Trugbilder by Harald Latus
Summary: Die ALEXANDRIA ein stolzes Schiff der Nebula Klasse ist einer der wichtigsten Technologieträger der Sternenflotte.
Eine umfassende Ausrüstung und eine eingespielte Crew machen sie zu einem der besten Schiffe in der Flotte.
Befehligt wird sie von Captain Jan Erik Wikland einem großen entschlossenen Mann mit nordischer Herkunft.

Ein neuer Auftrag kommandiert die ALEXANDRIA an die Grenze zwischen der Föderation und dem romulanischen Imperium ab, um dort die Präsenz der Sternenflotte zu verstärken und der dortigen Station Schutz vor den Übergriffen der Romulaner zu gewähren.

Doch es sollte anders kommen, wie so oft im Leben.
Das unerwartete Auftauchen einer überlegenen bislang für die Sternenflotte unbekannten Rasse, hält die ALEXANDRIA auf und damit nicht genug, wird auch noch der Notruf einer anderen Sternenflottenbasis der Raumstation MERLIN aufgefangen.

Der Captain muss sich nun entscheiden welcher Aufgabe er den Vorzug gibt und will sich dabei noch nicht auf das Urteil und die Vorschläge seines neuen ersten Offiziers verlassen, der erst kurz vor Beginn dieser Mission unter ungeklärten Umständen auf sein Schiff versetzt wurde.
Categories: Eigene Kreationen Characters: Keine
Adventure, Drama, Friendship, Challenges: Keine
Series: Keine
Chapters: 24 Completed: Ja Word count: 84490 Read: 2647 Published: 16.11.16 Updated: 16.11.16
Story Notes:
Dies ist die Storyline um die U.S.S. Alexandria, mit der ich in 1997 begonnen habe. Die Besonderheit daran für mich ist natürlich, dass hinter vielen Charakteren richtige Bekannte stehen, die die eizelnen Protagonisten entwickelt haben. Mir hat das damals sehr viel Spaß gemacht, aber zwei tage nachder Veröffentlichung kam der erste Schock. Da hatten es die Ersten durchgelesen und verlangten Nachschub :)

Ich wünsche Euch Allen viel Spaß beim Lesen und würde mich über ein Feedback freuen.

1. Prolog by Harald Latus

2. Kapitel 1 by Harald Latus

3. Kapitel 2 by Harald Latus

4. Kapitel 3 by Harald Latus

5. Kapitel 4 by Harald Latus

6. Kapitel 5 by Harald Latus

7. Kapitel 6 by Harald Latus

8. Kapitel 7 by Harald Latus

9. Kapitel 8 by Harald Latus

10. Kapitel 9 by Harald Latus

11. Kapitel 10 by Harald Latus

12. Kapitel 11 by Harald Latus

13. Kapitel 12 by Harald Latus

14. Kapitel 13 by Harald Latus

15. Kapitel 14 by Harald Latus

16. Kapitel 15 by Harald Latus

17. Kapitel 16 by Harald Latus

18. Kapitel 17 by Harald Latus

19. Kapitel 18 by Harald Latus

20. Kapitel 19 by Harald Latus

21. Kapitel 20 by Harald Latus

22. Kapitel 21 by Harald Latus

23. Kapitel 22 by Harald Latus

24. Epilog by Harald Latus

Prolog by Harald Latus
Die U.S.S. ALEXANDRIA war ein stolzes Schiff der Nebula Klasse, eine kompaktere Form der Galaxy Großraumschiffe.
Sie hatte ein ebenso großes Diskussegment und zwei Warpgondeln, die jedoch im Gegensatz zu den Galaxy Schiffen nach unten gerichtet waren.
Zudem befand sich oberhalb der Warptriebwerke ein zusätzliches Modulsegment, in dem weitere Ausrüstungsdecks untergebracht waren.

Obwohl die ALEXANDRIA bei ihrer Indienststellung als medizinisches Schiff ausgestattet wurde, entschied sich die Sternenflotte bereits nach einem Jahr zu einer Umrüstung und Modernisierung.
Das Schiff wurde zu einem der wichtigsten Technologieträger der Sternenflotte.
Verbesserte Schilde, neuartige Surapht Photonentorpedos und sogar einige Prototypen der in der Entwicklung befindlichen Quantentorpedos zählten zu den interessantesten Neuentwicklungen, welche die Sternenflotte auf diesem Schiff einsetzte.
So war es nur logisch, dass die ALEXANDRIA häufig an Missionen teilnahm, die einen Einsatz der neuen Techniken möglich machten oder manchmal sogar als Trumpf in kritischen Situationen erforderten.

Nach dem Kampf bei Wolf 359 hatte die Sternenflotte erkannt, dass die Galaxis trotz weitreichender Erforschung immer noch gefährliche Geheimnisse preiszugeben hatte.
So wurden alte, längst eingestellte Entwicklungsprojekte an Waffenprogrammen, Sensoren und Schildgeneratoren wieder reaktiviert und zur Perfektion ausgearbeitet.

All diese Technik stand unter dem Befehl von Captain Jan Erik Wikland, einem Mann mit imposanter nordischer Gestalt, der das Kommando über dieses Schiff bereits im Jahr 2366 übernommen hatte und die Verantwortung für die 1209 Personen an Bord trug.

Auch wenn die ALEXANDRIA häufig an militärischen Kampfeinsätzen beteiligt war, so waren ähnlich wie auf den Schiffen der Galaxy Klasse viele Zivilisten und Kinder unter der Besatzung.

Eine besondere Bürde für den Captain eines solchen Schiffes. Hatten doch die Zivilisten nicht den Föderationseid geschworen, den jedes Mitglied der Sternenflotte leisten musste um im Dienst der Flotte an Missionen im All teilnehmen zu dürfen.

Sie alle hatten Ihr Leben der Erfahrung und den Fähigkeiten der Crew anvertraut und waren bei Konflikten die potentiellen Opfer, deren eventueller Verlust am meisten zu betrauern war.
Jeder Offizier war sich seiner Aufgaben und Pflichten bewusst, und war sich darüber im Klaren, dass er im Laufe seines Dienstes getötet werden konnte, ja sogar sein Leben hingeben musste um Andere zu retten sofern die Situation dies erforderlich machte.
Kapitel 1 by Harald Latus
An diesem Tag glitt die U.S.S. ALEXANDRIA nur langsam durch die dunklen Sektoren des Alls, da sie nur mit geringer Warpgeschwindigkeit unterwegs war.
Sie kam gerade von einem Kampfeinsatz an der argosianischen Grenze zurück, als sie die Nachricht der Sternenflotte erhielt, sich auf Sternenbasis 491 einzufinden, um ein neues Besatzungsmitglied an Bord zu nehmen.

Das Schiff war in dem harten Gefecht der rivalisierenden Parteien stark beschädigt worden und Captain Wikland verfluchte den Tag an dem er den Befehl erhalten hatte, die Neromianer in ihrem Konflikt mit der argosianischen Planetenverbindung zu unterstützen.
Die Föderation hatte aufgrund eines kleinen und seiner Meinung nach völlig unwichtigen Handelsabkommens zugestimmt die ALEXANDRIA zum Schutz abzustellen und somit war Captain Wikland mit seiner Crew mehrere Wochen in die eskalierenden Angriffe der Argosianer verwickelt worden.

Während Wikland die Brücke durchquerte murmelte er einige deftige nordische Flüche vor sich hin, und wäre die ALEXANDRIA nicht mit den üblichen automatischen Türsystemen ausgestattet, so hätte er sicherlich die Tür zu seinem Bereitschaftsraum mit einem heftigen Schwung ins Schloss gedonnert.
Das Schiff hatte erhebliche Schäden an der rechten Warpgondel erlitten und Wikland wollte lieber nicht daran denken, wie es dazu gekommen war.
Seine Wut ließ ihn die Hände zu Fäusten ballen und am liebsten hätte er diesen Bürohengsten der Sternenflotte nach dem Kampf einmal so richtig die Meinung gesagt, die wieder einmal sehr vorschnell eine Unterstützung zugesagt hatten, ohne sich zuvor über die Hintergründe und die örtlichen Gegebenheiten zu informieren.

Obwohl die Neromianer über umfassende Kampfverbände verfügten, hatten sie die Hauptaufgabe bei der Verteidigung ihrer Heimatwelt der ALEXANDRIA überlassen.
Nur der Einsatz einer neuen Föderations-Technologie hatte letztendlich eine große Raumschlacht verhindert, welche auch die gut ausgestattete ALEXANDRIA mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht überstanden hätte.
Die Crew war seit drei Tagen vollends damit beschäftigt, die beschädigten Systeme wieder halbwegs flott zu bekommen um die Reise endlich wieder mit hoher Warpgeschwindigkeit fortzusetzen.

„Captain, eine Nachricht vom Hauptquartier der Sternenflotte.“ meldete sich die Stimme von Lieutenant Carah Pehl der bajoranischen Kommunikationsoffizierin.
„Stellen Sie durch“ antwortete Captain Wikland, der noch immer einen ziemlich grimmigen Gesichtsausdruck aufgesetzt hatte, mit ziemlich knurriger Stimme.
Admiral Wellington vom Planungsstab der Sternenflotte, ein alter Freund von Wikland, erschien auf dem Display des Tischcomputers und war sichtlich gut gelaunt.

„Hallo Jan Erik, ich habe gehört, dass ihr euch wacker geschlagen habt...“, begann er,
„...aber ihr solltet doch schon vor zwei Tagen auf Deep Space Fünf sein ?“
Captain Wikland atmete tief ein, und wollte all seinem Ärger in diesem Moment einmal richtig Luft machen.
Diese Kommunikationsverbindung kam ihm gerade recht.
Er konnte sich aber gerade noch zusammenreißen, um den Umgangsformen der Sternenflotte den Vorzug vor seinem nordischen Temperament zu geben.
„Die Hyperkondensatorenmatrix ist zusammengebrochen und die Spulen der rechten Warpgondel sind geschmolzen.
Außerdem sind die Plasmainjektoren durch die Überlastung beim Kampfeinsatz eingebrannt, so dass wir nur noch einen besch...eidenen Wirkungsgrad von gerademal 43,223 Prozent erreichen.
Wir kriechen bereits seit 3 Tagen mit nur einer intakten Warpgondel und jämmerlichem Warp 1,4 wie ein waidwundes Tier in Richtung Sternenbasis und haben nicht einmal ein Viertel des Weges geschafft....“

Captain Wikland blickte währenddessen aus seinem Fenster und sah die Sterne, die nur langsam am Schiff vorüberzogen.

„...außerdem sollen wir uns auf Sternenbasis 491 melden,
um einen neuen Offizier an Bord zu nehmen und es liegt noch keine Information vor, welche Funktion er an Bord übernehmen soll.
Einen Wechsel in der Führungscrew kann ich bei den momentanen Problemen gar nicht gebrauchen.“

Mit ernster Mine blickte er seinen alten Freund an und fragte:
„Kennst du diesen Commander Roger van Dyke, der hier den Dienst antreten soll genauer?
Die Dienstakte ist zwar voll von guten Beurteilungen, aber wie Du sicher weißt, habe ich noch nie viel auf das Geschwafel von diesen Sesselwärmern gegeben, die jede bestandene Prüfung als Heldentat feiern.
Abgesehen davon habe ich gar keinen neuen Offizier angefordert.“

Der Admiral beugte sich langsam nach vorne und sagte:
„Mir ist keine Anordnung bekannt, die einen Offizier zu Deinem Schiff versetzt.
Aber wenn es der van Dyke ist, der bereits an der Akademie der Sternenflotte durch seine ungewöhnlichen Problemlösungen angeeckt ist, wird er Dir sicherlich gefallen.
Ich übertrage Sir mal das interne Dossier der Sicherheitsabteilung, das von der Sternenflotte angelegt wurde, und ich verspreche Dir hoch und heilig, darin sind keine Lobeshymnen“
Wikland nickte langsam,
„Wenn er ein internes Dossier der Sicherheitsabteilung hat, muss er entweder einiges auf dem Kerbholz haben oder sonstwie aufgefallen sein.“

„Lass Dich überraschen“, sagte der Admiral und um die Stimmung des Captains etwas zu verbessern fügte er hinzu:
„Die Neromianer haben sich beim Hauptquartier für die Hilfe überschwänglich bedankt, und nebenbei haben Sie sich dazu bereit erklärt, das Handelsabkommen auf Byzanium und Kerillit zu erweitern.
Das haben unsere lieben parlamentären Unterhändler seit sechs Jahren nicht geschafft“ erklärte der Admiral.
„Na, dann hat der Aufwand wenigstens für die Sternenflotte einen Nutzen gebracht, aber meinem Schiff hilft das auch nicht bei der Genesung.“, brummte Wikland.

Die beiden verabschiedeten sich und die Kom-Verbindung wurde getrennt.

* * *

Lt. Commander Jaqueline Jefferson, eine junge Frau voller Elan, war die Chefingenieurin der ALEXANDRIA.
Sie stand inmitten eines Gewirrs von Leitungen, Röhren, und optronischen Bahnen und versuchte mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln mehr Energie aus dem Warpantrieb zu bekommen.
Die kastanienbraunen schulterlangen Haare waren das einzige Anzeichen, welches noch an die leidenschaftliche Affäre mit Fähnrich Winston erinnerte, dem zuliebe sie ihre natürlichen aschblonden Haare mit einer Tönung versehen hatte.

Obwohl dieses Kapitel männlicher Enttäuschung bereits mehrere Wochen hinter Ihr lag, hatte sie die Haarfarbe bislang nicht wieder geändert.
Die dunkleren Haare boten einen gelungenen Kontrast zu ihrem fein gezeichneten Gesicht, den blaugrünen Augen und den ohnehin etwas dunkleren Augenbrauen.
Sie pustete eine Strähne vor ihrem Gesicht weg und ging zum Diagnosetisch des Antriebs.
Die gesamte Versorgung der rechten Warpgondel war ausgefallen und einige Leitungen waren beim Schmelzen der Warpspulen regelrecht explodiert.
Zwar konnten die entstandenen Brüche sofort mit magnetischen Eindämmungsfeldern versiegelt werden, jedoch hatten die verschmorten Leitungsverbindungen negative Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der noch intakten Systeme.

Der einzige Weg die Ausgangsleistung zu stabilisieren bestand darin, die gesamte rechte Seite vom übrigen Netz zu trennen.
Leider war hierfür konstruktiv keine Haupttrenneinheit vorgesehen, so dass jede Leitung und Röhre einzeln vom Hauptnetz getrennt und ordentlich versiegelt werden musste.
Lieutenant van Holt kam mit dem Phaseninduktor aus der Jeffriesröhre gekrochen und machte ein hoffnungsvolles Gesicht.
„J.J. Ich habe die Verteilerkupplung getrennt und den Energieflußregler vom Netz genommen, dass müsste die Nominalleistung um mindestens 10 Prozent verbessern.“

In ihrem Freundeskreis hatte sich diese Kurzform für ihren Namen schon weit verbreitet und sie hatte nichts dagegen, wenn sie so gerufen wurde. Dass dabei auch die dienstliche Anrede ihres Ranges verloren ging war momentan das kleinste ihrer Probleme.

Jefferson schaute auf die Anzeigen der Diagnoseeinheit
„Das verstehe ich einfach nicht, nicht die geringste Änderung ist feststellbar. Diese Trennung müsste uns eigentlich mehr Energie auf der Hauptleitung geben.....“
Sie schüttelte den Kopf, „...wir müssen uns nach einer anderen Möglichkeit umsehen, der Captain erwartet unseren Bericht und Vorschläge zur Reparatur bis 18:00 Uhr“, sagte Jefferson, dabei nahm sie sich noch mal den Energieflussplan und die Aufstellung der Beschädigungen zur Hand.

Die Crew der ALEXANDRIA war eine tüchtige Mannschaft und hatte eine schnelle und effektive Lösung von schwierigen Problemen meist in kurzer Zeit parat.
Im vorliegenden Fall hatte aber weder lanjährige Erfahrung noch Einfallsreichtum zum Erfolg geführt.
Der Captain wollte so schnell wie möglich zur Sternenbasis und hatte daher angeordnet alle verfügbare Energie des Warpantriebs in die linke Warpgondel zu leiten, um die maximal mögliche Reisegeschwindigkeit zu erreichen.
Alle Freizeiteinrichtungen, Holodecks und Replikatoren waren bis auf weiteres abgeschaltet worden.

„Mit den beschädigten Plasmainjektoren und den ausgefallenen Hyperkondensatoren ist selbst bei bestmöglicher Energieverteilung nicht mehr als Warp 2 drin...“, sagte van Holt resignierend,
„...und solange der Warpantrieb läuft können wir die Injektoren nicht einmal austauschen...“, ergänzte Jefferson und knallte das PADD wütend auf den Diagnosetisch
„...wenn wir denn überhaupt welche hätten. Laut Materialliste haben wir unseren Bestand vor zwei Monaten an die U.S.S. LEXINGTON abgegeben.
Wer hätte auch gedacht, dass wir diese Dinger jetzt brauchen.“
Sie stemmte die Hände in die Hüften, blickte wütend auf den Tisch sowie die darauf verteilten Berichte und schon ausgebauten Teile. Es war eine frustrierende Situation und Jaqueline kochte bereits vor Wut. In Ihrem Kopf schlugen die kleinen grauen zellen Purzelbäume aber sie fand keine Lösung um diese vertrackte Situation zu verbessern.
Jan van Holt sah auf den Schadensbericht und wandte sich an Jefferson:

„Ich glaube es gibt noch eine andere Möglichkeit. Wir könnten die Injektoren vielleicht reparieren, Ich habe da vor meiner Verstezung hierher an einem Experiment in der Forschungsstation mitgearbeitet.
Es ließe sich machen wenn wir den Antrieb für einige Stunden für die Reparatur und Neukalibrierung abschalten“

Von J.J. war ein kurzes und sarkastisches Lachen zu hören
„Captain Wikland spendiert Ihnen für diese Idee bestimmt ein Wikingerbegräbnis erster Klasse“, antwortete Jefferson und zwinkerte ihm mit einem Lächeln zu.
Sie beide kannten die leicht aufbrausende Art ihres Captains die ihm mit seiner schwedischen Herkunft in die Wiege gelegt worden war.
Kapitel 2 by Harald Latus
„Das kommt überhaupt nicht in Frage, wir kriechen ja jetzt schon wie eine flügellahme Ente durch’s Weltall“, polterte Captain Wikland los, als er erfuhr dass seine beiden besten Ingenieure auf die glorreiche Idee gekommen waren, den Warpantrieb für annähernd drei Stunden abzuschalten.
Er hatte erst vor kurzem sein Gespräch mit Admiral Wellington beendet und seine Laune hatte sich seitdem noch immer nicht gebessert.

Im Gegenteil, diese Nachricht von Lt. Commander Jefferson war seinen derzeitigen Entspannungsversuchen eher abträglich.
Sichtlich ungehalten, dass die Situation nicht zu verbessern war, verzog er sein Gesicht.
Er wusste, dass seine Mannschaft alles daran setzte um das Schiff wieder voll funktionstüchtig zu machen und er vertraute auf die Fähigkeiten seiner Offiziere, dennoch war er über die anhaltenden Anstrengungen und die ausbleibenden Ergebnisse verärgert.

