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Trugbilder von Harald Latus

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Van Dyke aktivierte den Navigationscomputer und wählte die Daten der speziellen Waldregion aus.
Durch ein parameträres Programm hatte er die Sonden auf unterschiedliche Abstände und Flugbahnen programmiert und dann die Shuttlesimulationen gestartet, so dass es aussah, als ob ein ganzer Schwarm von Shuttles auf den Planeten zusteuerte.
Er beschleunigte und gleichzeitig zogen die anderen Shuttles mit. Bereits nach wenigen Minuten hatte er eine Position oberhalb der Waldregion erreicht.

Er ließ die Shuttlesimulationen ausschwärmen, so dass sie einen großen Kreis über dem Waldgebiet bildeten.
Diese Position hielt er für annähernd zwei Minuten.
Er wollte den Leuten die Möglichkeit geben seinen Köder zu schlucken und hoffte inständig, dass er sich in seiner Beurteilung nicht getäuscht hatte.
Das holographische Feld über der Siedlung war vollkommen intakt und es war nichts zu erkennen, dass auf eine Abwehrstation oder ähnliche Defensivwaffen hindeutete.
Roger aktivierte sein Kommunikationssystem und stellte eine Kreuzverbindung mit der ALEXANDRIA und der Frequenz her, die Holat Samas der Anführer der Separatisten kürzlich benutzt hatte.

Das Gesicht des Rebellenführers erschien auf dem kleinen Schirm im Shuttle.
Deutlich war zu erkennen, dass er sich dieses Mal nicht auf einem seiner Schiffe befand.

Die Energierelais im Hintergrund waren stationäre Geräte für den planetaren Einsatz und standen wahrscheinlich in einem Bunker oder irgendeiner anderen unterirdischen Einrichtung, da die Wände an vielen Stellen aus massivem Gestein bestanden und mit Energiewaffen in den Fels getrieben worden waren.
Der Anführer lächelte und fragte mit einem sarkastischen Unterton:

„Na Ihr Föderationsschwächlinge, wollt Ihr euch endlich ergeben.
Ich habe mir schon gedacht, dass Ihr noch um Gnade winseln werdet. Auch wenn Ihr eure Leute durch diesen miesen Trick wieder in Sicherheit gebracht habt, so haben wir doch die effektiveren Argumente.
Ihr könnt uns nicht besiegen.“

Van Dyke blickte fest auf den kleinen Kontrollschirm vor sich.
„Da wäre ich mir an Ihrer Stelle nicht ganz so sicher Samas.

Es steht nicht allzu gut um Ihre Flotte hier oben, aber das wissen Sie sicher selbst am besten. Ich erwarte, dass Sie Ihre Schiffe anweisen die Kampfhandlungen sofort einzustellen und dann werden Sie und alle Ihre Gefolgsleute aus Ihren Verstecken kommen und sich den Sicherheitskräften von Tironis und der Föderation stellen. Sie haben fünf Minuten Zeit.“

Holat Samas lachte lauthals auf und die Menge seiner Anhänger die sich hinter ihm versammelt hatte lachte ebenfalls mit.
„Wie? Sie wollen mir Befehle erteilen? Ich glaube Sie verkennen die Situation sie Föderations...was immer sie sind.“ Höhnte der Widerstandskämpfer.

„Mein Name ist Roger van Dyke und ich bin Commander der Sternenflotte zurzeit tätig als Erster Offizier auf der U.S.S. ALEXANDRIA,
Sie hatten mir leider keine Gelegenheit gegeben mich vorzustellen.
Um nun Klarzustellen wer sich hier im Irrtum befindet,
möchte ich Sie bitten, Ihre Scanner einmal auf Ihr sorgfältig getarntes Tal zu richten, in dem Sie Ihre Familien und Freunde untergebracht haben.
Ja, wir haben es gefunden und es war gar nicht so schwer wie Sie uns glauben machen wollten.“

Das Gelächter um Samas verstummte abrupt.
Mit einer schnellen Handbewegung bedeutete er einem seiner Leute diese Nachricht zu verifizieren.
Er sah plötzlich verstört und gar nicht mehr so selbstsicher aus.
In seinen Augen konnte man die aufkommende Sorge und die Wut erkennen, die sich in seinem Körper breit machte.

