„Sie meinen sowas wie das Fass mit dem Wasser? oder die offensichtlichen Dinge, die man als selbstverständlich ansieht ja?“ Roger musste lachen und nickte langsam.
„Ja genau, das Wasser. Ein blödes Beispiel nicht wahr, aber mir ist auf die Schnelle nichts Besseres eingefallen. Aber wir reden immer nur von der Arbeit, was machen Sie eigentlich in Ihrer Freizeit J.J.?“

Bevor Jaqueline antworten konnte brachte der Crewman die Suppe, die sehr gut duftete.
Eine rigelianische Wurzelcremesuppe, die mit feinen Gemüsestreifen versehen, und liebevoll mit kleinen Kräuterstückchen verziert war. Sie war heiß und dampfte appetitlich.

Während sie langsam Ihre Suppe löffelten erzählte J.J. ein wenig über Ihre Interessen:
„Nun ich mag’s gern wenn ein bisschen was los ist, ich gehe oft zu den kleinen Partys, die von meinen Freunden veranstaltet werden und wenn sich die Gelegenheit bietet, gehe ich mit Vorliebe ins Theater.
Was übrigens auch der Grund dafür ist, dass ich Sie spätestens in zwei Stunden verlasse, denn meinen Platz bei der Aufführung würde ich für nichts auf der Welt aufgeben.

Im Übrigen liebe ich Tiere ganz besonders und im speziellen Pferde. Aber mein liebstes Hobby ist immer noch die Fliegerei. Ich bin Pilotin mit Leib und Seele.
Irgendwann will ich mal eins dieser alten Fluggeräte steuern, die noch ohne Navigationscomputer geflogen wurden, einfach mit den Händen am Steuer reißen und zack, rum um die Kurve, das wär’s mal.

Leider stehen diese Dinger alle unter Denkmalschutz oder hängen im Museum an der Decke. Bis jetzt habe ich noch keins gefunden mit dem ich mal eine Runde hätte drehen können.“

Sie schenkte van Dyke ein erfrischendes Lächeln und legte den Löffel in den leeren Teller. Dann ließ sie sich in Ihren Stuhl zurücksinken und blickte ihn unverbindlich an.

„So, nun sind Sie an der Reihe“, sagte sie, verschränkte Ihre Arme und streckte die Füße aus.

„Oh, da gibt es nicht viel zu erzählen. Ich treibe ein wenig Sport und bin vernarrt in Automobile, die Fortbewegungsmittel des späten zwanzigsten Jahrhunderts.
Ich habe sogar mal an einer Rennserie teilgenommen und einige Pokale Zuhause im Schrank stehen.
Wenn ich mich entspannen will höre ich meine Lieblingsmusik, die auch aus dieser Zeitperiode stammt, der neue Kram verursacht bei mir immer nervöse Magenkrämpfe...“

J.J. musste lachen, denn ihr ging es ähnlich. Auch sie hatte einen Hang zur alten Musik, zu der sie auch gerne tanzte.
Inzwischen war der Hauptgang eingetroffen und beide machten sich daran das virgonische Huhn zu zerlegen.
Es war ein Wunder, dass der Replikator hier eine so gute Qualität erzeugen konnte, wo doch das Essen in der Offizierskantine bei weitem nicht den gleichen Geschmack erreichte.
Alle Zutaten machten den Eindruck als seien sie absolut frisch
und direkt zubereitet.

„Sagen Sie J.J., wie kommt es, dass das Essen hier einen so natürlichen Duft und markanten Geschmack hat. Hat hier unser Wunderkind Carter den Replikator eingestellt?“
J.J. musste erst einmal schlucken, denn sie hatte gerade kräftig von dem Hähnchen abgebissen.
„Nein, ganz bestimmt nicht, und ich würde Ihnen auch nicht raten dieses Menü an einem anderen Tag erneut zu bestellen.

Sie werden bestimmt enttäuscht sein.
Wissen Sie, auch meine Fähigkeiten sind dann und wann zu unchristlichen Zeiten an den unmöglichsten Orten gefragt,
und inzwischen ist die Liste der Gefallen die man mir schuldet ungefähr so lang wie die vulkanische Ritualerklärung zum Fal-tor-pan.

Nein, Roger, was Sie da gerade genussvoll zu sich nehmen war gestern noch in der Erde und morgen früh beim Appell in der Tierfarm wird dieses arme Huhn ebenfalls auf der Mannschaftsliste fehlen.“

Roger van Dyke lächelte, während sie das Gericht mit Genuss verzehrten.