„Ich erwarte das wir unsere Reise sobald als möglich beenden Commander Jefferson!“, sagte er und blickte auf die Uhr auf seinem Tisch, sie zeigte 17:54 Uhr.
„Captain, auch wenn sich dieser Vorschlag haarsträubend anhört, so bringt er uns doch mehr als wir im laufenden Zustand der Anlage machen können. Wir werden Ihnen das genaue Prinzip in wenigen Minuten im Besprechungsraum detailliert erklären. Jefferson, Ende“

Der Captain warf nochmals einen Blick auf die Statusanzeigen des Antriebs und informierte sich über die Fortschritte der Reparaturarbeiten. Es ging nur langsam voran. Die Schäden waren außer dem des Antriebs nicht gravierend, aber es waren viele und teilweise an unzugänglichen Stellen des Schiffes, was die ganze Prozedur verlangsamte. Er wollte auf keinen Fall den restlichen Schub auch noch verlieren, auch wenn wirkliche Geschwindigkeit etwas anders war. Was wenn sich der Antrieb nach dieser Abschaltung nicht mehr anfahren ließ?
Wikland wollte lieber nicht daran denken. Langsam stand er auf und ging zur Tür.

„Captain auf der Brücke“, rief der Wachposten am vorderen Turbolift, der den Captain als erster erblickte und sofort Haltung annahm.
Wikland blickte auf den Hauptschirm und sah den gleichen jämmerlichen Anblick von langsam vorbeiziehenden Sternen den er bereits in seinem Bereitschaftsraum feststellen musste, aber auf dem großen Schirm sah es noch bedrückender aus.
Er durchquerte die Brücke mit großen Schritten und trat in den am hinteren linken Ende der Brücke gelegenen Konferenzraum.

Die technischen Offiziere waren bereits anwesend, daher setzte der Captain sich ans Kopfende des Tisches und kam gleich zur Sache:
„Ihre Berichte zur Lage meine Damen und Herren, und bitte, nur gute Nachrichten wenn es Ihnen keine Mühe macht.“

„Captain...“, begann der stellvertretende Chefingenieur Otumbwe
„...wir konnten die Langstreckensensoren und die Navigation soweit wieder voll funktionsfähig machen, allerdings ist nicht genügend Energie vorhanden um alle Systeme voll einzusetzen.“
Captain Wikland richtete seinen noch immer finsteren Blick auf Jaqueline Jefferson und sagte:
“Na dann wollen wir doch mal hören, wie uns da geholfen werden kann?“

Jaqueline Jefferson erhob sich und ging zum Wanddisplay, das eine schematische Darstellung der Materie/Antimaterie Mischkammer des Warpantriebs zeigte und die derzeitigen Beschädigungen durch hellblaue Konturen hervorhob.
„Wir haben leider nur wenige Optionen.
Wenn wir den Antrieb weiterlaufen lassen, können wir nur mit minderer Energie weiterfliegen, dass bedeutet maximal Warp 2.“
Die Mine des Captains machte den Eindruck als sei sie aus Stein gemeißelt und seine stahlblauen Augen fixierten die Chefingenieurin bei jeder Bewegung. Seine Anspannung war deutlich zu erkennen und er konnte seinen Ärger nur noch mit Mühe unterdrücken. Das alles zehrte stark an seinen Nerven.

„Das Hauptproblem hierbei sind die eingebrannten Plasmainjektoren, mit denen der Materiefluss aufgrund der Streuung nicht mehr genau dosiert werden kann. Hier hilft normalerweise nur ein Austausch, wofür uns allerdings kein Material zur Verfügung steht.“

Sie wandte sich dem Captain zu und fuhr fort,
„Lieutenant van Holt hat jedoch aus einer experimentellen Versuchsanordnung einen dipolaren Kalibrierungsstrahler,
den wir modifizieren können und mit dem die Bohrungen sowie die Austrittsöffnungen der Injektoren überarbeitet werden könnten.
Danach ist zwar die Austrittsöffnung um 7,254 Prozent größer, aber das können wir durch den Versorgungsdruck wieder kompensieren.“
Der Captain hatte noch erhebliche Zweifel bezüglich der zu erwartenden Vorteile und fragte:
„Wie lange dauert es, und was versprechen Sie sich davon?“
Jefferson schaltete das Display auf ein Arbeitsschema um.
„Nach Abschalten des Warpantriebs eine Stunde für die Reparatur und zwei weitere Stunden für die Reinitialisierung des Warpkerns.
Danach können wir bei einer Nominalleistung von 88 Prozent auch mit nur einer Warpgondel Warp 4 bis Warp 4,5 erreichen.
Abgesehen davon könnten wir in der Zwischenzeit mit voller Impulskraft weiterfliegen und mit dem reinitialisierten Warpantrieb selbstverständlich wieder alle Schiffssysteme ans Netz nehmen.“

Die Mine des Captains erhellte sich langsam, auch wenn die zu erreichende Reisegeschwindigkeit noch immer deutlich unter seinen Vorstellungen lag.
Allerdings würde das Wiedereinschalten der Holodecks und Freizeiteinrichtungen die Stimmung an Bord einschließlich seiner eigenen Laune wieder erheblich steigern.
„Irgendwelche anderen Optionen zu unserem Energie- und Antriebsproblem?“, fragte Wikland in die Runde, aber außer Stille und gesenkten Köpfen war keine Reaktion zu erkennen, die Crew war bereits seit vielen Stunden auf den Beinen und die Konzentrationsfähigkeit und Kreativität hatte in den letzten Stunden rapide abgenommen.
„Gut“, sagte Wikland „Der Vorschlag ist akzeptiert, halten Sie mich auf dem Laufenden und sobald genügend Energie vorhanden ist möchte ich, dass der Kindergarten, die Schule und der Kinderfreizeitbereich zuerst wieder ans Netz gehen.“

Wikland stand auf und während die anderen Offiziere den Raum verließen ging er hinüber zu Lt. Commander Jefferson, die noch immer am Wanddisplay stand.
„Ehrlich gesagt war ich nicht davon überzeugt, dass diese Abschaltung des Antriebes meinen Tag doch noch retten würde, aber die Aussicht auf Warp 4,5 hat mich dann doch überzeugt, auch wenn ich mehr erwartet hätte.“
Jaqueline Jefferson blickte dem Captain fest in die Augen und sagte:
„Eine Änderung, die uns nicht mindestens doppelt so gut stellt wie bisher, hätte ich Ihnen gar nicht erst angeboten, Sir.“

Der Captain nickte verständnisvoll,
„Machen Sie sich gleich an die Arbeit. Ich weiß, dass Ihre Schicht schon lange zu Ende ist, aber ich würde es begrüßen, wenn Sie die gesamte Aktion überwachen“
Jefferson winkte ab.
„Wir sind ohnehin schon seit 13 Stunden ohne Pause an den Reparaturen, da machen die paar Stunden dann auch nichts mehr aus, wenn ich danach nur ungestört ausschlafen darf“

„Versprochen!“, sagte Wikland, dessen Laune sich inzwischen gravierend gebessert hatte
„Für Warp 5,5 würde ich Sie sogar mit einem alten schwedischen Wiegenlied in den Schlaf singen!“
Die Cefingenieurin lächelte süffisant
„Ich nehm Sie beim Wort!“, sagte sie und verschwand kurz darauf durch den Gang in Richtung Turbolift während sich Captain Wikland wieder auf die Brücke begab.

„Captain auf der Brücke“, rief der Wachposten im hinteren Bereich der Brücke und zog seine Uniform glatt.
Wikland setzte sich auf seinen Stuhl,
„Lieutenant Ramirez, gehen Sie unter Warp und aktivieren Sie den Impulsantrieb. Wir fliegen mit vollem Impuls weiter“
„Aye, Sir“, kam es von der Conn zurück.
„Lieutenant Alisha, sichern und deaktivieren Sie die Computerkerne drei bis fünf und schalten Sie auf Reserveenergie um, der Warpantrieb wird in wenigen Minuten für Reparaturen abgeschaltet.“
Andy Duke der zweite Offizier und Ran Byrell, der die taktische Station überwachte, warfen sich fragende Blicke zu.
Noch vor wenigen Minuten war der Captain extrem ungehalten über das dahinkriechen seines stolzen Schiffes und jetzt war er sogar bereit, unter Warp zu gehen.
Obwohl sie schon seit geraumer Zeit auf der ALEXANDRIA stationiert waren, hatten sie diese Art von Verhaltensänderung beim Captain bislang nie verstehen können.
Kapitel 3 by Harald Latus
Die Crew der ALEXANDRIA war ein eingespieltes Team und stand voll hinter ihrem Captain, der die Mannschaft mit der gebotenen Härte, aber auch dem nötigen menschlichen Verständnis befehligte.

Er legte Wert auf äußerste Disziplin, Befolgung seiner Befehle und vollen Einsatz seiner Offiziere und Mannschaftsmitglieder.
Bei der Crew galt er als hart aber gerecht.
Sein nordisches Temperament hatte ihn schon manchmal in etwas unangenehme Lagen gebracht, aber er verstand es immer, sich aus diesen elegant zu befreien, ohne das ihm jemand böse sein konnte.

Seine Crew fühlte sich an Bord der ALEXANDRIA wohl und brachte bislang immer, auch in schweren Situationen, mehr Leistung als erwartet werden konnte.
Die hohe Motivation der Crew wurde auf den besonderen Führungsstil des Captains zurückgeführt, der sich bemühte, Problemfälle direkt mit den betroffenen Personen zu besprechen und Reibungspunkte in der Mannschaft durch spezielle Dienstplanung oder Umbesetzung zu minimieren.

Obwohl das nicht die Aufgabe des Captains war, ließ er sich diesen Teil der Mannschaftsführung nicht aus der Hand nehmen.
Es wurde ihm durch hohe Loyalität und das Pflichtbewusstsein seiner Crew gedankt.
Wikland war immer für einen Spaß zu haben, wenn er im richtigen Moment erfolgte und liebte es manchmal, die Fäden hinter den Kulissen zu ziehen um dann die entgeisterten Gesichter der Unwissenden zu betrachten.
Im Übrigen hatte er eine Vorliebe dafür, besondere Leistungen seiner Offiziere und Mannschaftsmitglieder auf ungewöhnliche Art zu belohnen. Seine Ideen waren berühmt - berüchtigt und unter der Crew war der Spruch:

„Jeden Tüchtigen erwischt es Irgendwann einmal!“, bereits zum geflügelten Wort geworden.
Gerade an diesem Tag fühlte Der Captain sich in seiner Haut besonders wohl.
Kürzlich hatte er sich gegen den Rat seiner beiden Führungsoffiziere dazu entschlossen, Jaqueline Jefferson zur leitenden Chefingenieurin zu befördern.
Obwohl es andere Kandidaten mit besseren Qualifikationen gab, war er der Ansicht, dass gerade ihre manchmal etwas direkte und impulsive Art sie für die Stelle besonders geeignet machte.
Zudem kam sie gut mit den anderen Kollegen in der Maschinensektion zurecht.

Gemeinsam mit Lieutenant Jan van Holt hatte sie ein aktives und kreatives Team gebildet, und so hatte er beschlossen, um Autoritätsprobleme auszuschließen, den stellvertretenden Chefingenieur Kawumbwa Otumbwe, der sich ebenfalls um den Posten des Leitenden Offiziers beworben hatte, mit der technischen Unterstützung der Science- und Sensorengruppe zu beauftragen, was selbstverständlich ebenfalls eine verantwortungsvolle Aufgabe war.

Ein ganz anderes Thema waren die offenkundigen Wünsche des Captains.
Wikland hatte sich schon oft beim Hauptquartier der Sternenflotte dafür verwendet, die ALEXANDRIA erneut umbauen zu lassen, um eine große Anzahl von Marines auf dem Schiff unterzubringen.
Die Admiralität hatte jedoch seine Anträge immer wieder abgelehnt mit der Begründung, die ALEXANDRIA sei kein reines Militärschiff sondern einer der Technologieträger der Sternenflotte und somit wäre die Unterbringung von Marines nicht erforderlich.

Dennoch war die ALEXANDRIA in Krisensituationen stets eines der Führungsschiffe im Kampfverband, da Sie durch die zahlreichen Extraausstattungen und die hervorragenden taktischen Kenntnisse von Captain und Crew eine wertvolle Ergänzung der Flotte und einen Trumpf in schwierigen Situationen darstellte.

Jan Erik Wikland kam damals allerdings nicht ganz freiwillig zur Sternenflotte.
Nach dem Tod seiner Frau und der ungeborenen Zwillingen, der infolge eines Einbruchs in sein Haus durch den Täter verschuldet worden war, war er zunächst ein gebrochener Mann und nur der Weitsicht seines Onkels Sven Jorgensen war es zu verdanken, dass Wikland nicht ins Dunkel des kriminellen Sumpfs abgesunken war.

Der Onkel, ein hochrangiger Admiral der Sternenflotte mit weitreichenden Befugnissen berief sich auf ein kaum bekanntes, seit Jahrzehnten nicht mehr verwendetes Reserve Aktivierungs-Programm und ließ seinen Neffen einfach zur Spezial Sicherheitsabteilung einziehen.
Durch die notgedrungene Unterordnung und die strenge Disziplin wurde Wikland schnell klar, dass sein Leben noch nicht vorbei war und er sich neue Ziele stecken musste.

Bis heute hatte er jedoch nicht den starken Wunsch überwunden, den Kapitalverbrecher in die Finger zu bekommen, der den Tod seiner jungen Familie zu verantworten hatte.
Aufgrund eines Zeugenschutzprogrammes konnte dieser Mann nicht verurteilt werden. Außerdem wurden seine Akten von der Sternenflotte unter Verschluß gehalten. Captain Wikland kannte nicht einmal dessen Namen.
Kapitel 4 by Harald Latus
Commander David Alexander Robinson hatte gerade die Überprüfung der Antimaterie Lagereinheiten abgeschlossen und glaubte seinen Ohren nicht zu trauen, als er den Turbolift auf Deck 24 verließ.
Dröhnender Rock & Roll schallte durch den Flur, und Jaqueline Jefferson und Jan van Holt waren mit rhythmischen Bewegungen damit beschäftigt die Kalibrierungsanordnung für die Plasmainjektoren aufzubauen.

„Was ist denn hier los?“, platzte es aus Ihm heraus
„Sind wir hier im Rockkonzert?“
Eine ausladende Bewegung seiner Arme begleitete den erstaunten Gesichtsausdruck, während er mit dem PADD in seiner rechten Hand herumwedelte.

„Nein Sir, aber die Musik hält uns wach und motiviert dazu im gleichen Tempo mitzuarbeiten. Sie wollen doch wohl auch wieder schnell nach Hause, oder ?“
Jaqueline Jefferson sah Robinson prüfend an und er verzog sein Gesicht zu einer strengen Mine, aber ein kleines Lächeln im Mundwinkel konnte er doch nicht verbergen.

„Dann lassen Sie wenigstens den Rest der Crew schlafen und drehen Sie die Lautstärke runter. In Anbetracht der Situation verzichte ich darauf den Captain über diese Disziplinlosigkeit zu informieren.“
Robinson drehte sich um und machte sich auf den Weg zu seinem Quartier, er hatte sich in seiner dienstfreien Zeit mit einigen anderen Offizieren zu einem kleinen Pokerspiel verabredet und war eigentlich schon viel zu spät dran.

Jan van Holt war mit dem Aufbau seiner Geräte gerade fertig geworden, da kamen die beiden Techniker schon mit den ausgebauten Plasmainjektoren zum Tisch.
Die Injektoröffnung war durch die Überhitzung sehr stark beschädigt und erinnerte eher an eine ausgefranste Jeanshose aus dem 20. Jahrhundert als an einen präzisionsgebohrten Diamant-Kerillit Plasmazerstäuber.

Mit Hilfe des dipolaren Kalibrierungsstrahlers wurde zunächst die Spitze des Injektors abgeschnitten um die Ausfransungen zu beseitigen.

Danach wurde im Anschluss an die besonders aufwendige Feinjustierung die Innenbohrung neu hergestellt. Schon die geringsten Unebenheiten führten zu einem unregelmäßigen Materiefluß und somit zu verminderter Leistung.
Mit einem normalen Phaser wäre eine so glatte Oberfläche selbst bei höchster Präzision nicht erreichbar gewesen. Der dipolare Kalibrierungsstrahler konnte jedoch das Verbundmaterial aus Diamant und Kerillit langsam und ultrafein abtragen.

Nach endlosen 22 Minuten war der erste Injektor fertig und konnte wieder eingebaut werden. Weitere 30 Minuten später war auch der zweite Injektor wieder auf dem Weg zur Mischkammer.

„Jetzt müssten wir nur noch einen Weg finden, wie wir die Matrix der Hyperkondensatoren neu aufbauen können, dann könnten wir wieder richtig Gas geben!“, sagte Jefferson zu van Holt der ihren Blick mit erschöpfter Mine erwiderte

„Vergessen Sie’s, wir kommen auch ohne die Dinger auf Warp 4,5. Mehr ist ohnehin nicht drin, da die Warpfeldharmonie bei einseitigem Antrieb so asymmetrisch ist, dass es dass Schiff bei hoher Beschleunigung glatt zerreißen würde.“

„Das weiß ich auch...“, entgegnete Jefferson
„...aber ich will mehr!“ sagte sie trotzig.

„Alleine die Berechnung für das multiple Kennfeld der Kondensatoren beträgt zwei Tage, die variablen Energieverteilungsgitter nicht mitgerechnet.“, gab van Holt zu bedenken.
Jefferson winkte ab,
„Schon gut, ich verabschiede mich von diesem Gedanken.
Ich gehe erst mal zu Captain Wikland um Ihn über den neuesten Stand zu informieren. Beginnen Sie schon mal mit der Reinitialisierungssequenz.“
Damit verschwand sie im Gang zum Turbolift.

Auf der Brücke waren alle Stationen bereits mit der Nachtschicht besetzt. Auf dem Platz des Captains saß Commander Darian Wells, der leitende Schiffsarzt und bedeutete Jefferson mit einer leichten Geste, dass sich der Captain noch in seinem Bereitschaftsraum befand.

„Herein“, rief Wikland, als er das Türsignal hörte, und Jaqueline Jefferson betrat den Raum.
„Captain, wir haben die Plasmainjektoren erfolgreich überarbeitet und bauen Sie gerade ein, Lieutenant van Holt beginnt bereits mit den Vorbereitungen für die Reinitialisierung des Warpantriebs.
In ca. zwei Stunden kann der Antrieb wieder ans Netz gehen.“

Der Blick des Captains fiel auf den Tischcomputer. 19:05 Uhr zeigte das Display,
„Dann liegen wir also gut im Zeitplan nicht wahr?“, erwiderte der Captain.
„Ja, Sir, auch wenn...“, sie stoppte mitten im Satz.
Der Captain schaute auf und blickte ihr direkt in die Augen
„...wenn was ?“, fragte er langsam.