Als der Mann am Sensorplatz Holat Samas zunickte fuhr van Dyke fort.

„So, nachdem Sie sich jetzt von der Richtigkeit meiner Angaben überzeugt haben erwarte ich dass Sie Ihre Befehle geben,
oder ich werde mit diesen über 1500 Mann in Ihrem kleinen Paradies landen und jeden und alles über den Haufen schießen, was uns vor die Phaser läuft.“

„Das können Sie nicht tun...“ brüllte Holat Samas in die Kom-Verbindung.
Er stützte sich auf dem Pult auf und kam mit seinem Gesicht bedenklich nahe an die Kamera
„...das sind alles unschuldige Personen ohne Waffen und völlig schutzlos.“

Van Dyke konnte die Ignoranz des Rebellen kaum fassen.
„Das waren die Kinder der Stadtschule und die Kranken in der Klinik von Tironis auch, aber das hat Sie ja scheinbar überhaupt nicht interessiert.
Sie haben nicht einmal Ihr eigenes Ultimatum eingehalten.
Wissen Sie was, Sie haben Recht. Wieso soll ich überhaupt noch warten, bringen wir’s doch lieber gleich hinter uns.“

Damit tippte er auf die Steuerkonsole und langsam glitten die Shuttles immer tiefer in die Atmosphäre. Jetzt kam es darauf an, dass der Rebellenführer schnell nachgab, sonst würde Rogers Schwindel bald auffliegen.
In der dichteren Atmosphäre waren die Sonden nicht mehr richtungsstabil und nur noch schwer unter Kontrolle zu halten.

Die Rebellen hatten die Audio Übertragung stummgeschaltet.
Van Dyke sah, wie die Helfer von Samas wild an den Konsolen und den anderen technischen Einrichtungen hantierten.
Samas sprach mit einem seiner Leute und es sah nach einem heftigen Wortgefecht aus.
Die beiden liefen ständig hin und her, und der Rebellenführer machte mehrfach abweisende Handbewegungen und deutete dann auf den Übertragungsschirm, wobei er heftig auf seinen Gefolgsmann einredete.
Schließlich schüttelte er den Kopf, kam wieder ans Pult und öffnete den Audiokanal wieder.

„Warten Sie! Welche Garantien können Sie uns geben, dass keinem meiner Leute oder unserern Familien ein Haar gekrümmt wird?“, sprach Samas in immer noch forderndem Ton in die Kom-Verbindung.
Van Dyke setzte sein bestes Pokerface auf und antwortete:
„In diesem Spiel gibt es keine Garantien. Diese Regel haben Sie selbst aufgestellt.
Aber wenn es Sie beruhigt, die Sternenflotte ist normalerweise nicht daran interessiert Konflikte auf militärische Art zu lösen.
Diesen Angriff hier haben Sie sich selbst zuzuschreiben. Grundsätzlich versuchen wir solche Probleme auf diplomatischem Wege in den Griff zu bekommen.
Wir versichern Ihnen, dass wir eine diplomatische Delegation abstellen, die zwischen Ihrer Gruppe und der aktuellen Regierung, rechtmäßig oder nicht, vermittelt.
Die Regierung von Sakras 5 hat uns einen Einblick in die letzten Dekaden Ihres Planeten gewährt und wir konnten feststellen, dass keinerlei Gewaltbereitschaft in der Bevölkerung zu erkennen war.
Sie und Ihre Leute werden sich allerdings den geltenden Gesetzen auf Ihrem Planeten unterwerfen müssen, auf diese Entscheidungfindung haben wir dann keinen Einfluss.
Ich kann Ihnen nur raten hier und jetzt einen Schlussstrich zu ziehen und endlich wieder für eine friedliche Zukunft zu arbeiten.
Und eines weiß ich aus Erfahrung.
Miteinander geht es viel leichter als gegeneinander.“

Für einige Minuten war noch immer der ratlose Gesichtsausdruck von Holat Samas auf dem Bild zu sehen. Dann hatte er sich entschieden.
Auf der Kom-Verbindung waren einige Anweisungen in alt Sakranianisch zu hören, die an die Schiffe der Flotte und die äußeren Sammelstellen der Untergrundbewegung gerichtet waren.