Er hatte Recht behalten, es war eine gute Idee gewesen mit J.J. einen gemeinsamen Abend zu verbringen.
Er hatte in ihr einen weiteren Freund auf diesem Schiff gefunden.

* * *

Es waren mehr als zwölf Stunden vergangen, als sich Carah Pehl von der Kom-Station meldete:
„Captain, ich erhalte einen Ruf von der Sigortaan.“

Wikland blickte von seinem Logbucheintrag auf und legte das PADD zur Seite.
Er hatte viel Zeit des vergangenen Abends investiert, um sich an die Sprachgewohnheiten der Dalerianer zu gewöhnen und sich die Worte für ein langes und hartes Verhandlungsgespräch zurechtgelegt.

„Gut, auf den Schirm damit.“ erwiderte er und richtete sich in seinem Sessel ein wenig auf.
Auf dem Bildschirm erschienen die vertrauten Gesichter, die ihnen seit dem ersten Kontakt bekannt waren.
Sie sahen frisch und erholt aus und hatten wieder deutlich mehr Farbe.
Wikland wollte den Dalerianer gerade begrüßen, aber Karthofeen kam ihm zuvor.

„Ich grüße Sie Captain Wikland.
Bevor Sie sich die Mühe machen, unsere Kommunikationsgewohnheiten zu adaptiern möchten wir Sie wissen lassen, dass wir aus Ihren Ausführungen gelernt haben, wie sich Ihre Rasse untereinander verständigt.

Auch wenn diese verkürzte Ausdrucksform nur wenig Informationen vermitteln kann, so waren wir doch in der Lage Ihre Intensionen für das Eindringen in unser Gebiet zu verstehen und haben unseren Sprachübersetzer entsprechend neu konfiguriert.

Es ist sicherlich einfacher für Sie, wenn Sie Ihre Angaben ohne große Veränderungen an Sprache und Gestik vortragen können.
Bitte entschuldigen Sie, dass wir Sie so lange warten ließen, aber Ihr Vortrag war doch sehr lang und interessant.
Sie müssen wissen, dass es bei unserer Spezies üblich ist, dass alle an der Kommunikation teilnehmen und man einen Redner nicht durch Fragen oder eigene Wünsche unterbricht.
Insofern hatten wir eine lange Konzentrationsphase hinter uns und waren nach dem etwas abrupten Ende Ihrer Rede sehr erschöpft.
Wir sind überdies sehr verwundert, dass Ihre Spezies auch bei einer so langwierigen Erklärung keine Regenerationspause benötigt. “

Wikland war sichtlich überrascht.
Der plötzliche Sinneswandel kam selbst für ihn völlig unerwartet.

„Nun, ich freue mich, dass Sie soviel Verständnis für uns aufbringen und es ist mir eine Ehre, dass mein Vortrag über die Föderation eine Klärung herbeigeführt hat.“

Karthofeen blickte seine beiden Crewmitglieder an und wandte sich dann wieder dem Captain zu.
„Wir sind erstaunt, dass Ihre Gemeinschaft diesen Sektor nicht schon viel früher bereist hat.
Einige Individuen unserer Rasse hatten schon Kontakt zu Ihrem Volk. Meist waren es Reisende, die sich in den Randregionen aufhielten.
Unglücklicherweise kam es durch die ungenügende Kommunikation häufig zu Missverständnissen, die nicht selten mit dem Tod der jeweiligen Personen endete.“

Wikland nickte mit dem Kopf und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass die Dalerianer mit ihrem plötzlichen Verhaltenswechsel sein ganzes Konzept über den Haufen geworfen hatten.
Jetzt musste er zusehen, wie er sich geschickt aus dieser Situation befreien konnte.

„Alvat Karthofeen, die Föderation hat diesen Sektor bislang noch nicht erforscht, da unser Gebiet im angrenzenden Sektor an ein benachbartes Hoheitsgebiet, das Romulanische Imperium, grenzt.
Durch die kleinen Konflikte und die Reibereien zwischen den Völkergruppen ist dort besondere Vorsicht von Nöten.
Dieses Gebiet hier ist durchsetzt von vielen Pulsaren, Sternenhaufen und Clustern, so dass es schwer zu kartographieren ist.
Selbst mehrere Schiffe würden aufgrund der Komplexität hierfür mehr als zwei Jahre brauchen.
Wir möchten jedoch zunächst gerne erste Kontakte mit Ihrem Volk aufnehmen und wenn es sich für beide Seiten als nützlich erweist diesen Teil des Universums eventuell unter Ihrer Mithilfe katalogisieren.“
Auf dem konturlosen Gesicht von Palatiin zeichnete sich so etwas wie ein Lächeln ab und Karthofeen fuhr fort.