„Nun Sir, ich bin mir sicher, dass mit funktionierenden Hyperkondensatoren noch mehr aus unserem Antrieb herauszuholen wäre, aber Lieutenant van Holt hat mit Recht darauf hingewiesen, dass alleine die Berechnung der neuen Matrix einige Tage in Anspruch nehmen würde. Abgesehen von der Warpfeld-Asymmetrie.“

Captain Wikland lehnte sich in seinem Sessel zurück und setzte einen gelassenen Hochschullehrerbilck auf.
„Da hat er natürlich Recht, und das ist ja auch nicht schwer zu erraten wenn man 1 und 1 zusammenzählen kann und im Studium an dieser langweiligen Stelle gut aufgepasst hat, zumindest unter normalen Bedingungen des Schiffsbetriebs.“

Jaqueline Jefferson stand etwas verwirrt vor dem Captain „Sir?“
Wikland nahm ein PADD mit dem Schiffsstatus vom Tisch auf und schaltete das Display eine Seite weiter.
„Was würden Sie sagen, wenn ich Ihnen die Mitarbeit von drei überaus eifrigen Helfern anbieten könnte, die sich voll auf Ihre Matrix konzentrieren?“, fragte der Captain.
„Das ist ein überaus großzügiges Angebot Sir, aber bei der Erstellung der Matrix kommt es im Wesentlichen auf Berechnungen an. Die Kontrolle der Konsolen kann leicht von nur einer Person erledigt werden. Zusätzliche Crewmitglieder würden uns da nicht weiterbringen.“

„Oh, ich dachte eigentlich nicht an Crewmitglieder...“, begann der Captain mit einem schelmischen Ausdruck im Gesicht,
„...wir haben aus Energiegründen die Computerkerne drei bis fünf gesichert und deaktiviert. Sie sind von der Schiffskontrolle komplett getrennt und könnten alle drei zu 100 Prozent an dieser Aufgabe arbeiten.“
Die Augen von Jefferson begannen zu leuchten.
„Das würde die Berechnungszeit auf wenige Stunden reduzieren Sir.“

Der Captain blickte Sie fragend an
„Worauf warten Sie dann noch?“
Jefferson machte auf dem Absatz kehrt und war schon durch die Tür als Ihr der Captain noch hinterherrief „Viel Erfolg Commander!“

* * *

Um Punkt 21:00 Uhr meldete sich die Stimme von Jaqueline Jefferson wieder beim Captain.

„Maschinenraum an Captain Wikland. Sir, wir sind so weit.
Der Warpantrieb ist wieder am Netz.
Bitte beschleunigen sie langsam, wir haben nur eine Warpgondel und wir arbeiten noch immer an der Warpfeldgeometrie um etwas mehr rauszuholen“, gab J.J. dem Captain zu verstehen.
„Wie weit sind Ihre Heinzelmännchen mit der neuen Matrix?“
fragte Captain Wikland der aus seinem Bereitschaftsraum auf die Brücke getreten war.
Die anderen Offiziere der Brücke wechselten belustigte und verständnislose Blicke untereinander, da sie den Hintergrund nicht kannten.
Lediglich K’Orak der klingonische Wissenschaftsoffizier hatte bemerkt, dass die Computerkerne drei, vier und fünf vor einer Stunde und 45 Minuten vom Maschinenraum aus aktiviert worden waren, ohne jedoch einen Teil der Schiffsaufgaben zu übernehmen.

„Die Matrix ist in ungefähr 45 Minuten fertig, bis dahin wollen wir noch eine Lösung für die Feldsymmetrie finden“, antwortete Jefferson.
„Wir versuchen jetzt erst mal diese langweilige Schleichfahrt zu beenden, Lieutenant Ramirez, beschleunigen sie langsam auf Warp 4 und prüfen Sie was darüber hinaus noch möglich ist.“
Befahl der Captain der zu Commander Wells in die Mitte der Brücke getreten war.
„Aye, Sir“ kam das Echo von der Conn und kurz darauf war das gewohnte vorbeiziehen der Sterne auf dem Hauptschirm zu sehen, die bei steigender Warpgeschwindigkeit zu immer länger werdenden Strichen verzerrten.

Nach 8 Minuten vorsichtigen Beschleunigens meldete Lieutenant Ramirez mit freudig vibrierender Stimme
„Warp 4,6 Captain…“, und fügte hinzu,
„...der Antrieb hat zwar genug Energie, aber das Drehmoment um die Hochachse des Schiffes läßt sich durch die Stabilisatoren nicht weiter ausgleichen.
Ich muss jetzt schon extreme Kurskorrekturen vornehmen um das Schiff auf einfachem direkten Kurs zu halten.“

„In Ordnung, behalten Sie Kurs und Geschwindigkeit bei, ich bin in meinem Quartier. Commander Wells, Sie haben die Brücke. Gute Nacht“
Damit verschwand er im Turbolift, begleitet von der Meldung des Wachoffiziers „Captain verläßt die Brücke.“

* * *

„Verdammt, ich habe gedacht, dass wir das Warpfeld harmonisieren könnten wenn diese Hyperkondensatoren wieder laufen, aber die Energiesignatur hat immer noch einen deutlichen Überhang nach links.“
Jefferson schaltete das Display der Diagnoseeinheit ab und setzte sich enttäuscht an Ihren Tisch, der direkt gegenüber des Warpkerns in der Ecke des Maschinenraumes gelegen war.

Sie war nun seit über 17 Stunden auf den Beinen und hatte immer noch keine Lösung für das Problem des asymmetrischen Warpfelds gefunden.
„Ich glaube Sie sollten sich schlafen legen Jaqueline“, sagte van Holt.
„Ich bin auch total erschlagen und außerdem fliegen wir ja schon mit Warp 4,6. Sie haben Ihr Versprechen gehalten, was wollen Sie mehr?“

Aber J.J. war trotz ihrer stundenlangen Schicht nicht bereit klein beizugeben.
„Ich will, dass dieser Kasten den Arsch hochkriegt und gefälligst mit Warp 6 oder mehr nach Hause fliegt.“, erwiderte sie wütend.
„Es muss doch eine Möglichkeit geben dieses Warpfeld wenigstens teilweise zu harmonisieren.“

„Dazu müssten wir auf der rechten Seite einen gleichschwingenden Gegenpol erzeugen, der die Warpblase überdehnen kann...“
Van Holt saß mit aufgestützten Ellenbogen am Tisch und legte müde den Kopf in die Hände, „...und das geht mit der defekten Warpgondel nicht mehr.“

J.J. stand auf und ging zum Wanddisplay mit der Schadensdarstellung. Es gab keine Möglichkeit die jetzt noch immer hellblau markierten Systeme zu optimieren oder zu reparieren. Lange verweilte Ihr Blick auf der Anzeige der rechten defekten Warpgondel.

„Moment Mal, Es sind eigentlich nur zwölf der insgesamt 18 Warpspulen durchgebrannt. Wenn wir die restlichen sechs einzeln mit Energie belegen, könnten wir durch die Induktion ein Elektromagnetisches Feld erzeugen...“

„...welches in gleicher Polarität und Stärke mitschwingt, auch wenn kein Antrieb in der Kammer erzeugt wird.“,
ergänzte van Holt den Satz und war bereits mit dem Phaseninduktor unterwegs zur Jeffriesröhre um die Einzelverbindung zu den Spulen wieder herzustellen.

Die ganze Prozedur war in weniger als 35 Minuten abgeschlossen und zufrieden betrachteten Sie das Warpfeld, welches sich beim Einschalten der Energie deutlich mehr in Richtung Schiffsmitte verschob.
„Geschafft!“
Jefferson sprang in die Luft und umarmte van Holt ganz spontan. Sie klopften sich gegenseitig auf die Schultern und öffneten eine Kom-Verbindung zur Brücke.
„Maschinenraum an Brücke. Wir haben die Feldharmonie des Antriebs optimiert, versuchen Sie mal mehr rauszuholen!“

Commander Wells nickte Lieutenant Edison Carter zu, der Ramirez inzwischen an der Conn abgelöst hatte.
Er ließ sogleich seine geschickten Hände über die Konsole wandern.
Mit vorsichtigen Steigerungsraten forderte er dem Antrieb immer mehr Energie ab und als der Punkt erreicht war,
an dem die Scherkräfte aufgrund des immer noch einseitigen Antriebes wieder auftraten, zeigte die Skala Warp 6,2 an.

Der leitende medizinische Offizier, der die Nachtwache hatte lächelte und sagte
„Gute Arbeit Commander Jefferson, wir haben jetzt Warp 6,2 und werden bei dieser Geschwindigkeit in maximal 36 Stunden auf Sternenbasis 491 eintreffen“, und als wollte er die Leistung der Chefingenieurin besonders honorieren erklärte er:

„Ich glaube es steht Ihnen zu, den Captain zu informieren, ich bin sicher, dass er noch nicht schläft. Wells, Ende.“

* * *

Captain Wikland kam gerade aus der Dusche, als das Kom-Signal ertönte. Er befürchtete schon neue Hiobsbotschaften,
dabei wollte er sich gerade zu Bett begeben, was er sich nach seiner eigenen Meinung an diesem Tag redlich verdient hatte.

„Wikland hier...“, tönte es aus dem Audiosystem im Maschinenraum und auf dem Display erschien das Gesicht des Captains. Er rubbelte sich gerade seine blonden Haare trocken und ließ dann das Tuch sinken.
„Hier spricht Lt. Commander Jefferson, Captain“
Jaqueline sah Lieutenant van Holt spitzbübisch und lächelnd an,

„Ich hoffe ich habe Sie nicht beim Schlafen gestört, aber ich wollte Ihnen gerne noch mitteilen Sir, dass wir uns inzwischen mit Warp 6,2 in Richtung Sternenbasis bewegen und die Schleicherei endlich ein Ende hat“

„Gut gemacht Commander...“, entgegnete Wikland
„...Sie und Ihr Team haben hervorragende Arbeit geleistet. Ich werde mir das merken, und daran denken wenn sich wieder eine gute Gelegenheit für einen ausgedehnten Landurlaub oder Freigang bietet.
Sie haben sich das ehrlich verdient.
Aber jetzt sollten Sie den Maschinenraum der Delta Schicht überlassen und endlich schlafen gehen, Sie wollten doch in aller Ruhe ausschlafen oder?“
Wikland war stets besorgt um seine Crew, das zeigte sich auch in solch schwierigen Situationen.
Dazu gehörte bei aller Arbeit und Spitzenleistung auch eine geregelte Entspannungsphase, da nur so die gute Leistung auf Dauer aufrecht zu erhalten war.

„Ja Sir,...“, antwortete Jefferson
„Ich erwarte Sie dann in einer halben Stunde in meinem Quartier zum Wiegenlied!“
Wikland und Jefferson brachen gleichzeitig in schallendes Gelächter aus und van Holt blickte sie verständnislos an. Er hatte die scherzhafte Bemerkung des Captains bei der Besprechung natürlich nicht mitbekommen.
„Gute Nacht Commander, Wikland Ende.“

J.J. betrat ihr Quartier und war nur noch müde.
Obwohl die Anspannung des langen Dienstes langsam von Ihr abfiel, fühlte Sie immer noch eine gewisse Unrast in sich und trat vor den Spiegel. Das Bild das Sie sah jagte Ihr einen Schrecken ein.
Die Haare klebten zusammen, und im Gesicht hatte sie einige Schmutzstreifen, die wohl bei der Arbeit in den Röhren entstanden waren. Auch die Passform der Uniform hatte durch die viele Kriecherei zu den unwegsamen Stellen des Schiffes deutlich gelitten.

Jaqueline schüttelte den Kopf, so wollte sie den nächsten Arbeitstag nicht beginnen. Sie öffnete die Uniform und schälte Ihren hübschen Körper aus dem nachgiebigen Stoff.
Mit schnellen Schritten hatte sie das kleine Badezimmer erreicht und entledigte sich noch kurz der letzten Kleidungsstücke bevor sie in die Ultraschalldusche trat.
Als sie nach mehr als einer Stunde den kleinen Raum wieder verließ, leuchteten auch Ihre Haare wieder in dem gewohnten aschblonden Farbton.
Sie hatte sich entschlossen, dieses Kapitel ein für allemal zu begraben und nichts mehr zurückzulassen, was sie daran erinnerte.

* * *

Im LOOKOUT, der kleinen Bar auf Deck 9 war nicht viel los.

Die meisten Leute waren durch den harten Einsatz der letzten Tage sehr erschöpft und hatten sich gleich nach ihrem Dienst zur Ruhe begeben.
In der abgerundeten Sitzecke saßen der zweite Offizier Andy Duke und Lt. Alisha, die vor einer Stunde ihre Stationen an die Delta Schicht übergeben hatten und schauten auf ihren Drink.
Es war ein ungeschriebenes Gesetz, dass diese Sitzecke nur den Senioroffizieren zur Verfügung stand und es wurde selbstverständlich von jedem Crewman und Junioroffizier respektiert.

Andy Duke drehte sich zu Alisha um und sagte:
„Wissen Sie etwas Genaueres darüber, dass wir einen neuen Offizier an Bord nehmen sollen?“
Alisha drehte ihr Glas mit der rechten Hand auf dem Untersetzer aus Eropimasbaumrinde und antwortete leise:

„Andy, Sie wissen doch, dass ich als Operationsoffizier lediglich die für die aktuelle Mission anstehenden Informationen erhalte...“
Sie blickte zu Andy und ergänzte, „...einen neuen Einsatzplan gibt es noch nicht, also auch keine neuen Daten.
Ich weiß nur, dass er den Rang eines Commanders begleitet und es geht das Gerücht um, dass er möglicherweise einen Brückenposten, vielleicht sogar den von David Robinson übernehmen könnte.“

Als Bolianerin verstand sie oft nicht mit welcher Logik die Personalentscheidungen der Sternenflotte getroffen wurden, da ihr Volk eine gänzlich andere Struktur und Gesellschaftsform hatte.
Aber im vorliegenden Fall schien selbst Captain Wikland von dieser Situation überrascht zu sein, wenn sie seine Reaktion auf der Brücke richtig interpretiert hatte, die recht heftig ausfiel und einige Flüche und Verwünschungen über den mangelhaften Informationsfluss enthielt.

Andy setzte einen traurigen Gesichtsausdruck auf und blickte auf den Tisch.
Auch wenn er mit David Alexander in seiner Zeit an Bord nie eine richtige Freundschaft aufgebaut hatte, so schätzte und respektierte er ihn doch als guten Kollegen und kam mit ihm immer gut zurecht. Er bedauerte sehr, dass David möglicherweise das Schiff verlassen würde.
Andy stand auf und ging die drei Stufen zur oberen Ebene hinauf. Er stellte sich direkt vor das Fenster das den Blick in Flugrichtung der ALEXANDRIA freigab.

Als Sicherheitschef hatte er in seiner bisherigen Laufbahn reichlich Erfahrung damit gesammelt, dass Personalwechsel in der Führungsebene oft mit vielen Problemen einhergingen. Er hätte zu gerne gewusst was da auf sie zukam.

* * *

Captain Wikland stand auf der Brücke und blickte auf den Hauptschirm.

Die Langstreckensensoren hatten bereits vor einer Stunde den Subraumleitstrahl von Sternenbasis 491 aufgefangen und er hatte sich inzwischen wieder beruhigt. Der Captain war zufrieden mit seiner Mannschaft und der überaus guten leistung die sie erbracht hatte..
Nach der Notreparatur konnte man die Reise mit hoher Warpgeschwindigkeit fortsetzen, und die Sternenbasis war gerade als winziger Punkt bei maximaler Vergrößerung auf dem Hauptschirm erschienen.

„Gehen sie langsam unter Warp Mr. Ramirez und bringen Sie uns zur Andockrampe“, befahl er dem Offizier an der Conn.
Innerhalb von wenigen Minuten verschwanden die typischen Warpsterne und es war wieder der fast statische Anblick auf das Universum zu sehen.
„Sternenbasis 491, hier ist die U.S.S. ALEXANDRIA, wir bitten um Zuweisung einer Andockrampe und Einweisung über den Leitstrahl“, gab Carah Pehl die Offizierin an der Kommunikation auf Captain Wiklands Kopfbewegung hin durch.

„Hier Sternenbasis 491, willkommen im heimischen Hafen, Sie können am Andockring Acht festmachen“, kam die Stimme aus dem Audiosystem.
„Lieutenant Carah, stellen Sie eine Verbindung zu Admiral Parker her, ich will den Reparaturbedarf umgehend mit Ihm besprechen. Ich bin in meinem Raum“, sagte Wikland und war im nächsten Moment bereits unterwegs in Richtung Bereitschaftsraum.
„Captain verläßt die Brücke“, war die logische Reaktion auf diese Aktion die auch sofort durch den Wachposten im hinteren Teil der Brücke erfolgte.

* * *

Wikland war direkt nach dem Andocken auf die Station gegangen und stand nun im Büro von Admiral Theo Parker, dem verantwortlichen Leiter für Materialbeschaffung sowie der Wartungs- und Reparaturcrews. Er hatte seine Lage bereits vor der Ankunft geschildert und man hatte sich geeinigt direkt nach dem Eintreffen die nötigen Dinge zu besprechen.

„Sie haben Glück Captain Wikland...“, begann Admiral Parker, nachdem er die Schadensberichte eingehend geprüft hatte.
Er machte mit der Pfeife in der rechten Hand eine ausholende Bewegung und stopfte dann den Tabak nach.
„...wir haben für die Generalüberholung der U.S.S. Phoenix gerade zwei komplette Warpgondeln erhalten.

Da das Schiff von Captain Galagher aber durch den derzeitigen Auftrag noch mindestens zwei Wochen gebunden ist,
können Sie eine komplette Einheit bekommen und wir haben bis zum Eintreffen der Phoenix noch genügend Zeit um eine Neue anzufordern.“
Damit nahm er einen genüsslichen Zug aus der Tabakpfeife.

„Danke sehr, Admiral“, entgegnete Wikland,
„Ich weiß es sehr zu schätzen, dass Sie mir und meinem Schiff so entgegenkommen. Wie kann ich mich dafür bei Ihnen revanchieren?“
Der Admiral trat ans Fenster seines Büros und blickte hinaus auf die ALEXANDRIA, die an der Andockrampe festgemacht hatte. Äußerlich waren eigentlich keine Schäden zu erkennen.
„Nun, wenn Sie mich so direkt fragen, Captain...“
Parker drehte sich zu Wikland um.
„...wir werden in Kürze einige technische Probleme lösen müssen, und ich würde mich freuen, wenn sich einer Ihrer technischen Offiziere dieser Sache annehmen könnte.

Jemand der diesen angeschlagenen Vogel dort draußen...“, er deutete mit Pfeife auf die ALEXANDRIA, „...mit nur einer Warpgondel auf Warp 6,2 beschleunigt, ist sicher auch geeignet uns bei der Lösung einer besonderen technischen Herausforderung zu unterstützen.“
Wikland nickte mit dem Kopf.
„Selbstverständlich Admiral. Lassen Sie mir die Unterlagen über Ihr Problem zukommen, ich werde sehen, wer für diese Aufgabe am besten geeignet ist, Sir.“

„Wie ist es eigentlich zu dieser Beschädigung gekommen, soviel ich weiß ist Ihr Schiff doch eines der bestausgerüsteten unserer Flotte?“, wollte der Admiral von Captain Wikland wissen.
Das war eine unbehagliche Frage, denn sie kratzte sehr stark am Ego des Captains und eigentlich wollte er diesen Bericht nicht wiederholen, den er in seinem Logbuch bereits vermerkt hatte.