„Commander van Dyke, Wikland hier. Der Rebellenverband hat die Kampfhandlungen eingestellt.“
Van Dyke atmete tief durch, das war knapp. Er stabilisierte die Sonden erneut und versetzte sie dabei in langsamen Steigflug, so dass Sie über dem Gebiet kreisten.

„Captain weisen Sie die Station Merlin an, dass Sie alle verfügbaren Sicherheitsleute sowie die Sicherheitskräfte aus Tironis zu den entsprechenden Koordinaten beamt, die Holat Samas durchgibt.

Ich schlage vor, dass alle Mitglieder der Untergrundbewegung in Gewahrsam genommen und entwaffnet werden.
Danach sollten alle zunächst einmal in das Waldgebiet transportiert werden. Wir können Sie dort zusammen mit Ihren Familien und Bekannten mit einem Sicherheitsfeld der Stufe 4 festsetzen.“

Der Captain nickte und van Dyke konnte den kämpferischen Ausdruck in seinen Augen noch immer deutlich wahrnehmen.
Er war sich sicher, der Captain hätte bis zum bitteren Ende gekämpft und die Rebellenflotte mit Sicherheit bis aufs letzte Schiff vernichtet.
Roger schaltete auf eine sichere Verbindung zur ALEXANDRIA um und setzte seine Unterhaltung fort:

„Captain, wenn Sie die Shuttles und Runabouts eingeschleust haben sollten Sie dafür sorgen, dass Sie eine Ablösung mit möglichst vielen Schiffen hierher beordern, damit ich den geordneten Rückzug antreten kann, ohne dass unser kleiner Schwindel auffällt.“
Der Captain richtete sich in seinem Stuhl auf und erwiderte dann:
„In Ordnung Nummer eins, sobald wir soweit sind lassen wir die Ablösung starten, bis dahin viel Glück, Wikland Ende.“

Damit brach die Verbindung ab und van Dyke war wieder allein.
Er richtete seine Scanner und Bildabtaster auf den Mond und betrachtete den angerichteten Schaden.
Überall waren Trümmerteile zu sehen und viele der Raumschiffe hingen in grotesken Winkeln im All.
Die Kreuzer und Großraumschiffe zeigten überall Brände die auf austretendes Gas zurückzuführen waren.

Lediglich zwei Schiffe verließen den Kampfschauplatz mit langsamer Geschwindigkeit und ließen die ALEXANDRIA in einem großen Trümmerfeld zurück.

* * *

Holat Samas und seine wichtigsten Gefolgsleute waren direkt nach ihrer Festnahme auf die ALEXANDRIA gebracht worden
und es hatten unter der Leitung von Captain Wikland und Commander Nicolai Graves Gespräche zwischen den Rebellen und dem zentralen Rat stattgefunden.
Da beide Parteien sehr voneinander eingenommen waren hatte es einiger Geduld bedurft die jeweiligen Forderungen zu sondieren und eine klare Linie in die Gespräche zu bringen.

Nach einem Verhandlungmarathon von 21 Stunden konnte dann endlich eine für alle Seiten akzeptable Lösung erarbeitet werden.
Man beschloss dieses Ergebnis schon am nächsten Tag auf Sakras 5 bekannt zu geben um weiteren Unruhen vorzubeugen.

Das Parlamentsgebäude in Tironis war zwar von den Angriffen verschont geblieben, aber es lagen überall in den Gängen und Büroräumen Verletzte auf notdürftig hergerichteten Tragen die ärztlich versorgt wurden, da das Krankenhaus in Schutt und Asche lag.

Wikland und van Dyke folgten den Mitgliedern des zentralen Rates in den großen Sitzungssaal, in dem die Politiker sich zusammengefunden hatten.
Auch Commander Nicolai Graves mit seinem Stab war von der Raumstation Merlin heruntergebeamt und hatte die drei Crewmitglieder der ALEXANDRIA gleich mitgebracht, die während des Kampfes aus den verborgenen Höhlen der Separatisten gerettet worden waren.
David Robinson schaute dem Captain ins Gesicht und hatte dabei einen gleichgültigen Ausdruck in seinen Augen.

