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Trugbilder von Harald Latus

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„Commander, wie weit sind Sie mit den Vorbereitungen für den Start? Sie wissen, wir werden dringend erwartet.“
Der Captain, der gerade die Brücke betreten hatte sah van Dyke mit ernstem Blick an und wartete auf die Antwort.
„Sir, das Schiff ist voll einsatzbereit, die Kursdaten wurden in den Navigationscomputer übertragen und die gesamte Mannschaft ist bereits auf ihrem Posten. Wenn Sie wollen, können wir sofort starten.“

Der Captain ließ sich auf seinem Platz nieder.
Ein Gefühl der Vertrautheit machte sich in seinem Inneren breit.
Man konnte es sich vorstellen als wenn man sich in ein Bad mit angenehm temperiertem Wasser gleiten lässt und das Wohlbehagen einen umgibt, nur dieses Gefühl hier war viel stärker.
An diesem Platz fühlte er sich mit dem Schiff regelrecht verbunden, eine Einheit bildend und meinte dass seine eigenen Sinne die gesamte Struktur des Schiffes umfassten und förmlich die Hülle der ALEXANDRIA seine zweite Haut sei.

„Brücke an Maschinenraum, Lt. Commander Jefferson wie ist der Status unseres Antriebs?“
Die Antwort kam umgehend.
„Jefferson hier, Captain ich habe Commander van Dyke bereits vor einer Stunde berichtet, dass wir über volle Energie verfügen.
Die Warpgondel scheint wie für uns gemacht.
Alle Systeme laufen auf bestmöglichem Wirkungsgrad.“, tönte die Stimme aus dem Audiosystem.
Wikland blickte zufrieden nach vorn, ohne van Dyke mit einem Blick zu würdigen.

„Dann wollen wir uns mal auf den Weg machen.
Commander K’Orak, berechnen Sie den bestmöglichen Detailkurs um die Sternenhaufen und Cluster zu meiden.
Achten Sie auf Protosterne und Pulsare, wir wollen unsere neuen Bauteile nicht gleich wieder in die Reparatur schicken.“
Der Klingone schaute zu Captain Wikland und bestätigte mit einem Kopfnicken, dass er die Anweisung verstanden hatte.
Wer jedoch eine Meldung im Sinne von „Aye, Sir“ erwartet hatte wurde zumindest in diesem Moment enttäuscht. K’Orak wandte sich seinen Kontrollen zu und war für die nächsten Stunden weder ansprechbar noch am Austausch von Meinungen und Worten interessiert.

„Lieutenant Ramirez, verlassen Sie den Orbit um Sternenbasis 491 mit einem viertel Impuls und setzen Sie Kurs eins, eins, fünf, komma zwei, vier, neun“.
Die Stimme des Captains schien einen Hauch von Abenteuer zu verbreiten. Sie klang fest, fordernd, klar und hatte einen kleinen Anflug von Euphorie.
Es ging wieder hinaus und man hatte nicht den einfachen Weg gewählt sondern denjenigen der den Idealen der Sternenflotte entsprach. Der schwere Weg, der noch Geheimnisse und Herausforderung für die Entschlossenen bereithielt.

„Captain wir haben den Orbit verlassen, Kurs liegt an.“
Ramirez wartete auf weitere Anweisungen.
Die Brücke knisterte vor Spannung, jeder konzentrierte sich auf seine Aufgabe. Nur das Piepen der Kontrollen und das monotone leise Brummen der Maschinen war zu hören.
Alle schauten gespannt auf den Hauptschirm, von dem gerade die Raumstation verschwunden war und der jetzt das weite Weltall zeigte.

Auf der linken Seite war der Halatan Nebel zu sehen, der mit seinem farbenprächtigen Lichtspiel einen Abschiedsgruß zu geben schien.
„Ramirez, wir gehen auf Warp 9!“
Die Stimme des Captains durchschnitt die Stille auf der Brücke.
„Aye Sir, Warp 9 bereit“, antwortete Ramirez von der Conn Station.

„Und Los!“
Wikland sprach diese Worte mit einer Energie aus, als könnte er allein durch diese zwei Worte das Schiff durch ein ganzes Sonnensystem schleudern.
Im selben Moment bildeten sich auf dem Hauptschirm lange Striche und es zeigten sich die vorbeirasenden Warpsterne, die bei diesen Geschwindigkeiten typisch waren.
Roger van Dyke hatte rechts neben dem Captain Platz genommen und prüfte die Sensorenwerte und Flugdaten an dem Terminal neben sich. Er hatte die Situation richtig eingeschätzt. Der Captain vertraute ihm noch nicht völlig.