„Wir hatten bereits einen Großteil der argosianischen Flotte zurückgedrängt, aber die Neromianer können sich nun mal nicht in die Föderationstaktiken einfügen. Sie bevorzugen die - Schlag zu und Hau ab - Taktik und haben unserem Schiff nur wenig Deckung gegeben.“
„Verstehe“, sagte der Admiral.
„Leider konnten wir die Neromianer nicht dazu bewegen Ablenkungsmanöver zu fliegen und so konzentrierte sich das Feuer der Argosianer immer wieder auf unser Schiff.“

Wikland machte eine kurze Pause und sah zur ALEXANDRIA hinüber.
„Nachdem wir mit einigen heftigen Salven von Photonentorpedos und dauerndem Phaserbeschuss zwei der Führungsschiffe kampfunfähig gemacht hatten, beschlossen wir,
den Hauptverband, der aus zahllosen Einzelschiffen bestand durch den Einsatz unserer neuen Subraum-Verzerrungs Photonentorpedos zu zerstreuen.“

Wikland machte wieder eine kleine Pause. Scheinbar war es ihm peinlich diese Geschichte zu wiederholen. Sein geischt sah aus als habe er in eine Zitrone gebissen, alles verzog sich zu einem schmerzlichen Ausdruck.

„Nach dem Abschuß gingen wir auf Warp eins und navigierten mit dem Delta 4 Ausweichmanöver eine Wende nach Backbord.
Die Detonation erzeugte aber eine extrem unsymmetrische Subraumverzerrung und ein Ausläufer erreichte unsere rechte Warpgondel genau in dem Moment als wir beschleunigten.“, erklärte er ärgerlich.

„Noch nicht ganz ausgereift diese Dinger, nicht wahr?“, war die Reaktion des Admirals, der noch einen Zug aus seiner Pfeife nahm und zu wissen schien, wie man dies zu bewerten hatte.
„Was ist mit den Argosianern passiert?“

„Die Subraumschockwelle hat die Schilde und Anrtiebseinheiten der Argosianer lahmgelegt und die Neromianer haben die ganze Flotte kalt erwischt. Sie haben Ihnen die Wahl gelassen zwischen Kapitulation und Friedensvertrag oder vollständiger Vernichtung der Flotte.“

Wikland senkte kurz den Blick und schaute dann den Admiral an.
„Die Argosianer haben Gott sei Dank die Friedensverhandlungen vorgezogen, es hat ohnehin schon genug Opfer in dieser Auseinandersetzung gegeben.“, schloß Wikland seine Ausführungen.
Theo Parker nickte wissend. Es war immer ein Nachteil wenn es zu solch großen Verlusten an Menschenleben kam auch ihm waren diese Situationen unangenehm. Sie hatten den bitteren Beigeschmack, dass man möglicherweise nicht alles getan hatte um so ein Desaster zu vermeiden.

„Wenn Sie erlauben, möchte ich jetzt gerne auf mein Schiff zurück, der neue Offizier wird um 15:00 Uhr an Bord kommen und ich möchte die technische Crew noch über die durchzuführenden Arbeiten informieren.“
Admiral Parker ging auf Wikland zu und reichte Ihm die Hand,
„Das ist verständlich Captain, die Wartungscrew der Station wird die neue Warpgondel aus dem Hangar nehmen und die Ankopplung vorbereiten.
Wenn alles klappt, ist Ihr prächtiges Schiff in vier Tagen wieder voll einsatzfähig.“

„Danke Admiral“, sagte Captain Wikland und verließ das Büro. Umgehend machte er sich auf den Weg zum Andockbereich. Seinen Freund Carter Wellington würde er wohl später aufsuchen müssen, denn jetzt wurde die Zeit dafür zu knapp.
Kapitel 5 by Harald Latus
Roger van Dyke war ein großer durchtrainierter Mann Anfang dreißig. Mit seinem mittelblondem kurzem Haar, den grauen Augen und einem angenehmen nicht übertriebenen Lächeln auf den Lippen machte er einen sympathischen Eindruck.
Der korrekt gestutzte Vollbart gab seinem Gesicht ein ruhiges und integeres Aussehen.

Roger war ein sehr ausgeglichener Mensch und bevorzugte daher eine diplomatische Vorgehensweise zur Lösung von Konflikten. Er trug gerne eine lockere aber nicht allzu bunte Kleidung und hatte eine Vorliebe für Kraftfahrzeuge, die im 20. Jahrhundert als eines der Hauptbeförderungsmittel auf der Erde genutzt wurden.
In seiner meist nur spärlichen Freizeit befaßte sich van Dyke zudem mit Science-fiction Literatur dieser Epoche, sowie den alten visuellen Dateien, die in dieser Zeit oft in großen Sälen vor vielen hundert Menschen vorgeführt, oder in Einzelzugangs-Terminals sogenannten Fernsehgeräten per Kabelübertragung eingespeist wurden.

Bislang hatten ihm schon verschiedene Schiffe der Sternenflotte als Zuhause gedient.
Nach Beenden der Sternenflotten Akademie hatte er an einer zusätzlichen Ausbildung in Computertechnik und Wissenschaft teilgenommen, die Roger aufgrund seiner hervorragenden Fähigkeiten mit Leichtigkeit abschloss.

Commander Roger van Dyke packte die letzten Sachen in seine Tasche. Die persönlichen Dinge waren bereits mit dem mobilen Lastentransfer zur ALEXANDRIA gebracht worden, und so blieben Ihm nur noch einige Kleidungsstücke, die er nach dem Duschen gewechselt hatte.
Van Dyke verließ das Quartier, welches ihm die letzten 4 Tage zur Verfügung stand. Eigentlich sollte er bereits direkt nach seiner Ankunft auf sein neues Schiff wechseln.
Da sich der Rückflug der ALEXANDRIA aber durch den Defekt verzögert hatte, wurde Ihm für die Zwischenzeit ein Raum zugewiesen.

Er hatte die Zeit genutzt um sich mit den Ausstattungsmerkmalen des neuen Schiffes vertraut zu machen. Mehrere umfangreiche Dateien über Sondereinrichtungen musste Roger dazu studieren.

Die ALEXANDRIA verfügte über neue, nicht standardisierte Schilde, Subraum-Verzerrungs Torpedos, Zusatz- und Spezialtransporter sowie besondere Sensoreneinrichtungen.
Ein solches Potential an Waffen, Antrieb und Schutzeinrichtungen war ungewöhnlich für ein normales Sternenflotten Schiff, welches nicht direkt unter militärischem Befehl stand.
Zu den besonderen technischen Einrichtungen hatte sich der Commander eigene Notizen gemacht, um im Falle eines Falles schnell auf wichtige Details zugreifen zu können. Es war eine Eigenart von ihm, die einen Teil seiner besonderen Fähigkeiten darstellte.

Häufig nutzte van Dyke diese Informationen für die kreative Gestaltung seiner oft ungewöhnlichen aber gleichwohl effizienten Lösungswege.
In seiner bisherigen Karriere hatte er schon häufig mit seinen Ideen aussichtslose oder prekäre Situationen bewältigt, und die darauf folgenden Ehrungen mit Ruhe und Distanz entgegengenommen. Mehr als einmal hatte man ihm für seine Verdienste eine Beförderung angeboten, die er in solchen Situationen stets abgelehnt hatte.

Er hatte seine Dienstgrade durch harte Arbeit und bedingungslosen Einsatz erreicht. Roger van Dyke lächelte in sich hinein, denn er wusste, dass er längst Captain sein und ein eigenes Schiff befehligen könnte, hätte er alle angebotenen Hilfestellungen, Schulterklopfer und Beförderungen entgegengenommen die man ihm im Laufe seiner Dienstzeit unterbreitet hatte.
Mit einem leichten Kopfschütteln verdrängte er die Gedanken an die Vergangenheit, die neben all den gelungenen Missionen auch ihre Schattenseiten hatte. An einige davon wollte er sich nie mehr erinnern.

Während er überlegte, was ihn an Bord der ALEXANDRIA erwartete, schritt er den Gang zum Turbolift entlang. Der Lift öffnete sich und van Dyke gab die Anweisung,
„Deck 15, Andockring acht“

Ohne einen Ruck setzte sich der Lift in Bewegung und schon nach wenigen Sekunden öffnete sich die Tür mit dem üblichen zischenden Laut.
Nachdem Roger aus der Kabine herausgetreten war stand er im Andockbereich, und konnte durch die Fenster den Rumpf der ALEXANDRIA sehen.

Ein langer teleskopartiger Gang war mit einer Schleuse im Hauptrumpf auf Deck 9 verbunden. Das Schiff war umgeben von hektischer Betriebsamkeit und viele Wartungsschiffe,
sogenannte Workbees waren damit beschäftigt Material zu den unzugänglichen Stellen an der Schiffshülle zu bringen und Vorbereitungen für den Warpgondel-Austausch vorzunehmen.
Von diesem Punkt konnte man die Sternenflotten Insignien und die Schiffsidentifikation erkennen, wo in großen Lettern geschrieben stand ‚U.S.S. ALEXANDRIA NCC-75341’ und dahinter schloss sich in kleiner Schrift die übliche Signalisation der Sternenflotte an ‚United Federation of Planets’.
Wo immer diese Wörter standen, so hatte er sich geschworen, da war sein Zuhause.

Mit zügigen Schritten ging er hinüber zur Luke und berührte den Sensorbereich für den Signalgeber. Die Luke fuhr nach oben in den Rumpf und gab den Einstieg frei. Roger trat ein und öffnete die Luftschleuse. Etwas zu hastig trat er in den Flur auf Deck neun und hätte fast einen der beiden Wachposten umgerempelt, die am Eingang standen. Vor Ihm stand ein junger Offizier mit einem eher schüchternen Gesichtsausdruck, der sich in seiner momentanen Lage gar nicht wohl zu fühlen schien.

Van Dyke schaute sich um, sah aber kein anderes Crewmitglied außer den beiden Wachposten. Er hatte eigentlich den Captain erwartet, wie dies üblich war, zumindest aber den ersten Offizier, der sich sicherlich an Bord befinden musste.
Nachdem er erkannte, dass nur der junge Lieutenant gekommen war um Ihn zu empfangen, stellte er seine Tasche ab und grüßte.

„Commander Roger van Dyke meldet sich zum Dienst.
Erlaubnis an Bord zu kommen?“, meldete er sich nach alter Sternenflottentradition.
„Erlaubnis erteilt, Sir“, antwortete Ran Byrell, der Lieutenant Junior Grade, der Roger van Dyke gegenüberstand.

„Darf ich Ihnen Ihr Quartier zeigen Commander...“
Ran Byrell drehte sich um und bedeutete van Dyke mit einer einladenden Geste, ihm zu folgen.

Auf Deck sieben angelangt erreichten sie im vorderen Bereich des Schiffes eine Tür mit der Aufschrift
-Commander David Alexander Robinson- und van Dyke trat durch die aufgleitenden Türhälften ein. Ran Byrell war an der Tür stehen geblieben und sagte zu van Dyke:

„Commander Robinson hat erst heute Morgen den Raum gewechselt, die Beschriftung wird selbstverständlich noch geändert.“
Van Dyke sah sich kurz in seinem neuen Quartier um und antwortete spöttisch:

„Hoffentlich hat er wenigstens noch geputzt und den Toilettendeckel runtergeklappt bevor er gegangen ist.“
Ran Byrell setzte einen säuerlichen Gesichtsausdruck auf,
eine solche herablassende Bemerkung hatte er nicht erwartet, auch wenn Commander Robinson die Abholung des neuen Offiziers einfach an Ihn delegiert hatte, weil er offensichtlich keine Lust hatte diese Aufgabe selbst zu übernehmen.

„Der Captain erwartet Sie um 15:00 Uhr in seinem Bereitschaftsraum“, sagte Ran knapp und verließ den Raum.
Kapitel 6 by Harald Latus
Roger van Dyke stellte seine Tasche ab und ließ seinen Blick nun ruhig durch den Raum wandern.

Zu seiner linken war ein kleiner Arbeitsplatz mit allen nötigen technischen Einrichtungen, der durch einen Raumteiler abgetrennt wurde, in den der Replikator integriert war.
Vor den Fenstern die den Blick in den Weltraum gestatteten befand sich ein ovaler Tisch mit acht Sitzplätzen,
über dem eine zusätzliche Schirmlampe angebracht war.
Der grüne Stoffüberzug verriet, dass hier wohl einige Poker Partien abgehalten worden sein mussten.
Links daneben schloss sich eine bequeme und äußerst geräumige Sitzecke an, die von mehreren Pflanzen umsäumt war.

Im Nebenraum, der durch eine Tür vom Wohnbereich getrennt war, befand sich die Schlafkabine mit einem Bett, dass in Richtung Fenster aufgestellt war, dahinter fügte sich das Badezimmer an. Insgesamt machte das Quartier einen geschmackvollen und zweckmäßigen Eindruck. Er würde sich sicher wohl fühlen.

Van Dyke nahm eine persönliche Speichereinheit aus seiner Tasche und ging hinüber zum Arbeitstisch.
„Computer. Übertragen der Arbeitsdateien -Roger van Dyke- in die Schiffsdatenbank“, sagte er und schob die Speicherkarte in die Öffnung der Computereinheit.
„Anweisung kann nicht ausgeführt werden. Zur Übertragung von Daten in das Schiffssystem ist die Autorisation des Captains und des Wissenschaftsoffiziers nötig“, war die Antwort des Schiffscomputers.

„Computer. Identifiziere Commander Roger van Dyke und dessen Befugnisse.“
Jetzt wollte er es genau wissen.

„Van Dyke, Roger.
Commander der Sternenflotte,
An Bord der U.S.S. ALEXANDRIA seit 14:30 Uhr.
Status -GAST-
Befugnisse -KEINE-
Nachrichten -EINE-“

„Computer, Nachricht zeigen!“, wies Roger den Computer an.

Auf dem Display erschien ein kurzer Text, der Ihn dazu aufforderte sich in der Krankenstation zwecks Einsetzen eines Transponders zu melden, der Ihn als Crewmitglied identifizierte.
Darunter stand der Name des leitenden medizinischen Offiziers Dr. Darien Wells.

Roger van Dyke ließ für einen kurzen Moment die Schultern resigniert absinken. Die ganze Situation war für ihn mehr als enttäuschend.
Zuerst wurde er von einem niederrangigen Offizier empfangen, obwohl es üblich war, dass der Captain einen neuen Offizier an Bord selbst begrüßt.
Dann war das Quartier offensichtlich nur widerwillig und erst kurz vor seinem Eintreffen geräumt worden, und als krönender Abschluss erkannte der Computer ihn nicht einmal als Mitglied der Schiffscrew an.

Roger van Dyke lehnte sich zurück, verschränkte die Arme über der Brust und richtete den Blick an die Decke,
„Das fängt ja gut an. Wo bin ich hier nur hingeraten?“ sagte er zu sich selbst.

* * *

Captain Wikland stand an der Regalwand in seinem Bereitschaftsraum, in der er einige alte Bücher aufbewahrte, als das Türsignal ertönte.
„Herein!“, sagte er mit fester Stimme.

Roger van Dyke trat ein und Wikland ging auf ihn zu um ihm die Hand zu reichen.
„Willkommen an Bord!“
„Danke, Captain...“, antwortete van Dyke und folgte der Geste des Captains, die auf die Sitzgruppe gerichtet war.
„...ich freue mich, dass ich auf diesem Schiff dienen darf, und versichere Ihnen, dass ich mein Bestes geben werde, um Ihre Erwartungen zu erfüllen, Sir.“, fuhr er fort, nachdem sie sich gesetzt hatten.

„Davon bin ich überzeugt Commander, aber seien Sie vorsichtig,
ich erwarte viel von meiner Mannschaft und im Besonderen von meinen Führungsoffizieren!“, und um seinen Standpunkt noch deutlicher zu untermauern fügte er hinzu:
„Ich bin allerdings auch ein Freund von klaren Worten Mr. van Dyke und so möchte ich ihnen nicht vorenthalten, dass ich über die von der Sternenflotte angeordnete Personalentscheidung nicht sehr erfreut bin.
Auf meine Anfrage hin, warum und in welcher Position Sie auf meinem Schiff eingesetzt werden, habe ich vom Oberkommando bis heute keine Antwort erhalten.
Dies ist mein Schiff und hier entscheide ich, wer welchen Posten einnimmt, besonders bei den Personen die in meiner Führungscrew sind.“, wobei er einige Worte besonders betonte.

Van Dyke spürte, dass sich im Captain eine Abneigung gegen Ihn zeigte und er konnte dessen Position durchaus verstehen.
Er wäre sicher auch nicht erfreut, wenn man sich in seine Befugnisse einfach einmischen würde und Ihm einen neuen Mann in ein eingespieltes Team setzen würde.

„Captain,...“, begann van Dyke, „...darüber ist mir leider auch nichts bekannt.
Mir ging lediglich der Versetzungsbefehl zu und ich wurde von der U.S.S. Pegasus zur Sternenbasis gebracht.
Ich war der Annahme, dass Sie mich angefordert haben und ich habe mir auch schon überlegt, welcher Grund hierfür wohl ausschlaggebend war.“

Der Captain musterte van Dyke mit skeptischem Blick.
„Aus Ihrer Dienstakte geht hervor, dass Sie alle Prüfungen auf der Akademie mit Auszeichnung bestanden haben.
Allerdings vermutete man gelegentlich auch Manipulationen der Computerprogramme, weshalb Sie einige Tests mehrmals durchführen mussten…“
Wikland machte eine schöpferische Pause und ließ den Commander ein wenig zappeln. „…die Sie aber letztlich alle erfolgreich abschließen konnten.
Das Überwinden einer Simulation ist jedoch etwas völlig anderes, als die Realität der wir uns hier draußen jeden Tag gegenüber sehen.
Hier kann man sich nicht mit Tricks und Kniffen aus der Affäre ziehen. In kritischen Situationen ist harte Arbeit und volle Konzentration gefragt.“

„Dessen bin ich mir bewusst Captain, ich diene schon mehr als zehn Jahre in der Raumflotte, Sir.“, antwortete van Dyke, der wieder einmal nicht wusste, wohin mit seinen Händen.