Er hatte ohnehin entschieden die ALEXANDRIA zu verlassen, und eine eventuelle negative Beurteilung von Wikland störte ihn nicht sonderlich. Sein Leben hatte ihm schon weitaus schwerere Situationen aufgegeben.

Nachdem Erek Kanor und Timor Ballat das Podium als letzte betreten und sich gesetzt hatten trat Stille ein.
Erek Kanor stand nun auf und trat in den Kreis, der auf dem Podium von einem Deckenscheinwerfer gebildet wurde und richtete sich an die Anwesenden.

„Liebe Freunde, durch die Hilfe der Föderation sind wir jetzt wieder in der glücklichen Situation, dass wir unsere alltäglichen Pflichten wahrnehmen können ohne um uns oder unsere Kinder zu fürchten.
Man hat für uns gekämpft und uns den Frieden zurückgegeben.
Ein wahrlich großes Geschenk, welches es zu bewahren gilt.
Es zeigt, dass wir den richtigen Leuten unser vertrauen geschenkt haben.
Auch wenn es für einige von uns bedeutet, dass in manchen Situationen das Beharren auf dem eigenen Standpunkt und das zugesicherte Recht nicht im Vordergrund stehen dürfen.
Unser Dank gilt Captain Jan Erik Wikland und seiner tapferen Crew und unsere Gedanken sind bei jenen, gleich auf welcher seite sie standen, welche diesen Tag nicht mehr erleben durften und nun hoffentlich an einem besseren Ort weilen...“

Wikland, der sich bei solchen Anlässen immer unwohl fühlte blickte sich um.
Links neben Ihm saßen Avallia Sen und Simas die beiden Frauen des Rates, die in den letzten Tagen auf der ALEXANDRIA gelebt hatten.
Van Dyke, der rechts von ihm Platz genommen hatte verfolgte gespannt den Vortrag des Präsidenten, der in ausschweifenden Worten die Handlungen der vergangenen Tage Revue passieren ließ und dabei staunende Gesichter erzeugte.
Plötzlich öffnete sich eine Tür und der Anführer der Rebellen Holat Samas wurde begleitet durch zwei Sicherheitskräfte der Stadtpolizei hereingeführt.

Er sah überraschend sauber aus und machte nicht mehr den verwahrlosten Eindruck, den man noch von den ersten Begegnungen kannte.
Ein wesentlicher Grund hierfür war das perfekt sitzende Gewand des zentralen Rates, in dem er wie ein waschechter Politiker aussah.

Ein Raunen ging durch die Menge und einige der Delegierten unterhielten sich leise hinter vorgehaltener Hand.
Samas betrat das Podium und ihm wurde bedeutet neben Erek Kanor stehenzubleiben.
Dieser war in seinen Beschreibungen an einem wichtigen Punkt angekommen und machte eine kurze Pause.

Dann ergriff er erneut das Wort.
„Nach eingehenden Beratungen haben wir beschlossen, Holat Samas als vollwertiges Mitglied in den derzeitigen zentralen Rat aufzunehmen.
Gemeinsam mit mir wird er die Menschen unseres Planeten führen.
Wir haben uns zu diesem Schritt entschlossen um allen Sympathisanten der Rebellen zu verdeutlichen, dass Ihre Wünsche in der derzeitigen Regierung eine ebensostarke Stimme haben, wie die Wünsche aller anderen Regierungsformen.
Wir verbinden damit die gemeinsame Hoffnung, dass eine solche Situation auf unserer Welt nie wieder entstehen möge.“

Nachdem der Präsident geendet hatte, herrschte im Raum eine unheimliche Stille.
Anscheinend wusste keiner so genau ob er sich über den gefundenen Kompromiss freuen oder ihn verteufeln sollte.
Dann trat Holat Samas in den Lichtkreis und richtete sich an die Zuhörer:

„Unser Ziel war anfangs klar umrissen. Die Nichtbeachtung unserer Interessen und die klare Weigerung des Rates den bestehenden Entschluss rückgängig zu machen, führte in unserem Staatssytem zu großer Unzufriedenheit.
Die Proteste und friedlichen Aktionen zeigten keine Wirkung und so fanden sich mit der Zeit immer mehr Leute zusammen, die unsere berechtigten Wünsche auf andere Weise durchsetzen wollten.
Wir haben nie in Frage gestellt, ob das was wir tun unrechtmäßig ist, wir haben immer nur die Vorgehensweise der Anderen verurteilt.
Mit der Zeit wurden unsere Aktionen immer härter, um das gewünschte Aufsehen zu erregen. Zum Schluss hat keiner mehr nach Menschenleben oder verloren gegangenen Werten unserer Kultur gefragt.

Hätte die Sternenflotte uns nicht zu einem Kompromiss gezwungen, wir hätten womöglich noch die nächsten 40 Jahre weitergemacht.
Wir hatten niemals in Erwägung gezogen mit dem zentralen Rat zu verhandeln, und doch mussten beide Seiten von der Föderation lernen, dass das Wohl von vielen mehr wiegt als die Wünsche oder Ängste von wenigen oder eines Einzelnen.

Unter Vermittlung unserer Gäste haben wir den von Erek Kanor beschriebenen Beschluss gefasst und ich versichere an dieser Stelle, dass ich alles in meiner Macht stehende tun werde um die Wünsche unseres Volkes, gleich aus welchem rechtsstaatlichen System sie kommen mögen, zu verwirklichen.
Ich appelliere an dieser Stelle auch an meine treuen Gefolgsleute diese Entscheidung anzuerkennen und bin gerne bereit jede Stimme zu hören die ein berechtigtes Anliegen vorträgt. Danke.“

Damit trat Samas wieder zurück und der Präsident betrat erneut den Lichtkreis um die Details dieses Abkommens näher zu erläutern.
Es dauerte annähernd eine Stunde bis der Präsident seine Ausführungen beendet hatte und die anderen Mitglieder des Rates ihren Kommentar abgegeben hatten.
Avallia Sen hatte sich leidenschaftlich für die künftige Zusammenarbeit stark gemacht und sich ebenfalls mit einem vielsagenden Blick bei der Föderation und im Besonderen bei Captain Wikland bedankt.

Nun war es an der Zeit für den Captain einige Worte an die Delegierten zu richten.
Er verließ seinen Platz am Rand des Podiums und trat in den hellen Lichtkreis.
Obwohl das von oben kommende Licht sehr hell war strahlte es zu seiner Überraschung gar keine Wärme aus.
Wikland räusperte sich kurz, er hatte lange überlegt was er den Mitgliedern des Parlaments sagen wollte und hatte sich dann für ein nur kurzes Statement entschieden.

„Eure Exzellenzen, werte Mitglieder des Rates und Abgeordnete.
Die Föderation ist seit einigen Jahren ein stiller Begleiter und aufmerksamer Beobachter Ihrer Welt.
Mit Anerkennung haben wir den Fortschritt Ihrer Rasse und die Entwicklung Ihrer Kultur zur Kenntnis genommen und haben mit Besorgnis die Auswirkungen dieses Konfliktes in Ihrer Welt verfolgt.
Umso mehr freuen wir uns, dass es, wenn auch unter großen Opfern auf allen Seiten, nunmehr zu einem Frieden gekommen ist, der seinen Wert sicher bald unter Beweis stellen wird.

Wir sind gerne bereit Ihre Bitte um Aufnahme in die Föderation, unserer Regierung und dem Föderationsrat erneut zu unterbreiten.
Wir kamen um unseren Freunden und den Angehörigen unserer Gemeinschaft in einer Notlage zu helfen und sahen uns aufgrund der aktuellen Geschehnisse auf Sakras 5 veranlasst, entgegen unseren eindeutigen Befehlen zur Nichteinmischung für eine Seite Partei zu ergreifen um größeren Schaden abzuwenden.