Er hatte seinen Bericht zwar entgegengenommen, es aber nicht ausgelassen, sich selbst noch einmal zu vergewissern, ob wirklich alles in Ordnung war.

Van Dyke der einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit hatte und sich über ein solches Verhalten ärgerte, war jedoch klug genug diese Situation nicht vor versammelter Crew zu diskutieren und Captain Wikland, der sich bereits innerlich auf eine entsprechende Reaktion vorbereitet hatte entspannte sich wieder, als er feststellte, dass van Dyke keine Anstalten machte mit ihm darüber zu diskutieren.

Aber aufgeschoben war nicht aufgehoben soviel war klar.
Van Dyke würde seine Meinung deutlich machen und er war fest entschlossen, dies zu tun um seinen Standpunkt klar zu machen und die Fronten zwischen sich und dem Captain zu klären.
Auch er hatte schon eine lange Dienstzeit vor sich und war sicherlich nicht von alleine zum Commander geworden. Man durfte also auf seine Aussagen ruhig vertrauen.

Die folgenden zwei Tage waren angefüllt mit geschäftiger Betriebsamkeit auf dem ganzen Schiff, aber dennoch frei von jeder Hektik.
Nachdem alle Systeme auf der Sternenbasis repariert worden und die darauf folgenden Freischichten abgefeiert waren,
hatte der Dienstplan wieder einen gleichmäßigeren Rhythmus angenommen.
Alles verlief in geordneten Bahnen, während die ALEXANDRIA die Leere des Alls mit Warp neun durchschnitt.
Roger van Dyke gab sich alle Mühe die ihm übertragenen Aufgaben korrekt und effizient zu bewältigen und konnte seine Berichte oft schon bereitlegen, bevor der Captain danach verlangte.

Gemeinsam mit Cmdr. K’Orak hatte er die Analyse der Sternencluster durchgeführt und zusammen mit Lieutenant Ramirez den bestmöglichen Ausweichkurs für einen Protostern berechnet, der in der Nähe eines Zwillingssterns durch die dort herrschenden Neutrinowerte beinahe zu spät entdeckt worden wäre.
Auch den anderen Crewmitgliedern auf der Brücke fiel auf, dass van Dyke alles tat um bei Captain Wikland einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Sie arbeiteten wie selbstverständlich mit ihm an gemeinsamen Aufgaben, blieben aber immer auf Distanz.

Andy Duke der zweite Offizier und Ran Byrell waren jedoch der Ansicht, dass er eine Spur zu weit ging und werteten seine überaus korrekte Art und seinen extremen Einsatz als Streberei.

Als Roger van Dyke an diesem Abend in sein Quartier kam war er ausgelaugt von der ständigen Konzentration und dem langen Dienst.
Aber dennoch hatte er eine gewisse Unrast in sich, er überlegte, ob er sich im Holodeck noch ein paar Übungsstunden im Kampfsporttraining gönnen sollte, entschied dann aber, dass ihm dazu wohl die nötige Aufmerksamkeit fehlte.
Egal wohin er blickte, heute war ihm selbst dieser großzügig bemessene Raum einfach zu eng.

Er nahm ein kurzes Duschbad bei dem er die angenehme Temperatur als überaus erfrischend empfand.
Die Duschen mit Wasser standen selbst auf einem so großen Föderationsschiff nur den Mitgliedern der Führungsebene zur Verfügung, der Rest der Mannschaft musste sich mit Ultraschallduschen begnügen.
Roger beschloss anschließend in die Bar Lookout auf Deck neun zu gehen, die er noch nicht gesehen hatte.
Die Bar war gut besucht und in der halbrunden Sitzecke hatten sich wieder Andy Duke, Alisha und Carah Pehl zusammengesetzt und unterhielten sich angeregt.
Einige taxierende Blicke trafen auf van Dyke, der sich an die Theke begab und auf einem freien Platz neben David Robinson niederließ.

Er bestellte einen Drink und drehte sich auf seinem Hocker um.
„Hatten Sie es auch so schwer, als Sie ihren Dienst auf diesem Schiff angetreten haben?“, fragte er David Robinson, der locker auf seinem Barhocker saß, sich mit den Ellbogen nach hinten auf der Barkante abstützte und in den Raum blickte.