Er hatte schon befürchtet, dass er wieder in diese Verlegenheit kommen würde. Üblicherweise nahm er immer irgendetwas zur Hand, ein PADD, einen Bericht, eine Speicherkarte oder ähnliches, an dem er sich festhalten konnte und mit dem er eine Aufgabe für seine Hände hatte.
Der Captain wollte allerdings noch einige weitere interessante Punkte geklärt wissen und griff nach seinem Glas, welches vor ihm auf dem kleinen Tisch stand.
„Im zeitlichen Ablauf Ihrer Akte ist für die Zeit von 18 Monaten keine Eintragung enthalten Commander, können Sie das bitte erklären?“

Van Dyke straffte sich, soweit das in der sitzenden Position überhaupt möglich war,
„Ja Sir, eines meiner Hobbys ist das Führen altertümlicher Personenkraftwagen aus dem späten 20. Jahrhundert.
Bei einem Landurlaub, vor drei Jahren, bin ich mit meinem Oldtimer verunglückt und habe für lange Zeit im Koma gelegen.
Dies müsste allerdings auch aus meiner medizinischen Akte hervorgehen.“, erwiderte van Dyke

„Die medizinische Datei, sowie eine weiterführende Akte erwarte ich in Kürze.
Ein mir verbundener Freund hat sich in dieser Angelegenheit für mich verwendet, da die Datenübertragung äußerst lückenhaft war.
Wie bereits gesagt, die Informationen über Ihren Dienstantritt waren mehr als spärlich.“

Der Captain setzte sich auf und drückte seinen Kommunikator. „Wikland an Commander Robinson, bitte melden Sie sich in meinem Raum...“, und an van Dyke gewandt fuhr er fort,
„... Sie kennen sicher schon den Ersten Offizier, der mich auf diesem Schiff tatkräftig unterstützt.“, ergänzte der Captain.
„Tut mir leid Sir, ich hatte bislang noch nicht das Vergnügen“, erwiderte van Dyke ruhig, was den Captain ein wenig ins Grübeln brachte. Er hatte seinem ersten Offizier unmissverständlich den Befehl gegeben den Commander an Bord zu begrüßen.

Bereits nach wenigen Sekunden öffnete sich die Tür und David Robinson trat ein.
Der Captain und van Dyke standen auf und gingen auf den ersten Offizier zu, um ihn zu begrüßen.

„Ich dachte, Sie hätten unseren neuen Offizier an Bord begrüßt Commander?“
Wikland blickte Robinson fragend an, der mit entspannter Körperhaltung vor ihm stand und ihn gelassen anblickte.
Er hatte schon immer eine etwas lockere Auffassung zu den Regeln der Sternenflotte gehabt und dokumentierte das meist durch die Ignoranz kleiner Vorschriften der Etikette.
„Nein Captain, ich hatte noch einige Dinge bezüglich meiner künftigen Dienstverpflichtungen zu erledigen, und habe daher Lieutenant Ran Byrell zum Empfang von Commander van Dyke abgestellt“

Robinson sah den Captain schon fast gelangweilt an, der den ersten Halbsatz anscheinend noch gar nicht vollständig verarbeitet hatte. Denn er ging zunächst direkt zur Vorstellung über.
„Commander van Dyke, das ist unser erster Offizier, Commander David Alexander Robinson, der mir in den letzten zwei Jahren bei der Schiffsführung beigestanden hat.“
Mit einer Geste seiner linken Hand wies er auf van Dyke, der neben ihm stand.
„Und das ist Commander Roger van Dyke, der neue Offizier an Bord, von dem wir leider nur wissen, dass er ab sofort zu unserer Crew gehört. Die Antwort der Sternenflotte, über den Hintergrund seiner Versetzung liegt bislang leider noch nicht vor.“

Robinson setzte ein wissendes Lächeln auf, und sagte:
„Nun, vielleicht kann ich da ein wenig aushelfen Captain, Sie wissen ja, dass ich schon länger den Wunsch hege mich weiterzuentwickeln und auch in meiner Position zu verändern.
Ich habe einige Fäden bei der Sternenflotte gezogen und einige uralte Gefallen eingefordert.“
Wikland beschlich eine erste Ahnung was nun folgen würde.
Er hoffte noch, dass er sich irren möge, aber die Ausführungen des ersten Offiziers waren schon mehr als eine Andeutung.
In diesem Moment durchzuckte es ihn wie ein valerianischer Fächerblitz, die beiläufige Anmerkung über künftige Dienstverpflichtungen, nein, das konnte er nicht ohne sein Wissen und Einverständnis einfach durchgesetzt haben.

Wikland wollte diesen Gedanken beiseite wischen, aber schon der nächste Satz von David Robinson klang wie die Detonation eines Torpedos in seinen Ohren.
„Captain, ich verlasse die ALEXANDRIA in Kürze.
Commander Roger van Dyke ist mein Ersatz.
Ich persönlich habe Ihn unter einer Vielzahl von möglichen Kandidaten ausgewählt und Sie werden mit Sicherheit mit seinen Fähigkeiten und Kenntnissen bestens zufrieden sein.
Er ist für dieses Schiff die beste Wahl. Selbstverständlich werde ich Commander van Dyke noch Einweisen und erst nach der nächsten Mission von Bord gehen.“

Wikland machte den Eindruck einer Deuteriumbombe, deren Zünder auf wenige Sekunden beschränkt, gerade durch die Unachtsamkeit eines dahergelaufenen Passanten in Gang gesetzt worden war.
Eine solche Unverfrorenheit und Anmaßung hatte er von seinem ersten Offizier nicht erwartet. Es war eine Situation die jeden vernünftigen Menschen an den Rand des Ausbruches brachte, die Erkenntnis, dass man hintergangen worden war.
An Wikland rauschten Bilder und Bemerkungen vorbei, die er in den vergangenen zwei Jahren gemeinsam mit Robinson erlebt hatte.
Viel zu oft, so erkannte er, hatte er diesen Worten und Gesten keine große Bedeutung beigemessen.

Es war einer dieser Momente, in denen er sich wünschte allein mit Robinson in einer dunklen verlassenen Seitengasse von Lower- Manhatten zu stehen und dann in einem Kampf ohne Waffen, nur mit den Fäusten, Mann gegen Mann herauszufinden, wer der Stärkere war.
Auch wenn er Robinson kannte, der gerne auf verborgenen Wegen seine oft weitreichenden Einflüsse geltend machte
und manchmal ein fast untolerierbares Maß an Ignoranz gegenüber seinen Befehlen und Anweisungen an den Tag legte,
so hatte er doch bislang großes Vertrauen in die Loyalität seines ersten Offiziers gesetzt.

Aber anstatt wütend und unbeherrscht loszubrüllen wandte er sich an van Dyke und sagte trocken zu Ihm:

„Nun Commander, dann werden Sie wohl ab sofort meine neue Nummer eins sein, ich gratuliere Ihnen.
Auch wenn Ihnen diese Position von der Sternenflotte ohne mein Wissen in den Schoß gelegt wurde,
sollten Sie sich bewusst sein, dass ich mir meine Crew gerne selbst zusammenstelle. Die Wertschätzung innerhalb der Mannschaft müssen Sie sich selbst verdienen. Hier gibt es keinen Vorschußbonus.“

Die letzten beiden Sätze betonte er besonders und legte noch mehr Gewicht dadurch hinein, dass er sie sehr langsam aussprach.
Es klang eher wie eine Warnung, fast schon wie eine Drohung und van Dyke spürte deutlich die Abneigung, die nun vom Captain ausging.
Sie war sicher nicht gegen seine Person, sondern gegen die Umstände gerichtet, aber er wusste, dass er es nicht leicht haben würde.
Ein Teil dieser Crew, ja sogar dieses Teams zu werden, war sicher eine der schwersten Herausforderungen, denen er sich bislang stellen musste.

Wikland tastete nach seinem Kommunikator,
„Computer, übernehme Personaldaten von Commander Roger van Dyke und führe Ihn ab sofort als ersten Offizier,
das Patent von Commander David Alexander Robinson wird hiermit unwirksam. Freigabe für Computerzugriff und Kommandocodes. Autorisation Wikland, Alpha-Eins-Beta-Gamma-Drei.“

Wikland wartete erst gar nicht auf die Bestätigung der Sternenflotte, ob die Angaben von David Robinson ihre Richtigkeit hatten.
Er handelte sofort und enthob ihn seines aktiven Amtes.

„Datenübertragung komplett, Offizierspatent installiert und aktiv, Zugriffsrechte freigeschaltet.“, kam die Stimme des Computers aus dem Audiosystem.
„Die restlichen Freigaben für Datenkommunikation und persönlichen Datentransfer wird Commander K’Orak der Leiter der Wissenschafts-Abteilung gleich erledigen.
Machen Sie sich mit den Mannschaftslisten, der Dienstplangestaltung, den Schiffssystemen und den sonstigen Gegebenheiten auf dem Schiff vertraut.
Ihr erster Dienst beginnt morgen früh mit der Tagesschicht. Das ist alles, Sie können wegtreten.“

Van Dyke straffte sich nochmals und antwortete
„Danke Sir, ich freue mich darauf ein Mitglied in Ihrem Team zu sein.“
Damit wandte er sich um und wollte gemeinsam mit Robinson den Raum verlassen. Wikland aber, tippte Robinson auf die Schulter,
„Commander, ich möchte noch einige wichtige Dinge mit Ihnen besprechen bevor Sie sich zurückziehen...“

Van Dyke konnte noch den Umschwung auf einen ärgerlichen Unterton in Wiklands Stimme erkennen, bevor sich die Türen des Bereitschaftsraumes hinter ihm schlossen und er auf der Brücke stand. Die anwesende Servicecrew beachtete ihn kaum. Mit wenigen Schritten war er zum Turbolift gelangt und gab das Kommando:

„Krankenstation“. Er hatte noch einen weiteren Termin wahrzunehmen.
Kapitel 7 by Harald Latus
Es waren zwei Tage vergangen, ohne dass sich etwas Besonderes ereignet hatte.

Commander van Dyke hatte den Dienst aufgenommen und die Reparaturarbeiten auf der Brücke und im Maschinenraum überwacht.
Der Eifer, mit dem die Mannschaft an die Arbeit ging war enorm.
Jeder Handgriff saß, jede Aufgabe wurde mit hohem Tempo und absoluter Präzision durchgeführt und ohne dass viele Worte nötig gewesen wären verstand sich die Crew alleine durch Blickkontakte und kleine Gesten.

Es war wirklich ein eingespieltes Team, eine eingeschworene Gemeinschaft. So kannte das Van Dyke von seinem alten Posten nicht. Dort war es fast an der Tagesordnung, dass irgendjemand ausrastete, weil er mit den Weisungen des Captains nicht zu recht kam. Der Commander hatte das Gefühl dass der Captain der LEXINGTON seiner Mannschaft einfach zu viel abverlangte, in dem bemühen besser zu sein als andere Schiffe.
Roger war der Ansicht, dass dies zu großen teilen am Führungsstil lag den der Captain seinen Führungsoffizieren diktierte.
Hier auf diesem Schiff, schien alles anders zu sein und auch wenn der Captain einen entschlossenen Eindruck machte und sicherlich keine Schludereien zuließ, sah es so aus als seien die Leute hier zufriedener.

Zu Beginn der Tagesschicht hatte man die Verankerung der defekten Warpgondel gelöst und sie vom Schiff getrennt.
Nachdem sie mit den Workbees zur Raumbasis geschleppt und verankert worden war, hatte man die neue Gondel bereits bis auf wenige Meter an das Schiff herangeführt und war bereit sie mit dem Rumpf zu verbinden.
„Commander van Dyke, melden Sie sich auf Deck 4 im Haupthangar, Wikland, Ende“, kam die Stimme des Captains aus dem Audiosystem des Maschinenraumes.
„Bin auf dem Weg, Sir“, antwortete van Dyke, nachdem er seinen Kommunikator berührt hatte.
Wortlos drehte er sich um und war kurz darauf durch die Haupttür des Maschinenraumes zum Turbolift unterwegs. Bei seinem Eintreffen im Haupthangar wartete Wikland bereits an der Einstiegsluke zur Northlander, dem Captains Shuttle der ALEXANDRIA.

Es war ein besonderer Luxus den sich der Captain hiermit leistete.
Anstatt wie üblich eine Captains Yacht am Diskussegment des Schiffes unterzubringen hatte sich Wikland dafür entschieden ein Runabout als Captains Shuttle einzusetzen.

Die Northlander entsprach in ihrem äußeren Erscheinungsbild den Schiffen der Danube Klasse, war jedoch auf Wunsch des Captains modifiziert worden und wies einige Sondereinrichtungen auf, zu denen auch ein hochleistungsfähiger Warpantrieb der Klasse 4 zählte, den die Ingenieure nur mit Mühe in den üblichen Warpgondeln unterbringen konnten.
„Kommen Sie Mr. van Dyke, wir wollen uns dieses Schauspiel von draußen ansehen.“, kam der Captain auf ihn zu.

Sie stiegen in das Runabout und Wikland übernahm sofort die Position des Steuermanns. Nach Einholen der Starterlaubnis verließen Sie den Hangar und steuerten am Rumpf der ALEXANDRIA auf die Warpgondel zu, die unter dem Schiff hing.
In respektvollem Abstand zum Schiff verlangsamten Sie den Flug und stoppten das Shuttle.
Der Captain blickte auf das Schiff und die nun beginnende Zusammenführung von Warpgondel und Rumpf und sagte mit fester Stimme und voller Überzeugung:

„Dieses Schiff ist seit einigen Jahren mein Zuhause, meine meine Arbeit und nicht zuletzt auch meine Zuflucht.
Es hat mir Schutz geboten, mir Herausforderungen gestellt an denen ich gewachsen bin und es hat mich vor Gefahren in dieser Unendlichkeit hier draußen beschützt. Es hat mich bisher nie im Stich gelassen oder mich enttäuscht, auch vor sechs Tagen nicht als es richtig schlecht um uns stand.

Und ebenso habe ich versucht mein Schiff und meine Mannschaft zu schützen, ich habe es gut und mit der nötigen Vorsicht behandelt und meinen Teil dazu beigetragen dass wir immer wieder unbeschadet nach Hause kommen konnten,
auch wenn ich außer diesem Schiff keine Wurzeln mehr im Universum habe, zu denen ich zurückkehren könnte....“

Sein Blick glitt über den glatten Körper des Schiffes, das im Licht der Wesalan-Sonne glänzte und einen majestätischen Anblick bot.

Die Service- und Reparatur-Workbees, die unablässig in der Nähe des Schiffes ihre Aufgaben verrichteten wirkten wie ein Bienenvolk, das sich um seinen Bau sorgt und mit gezielten Maßnahmen an der Vollendung arbeitet.
„Ich möchte, dass Sie sich das ansehen Nummer Eins.
Es ist eine große Verantwortung, die Sie mit ihrer neuen Position übernehmen.
Sie sollten sich bewusst machen, dass über 1200 Personen ihr Schicksal in Ihre Hände und Entscheidungen legen,
ohne zu wissen, ob Sie dazu in der Lage sind, jedwede Gefahr einzuschätzen und abzuwenden.“

Die Warpgondel war gerade an den Rumpf angelegt worden,
doch in der lautlosen Stille des Alls konnte man das Einrasten der hydromechanischen Verbindungsklauen sowie das Einschnappen der Sicherungsvorrichtungen nicht wahrnehmen.
Dieses Geräusch war nur an Bord der ALEXANDRIA zu hören.

„Commander ich erwarte von Ihnen, dass Sie sich dieser hohen Verantwortung bewusst werden, und Ihre Handlungen daran orientieren, was das Beste für Crew und Schiff ist.
Ich erwarte, dass Sie sich unterordnen und meine Anweisungen und Befehle befolgen, auch wenn Ihnen das manchmal schwer fallen sollte. Was immer Sie auch tun, denken Sie daran welche Verantwortung auf Ihnen lastet.“

Wikland wandte sich zu van Dyke um und blickte ihm in die Augen. Mit leiser und gesenkter Stimme fügte er hinzu:
„Noch etwas, wenn Sie sich entscheiden eine Aufgabe durchzuführen, erwarte ich, dass alles funktioniert.
Ein Fehlschlag ist nicht akzeptabel. Haben wir uns verstanden?“

Roger van Dyke, der im Runabout stand und das Szenario betrachtete, welches sich seinen Augen bot, hatte seine Hände fest um die Rückenlehne des Pilotensitzes geschlossen und schaute auf das Schiff hinaus, das angedockt an die Sternenbasis vor Ihnen im Raum schwebte.

„Ja, Sir, ich habe verstanden. Ich werde alles tun, um mich Ihrem Vertrauen würdig zu erweisen.“, antwortete er und sein Blick war dabei auf das vor ihm liegende Schiff gerichtet.
Kapitel 8 by Harald Latus
Admiral Wilbur Jameson griff nach der Kanne mit dem Fruchtsaft und füllte das Glas von Captain Wikland.
In dem großzügigen Büro des Admirals hatten beide am Konferenztisch Platz genommen, der vor den Fenstern aufgestellt war. Der Raum war geschmackvoll eingerichtet und mit einigen archäologischen Fundstücken ausgestattet.

Es war unverkennbar, dass der Admiral eine Vorliebe für solche Gegenstände besaß.
Die Plätze an denen sie aufgestellt waren, hatte er mit viel Liebe ausgewählt und die Exponate durch spezielle Lichtquellen hervorgehoben.
Alles erinnerte ein wenig mehr an eine exklusive Kunstausstellung als an ein Büro der Sternenflotte.
Besonders die Büste einer aridianischen Gottheit war auf einem Podest aus transparentem Aluminium aufgestellt und von vier Hyperlichtstrahlern perfekt in Szene gesetzt.
Das Licht brach sich in den Kanten des hüfthohen Podests und tauchte mit seinen Reflektionen die Steinfigur in ein unwirkliches und mystisches Farbenspiel aus Licht.

Der Admiral hatte sich die Reparaturberichte der ALEXANDRIA lange Zeit angesehen, er legte das PADD auf dem Konferenztisch ab, griff nach seinem Getränk und nahm einen langen Zug aus seinem hohen und schlanken Glas.
„Captain, wie ich sehe, ist Ihr Schiff wieder voll einsatzfähig.“
Wikland setzte sich auf.
„Jawohl Sir, wir konnten die Reparaturen innerhalb kürzester Zeit abschließen.
Wir hatten Glück, dass gerade die Teile für die Phoenix vorbereitet waren, die wir dann zur Instandsetzung verwenden konnten. Den Warpantriebstest und die vorgeschriebenen Einmessflüge haben wir bereits gestern abgeschlossen.“

Der Admiral blickte aus dem Fenster zur ALEXANDRIA hinüber, die nun in einem engen Orbit mit langsamer Geschwindigkeit die Station umkreiste.
„Die Sternenflotte möchte eines ihrer besten Schiffe im Sektor 325 einsetzen, da sich hier die Lage ein wenig verschärft hat.
Die Föderation muss etwas mehr Präsenz zeigen, da in diesem Gebiet eventuell mit den Romulanern gerechnet werden muss.