Wenn wir, die wir an Ihrer Seite die Krise mit durchlebt haben nun wieder unseren Weg aufnehmen und die uns auferlegten Aufgaben durchführen, so ist dies kein Abschied für immer.
Auf Sakras 5 haben wir einen Ort gefunden, den wir in unserer Kultur als Paradies bezeichnen und wir versprechen, wann immer es unser Weg und unsere Zeit zulassen, Sie hier zu besuchen.

In der Zwischenzeit werden unsere Kollegen von der Station Merlin den Kontakt zu Ihnen intensivieren und Sie bei Ihren Gesprächen mit der Föderation unterstützen.“

Nachdem der Captain geendet hatte brandete Applaus in der großen Halle auf, der allen Beteiligten gleichermaßen galt.
Die Menge erhob sich von ihren Plätzen und alle drängten nach vorne zum Podium und umringten die Würdenträger.
Holat Samas wurde noch immer mit Skepsis und offenem Misstrauen bedacht und man konnte Ihm ansehen, dass er in seiner neuen Rolle als Mitglied des Rates seine Emotionen nur schwer unter Kontrolle halten konnte.
Seine Augen strahlten noch immer diesen Kampfeswillen aus und bei jedem zweifelnden Wort das von den Delegierten an ihn gerichtet wurde, blitzten sie kurz auf und verrieten den starken Willen und die Energie, die Samas zum Führer der Untergrundbewegung werden ließen.

Die Kathedrale der Vereinigung war der einzige Raum, der die vielen hundert Ehrengäste aufnehmen konnte, die zum Galadinner gekommen waren.
Sie war im Inneren liebevoll geschmückt und an einer Seite nahe dem Altar war eine Tafel aufgestellt, welche die Namen all derer enthielt die im Verlauf der Krise der letzten Tage ihr Leben gelassen hatten.

Ganz im Stil des gefundenen Kompromisses hatte man die Namen aller Verstorbenen, gleich von wo sie kamen, alphabetisch aufgelistet und so standen die Namen der Rebellen mitten zwischen den Kindern und Kranken, die in Tironis umgekommen waren.

Die Feierlichkeiten dauerten bis tief in die Nacht. Alle Crewmitglieder die von der ALEXANDRIA teilnahmen, wurden von den Bewohnern von Sakras 5 wie Helden verehrt und gefeiert.
Selbst van Dyke konnte sich nicht vor dem Ansturm der vielen Gratulanten retten und den Angehörigen der Sternenflotte war diese Art von Verehrung schon viel zuviel.
War es doch in der Föderation üblich, sich bei aller Leistung die erbracht wurde, stets im Hintergrund zu halten und gerade bei anderen Völkern keine Überlegenheit zur Schau zu stellen.

Van Dyke, der sich bei solchen Gelegenheiten eher in eine ruhige Ecke zurückzog und den ganzen Trubel mit etwas Abstand betrachtete fühlte sich erdrückt.
Den ganzen Tag musste er schon Hände schütteln, Schulterklopfen und einige sakranianische Dankesrituale über sich ergehen lassen.
Er sehnte sich nur noch nach seinem Quartier um seinem ausgelaugten Körper ein wenig Ruhe zu gönnen.
Aber sein hilfesuchender Blick zu Wikland wurde mit einem kurzen Kopfschütteln quittiert, was bedeutete, dass auch er bis zum Ende bleiben musste.

Erst am frühen Morgen, als die Dämmerung den neuen Tag bereits ankündigte kamen die letzten Feierlichkeiten zum Ende.
Müde und leicht derangiert verließen die einheimischen Gäste die Kathedrale und machten sich auf den Weg zu Ihren Unterkünften.

Wikland, van Dyke und zwanzig weitere Mitglieder der ALEXANDRIA traten ins Freie und atmeten die frische Morgenluft ein.
Nach einigen Minuten sammelten sie sich, aktivierten die Kommunikationsverbindung mit dem Schiff und in einem leichten hellblauen Glühen, welches sich immer mehr verstärkte lösten sich die Körper auf und verschwanden.

Das Summen verklang und zurück blieb ein Planet, der einen neuen Anfang gemacht hatte.


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