„Nun Captain, die Informationen Ihres wirklich sehr langen Vortrages haben auch uns neugierig auf Ihre Rasse und im besonderen auf Ihre Föderation gemacht.
Wir haben Ihre Prinzipien genau studiert und können Ihnen voller Freude mitteilen, dass der Kontakt mit unserem Volk nicht mehr nach Ihrer obersten Direktive erfolgen muss.
Wir haben inzwischen einen Entwicklungsstand erreicht, der eher geeignet ist, dass wir eine solche Einschränkung eingehen müssen.
Wir sehen jedoch auch die Tatsache, dass sich aus einer gegenseitigen Akzeptanz Vorteile für beide Kulturen ergeben können, welche die Entwicklung der einzelnen Völker positiv beeinflussen kann.
Ich bin sicher, Sie möchten die Verantwortungsbereiche meiner Berater kennenlernen, denn mit den Titeln, die wir Ihnen Anfangs nannten, konnte Ihr Übersetzungscomputer wahrscheinlich nichts anfangen.

Das hier...“ er deutete auf Trelluut, der sich leicht verneigte
„...ist unser Astovar, was auf Ihrem Schiff der Stellung als erster Offizier entspricht,
außerdem ist er Botschafter des dalerianischen Volkes für den Kontakt mit fremden Rassen.

Mein Berater rechts von mir...“ dabei wies er auf Palatiin, der ebenfalls eine kurze Verbeugung andeutete,
„...ist der Vestral unseres Schiffes.

In Ihrer Gemeinschaft würde man es als Kulturwissenschaftler bezeichnen. Gemeinsam haben wir Ihre Angaben mit großem Interesse verfolgt.“

Wikland blickte sich auf der Brücke um, alle Offiziere widmeten Ihre Aufmerksamkeit den Kontrollen, lediglich Roger van Dyke und Andy Duke, verfolgten das Gespräch auf dem Hauptschirm.
„Nun Alvat Karthofeen...“ begann Wikland
„...vielen Dank für diesen ersten Einblick in die Struktur und Handlungsweise Ihrer Crew.
Ich bin sicher, dass wir einen Konsens bezüglich unseres Weiterfluges ausarbeiten können, nun da wir die jeweils andere Seite ein wenig besser kennen gelernt haben.

Ich möchte Sie daher einladen, uns hier auf der ALEXANDRIA zu besuchen, damit wir weitere Einzelheiten besprechen können. Wir verfügen über die Technik eines ‘Ort zu Ort Transfers’ und könnten Sie ohne weitere Umstände an Bord holen.“, schlug Wikland vor.

Karthofeen beugte sich vor und kam der Kamera etwas näher. Auch bei dieser Perspektive waren auf seinem Gesicht keinerlei Konturen erkennbar.
„Das wird leider nicht möglich sein Captain, wir sind bedauerlicher Weise nicht für das Überleben außerhalb unserer Umweltbedingungen eingestellt.
Die Anpassung ist ein langer Prozeß, der nicht umkehrbar ist, und dem sich nur wenige unseres Volkes unterzogen haben um die Weiten außerhalb unseres Planeten zu erforschen.
Es wäre mit Ihrer Technik nicht möglich ein für uns passendes Umfeld zu schaffen und Ihre Techniker haben ohnehin sicher wichtigere Aufgaben zu erledigen.
Was Ihren Wunsch angeht, die Reise fortzusetzen so sind wir aufgrund der nunmehr vorliegenden Informationen geneigt, Ihrer Bitte zu entsprechen.
Wir möchten jedoch zuvor noch einige Fragen mit Ihnen klären.
Wir werden eine Liste übermitteln, die Sie dann in aller Ruhe bearbeiten können.“

Sermin, der an der Wissenschaftsstation stand nickte dem Captain zu, als die Daten im Schiffscomputer auftauchten und transferierte sie direkt zum Tischterminal im Bereitschaftsraum.