Man hat mich beauftragt mindestens ein Schiff der Galaxy oder Nebula Klasse zur Unterstützung des Außenpostens der Föderation abzustellen.“

„Normalerweise sollte die Phoenix diese Aufgabe nach ihrer Generalüberholung übernehmen...“, begann er und blickte Wikland dann eine ganze Weile schweigend an.
„... aber da Captain Galagher nicht rechtzeitig eintreffen wird, und der Nachschub der Teile erst noch sichergestellt werden muss, möchte ich gerne, dass Sie diese Aufgabe übernehmen.“

Wikland stellte sein Glas auf den Tisch und wandte sich dem Admiral zu.
„Natürlich Admiral, ich hoffe allerdings, dass diesmal keine Eskalationen drohen. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, eine richtige Herausforderung ist schon etwas schönes, aber ein etwas ruhigerer Auftrag käme meiner Crew und ehrlich gesagt auch mir momentan sehr gelegen.
Die letzten Monate waren sehr turbulent, und der einzige Ausgleich den die Crew hatte, waren einige Stunden auf der Station und in den Vergnügungseinrichtungen.“

Der Admiral setzte ein freundliches Lächeln auf
„Es ist zwar kein Spaziergang, aber es wird sicherlich ruhiger, als die Feier von der sie letzte Woche zurückgekommen sind...“
Der Admiral stand auf und ging hinüber zum Wanddisplay.
Er aktivierte eine Sternenkarte, die den Raum zwischen der Sternenbasis und dem Sektor 325 darstellte.
„...es gibt da allerdings ein Problem. Wir hatten die Ankunft der Verstärkung bereits angekündigt und waren uns sicher dass diese von heute an gerechnet in 3 Tagen dort sein würde.
Wenn Sie umgehend starten und den üblichen Kurs nehmen, sind Sie mit Warp 9 allerdings frühestens in 5 Tagen dort.“

Wikland war dem Admiral gefolgt und stand nun ebenfalls vor dem Display, das einen großen Teil der Wand einnahm.
Er betrachtete die Karte auf der die Grenzen des Alpha und Beta Quadranten eingezeichnet waren.

Die Darstellung zeigte das Randgebiet der Föderation,
das sich zum Zentrum der Galaxis hin erstreckte und sich zwischen dem bajoranischen Raum und den Romulanern befand. Eine geschwungene Linie führte im weiten Bogen um einige Kugelsternhaufen und Sternencluster,
welche wie eine große Hand in das Föderationsgebiet hineinragten und die direkte Linie zwischen den beiden Föderationszeichen behinderte.

Bislang war dieses Gebiet unerforscht und es war nur unvollständig mit Langstreckensensoren abgetastet worden.
Die Berichte einiger Händler, die sich gelegentlich vom Randgebiet in die Sternencluster begaben, deuteten allerdings auf bewohnte Welten in diesem Sektor hin, aber die Föderation hatte genug damit zu tun ihre Grenzen gegen das Romulanische Imperium zu schützen und wollte vorerst keine nähere Untersuchung dieses Gebietes in Angriff nehmen.

Nachdem der Captain eine Weile schweigend vor dem Display stand, deutete er mit seiner rechten Hand auf die Kugelsternhaufen und Sternencluster und sagte:
„Nun, bei einer genauen Navigation sollte es doch möglich sein, den direkten Weg zu nehmen. Dadurch könnten wir problemlos 1 1/2 Tage sparen und fast rechtzeitig ankommen.“

Admiral Jameson winkte ab.
„Nein, das kommt nicht in Frage, dieses Gebiet ist noch nicht vollständig kartographiert, es könnten sich eventuell noch Planeten in den Sternenhaufen verbergen und das wäre ein zu großes Risiko.“
Wikland fühlte sich in seiner Ehre und seinen Fähigkeiten als Sternenflottenoffizier angetastet.
Für ihn gab es grundsätzlich keine unlösbaren Probleme und er war ein gradliniger Mensch. Nur selten wich er vom direkten Weg und von seiner vorgefassten Meinung ab.

Schon oft war Wikland mit diesem Verhalten angeeckt, doch hatten ihn seine Erfolge immer wieder in die Sonnenstrahlen der Anerkennung gerückt. Mit einem Anflug von Stolz in seiner Stimme erwiderte er

„Nun Admiral, dann sind Sie über die Ausrüstung der ALEXANDRIA sicher nicht vollständig informiert worden.
Wir haben eine neuentwickelte Version des Langstreckensensors an Bord, der dieses Risiko auf Null reduzieren kann.
Unsere Sensoren sind in der Lage selbst bei Warp 9 eine detaillierte Vorausberechnung von 20 Minuten Flugstrecke zu erstellen, genug um einem Planeten oder anderen Unwägbarkeiten auszuweichen.“

Der Admiral schaute auf den Boden und es zeigte sich ein kleines Lächeln auf seinen Lippen. Dann blickte er auf die Karte und betätigte die Kontrollen, die in einem Panel in der Wand neben das Display eingelassen waren.
Die geschwungene Linie wurde zu einem fast geraden Strich, der nur noch zwei kleine Bögen erkennen ließ um zwei Kugelsternhaufen auszuweichen, die den direkten Weg behinderten.

„Anscheinend kenne ich Sie doch besser als Sie glauben Captain Wikland...“, damit drehte er sich zum Captain, „...man hat mir bereits mitgeteilt, dass Sie eine solche Zeitverschwendung sicherlich nicht akzeptieren würden, ich muss sagen, ich bin beeindruckt.
Ein solcher Einsatz ist leider nicht bei allen Führungsoffizieren unserer Flotte zu finden“

Wikland sah dem Admiral kurz in die Augen und erwiderte dann in einem ruhigen Ton:
„Das ist eine bedauerliche Erkenntnis, die auch ich bereits vor einer ganzen Weile machen musste Admiral.
Sie können sich auf uns verlassen, wir werden den Außenposten in weniger als vier Tagen erreichen. Die ALEXANDRIA startet noch heute.“

Der Admiral ging zu seinem Schreibtisch hinüber und warf einen weiteren Blick auf die ALEXANDRIA, die gerade wieder an der Sternenbasis vorüberzog.
Es war wirklich ein erhabener Anblick den ein Schiff der Nebula Klasse dem Betrachter bot.
Die Außenbeleuchtung setzte wunderschöne Akzente auf der Hülle des Schiffes und ließ einen glauben, dass es ein lebendes Wesen sei, was nebenbei gesagt ohnehin jeder Captain von seinem Schiff dachte.
Es war ein uraltes und ungeschriebenes Ritual, dass jeden Captain schon zu Seefahrerzeiten auf der Erde dazu veranlasste, an diese, wenn auch abwegige, Vorstellung zu glauben.
Es gab ein wenig die Hoffnung, dass auch das Schiff alles für einen tun würde, wenn man es richtig behandelte.

Admiral Jameson nahm eine Speicherkarte vom Tisch auf und reichte sie Wikland.
„Hier ist Ihre Flugroute, natürlich die direkte welche Sie empfohlen haben und eine technische Datei von Admiral Parker. Er sagte, Sie wüssten bereits Bescheid.
Außerdem haben wir eine Übermittlung von Ihrem Freund Carter Wellington erhalten, Er hat einige persönliche Daten für Sie mitgeschickt, er sagte Sie warten bereits darauf.“

„Vielen Dank Admiral“, antwortete Wikland und steckte die Speicherkarte in seine Tasche.
„Wir werden in zwei Stunden aufbrechen, aber vorher möchte ich noch einen Spaziergang im Arboretum machen.
Es ist immer sehr entspannend, wenn man sich vor einer wichtigen Aufgabe noch einmal ein wenig Sammeln kann.
Ein Holodeck ist gegen einen richtigen Garten immer noch nur ein schwacher Abklatsch.“

„Ich kann Sie gut verstehen. Viel Glück und gute Reise“
Jameson reichte Wikland die Hand und sah ihm nach als er aus seinem Raum trat und mit langen Schritten den Flur zum Turbolift entlang ging.
Ja, er war wirklich ein Captain der alten Garde. Ein alter Haudegen, wie man so schön sagte.
Aber er war loyal. Er war von den Werten der Flotte überzeugt und von seinem Schiff und seiner Crew ebenfalls. Er wusste was er und seine Mannschaft zu leisten in der Lage waren und das imponierte dem Admiral.
Leider gab es nur noch wenige von seiner Sorte und ob neue aufstrebende Captains jemals dieses Format erreichen würden war ungewiss.
Kapitel 9 by Harald Latus
„Commander, wie weit sind Sie mit den Vorbereitungen für den Start? Sie wissen, wir werden dringend erwartet.“
Der Captain, der gerade die Brücke betreten hatte sah van Dyke mit ernstem Blick an und wartete auf die Antwort.
„Sir, das Schiff ist voll einsatzbereit, die Kursdaten wurden in den Navigationscomputer übertragen und die gesamte Mannschaft ist bereits auf ihrem Posten. Wenn Sie wollen, können wir sofort starten.“

Der Captain ließ sich auf seinem Platz nieder.
Ein Gefühl der Vertrautheit machte sich in seinem Inneren breit.
Man konnte es sich vorstellen als wenn man sich in ein Bad mit angenehm temperiertem Wasser gleiten lässt und das Wohlbehagen einen umgibt, nur dieses Gefühl hier war viel stärker.
An diesem Platz fühlte er sich mit dem Schiff regelrecht verbunden, eine Einheit bildend und meinte dass seine eigenen Sinne die gesamte Struktur des Schiffes umfassten und förmlich die Hülle der ALEXANDRIA seine zweite Haut sei.

„Brücke an Maschinenraum, Lt. Commander Jefferson wie ist der Status unseres Antriebs?“
Die Antwort kam umgehend.
„Jefferson hier, Captain ich habe Commander van Dyke bereits vor einer Stunde berichtet, dass wir über volle Energie verfügen.
Die Warpgondel scheint wie für uns gemacht.
Alle Systeme laufen auf bestmöglichem Wirkungsgrad.“, tönte die Stimme aus dem Audiosystem.
Wikland blickte zufrieden nach vorn, ohne van Dyke mit einem Blick zu würdigen.

„Dann wollen wir uns mal auf den Weg machen.
Commander K’Orak, berechnen Sie den bestmöglichen Detailkurs um die Sternenhaufen und Cluster zu meiden.
Achten Sie auf Protosterne und Pulsare, wir wollen unsere neuen Bauteile nicht gleich wieder in die Reparatur schicken.“
Der Klingone schaute zu Captain Wikland und bestätigte mit einem Kopfnicken, dass er die Anweisung verstanden hatte.
Wer jedoch eine Meldung im Sinne von „Aye, Sir“ erwartet hatte wurde zumindest in diesem Moment enttäuscht. K’Orak wandte sich seinen Kontrollen zu und war für die nächsten Stunden weder ansprechbar noch am Austausch von Meinungen und Worten interessiert.

„Lieutenant Ramirez, verlassen Sie den Orbit um Sternenbasis 491 mit einem viertel Impuls und setzen Sie Kurs eins, eins, fünf, komma zwei, vier, neun“.
Die Stimme des Captains schien einen Hauch von Abenteuer zu verbreiten. Sie klang fest, fordernd, klar und hatte einen kleinen Anflug von Euphorie.
Es ging wieder hinaus und man hatte nicht den einfachen Weg gewählt sondern denjenigen der den Idealen der Sternenflotte entsprach. Der schwere Weg, der noch Geheimnisse und Herausforderung für die Entschlossenen bereithielt.

„Captain wir haben den Orbit verlassen, Kurs liegt an.“
Ramirez wartete auf weitere Anweisungen.
Die Brücke knisterte vor Spannung, jeder konzentrierte sich auf seine Aufgabe. Nur das Piepen der Kontrollen und das monotone leise Brummen der Maschinen war zu hören.
Alle schauten gespannt auf den Hauptschirm, von dem gerade die Raumstation verschwunden war und der jetzt das weite Weltall zeigte.

Auf der linken Seite war der Halatan Nebel zu sehen, der mit seinem farbenprächtigen Lichtspiel einen Abschiedsgruß zu geben schien.
„Ramirez, wir gehen auf Warp 9!“
Die Stimme des Captains durchschnitt die Stille auf der Brücke.
„Aye Sir, Warp 9 bereit“, antwortete Ramirez von der Conn Station.

„Und Los!“
Wikland sprach diese Worte mit einer Energie aus, als könnte er allein durch diese zwei Worte das Schiff durch ein ganzes Sonnensystem schleudern.
Im selben Moment bildeten sich auf dem Hauptschirm lange Striche und es zeigten sich die vorbeirasenden Warpsterne, die bei diesen Geschwindigkeiten typisch waren.
Roger van Dyke hatte rechts neben dem Captain Platz genommen und prüfte die Sensorenwerte und Flugdaten an dem Terminal neben sich. Er hatte die Situation richtig eingeschätzt. Der Captain vertraute ihm noch nicht völlig.

Er hatte seinen Bericht zwar entgegengenommen, es aber nicht ausgelassen, sich selbst noch einmal zu vergewissern, ob wirklich alles in Ordnung war.

Van Dyke der einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit hatte und sich über ein solches Verhalten ärgerte, war jedoch klug genug diese Situation nicht vor versammelter Crew zu diskutieren und Captain Wikland, der sich bereits innerlich auf eine entsprechende Reaktion vorbereitet hatte entspannte sich wieder, als er feststellte, dass van Dyke keine Anstalten machte mit ihm darüber zu diskutieren.

Aber aufgeschoben war nicht aufgehoben soviel war klar.
Van Dyke würde seine Meinung deutlich machen und er war fest entschlossen, dies zu tun um seinen Standpunkt klar zu machen und die Fronten zwischen sich und dem Captain zu klären.
Auch er hatte schon eine lange Dienstzeit vor sich und war sicherlich nicht von alleine zum Commander geworden. Man durfte also auf seine Aussagen ruhig vertrauen.

Die folgenden zwei Tage waren angefüllt mit geschäftiger Betriebsamkeit auf dem ganzen Schiff, aber dennoch frei von jeder Hektik.
Nachdem alle Systeme auf der Sternenbasis repariert worden und die darauf folgenden Freischichten abgefeiert waren,
hatte der Dienstplan wieder einen gleichmäßigeren Rhythmus angenommen.
Alles verlief in geordneten Bahnen, während die ALEXANDRIA die Leere des Alls mit Warp neun durchschnitt.
Roger van Dyke gab sich alle Mühe die ihm übertragenen Aufgaben korrekt und effizient zu bewältigen und konnte seine Berichte oft schon bereitlegen, bevor der Captain danach verlangte.

Gemeinsam mit Cmdr. K’Orak hatte er die Analyse der Sternencluster durchgeführt und zusammen mit Lieutenant Ramirez den bestmöglichen Ausweichkurs für einen Protostern berechnet, der in der Nähe eines Zwillingssterns durch die dort herrschenden Neutrinowerte beinahe zu spät entdeckt worden wäre.
Auch den anderen Crewmitgliedern auf der Brücke fiel auf, dass van Dyke alles tat um bei Captain Wikland einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Sie arbeiteten wie selbstverständlich mit ihm an gemeinsamen Aufgaben, blieben aber immer auf Distanz.

Andy Duke der zweite Offizier und Ran Byrell waren jedoch der Ansicht, dass er eine Spur zu weit ging und werteten seine überaus korrekte Art und seinen extremen Einsatz als Streberei.

Als Roger van Dyke an diesem Abend in sein Quartier kam war er ausgelaugt von der ständigen Konzentration und dem langen Dienst.
Aber dennoch hatte er eine gewisse Unrast in sich, er überlegte, ob er sich im Holodeck noch ein paar Übungsstunden im Kampfsporttraining gönnen sollte, entschied dann aber, dass ihm dazu wohl die nötige Aufmerksamkeit fehlte.
Egal wohin er blickte, heute war ihm selbst dieser großzügig bemessene Raum einfach zu eng.

Er nahm ein kurzes Duschbad bei dem er die angenehme Temperatur als überaus erfrischend empfand.
Die Duschen mit Wasser standen selbst auf einem so großen Föderationsschiff nur den Mitgliedern der Führungsebene zur Verfügung, der Rest der Mannschaft musste sich mit Ultraschallduschen begnügen.
Roger beschloss anschließend in die Bar Lookout auf Deck neun zu gehen, die er noch nicht gesehen hatte.
Die Bar war gut besucht und in der halbrunden Sitzecke hatten sich wieder Andy Duke, Alisha und Carah Pehl zusammengesetzt und unterhielten sich angeregt.
Einige taxierende Blicke trafen auf van Dyke, der sich an die Theke begab und auf einem freien Platz neben David Robinson niederließ.

Er bestellte einen Drink und drehte sich auf seinem Hocker um.
„Hatten Sie es auch so schwer, als Sie ihren Dienst auf diesem Schiff angetreten haben?“, fragte er David Robinson, der locker auf seinem Barhocker saß, sich mit den Ellbogen nach hinten auf der Barkante abstützte und in den Raum blickte.

„Ehrlich gesagt, nein.
Aber ich bin auch nicht unter solchen Umständen an Bord dieses Schiffes gekommen wie Sie. Ich muss allerdings zugeben, dass ich an Ihrer Situation nicht unschuldig bin.

Schließlich habe ich Sie von ihrer alten Position hierher auf die ALEXANDRIA versetzen lassen ohne dem Captain auch nur ein Sterbenswörtchen davon zu sagen.“
David Robinson griff nach seinem Glas, nahm einen kräftigen Zug und blickte nach vorn auf das Sternenpanorama dass ihnen entgegenflog.

„Wie können Sie sich eigentlich über die Befehlskette des Captains, der Admiralität, ja sogar der ganzen Sternenflotte hinwegsetzen?
Einen Offizier kann man nicht so einfach abziehen und irgendwohin versetzen.“

Roger van Dyke blickte den neben ihm sitzenden Robinson fragend an.
„Oh, Sie glauben gar nicht was so alles in der Sternenflotte geht. Sagen wir einmal, ich bin der Ansicht, dass Ihr Talent auf der U.S.S. Lexington verschwendet wäre.
Auf diesem alten Kutter wären Sie die nächsten Jahre sicher nur versauert.
Der Captain ist ein feister fauler Sack und nur an seinen persönlichen Interessen orientiert.
Der wusste nicht einmal was er an Ihnen hatte. Er hat Sie ohne weitere Nachfragen einfach gehen lassen.“

David Alexander setzte seinen besten Gesichtsausdruck auf,
diesen -Ich habe es doch gewusst- Blick hatte er jahrelang geübt und er verfehlte auch heute seine Wirkung nicht.

Van Dyke war verwirrt.
Er überlegte, wie ihn der Offizier eines Raumschiffes einschätzen konnte, den er noch nie gesehen hatte, und wie Robinson über seine Fähigkeiten, Leistungen und Kenntnisse Bescheid wissen konnte.
Diese Informationen waren üblicherweise Verschlusssachen, an die man nicht ohne umfangreiche Beziehungen herankam.
Im Übrigen erstaunte es ihn, dass ein Offizier der Sternenflotte so abfällig über eins der Flottenschiffe sprach,
das ebenfalls zur Nebula Klasse zählte und von der Bezeichnung als alter Kutter ebenso weit entfernt war wie Risa vom bajoranischen Wurmloch.

„Wie Ihnen vielleicht schon bei unserem ersten Zusammentreffen in Captain Wiklands Bereitschaftsraum aufgefallen ist, lege ich die Regeln der Flotte ab und an mal nach meinem Gutdünken aus.
Ich nutze manchmal meine Kontakte bei der Sternenflotte, wenn ich meinen weiteren Lebensweg verändern will, oder bestimmte Probleme lösen möchte.
Kennen Sie Admiral Henry Blackwood?“
Van Dyke schüttelte langsam den Kopf,

„Nein, ich weiß nur, dass er der Chef des Geheimdienstes der Föderation ist, aber ich hatte noch nicht das Vergnügen Ihm zu begegnen.“
David Robinson nahm einen weiteren Schluck aus seinem Glas und drehte seinen Kopf langsam zu van Dyke um.
„Nun, sagen wir mal, er ist ein alter Freund, den ich von der Sternenflotten-Akademie kenne. Wir haben in unserer Sturm- und Drangzeit einige brenzlige Situationen gemeinsam gemeistert und sind uns gegenseitig ein paar Gefallen schuldig.
Einen winzig kleinen davon habe ich nun genutzt um Sie hierher zu holen.