„Ehrlich gesagt, nein.
Aber ich bin auch nicht unter solchen Umständen an Bord dieses Schiffes gekommen wie Sie. Ich muss allerdings zugeben, dass ich an Ihrer Situation nicht unschuldig bin.

Schließlich habe ich Sie von ihrer alten Position hierher auf die ALEXANDRIA versetzen lassen ohne dem Captain auch nur ein Sterbenswörtchen davon zu sagen.“
David Robinson griff nach seinem Glas, nahm einen kräftigen Zug und blickte nach vorn auf das Sternenpanorama dass ihnen entgegenflog.

„Wie können Sie sich eigentlich über die Befehlskette des Captains, der Admiralität, ja sogar der ganzen Sternenflotte hinwegsetzen?
Einen Offizier kann man nicht so einfach abziehen und irgendwohin versetzen.“

Roger van Dyke blickte den neben ihm sitzenden Robinson fragend an.
„Oh, Sie glauben gar nicht was so alles in der Sternenflotte geht. Sagen wir einmal, ich bin der Ansicht, dass Ihr Talent auf der U.S.S. Lexington verschwendet wäre.
Auf diesem alten Kutter wären Sie die nächsten Jahre sicher nur versauert.
Der Captain ist ein feister fauler Sack und nur an seinen persönlichen Interessen orientiert.
Der wusste nicht einmal was er an Ihnen hatte. Er hat Sie ohne weitere Nachfragen einfach gehen lassen.“

David Alexander setzte seinen besten Gesichtsausdruck auf,
diesen -Ich habe es doch gewusst- Blick hatte er jahrelang geübt und er verfehlte auch heute seine Wirkung nicht.

Van Dyke war verwirrt.
Er überlegte, wie ihn der Offizier eines Raumschiffes einschätzen konnte, den er noch nie gesehen hatte, und wie Robinson über seine Fähigkeiten, Leistungen und Kenntnisse Bescheid wissen konnte.
Diese Informationen waren üblicherweise Verschlusssachen, an die man nicht ohne umfangreiche Beziehungen herankam.
Im Übrigen erstaunte es ihn, dass ein Offizier der Sternenflotte so abfällig über eins der Flottenschiffe sprach,
das ebenfalls zur Nebula Klasse zählte und von der Bezeichnung als alter Kutter ebenso weit entfernt war wie Risa vom bajoranischen Wurmloch.

„Wie Ihnen vielleicht schon bei unserem ersten Zusammentreffen in Captain Wiklands Bereitschaftsraum aufgefallen ist, lege ich die Regeln der Flotte ab und an mal nach meinem Gutdünken aus.
Ich nutze manchmal meine Kontakte bei der Sternenflotte, wenn ich meinen weiteren Lebensweg verändern will, oder bestimmte Probleme lösen möchte.
Kennen Sie Admiral Henry Blackwood?“
Van Dyke schüttelte langsam den Kopf,

„Nein, ich weiß nur, dass er der Chef des Geheimdienstes der Föderation ist, aber ich hatte noch nicht das Vergnügen Ihm zu begegnen.“
David Robinson nahm einen weiteren Schluck aus seinem Glas und drehte seinen Kopf langsam zu van Dyke um.
„Nun, sagen wir mal, er ist ein alter Freund, den ich von der Sternenflotten-Akademie kenne. Wir haben in unserer Sturm- und Drangzeit einige brenzlige Situationen gemeinsam gemeistert und sind uns gegenseitig ein paar Gefallen schuldig.
Einen winzig kleinen davon habe ich nun genutzt um Sie hierher zu holen.

Ich möchte, dass Sie alles für den Captain und das Schiff geben, denn wenn ich meine neue Aufgabe übernehme, dann braucht der Captain jemanden, auf den er sich verlassen kann.
Sie sind dazu in der Lage, ich weiß genau, was sie drauf haben, und mich können Sie mit Ihrer ruhigen Fassade nicht täuschen.“

Van Dyke überlegte, ob sich Robinson in seiner großspurigen Art nur wieder weiter profilieren wollte, oder ob er tatsächlich über derartig wichtige und unbestreitbar nützliche Verbindungen verfügte.
Robinson sah van Dyke an, der ruhig auf seinem Stuhl saß und das gehörte noch immer analysierte.
„Ich glaube sie rätseln immer noch ob das alles stimmt, nicht wahr Mr. van Dyke?
Nun, wenn dem so ist, dann sollte ich Ihnen vielleicht eine einfache Frage stellen.