„Wir danken Ihnen Alvat Karthofeen, ich werde mich so bald wie möglich bei Ihnen melden.“ sagte Wikland.
Die Dalerianer senkten Ihre Köpfe zu einer kurzen Verbeugung, danach wurde die Verbindung getrennt.

„Anscheinend sind sie tatsächlich auf unseren Bluff hereingefallen.
Ich hatte schon befürchtet, dass Sie unsere Abwesenheit bemerkt hätten und uns jetzt mit Ihren übermächtigen Waffen und den enormen Energiereserven bis ans Ende des Universums jagen.“
bemerkte der Captain.
Er stand von seinem Stuhl auf und ging zum Bereitschaftsraum.

„Nummer Eins, Sie haben die Brücke. Behalten Sie Alarmstufe gelb bei, man weiß nie ob die es sich noch mal anders überlegen.“

Die Beantwortung der Fragen gestaltete sich weniger schwer als es sich Wikland vorgestellt hatte, sie betrafen hauptsächlich kulturelle Themen, die mit den Mitgliedswelten der Föderation zusammenhingen.
Nur zwei Fragen beschäftigten sich ganz am Rande mit Technik, und hier auch nur im Rahmen der medizinischen Anwendung.
Die wichtigste Frage die Wikland auf der Liste fand war diejenige, ob sich die Föderation einen dauerhaften Kontakt mit der dalerianischen Kultur vorstellen könne.

Die Antwort hierauf war für Wikland die einfachste von allen.
Nachdem er alle Antworten zusammengestellt hatte wies er Carah Pehl an, eine Verbindung zum Schiff der Dalerianer herzustellen und die Übertragung in seinen Raum zu legen.

Auf dem Wanddisplay erschien Karthofeen und blickte Wikland interessiert an.
In einem langen und offenen Gespräch, informierte Wikland den Captain des anderen Schiffes nochmals über alle Hintergründe und die Bereitschaft der Föderation mit neuen Welten in Kontakt zu treten.
Karthofeen, der nun alleine an dem großen Tisch saß blickte Wikland an, eine Emotion war auf dem glatten Kopf nicht erkennbar.
Auch die vier Hände, die auf dem Tisch lagen, zeigten keinerlei Regung als der Dalerianer mit seinem Erfahrungsaustausch zum Ende gekommen war und sich für die übertragenen Antworten bedankte.

„Wir haben beschlossen Ihnen den Weiterflug zu gewähren Captain Wikland.
Bitte richten Sie Ihrer Föderation aus, dass wir gerne bereit sind eine Delegation Ihrer Gemeinschaft zu begrüßen und unsere Beziehungen zu vertiefen.
Als Zeichen unserer Offenheit möchten wir Ihnen ein kleines Geschenk machen.
Wir werden Ihnen die astronomischen Daten dieses Raumsektors übertragen, so dass Sie keine Erkundungsmission abstellen müssen und Ihre Schiffe einen sicheren Weg zu uns finden können.
Über die Frage, inwieweit Ihre Handels- und Versorgungsschiffe unseren Raum durchfliegen dürfen werden wir nach Verhandlung mit den Repräsentanten Ihrer Föderation entscheiden.

Übrigens, Ich hoffe, Sie konnten Ihre Probleme auf Sakras 5 zufriedenstellend lösen und bedenken Sie künftig, dass nicht nur die abtastbare Technik etwas über die Fähigkeit des Gegenüber verrät.
Manche Dinge bleiben auch dem besten Sensor verborgen. Gute Reise Captain, ich hoffe wir werden uns bald wiedersehen.“
Nachdem Wikland sich ebenfalls verabschiedet hatte, wurde die Verbindung getrennt.

Der Captain ließ sich nach hinten in den Stuhl fallen und musste sich erst einmal sammeln, nachdem das Bild von Karthofeen vom Display verschwunden war.
Sie hatten es also die ganze Zeit gewusst, und dennoch hatten Sie nichts unternommen um gegen die ALEXANDRIA und ihre Crew vorzugehen.
Durch sein Fenster konnte er sehen wie die Sigortaan langsam wendete und dann beschleunigte,
bereits nach wenigen Sekunden war sie trotz ihrer Größe zu einem winzigen Punkt zusammengeschmolzen und ein kleiner Blitz im Dunkel des Alls verriet den Moment,
in dem die Beschleunigung die Lichtbarriere durchbrochen hatte.


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