Juwel oder Tand by Harald Latus
Summary: Das Latinum-Fest treibt die Ferengi jedes Jahr einmal in die Heimt, um ihren Reichtum mit den anderen Familienmitgliedern zu vergleichen.
Quark ist sich sicher, dass er auch in diesem Jahr wieder die besten Chancen hat. Aber Rom sucht Zuhause nach einem vermeintlichen Schatz, den er gewinnbringend verkaufen will.
Categories: TV Serien > Deep Space Nine (DS9) Characters: Nog, Quark, Rom
Family, Humor, Oneshot, 5 Begriffe (04.2012), Challenges: 5 Begriffe (04.2012)
Series: Keine
Chapters: 1 Completed: Ja Word count: 2295 Read: 1372 Published: 30.12.12 Updated: 30.12.12
Story Notes:
Beitrag zur 4. Quartals-Challenge 2012.
#003 Familie – Kartenhaus – Jahrestag – Angst – Gelegenheit

1. Kapitel 1 by Harald Latus

Kapitel 1 by Harald Latus
Es war wie üblich ein verregneter Tag auf Ferenginar, der mit tief hängenden Wolken und einem fiesen Platterregen die ganzen Straßen unter Wasser setzte. Es war fast schon so dunkel wie zur Dämmerungszeit, obwohl es erst kurz nach dem Mittagessen war. Ein beißender Wind fegte über die Stadt und sorgte dafür, dass nichts trocken blieb, egal wie geschützt es auch untergestellt war. Regenschirme klappten nach oben oder wurden den Leuten aus der Hand geschleudert, selbst Tische und Bänke der Straßenkaffees wären vom Wind weggefegt worden, hätte der Besitzer sie nicht angekettet, um den Gästen keine Gelegenheit zu bieten, diese mitzunehmen und der 14. Erwerbsregel zu frönen: Alles Gestohlene ist purer Profit.

Fast alle Bewohner hatten sich in die schützenden Häuser geflüchtet, in denen es Gott sei Dank nicht regnete und in denen eine wohlige Wärme das feuchte Wetter vergessen ließ. Nur zwei Männer stapften auf dem Weg nach Hause missmutig durch den Regen und die Pfützen. Sie hatten auch heute kein lohnenswertes Geschäft machen können. Lautstark gab jeder dem anderen die Schuld an der heutigen Erfolglosigkeit. Bei den Ferengi zählte auch das Jammern zum Geschäft.

An diesem Tag feierten die Ferengi das Latinum Fest, das man eigentlich mit dem Weihnachtsfest der Erde vergleichen konnte. Dort war es ein familiäres Fest, welches zum Jahresende im Kreise der Familie und Verwandten sehr beliebt war. Aber bei den Ferengis war es ein ganz anderes Ritual. Einmal im Jahr bot sich die Gelegenheit seinen eigenen Reichtum mit dem der Verwandtschaft zu vergleichen und vielleicht ein lohnendes Geschäft zu erkennen oder die Verwandten mit dem Verkauf minderwertiger Waren zu Höchstpreisen zu übervorteilen. Quark wartete seit Monaten auf diesen Tag. Er versuchte schon seit Wochen seinen gesamten Besitz zu zählen, und wo das aus verschiedenen Gründen nicht ging, schätzte er einfach, natürlich mindestens 20 Prozent höher, nur zur Sicherheit.

Während Moogie wieder einmal einige neue Kleider anprobierte, was natürlich auf Ferenginar immer noch verpönt war, kramte Rom im Keller in einer tiefen Holzkiste mit sieben Schlössern und einer Alarmanlage, in allerlei Trödel, den er in seiner Jugend gesammelt und als Junge für unwahrscheinlich wertvoll gehalten hatte.
Seine zittrigen Finger suchten tief in dem Berg aus abgelegten Kleidern, irgendwelchen technischen Einzelteilen und alten Büchsen nach einer bestimmten Sache.

„Irgendwo hier muss es doch sein…“, murmelte er vor sich hin und wälzte nervös einen Berg alter Hosen auf die andere Seite. „…Ich habe es doch erst vor 10 Jahren gesehen… das muss hier irgendwo liegen.“ Quark zitierte immer die 22. Erwerbsregel ‚Ein weiser Ferengi spürt den Profit im Wind’. Bei ihm schien das auch immer zu stimmen, denn fast alles was er anfasste machte er zu Latinum. Nur Rom schien dieses Geschick nicht zu besitzen. Aber er weigerte sich zu glauben, dass dies sein vorher bestimmtes Schicksal sein sollte.