Ich möchte, dass Sie alles für den Captain und das Schiff geben, denn wenn ich meine neue Aufgabe übernehme, dann braucht der Captain jemanden, auf den er sich verlassen kann.
Sie sind dazu in der Lage, ich weiß genau, was sie drauf haben, und mich können Sie mit Ihrer ruhigen Fassade nicht täuschen.“

Van Dyke überlegte, ob sich Robinson in seiner großspurigen Art nur wieder weiter profilieren wollte, oder ob er tatsächlich über derartig wichtige und unbestreitbar nützliche Verbindungen verfügte.
Robinson sah van Dyke an, der ruhig auf seinem Stuhl saß und das gehörte noch immer analysierte.
„Ich glaube sie rätseln immer noch ob das alles stimmt, nicht wahr Mr. van Dyke?
Nun, wenn dem so ist, dann sollte ich Ihnen vielleicht eine einfache Frage stellen.

Haben Sie die Unterkünfte auf LV-426 vor zwei Jahren auch als so ungastlich empfunden wie es von den anderen Absolventen dieser Einrichtung hinter vorgehaltener Hand behauptet wird?“
Roger van Dyke zuckte ganz kurz mit dem linken Auge, aber es reichte damit Robinson es bemerken konnte.

„Tut mir leid, ich kann Ihnen nicht folgen...“, sagte Roger zu Robinson, „...wie Sie wissen hatte ich einen schweren Unfall und lag zu dieser Zeit im tiefen Koma“

David Robinson richtete sich auf und trank sein Glas leer.
„Oh sicher, wie konnte ich das nur verwechseln, bitte entschuldigen Sie.
Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Abend.“

Damit erhob Robinson sich, grüßte die Kollegen in der halbrunden Sitzecke, die noch immer in Ihr Gespräch vertieft waren und verließ die Bar durch den Backbordausgang.

* * *

Captain Wikland saß in seinem Quartier und sah auf das Display seines Tischcomputers.

Die Darstellung zeigte die persönliche Akte von Roger van Dyke, seinem neuen ersten Offizier.
Er bedauerte, dass er erst jetzt über genügend Informationen verfügte um seinen neuen Offizier korrekt einschätzen zu können.
Die Daten gaben Aufschluss über den Lebensweg und die Karriere bei der Sternenflotte.
Wie er es befürchtet hatte, war die Hauptakte angefüllt mit Auszeichnungen bezüglich der Leistungen von van Dyke.
Alle Testergebnisse, die zugegebener Weise schon beachtlich waren, enthielten lobende Bemerkungen und erstklassige Benotungen.

Bemerkenswert war allerdings, dass van Dyke viele Möglichkeiten der Beförderung ausgelassen hatte oder sogar schriftlich darum gebeten hatte derartige Einträge zu löschen.
Nach mehreren Seiten der einzelnen Diensteintragungen und Schiffszugehörigkeiten kam ein kurzer Eintrag der Medizinischen Division der Sternenflotte, in welchem der Unfall und das 18 Monatige Koma beschrieben war.

In knappen Worten wurde geschildert, dass im zentralen Hospital des Sternenflottenhauptquartieres alle Versuche, das Koma auf herkömmliche Weise zu beenden, fehlgeschlagen waren.
Ebenso hatten alle chemischen Mittel versagt und es blieb nur die Möglichkeit auf eigenständiges Erwachen zu hoffen, welches dann auch ohne vorherige Änderung seines Zustandes ganz unerwartet eintrat.

Unterzeichnet war der Bericht von Admiral Walter Bennings, einem Arzt der Sternenflotte, der auf dem Gebiet der Komaforschung zu den Besten der Föderation zählte.
Er selbst hatte Roger van Dyke die gesamte Zeit über betreut und jeden Eingriff, der das Koma beenden sollte durchgeführt.
Danach kamen lediglich noch die Eintragungen über die Wiederaufnahme seines Dienstes und die Versetzung zur U.S.S. Lexington.
Wikland war ermüdet vom Studium der Daten, die nur wenig geeignet waren um ein reelles Bild zu zeichnen.

Er trat an den Replikator um sich eine Erfrischung zu gönnen.
Als alter Fan von klassischen Erfrischungsgetränken überlegte er kurz und gab dann seinen Wunsch an den Computer weiter:

„Eine Coca Cola Classic Light 2000, gekühlt auf 4 Grad Plus.“
Kurz darauf materialisierte sein Getränk stilgerecht in einem dieser Epoche angepassten Glas mit original Aufdruck der ausgewählten Marke.
Ein Kunststück, das der Captain seinem persönlichen Replikator in einer ruhigen Stunde einmal beigebracht hatte.
Er ging zurück ans Terminal und wechselte auf die Daten, die Ihm sein Freund Admiral Wellington geschickt hatte.

Er nahm einen Schluck aus seinem Glas und öffnete die Datei, die mit dem Vermerk
„Interne Sonderakte Roger van Dyke“, sowie Streng Vertraulich gekennzeichnet war.
Ein Lächeln zeichnete sich auf seinem Gesicht ab, genau das hatte er gesucht. Eine nüchterne Beschreibung aller Leistungen und Akteneinträge, wie versprochen ohne Lobeshymnen und Ausschweifungen. Nur klare harte Fakten.
Kapitel 10 by Harald Latus
Die ALEXANDRIA hatte bereits den größten Teil des Randgebietes durchquert und näherte sich weiter mit Warp 9 ihrem Bestimmungsort.
Roger van Dyke hatte das Brückenkommando, während Captain Wikland in seinem Bereitschaftsraum die Berichte der vergangenen Schichten prüfte. Obwohl dies zu den Pflichten des ersten Offiziers zählte, war Wikland nicht davon abzubringen, sich sein eigenes Bild über die Vorgänge auf dem Schiff und die Leistungen seiner Crew zu machen.

Carah Pehl drehte sich an Ihrer Station zu van Dyke um, „Commander, ich erhalte ein starkes Kommunikationssignal das durch einen richtungsgebundenen Emitter direkt auf unser Schiff gerichtet ist.“
Van Dyke wandte sich an K’Orak,
„Können Sie feststellen, ob dieses Signal von einem Schiff oder einem Planeten abgestrahlt wird, und von welchen Koordinaten es gesendet wird?“
„Es stammt von einem Schiff in unserer Flugbahn, dass direkten Kurs auf uns hält und eine Rendezvousposition in ungefähr 5 Minuten erreichen wird.“, antwortete K’Orak nach einem kurzen Blick auf seine Konsolen.

Van Dyke berührte seinen Kommunikator.
„Captain Wikland, wir werden von einem fremden Schiff kontaktiert, bitte kommen Sie auf die Brücke.“
Noch im selben Moment öffnete sich die Tür im hinteren Bereich und Captain Wikland trat auf die Brücke.
„Captain auf der Brücke!“, rief der Wachposten während dieser bereits auf dem Weg zu seinem Sessel war und der Brückencrew die Anweisung gab:
„Alarmstufe gelb, alle Mann auf Ihre Posten, voller Stopp.“.
Wikland baute sich vor seinem Stuhl auf, zog seine Uniform glatt und gab dann Lieutenant Carah Pehl durch ein Kopfnicken die Bestätigung den Ruf auf den Hauptschirm zu legen.

Im Hintergrund flammten die gelben Leuchtbänder in den Wandpanels auf, während die Hauptbeleuchtung der Brücke abgedunkelt wurde.
Auf dem Schirm erschienen 3 Personen, die an einem Tisch saßen, der allem Anschein nach in einem Besprechungsraum zu stehen schien.
Die Wände im Hintergrund waren mit einem grauen Stoff bespannt und es waren weder technische Einrichtungen noch weitere Möbel zu erkennen.
Die Personen waren humanoide Wesen, die gegenüber den Menschen ungewöhnlich groß gewachsen waren, auch wenn kein direkter Vergleich möglich war. Der Captain vermutete es lediglich an den Proportionen der sichtbaren Körperteile.

Sie verfügten über 4 Arme und zwei Beine, wobei die Arme untereinander angebracht waren und das untere Paar deutlich kürzer war als das Obere.
Die Kopfform erinnerte stark an ein auf einen Luftballon projiziertes menschliches Gesicht.
Alle Merkmale wie Nase, Augen, Ohren und Mund waren vorhanden, es ließen sich jedoch keine Konturen ausmachen, die bei den Menschen den individuellen Charakter eines Kopfes und Gesichtes klar herausstellten.
Das Mittlere der Wesen begann zu reden und nach einigen Sekunden, in denen nur die Lippenbewegungen zu sehen waren kamen die ersten Worte aus dem Universalübersetzer.

„Wir sind Repräsentanten der Welten von Daleria, mit welchem Recht und Ziel sind Sie in den von uns verwalteten Raum eingedrungen?“

Captain Wikland straffte sich kurz und begann dann
„Mein Name ist Jan Erik Wikland, Captain des Raumschiffes U.S.S. ALEXANDRIA der Föderation der vereinten Planeten.“
Er machte ein kurze Pause, da er vermutete, dass auch sein Gegenüber erst einige Sekunden für die Sprachanpassung benötigte.
„Wir waren uns nicht bewusst, dass Sie diesen Sektor inmitten dieser Sternenhaufen und Pulsare als Ihr Territorium beanspruchen.

Wir sind auf dem Weg um unserem Außenposten am anderen Ende dieses Sektors einen Besuch abzustatten und hatten erstmals diese kürzere Route gewählt.“
Wikland fühlte sich unwohl, er hasste diese Art von Erstkontakt, in der jedes Mal eine Art Entschuldigung angeführt werden musste und meist auch noch diplomatische Schachzüge durchzuführen waren um weiterreisen zu können.

„Ihre Rasse und Ihr Sternensystem sind uns bislang unbekannt, würden Sie bitte erklären wie wir Sie nennen dürfen und woher Sie kommen?“, versuchte er den Ball zurückzuspielen.
Für den Moment funktionierte diese Taktik und die Aliens auf dem Bildschirm gaben seiner Meinung nach ein wenig zu bereitwillig Auskunft über die gestellten Fragen.

„Wir kommen vom Sternensystem Daleria, dass aus einer Doppelsonne und 12 Planeten besteht.
Unsere Rasse nennt sich Dalerianer.
Mein Name ist Karthofeen und ich bin der Alvat der Sigortaan dem Patrouillenschiff dieses Sektors, Sie können meine Position mit der Ihren vergleichen.
An meiner Seite...“, er deutete nach rechts, „...sehen Sie Trelluut, den Astovar unseres Schiffes, sowie Palatiin unseren Vestral“, damit deutete er auf seinen linken Nebenmann.

Sowohl die Titel als auch die Namen klangen sehr ungewohnt und ließen keine schnelle Analyse zu, welchen Wissensgebieten Sie zuzuordnen waren.
Mit einem leicht fordernden Unterton fuhr Karthofeen fort,
„Leider war Ihre Antwort auf unsere Frage nicht ausreichend um Ihnen die Weiterreise zu gewähren.
Sie müssen sich erneut gegenüber uns erklären. Mit welchem Recht und Ziel sind Sie in den von uns verwalteten Raum eingedrungen?
Zu dieser Frage erwarten wir eine detaillierte Information.
Um Ihnen genügend Zeit für die Vorbereitung Ihrer Äußerung zu geben gewähren wir Ihnen eine angemessene Beratungsfrist.
Wir melden uns in einer Periode wieder und erwarten Ihre Antwort“
Damit war die Verbindung unterbrochen und der Schirm der auf die Außenansicht schaltete, stellte bildfüllend das inzwischen eingetroffene Schiff der Dalerianer dar.

„Lieutenant Alisha, nehmen sie die Vergrößerung auf 1:1 zurück“ wies Wikland die Bolianerin an der OPS an.
„Captain, das ist der eingestellte Standardmodus.
Das Schiff ist zur Zeit ca. 2000 Meter von uns entfernt. Sein Volumen entspricht dem achtfachen unserer Größe“, kam die Antwort umgehend zurück.
Obwohl Wikland als nordischer Recke nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen war musste er sich nach dieser Nachricht erst einmal setzen.
Wenn dies nach Angaben der Dalerianer nur ein Patruillenschiff war, dann wollte er keinen Kreuzer oder gar ein Kampfschiff dieser Rasse sehen.

„Captain, kann es sein, dass Sie meine Dienste benötigen? Ich fühle die Präsenz von anderen Wesen.“, kam die Stimme von Tara Inana Anu’U der Aliencontacterin mit einem unverkennbaren Maß an Überheblichkeit und Arroganz über die Kom-Anlage.

Genau das hatte ihm gerade jetzt noch gefehlt. Eine Diskussion mit Tara Anu’U. Wikland verzog sein Gesicht bevor er sich dazu aufraffte seinen Kommunikator zu berühren und zu antworten.
„Wikland hier, vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Aber die Universalübersetzer haben für die ersten Wortwechsel ausgereicht und nach einer ersten Beurteilung unserer Lage werde ich entscheiden, ob wir Sie im vorliegenden Fall benötigen.
Einstweilen vielen Dank für Ihre freundliche Bereitschaft zu helfen. Wikland Ende.“

Der Captain respektierte die Sonderbotschafterin Tara Inana Anu’U, aber er konnte ihre oft überhebliche Art nicht leiden.
Sie war sehr von sich eingenommen und ließ die Terraner häufig spüren, dass sie aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten von einer höher entwickelten Kultur stammte.
Ein weiterer Punkt war, dass Sie als einzige Person mit dem Klingonen K’Orak, der dem Captain der größte Dorn im Auge war, ein wirklich gutes Verhältnis pflegte
Er folgte zwar seinen Befehlen, ließ aber keinen Zweifel daran, dass er sich nur ungern unterordnete und somit seine Ehre nicht durch sofortige Zweikämpfe verteidigen konnte.

Wikland richtete sich an seine Brückencrew.
„Ich möchte alle verfügbaren Informationen über diese Rasse, Ihr Schiff, die technologische Stufe auf der sie stehen und Vorschläge zur Lösung dieses Problems.
Lassen Sie Tara Inana an der Besprechung teilnehmen.
Sie soll sich die Aufzeichnung unseres ersten Gespräches ansehen und mir Ihre Einschätzung geben. Wir treffen uns in 15 Minuten im Besprechungsraum.“
Damit stand er auf und verschwand in seinem Bereitschaftsraum, begleitet von der Meldung des Wachoffiziers „Captain verläßt die Brücke“.

* * *

In dem Moment in dem Wikland den Besprechungsraum mit seinen Führungsoffizieren betrat, meldete sich Carah Pehl über die Audioanlage.
„Captain, wir erhalten einen Notruf der Sternenflotte auf der Prioritätsfrequenz.“

„Stellen Sie durch!“, antwortete Wikland und im selben Moment erschien Commander Nicolai Graves auf dem Wandschirm.
„Hier spricht die Wissenschaftsstation Merlin der Föderation im Orbit um Sakras 5.
Wir sind in einen Konflikt mit der einheimischen Bevölkerung und einer Rebellengruppe verwickelt worden.
Die Rebellen haben unsere Station angegriffen, da sich zur Zeit einige Repräsentanten von Sakras 5 bei uns befinden.
Des weiteren wurde der Kontakt zu unserem Forschungszentrum auf dem Zentralplaneten sowie unserer Beobachtungsstation auf einem der Monde unterbrochen.
Wir benötigen dringend Hilfe, unsere Station ist nur mit normalen Schilden ausgestattet und kann eventuellen weiteren Angriffen nicht auf Dauer widerstehen.
Ich wiederhole, wir benötigen dringend Hilfe....“

Die ohnehin schlechte und mit mehreren Aussetzern erfüllte Bilddarstellung verzerrte sich bis zur Unkenntlichkeit und endete dann abrupt.
Der Captain drehte sich zu Lieutenant Alisha um, die sofort begriff, dass der Captain nun Informationen zur Station Merlin benötigte.
Schnell rief sie über die im Tisch eingelassene Computerbedienfläche die entsprechenden Informationen ab und gab sie weiter.

„Die Station Merlin liegt im Sektor 331, nicht weit von unserer derzeitigen Position entfernt.
Allerdings würden wir bei einer Hilfestellung unser derzeitiges Ziel nicht mehr in der vorgesehenen Zeit erreichen. Die Station wurde vor zirka vier Jahren im Orbit um Sakras 5 errichtet.
Sie dient dem Studium der sakranianischen Kultur und dem Technologieaustausch auf einfachem Niveau.
Auf der Station sind 459 Angehörige der Sternenflotte und 67 Zivilisten untergebracht.
Der Zusammenbruch des Kom-Signals deutet darauf hin, dass ein Störsignal zur Zerstreuung der Trägerwelle eingesetzt wurde.“, erklärte Alisha.

„Können wir davon ausgehen, dass andere Schiffe den Ruf ebenfalls erhalten haben und zu Hilfe kommen können?“, fragte Wikland in die Runde.
„Das ist nicht anzunehmen...“, ergriff Lt. Commander Sermin der vulkanische Wissenschaftsoffizier das Wort,
„Die ALEXANDRIA ist zur Zeit das nächste Schiff. Diese Übertragung benötigte eine Zeit von 17,548 Minuten um uns zu erreichen, dass bedeutet es werden 2,352 Stunden vergehen, bis sie die nächstgelegene Sternenbasis erreicht.
Bezieht man alle Fakten, auch die Unterbrechung des Sendesignals mit in die Berechnung mit ein, ist davon auszugehen, dass jedwede andere Hilfsaktion zu spät eintreffen würde.

Basierend auf den aktuellen Einsatzplänen könnte höchstens die U.S.S. Exeter den Notruf empfangen, doch selbst Sie würde bei maximaler Geschwindigkeit über 10 Tage brauchen um diesen Sektor zu erreichen.“
Die Gleichgültigkeit, mit der Sermin seine Ausführungen artikulierte ließ einen kalten Schauer über den Rücken von Jan Erik Wikland laufen.
Diese Vulkanier erweckten immer wieder den Anschein als sei ihnen alles andere um Sie herum egal, als gäbe es nichts Erstrebenswertes oder schützenswertes neben der Logik.
Nicht einmal der mögliche Verlust von vielen Menschenleben erzeugte eine feststellbare Reaktion.
Während seines Vortrages war das Gesicht von Sermin ohne jede Bewegung oder Veränderung geblieben.
Man hatte wirklich manchmal das Gefühl mit einem Roboter zu kommunizieren.
Selbst dieser Vergleich war schon eine Diskriminierung, seitdem die Sternenflotte den Androiden Data offiziell auf der U.S.S. Enterprise als 2. Offizier eingesetzt, und als selbstständige Lebensform anerkannt hatte.

„Das bedeutet, dass wir eine Entscheidung treffen müssen, entweder unseren Auftrag durchzuführen oder Rettungsmaßnahmen einzuleiten.
Allerdings besteht auch unser derzeitiger Auftrag in einer Hilfestellung für die Sternenbasis in Sektor 325.