Haben Sie die Unterkünfte auf LV-426 vor zwei Jahren auch als so ungastlich empfunden wie es von den anderen Absolventen dieser Einrichtung hinter vorgehaltener Hand behauptet wird?“
Roger van Dyke zuckte ganz kurz mit dem linken Auge, aber es reichte damit Robinson es bemerken konnte.

„Tut mir leid, ich kann Ihnen nicht folgen...“, sagte Roger zu Robinson, „...wie Sie wissen hatte ich einen schweren Unfall und lag zu dieser Zeit im tiefen Koma“

David Robinson richtete sich auf und trank sein Glas leer.
„Oh sicher, wie konnte ich das nur verwechseln, bitte entschuldigen Sie.
Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Abend.“

Damit erhob Robinson sich, grüßte die Kollegen in der halbrunden Sitzecke, die noch immer in Ihr Gespräch vertieft waren und verließ die Bar durch den Backbordausgang.

* * *

Captain Wikland saß in seinem Quartier und sah auf das Display seines Tischcomputers.

Die Darstellung zeigte die persönliche Akte von Roger van Dyke, seinem neuen ersten Offizier.
Er bedauerte, dass er erst jetzt über genügend Informationen verfügte um seinen neuen Offizier korrekt einschätzen zu können.
Die Daten gaben Aufschluss über den Lebensweg und die Karriere bei der Sternenflotte.
Wie er es befürchtet hatte, war die Hauptakte angefüllt mit Auszeichnungen bezüglich der Leistungen von van Dyke.
Alle Testergebnisse, die zugegebener Weise schon beachtlich waren, enthielten lobende Bemerkungen und erstklassige Benotungen.

Bemerkenswert war allerdings, dass van Dyke viele Möglichkeiten der Beförderung ausgelassen hatte oder sogar schriftlich darum gebeten hatte derartige Einträge zu löschen.
Nach mehreren Seiten der einzelnen Diensteintragungen und Schiffszugehörigkeiten kam ein kurzer Eintrag der Medizinischen Division der Sternenflotte, in welchem der Unfall und das 18 Monatige Koma beschrieben war.

In knappen Worten wurde geschildert, dass im zentralen Hospital des Sternenflottenhauptquartieres alle Versuche, das Koma auf herkömmliche Weise zu beenden, fehlgeschlagen waren.
Ebenso hatten alle chemischen Mittel versagt und es blieb nur die Möglichkeit auf eigenständiges Erwachen zu hoffen, welches dann auch ohne vorherige Änderung seines Zustandes ganz unerwartet eintrat.

Unterzeichnet war der Bericht von Admiral Walter Bennings, einem Arzt der Sternenflotte, der auf dem Gebiet der Komaforschung zu den Besten der Föderation zählte.
Er selbst hatte Roger van Dyke die gesamte Zeit über betreut und jeden Eingriff, der das Koma beenden sollte durchgeführt.
Danach kamen lediglich noch die Eintragungen über die Wiederaufnahme seines Dienstes und die Versetzung zur U.S.S. Lexington.
Wikland war ermüdet vom Studium der Daten, die nur wenig geeignet waren um ein reelles Bild zu zeichnen.

Er trat an den Replikator um sich eine Erfrischung zu gönnen.
Als alter Fan von klassischen Erfrischungsgetränken überlegte er kurz und gab dann seinen Wunsch an den Computer weiter:

„Eine Coca Cola Classic Light 2000, gekühlt auf 4 Grad Plus.“
Kurz darauf materialisierte sein Getränk stilgerecht in einem dieser Epoche angepassten Glas mit original Aufdruck der ausgewählten Marke.
Ein Kunststück, das der Captain seinem persönlichen Replikator in einer ruhigen Stunde einmal beigebracht hatte.
Er ging zurück ans Terminal und wechselte auf die Daten, die Ihm sein Freund Admiral Wellington geschickt hatte.

Er nahm einen Schluck aus seinem Glas und öffnete die Datei, die mit dem Vermerk
„Interne Sonderakte Roger van Dyke“, sowie Streng Vertraulich gekennzeichnet war.
Ein Lächeln zeichnete sich auf seinem Gesicht ab, genau das hatte er gesucht. Eine nüchterne Beschreibung aller Leistungen und Akteneinträge, wie versprochen ohne Lobeshymnen und Ausschweifungen. Nur klare harte Fakten.


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