Die melodische Stimme der gut gelaunten Moogie hallte durch das ganze Haus.
„Rom, komm hoch und schau dir mein neues Kleid an, dass ich mir von Betazet habe schicken lassen. Es ist aus der neuen Lawxana Kollektion.“ Rom hörte den Ruf bis in den Keller hinunter und versuchte mit abwiegelnden Worten dem andauernden Geplapper seiner Mutter zu entgehen. „Jajaa, ich bin mir sicher es sieht fantastisch an dir aus!“, rief er zurück und steckte seinen Oberkörper noch tiefer in die Kiste, auf der Suche nach einem Kästchen mit zwei kleinen Kugeln, die er in der Kiste wähnte.

Das zuschlagend der Haustüre war zu hören und das Geschimpfe über das Wetter, das von Quark und Nog durch die Gänge hallte, als sie ihre Schirme und die Regenjacken an der Garderobe platzierten. Missgelaunt erklärten sie sich gegenseitig für verrückt bei diesem Wetter überhaupt vor die Tür gegangen zu sein. Im selben Moment kam Quarks Mutter in den Flur und präsentierte ihr neues Kleid.

„Moogie, was soll denn dieser Fummel schon wieder. Zieh dich sofort wieder aus!“, schrie Quark seine Mutter mit hoher Stimme an. „Wie oft soll ich dir noch sagen, du sollst das lassen, wenn ich zuhause bin?“
Aber die Antwort kam postwendend und in einem noch schrilleren Ton mit höherer Lautstärke, womit klar war, wer hier im Haus die Hosen anhatte.
„Und ich habe dir schon tausend Mal gesagt: Das ist mein Heim und hier laufe ich rum, wie ich will. Wenn dir das nicht passt kannst du gerne in ein Hotel ziehen.“

Das wiederum würde Quark niemals tun. Selbst wenn es nur ein paar lumpige Streifen Latinum kosten würde, aber dafür war er zu geizig. Es widerstrebte ihm, sein Vermögen für so etwas zu schmälern, wenn er doch die Familie dafür ausnutzen konnte.

Die Familie war Dreh- und Angelpunkt bei den Ferengi und auch wenn sie sich im Bezug auf ihren Besitz Kämpfe bis aufs Messer lieferten, ließen sie keine Gelegenheit aus, selbst ihre entferntesten Verwandten zu übervorteilen. Sie liebten und hassten sie zugleich. Die Erwerbsregeln waren für jeden Ferengi das, was auf anderen Welten vergleichbar war mit heiligen Schriften wie der Bibel, dem Koran oder ähnlicher Abhandlungen zu theologischen Grundwerten.

Aber in keiner Kultur kannte man sie so gut auswendig und zitierte sie so oft wie bei den Ferengi. Schon oft hatte die Finanzbehörde auf Ferenginar über eine Lizenzbesteuerung dieser Zitate nachgedacht, aber die Umsetzung war schwierig und so geduldete man sich, bis sich eine Gelegenheit ergab, wie man zeitgleich und vor allem vollkommen sicherstellen könnte, dass einem kein Zitieren der Erwerbsregeln auf allen bekannten Welten entgehen würde. Man war sich absolut sicher, dass Ferenginar damit zur größten Macht aufsteigen würde, die sogar noch größer war als sie gesamte vereinigte Föderation.

Rom hatte endlich das gefunden was er in der Kiste gesucht hatte. Langsam zog er es aus einem Bündel alter Lappen, die diesen wertvollen Besitz zusätzlich verbergen sollten und hob die kleine Kiste nach oben. Seine Augen glänzten als er seinen Schatz in dieser kleinen Box fand, die man aufklappen konnte.
Jemand hatte ihm erzählt es seien valerianische Liebeskugeln, die beim Sex einen wundervollen Klang abgeben würden und für die jeder Mann, gleich welcher Spezies, einen stolzen Preis bezahlen würde. Rom war sich absolut sicher, dass er ihn nicht angelogen hatte, denn der Händler war viel herumgekommen und kannte sich mit allerlei Schätzen aus. Rom riskierte einen Blick und klappte den Deckel hoch. Die beiden Kugeln waren wunderschön anzusehen, reich verziert und lagen gut in der Hand. Sie hatten etwa die Größe eines Golfballes von der Erde, die Quark immer in den Holosuiten generierte, wenn Menschen diesen Sport in seinem Etablissement bestellten. Allein aus diesem Grund schon mussten solche Kugeln ein Vermögen wert sein.

Die Träume mit diesen beiden Kugeln einen übermäßigen Gewinn machen zu können waren ebenso schnell zusammengestürzt wie ein Kartenhaus, als Rom sie damals zu einem Wertermittler gebracht hatte, der nicht nur die Herkunft, sondern auch die Funktion und den Wert schätzen sollte. Eine Kugel erzeugte einen hohen Klang, die andere einen tieferen, wenn man sie bewegte. Der Wertermittler schätzte nach einer Woche Prüfung den Wert als sehr gering ein und erklärte Rom, dass es sich um ein einfaches Spielzeug handele. Er hatte Mitleid mit dem jungen Rom und bot ihm sogar an, sie kostenlos für ihn zu entsorgen.
Aber das, was auf anderen Welten breite Zustimmung erfährt, eine kostenlose Leistung, löste bei den Ferengi eher Panikattacken, schieres Entsetzen und Angst aus, denn niemand bietet auf Ferenginar Leistungen ohne ausreichende Bezahlung an. Denn auch die 68. Erwerbsregel, die er schon damals alle auswendig kannte besagte: ‚Mitleid ist kein Ersatz für Profit!’

Rom war sich in diesem Moment sicher, dass Sie einen immensen Wert besaßen und der Wertermittler nur sein Geschäft witterte, ohne Rom ausreichend daran zu beteiligen. Schnell hatte er daher die Box wieder in seiner Tasche verschwinden lassen und sie zu seinen anderen Schätzen in der Kiste im Keller von Moogie gesteckt, wo sie sicherlich keiner vermuten würde.

Inzwischen saß die ganze Familie beim Abendessen und Quark, Rom und Nog kauten auf den Rohrmaden herum die so delikat zubereitet waren, wie sie nur Moogie machen konnte. Nachdem sie satt waren, hatten es sich die Vier auf dem Sofa bequem gemacht und Rom zog vorsichtig die kleine Schachtel hervor und stellte sie auf den Tisch.

„Die werde ich morgen mit einem guten Gewinn verkaufen!“, grinste er und schaute dabei Quark an, der nur verständnislos mit dem Kopf schüttelte.
„Das hast du doch schon vor 30 Jahren versucht und es ist nichts dabei herausgekommen!“, lästerte er. „Ich hab’s schon immer gesagt, du hast nicht die Ohren fürs Geschäft. Das ist billiger Tand, Kinderspielzeug, was sonst hast du erwartet?“
Rom senkte seinen Kopf, so begeistert er eben noch war, so niedergeschlagen war er nun vom Urteil seines Bruders. Die Gefühlswelt eines Ferengi ließ sich manchmal mit einem Wort kippen und ins Gegenteil verkehren.
„Das ist nicht wahr, ich weiß aus sicherer Quelle, dass sie einen hohen Wert haben“, wetterte Rom. Das Grinsen kehrte auf sein Gesicht zurück, „und ich werde es dir beweisen, Bruder!“
Nog beugte sich vor und öffnete vorsichtig den Deckel des Kästchens. Auf einem Samtsack lagen zwei wunderschön gearbeitete Kugeln, die mit einem Drachensymbol verziert waren. Nog hob die Kugeln an und drehte sie in der Hand.
Der leise Klang von Glöckchen war zu hören.
„Siehst du, es ist genau wie ich sage. Das sind valerianische Liebeskugeln und die sind eine Menge wert!“, bestärkte Rom seinen Eindruck.
„Ach ja? Und wie funktionieren sie dann? Was muss man damit machen?“, wollte Quark wissen, in dem sicheren Verdacht, dass Rom wieder einmal keine Ahnung von dem hatte, was er verkaufen wollte.
Roms Euphorie war für einen weiteren Augenblick gebremst als er seinen Kopf wieder sinken ließ.
„Das muss ich ja nicht erklären, der Käufer wird schon wissen, was er damit anstellen muss!“, erwiderte er seinem Bruder.
Während Nog die Kugeln zunächst unbeholfen hin und her geschüttelt hatte, ließ er sie nun in einer Hand kreisen, wobei ein leiser Wohlklang erzeugt wurde.
„Siehst du, siehst du, ich hab’s dir gesagt. Ich werde reich sein und du bekommst nichts davon ab“, spottete Rom gegenüber Quark.
„Hört auf zu streiten und du Nog, leg das zurück, es gehört Rom“ schimpfte nun auch Moogie.
Aber Nog hielt die Kugeln hoch und sah sie mit prüfendem Auge an. Irgendwie kam ihm das bekannt vor, er wusste nur nicht mehr genau woher. Dann legte er sie zurück und stand auf. Er ging zum Computerterminal und rief einige Informationen ab. Langsam blätterte er durch die Files, bis er die richtige Information gefunden hatte. Dann nahm er einen Handscanner, lief hinüber zum Tisch und scannte das Symbol der Kugel ein. Mit dieser Information wanderte er wieder an den Computer zurück.

Quark wollte seinem Neffen eigentlich keine Beachtung schenken, aber als dieser rief „Iiiiiiaaaahh, ich habs!“, lief ihm ein eiskalter Schauer den Rücken hinunter. Es war einer dieser Momente in denen man erkannte, dass einem Anderen etwas gelungen war, das einem selbst verwehrt geblieben war. Ein glückliches Ereignis wie das Geschäft seines Lebens.

Quark versuchte es sich nicht anmerken zu lassen, dass er regelrecht von Angst zerfressen wurde. Der Angst, sein Bruder hätte durch Zufall einmal ein besseres Geschäft gemacht wie er.
„Was ist Nog, weißt du jetzt wie die Liebeskugeln funktionieren?“, fragte er seinen Neffen lakonisch.
„Es sind keine Liebeskugeln, es ist… ein Spielzeug.“
Quark, der eben noch von Selbstzweifeln zerfressen worden war lachte laut auf, während Rom immer mehr in sich zusammensackte.
„Es sind Baoding-Kugeln die man in der Hand rotieren lässt. Sie kommen von der Erde. Genauer gesagt aus China.“ Quark kam aus dem Lachen nicht mehr heraus, er kugelte sich förmlich auf dem Sofa, während Nog die Datenbank weiter befragte.
„Ein Spielzeug… mein Bruder hält ein Spielzeug für wertvoll… Ich halt es nicht aus!“, lachte Quark immer weiter.

Zum zweiten Mal sah Rom innerlich sein Kartenhaus zusammenstürzen, ähnlich so wie vor 30 Jahren.
„Die Kugeln werden auch für medizinische Anwendungen verwendet, man sagt ihnen heilende Kräfte bei Akupunkturpunkten der Hand zu und geht bei regelmäßigem Gebrauch von einer Stärkung der Handmuskulatur und –gelenken aus.
Während Rom die Information von medizinischer Anwendung schon wieder etwas aufbaute, lag Quark noch immer lachend auf dem Sofa, bis Nogs weitere Informationen sein inzwischen wahnsinniges Gelächter abrupt ersterben ließ.

„Hier steht, dass die Abbildung die ich gerade gescannt habe nur zu wenigen Exemplaren gehört, die auf der Erde in der Region Baoding hergestellt wurden.
Ihr Alter wird auf mehrere hundert Jahre geschätzt. Genauer gesagt, die Kugeln von Rom haben in diesem Jahr, ihren 700sten Jahrestag. Der Wert wird auf insgesamt umgerechnet 1 Millionen Barren Gold gepresstes Latinum geschätzt.“
Schnell hatte Rom seine Hand ausgestreckt und das Kästchen mit den Kugeln an sich genommen. Gerade noch rechtzeitig bevor Quarks gierige Hände das Kästchen umschließen konnten.
„Siehst du Bruder, ich hab’s dir ja gesagt…“, grinste Rom. „Sie sind wertvoll und der Wertermittler hat es damals schon gewusst. Am besten ist, man traut niemandem, schon gar keinem Ferengi!“
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