Es ist schon schwer genug, dass wir an zwei Orten gleichzeitig sein sollten,
aber dazu müssen wir noch Diskussionen mit den Dalerianern führen über den Durchflug durch Ihren Sektor.“

Wikland machte ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter, diese diplomatischen Pflichten waren Ihm ein Greuel. Er war ein Mann der Tat, der einen ehrlichen Kampf irgendwelchem Geschwafel vorzog.
Auch wenn die Prioritäten der Sternenflotte klar umrissen waren, so musste ein Captain doch situationsbedingt entscheiden. Für Captain wikland war es eine klare und einfache Entscheidung. Nur, ob sich diese zum jetzigen Zeitpunkt einfach umsetzen ließ, war eine ganz andere Frage.

„Wir sollten Kurs setzten und den Rebellen die Köpfe abschlagen und diese den Kopacks zum Fraß vorwerfen, gegen ein solches Schiff wie die ALEXANDRIA können kleine Gruppen ohnehin nichts ausrichten.“, platzte es aus K’Orak hervor.
Als klingonischer Krieger hasste er das Austauschprogramm der Flotten wie die Pest.
Diese Föderationsschiffe waren doch ohnehin nur auf Kaffeefahrten unterwegs und wenn sich ein Konflikt entwickelte waren Sie meist bemüht, diesen ohne Kampf und nur durch Wortgefechte zu beenden. Eine nach K’Oraks Meinung verweichlichte und unehrenhafte Einstellung.

„Nein Mr. K’Orak, wir haben einen Auftrag erhalten und ich werde Ihn ausführen. Pflichterfüllung ist eines der obersten Gebote der Sternenflotte und dies ist nicht verhandelbar, ist das klar?“
Wikland sah dem Klingonen fest in die Augen, bis dieser mit einem leichten Senken des Kopfes zu verstehen gab, dass er den Standpunkt des Captains akzeptierte.
Daraufhin erfolgte zunächst keine weitere Wortmeldung und es war nur das leise Brummen des Warpantriebs zu vernehmen, der die internen Systeme des Schiffes mit Energie versorgte.

„Captain, ich empfehle das wir uns mit unserem Zielpunkt in Verbindung setzen und die aktuellen Gegebenheiten abfragen,
dann können wir uns entscheiden, welcher Situation wir den Vorrang geben.“, unterbrach van Dyke die Stille im Raum.

„Das ist ein akzeptabler Vorschlag, Lieutenant Carah stellen Sie eine Verbindung mit Captain Wenninger von Sternenbasis Sagittarius her, wir möchten die Lage erörtern.“, sagte Wikland und fast im selben Moment erschien das Föderationslogo auf dem Wandschirm, das andeutete, dass eine Kommunikationsverbindung zur Station aufgebaut wurde.

Nach wenigen Sekunden erschien das entspannte Gesicht von Carl Wenninger auf dem Schirm das nicht das Gefühl vermittelte, dass dringende Hilfe von Seiten der Sternenflotte benötigt wurde.
Es hatte eher den Anschein als ob sich der Captain gerade dazu entschlossen habe eine Urlaubsreise anzutreten und sich völlig entspannt auf das bevorstehende Ereignis freute.
Obwohl Wikland durch dieses Verhalten etwas verwirrt war, zögerte er keinen Moment mit seinen Fragen.

„Hier spricht Captain Jan Erik Wikland von der U.S.S. ALEXANDRIA, Captain wir wurden von Starbase 491 losgeschickt, um in Ihrem Sektor durch unsere Präsenz die Gemüter ein wenig abzukühlen. Allerdings sind wir auf unserer etwas kürzeren Route durch eine fremde Rasse aufgehalten worden, mit der ein Erstkontakt durchgeführt werden muss.
Zudem haben wir gerade eben einen Notruf der Station Merlin aufgefangen, die durch rivalisierende Gruppen in einen Bürgerkrieg hineingezogen wurde.
Wir sind das einzige Schiff in Reichweite, möchten uns allerdings zunächst über Ihre Situation erkundigen bevor wir eine Rettungsmission einleiten.“, erklärte Wikland.

„Hallo Captain Wikland, schön von Ihnen zu hören.
Wir haben bereits vor 3 Tagen die Nachricht erhalten, dass Sie unterwegs sind...“
Die Stimme von Carl Wenninger klang wie die Unterhaltung einiger distinguierter britischer Gentleman, die sich an einem Sonntag nachmittag in Ihrem Herrenclub über das ausnahmsweise schöne Wetter unterhielten.
„...vor zwei Wochen hatten wir einige Turbulenzen in unserem Sektor. Sie wissen schon die Romulaner können manchmal sehr nervig sein.
Bedauerlicherweise kam es auf unserer Station zu einem kurzzeitigen Ausfall der Energiewandler für die Signalabschirmung der Kommunikationskanäle, so dass die Romulaner alle an uns gerichteten Nachrichten problemlos mithören konnten.

Unglücklicherweise kam gerade in dieser Zeit die Nachricht über die Entsendung eines Schiffes der Galaxy bzw. Nebula Klasse in unseren Sektor.
Seit dieser Zeit haben sich alle romulanischen Schiffe aus unerfindlichen Gründen wieder hinter die vereinbarten Grenzen zurückgezogen und klopfen höflich bei uns an, bevor Sie wegen geschäftlicher Dinge in den Sektor einfliegen oder Ihn auf dem Weg zu den Quantalus Kolonien durchqueren.“
Captain Wenninger lehnte sich in seinem Stuhl zurück und nahm ein PADD von seinem Schreibtisch auf.

„Tja, eine kleine technische Panne zum rechten Zeitpunkt bewirkt manchmal mehr als komplexe Verhandlungen oder offene Drohungen.“, bestätigte Wikland,
„Vergessen Sie nicht den diensthabenden Offizier für die Vernachlässigung seiner Pflichten zu tadeln.“ fügte er hinzu und zeigte ein feines Lächeln auf seinen Lippen.

„Das werde ich bestimmt nicht vergessen, für diese Idee werde ich Ihm wohl eine Beförderung androhen müssen, er hat diese Kreativität schon wiederholt unter Beweis gestellt.“
Ein leises Lachen ging durch den Raum und auch der Vulkanier Sermin konnte es nicht unterlassen eine Augenbraue zu heben, ein deutliches Zeichen dafür, dass er auf eine weitere Verhaltensweise der Menschen gestoßen war, die den Regeln der Logik widersprach.

„Nun aber mal ernsthaft Captain Wikland...“
Wenninger schaute auf sein PADD und richtete dann seinen Blick wieder auf die Kommunikationseinrichtung.
„Bei uns ist im Moment alles in bester Ordnung und ich bin mir sicher, dass die Situation auch noch eine Woche oder zwei halten sollte, um aber unsere romulanischen Freunde nicht zu enttäuschen sollten Sie oder einer Ihrer Kollegen noch mal hier vorbeischauen und mit dem verantwortlichen Zenturion des angrenzenden romulanischen Sektors ein paar Takte reden,
sonst werden derartige Spielchen in der Zukunft nicht mehr glaubwürdig sein.“

Wikland atmete auf und nahm eine bequemere Haltung in seinem Sessel ein. Das w ar eine gute nachricht. Die beste die er heute erhalten hatte und somit ein Problem weniger auf der Liste.

„Ich verstehe Captain Wenninger, wir werden die U.S.S. Exeter bitten Sie zu besuchen, sofern die Sternenflotte zustimmt. Sie könnte in sieben Tagen bei Ihnen sein.
Das versetzt uns in die Lage bei Sternenbasis Merlin in die Geschehnisse einzugreifen, …das heißt, wenn wir unsere Freunde da draußen für unseren Abflug gewinnen können“, ergänzte Wikland

„Dann viel Glück und lassen Sie von sich hören, wer uns in Kürze besuchen wird, Wenninger Ende.“
Mit diesem Gruß verschwand die Bildkommunikation vom Schirm und das Sternenflotten Symbol erschien wieder auf dem Wanddisplay.

Wikland tippte seinen Communikator an und drehte sich kurz in Richtung Fenster.
„Lieutenant Carah, wir werden unseren Kurs ändern und Starbase
Merlin unterstützen, sobald wir diesen Erstkontakt hinter uns haben. Informieren Sie das Hauptquartier über unsere derzeitige Situation sowie über unser Gespräch mit Captain Wenninger.
Teilen Sie mit, dass wir die Übertragung unseres Auftrages an die U.S.S. Exeter empfehlen und verlangen Sie eine Bestätigung“, sagte Wikland und wirkte dabei schon etwas freundlicher als noch vor wenigen Minuten.

„Aye Sir, wird sofort erledigt. Aufgrund der Entfernung werden wir auf die Antwort der Sternenflotte jedoch mindestens sechs Stunden warten müssen.“, gab die Bajoranerin zurück
„Das ist wohl kein Problem, da wir ohnehin noch auf den erneuten Kontakt mit den Dalerianern warten müssen.“, erwiderte Wikland und wandte sich wieder zum Tisch um, an dem seine Führungsoffiziere und Tara Inana Anu’U saßen.

„Nun meine Damen und Herren, Ich höre...“, sagte Wikland und ließ sich nach hinten in seinen Sessel sinken.
Damit K’Orak nicht wieder durch unangemessene klingonische Verhaltensweisen auffiel interpretierte Sermin die Sensorwerte des fremden Schiffes. Auf dem Wanddisplay erschien ein dreidimensionales Bild der SIGORTAAN dem Patroullienschiff der Dalerianer.

„Das Volumen des Schiffes entspricht dem 9,23 fachen der ALEXANDRIA und die Masse ist im Vergleich mit der unseren um den Faktor 8,01 höher.

Die Antriebsenergieform ist unbekannt, ebenso die Energieform der Waffensysteme.
Das Energiepotential ist jedoch unglaublich hoch. Das Schiff ist in der Lage innerhalb von 0,34 Sekunden sowohl den Antrieb als auch die Waffensysteme vollständig zu laden.
Die hierbei für die Waffen bereitgestellte Energiemenge übersteigt den gesamten Energieausstoß der ALEXANDRIA um ein Vielfaches. Ein Kampf wäre aus strategischen Gründen unratsam.
Bedauerlicherweise muss ich darauf hinweisen, dass auch eine Flucht wenig Aussicht auf Erfolg verspricht, da die Höchstgeschwindigkeit des fremden Schiffes aufgrund der Energiewerte höher einzuschätzen ist als die unsere.“

Wie immer waren die Ausführungen des Vulkaniers geprägt von emotionslosen Fakten, und klaren logischen Schlüssen.
Eine Eigenschaft die Wikland in Berichten und Personalakten schätzte, die Ihm jedoch bei der Einschätzung von realen und möglicherweise brisanten Situationen zu nüchtern waren.
„Welche Informationen liegen uns über diese Rasse bereits vor? Wurde Sie bereits in Föderationsdaten erwähnt?“, wollte Wikland wissen.

Es musste einfach einen Weg geben, sich schnell aus dieser Situation zu befreien, um der Raumstation Merlin die dringend benötigte Hilfe zu gewähren.

„Uns liegen einige Berichte von Handelstreibenden vor, die den Dalerianern bereits begegnet sind. Sie berichten von friedlichen wenn auch anstrengenden Verhandlungen mit diesem Volk.
Hervorgehoben wird Ihre Freundlichkeit, die Geduld sowie gute Manieren.
Sie erheben nie das Wort solange der andere Gesprächspartner die Rede führt.

Aufzeichnungen der Handelsschiffe weisen darauf hin, dass während der Kommunikation keinerlei Aktivitäten auf den Schiffen der Dalerianer stattfanden, da anscheinend die ganze Besatzung an der Kommunikation teilnimmt, auch wenn meist nur zwei oder drei Gesprächspartner bei den Komverbindungen zugegen sind.“

Roger van Dyke hatte diese Informationen nur mit Mühe aus der Datenbank zusammensuchen können, da für diese Spezies noch keine Suchkriterien angelegt worden waren und er mit den wenigen Informationen und den Rangbezeichnungen in der Volltextsuche alle Dateien durchforsten musste.

„Diese Informationen sind nicht gerade viel, wenn man bedenkt, dass wir unsere Reise umgehend fortsetzen müssen um unsere Rettungsmission noch erfolgreich durchführen zu können.
Tara Inana, wie beurteilen Sie die Fremden angesichts der ersten Worte die wir miteinander gewechselt haben?“
Hiermit richtete sich Captain Wikland an seine Aliencontacterin, die als eine der wenigen in Starfleet den Sonderstatus eines Botschafters innehatte und helfen sollte, den ersten und meist wichtigen Kontakt mit fremden Rassen zu erleichtern.

„Nun werter Captain, da Sie es vorgezogen haben mich über das Erstgespräch nicht rechtzeitig zu informieren und mir lediglich die Aufzeichnung der spärlichen Kommunikation gestatteten, bin ich nicht in der Lage eine Wertung abzugeben.
Wie Sie wissen kann ich meine Fähigkeiten lediglich dann einsetzen, wenn ich mich simultan mit der Situation auf die jeweiligen Gesprächspartner focussieren kann.“

Tara Inana ließ den Captain ihre Verärgerung über diesen Umstand deutlich spüren. Sie hatte nicht viel Lust ihm jetzt entgegenzukommen, zumal Sie tatsächlich der Aufzeichnung nicht viel entnehmen konnte.
Wikland störte dieser Tiefschlag nicht sonderlich, er hatte ohnehin nur wenig Kontakt mit Ihr.
Sie führte ein zurückgezogenes Leben, nahm selten an offiziellen Anlässen teil und auf den zwanglosen Treffen, die von Zeit zu Zeit im Lookout stattfanden, hatte sie sich noch nie sehen lassen.
Sie zog es vor alleine in Ihrem Quartier zu bleiben, oder einige gemeinsame Stunden mit K’Orak zu verbringen, den einzigen Humanoiden den Sie in Ihrer Nähe duldete.

„Gut, Sie bleiben bitte im Besprechungsraum, wir rechnen bald mit der nächsten Meldung der Dalerianer, die uns eine Periode Ihrer Zeitrechnung für weitere Überlegungen gewährt haben.
Ich bin in meinem Bereitschaftsraum und werde überlegen, welche Aussage ich treffen werde.“, und an seine Offiziere gerichtet fuhr er fort:

„Ich möchte, dass sie alle Stationen auf maximalen und unerwarteten Einsatz vorbereiten.
Mr. K’Orak, das Schiff der Dalerianer soll ständig gescannt werden, ich möchte Informationen über die technischen Einrichtungen und die Lebensformen, die Anzahl der Besatzung und eventuelle Schwächen, die uns zum Vorteil gereichen.
Alarmstufe Gelb bleibt bestehen bis wir die Absichten der Dalerianer klar bewerten können, Danke.“

Wikland stand auf und gab damit zu verstehen, dass die Besprechung beendet war.
Kapitel 11 by Harald Latus
Es waren genau 2,7 Stunden vergangen, als die Dalerianer die ALEXANDRIA erneut kontaktierten.

Die Brückencrew war damit beschäftigt zusätzliche Informationen zu ermitteln, K’Orak hatte alle möglichen Sensorscans durchgeführt um die Mannschaftsstärke sowie die Struktur des Schiffes möglichst genau zu analysieren.
Der Vulkanier Sermin checkte nochmals den Antrieb sowie die Waffen und die Energiesignaturen der Sigortaan um eventuelle Schwachpunkte herauszufiltern.
Roger van Dyke übernahm die Aufsicht auf der Brücke und der Captain hatte sich in den letzten zwei Stunden in seinen Bereitschaftsraum zurückgezogen um über die bestmögliche Antwort zu entscheiden.
Auf dem Hauptschirm erschien das bereits bekannte Bild mit den drei Repräsentanten der Dalerianer und Roger van Dyke tastete an seinen Kommunikator

„Captain, unsere neuen Bekannten haben wieder Kontakt zu uns hergestellt, bitte kommen Sie auf die Brücke.“

Im selben Moment öffnete sich die Tür des Bereitschaftsraumes mit einem leisen Zischen und der Captain betrat die Brücke begleitet von den üblichen Meldungen des Sicherheitspersonals.
Karthofeen, der Alvat des anderen Schiffes hatte bislang noch nicht die Stimme erhoben, da auf der Brücke der ALEXANDRIA noch einige kurze Wortwechsel zwischen den Wissenschaftsoffizieren stattfanden.

Nachdem völlige Stille eingetreten war und sich alle auf die Kommunikation konzentrierten begann Karthofeen indem er die bereits bekannte Frage noch einmal wiederholte.
„Captain Wikland, Warum sind Sie mit Ihrem Schiff in unser Hoheitsgebiet eingedrungen, bitte erklären Sie Ihr Vorgehen.“
Der Captain straffte sich und hob an seine Erklärung zu formulieren.

„Zunächst möchte ich Ihnen nochmals versichern, dass wir nur friedliche Absichten verfolgen.
Die Menschen und alle anderen Mitglieder der Föderation haben in den vergangenen Jahren versucht die Weiten des Alls zu erforschen und sind dabei auf viele Lebensformen gestoßen, welche die gleichen Interessen und Ideale teilen, wie wir Menschen.
Zusammen haben wir eine Gemeinschaft gebildet und an vielen Stellen im All in unseren eigenen Hoheitsgebieten Stationen, Niederlassungen, Siedlungen und Beobachtungsposten aufgebaut.

Eine dieser Stationen ist in Not und wir haben den kürzesten Weg gewählt um ihr zu helfen. Hierbei wussten wir nicht, dass dieser Bereich des Alls von Ihnen beansprucht wird.“
Wikland hatte sichergestellt, dass so viele fremdrassige Crewmitglieder auf der Brücke Dienst hatten wie nur möglich.
So deutete er während seiner Rede auf K’Orak den Klingonen, Lieutenant Alisha die Bolianerin,
Sermin den vulkanischen Wissenschaftsoffizier, selbst Lt. Commander Corbal Mor den Trill und Lock den Benziten aus der Wissenschaftsgruppe hatte er für die umfangreichen Sensorscans auf die Brücke beordert und nun wurde der eigentliche Grund dieser Auswahl klar.
Da die Mitglieder dieser Völker ganz besondere unterschiedliche äußere Merkmale besaßen war es leicht die Vielfalt der Rassen und die friedliche Koexistenz zu demonstrieren, auch wenn das letztere nicht in allen Fällen leicht zu erhalten war.

„Wir hoffen, dass Sie unsere Beweggründe verstehen und akzeptieren und bitten Sie um die Erlaubnis Ihr Gebiet durchqueren zu dürfen.
Desweiteren möchten wir gerne in einen intensiveren Kontakt mit Ihrem Volk eintreten, nachdem wir unsere derzeitige Aufgabe erfüllt haben.
Sofern Sie unserer Bitte nicht entsprechen können oder wollen, sind wir bereit auf gleicher Route Ihr Gebiet zu verlassen wie wir es erreicht haben.
Nachdem Sie uns die Ausdehnung Ihres Hoheitsgebietes übermittelt haben, werden wir uns bemühen es zu umfliegen und eine weitere Verletzung Ihrer Anspruchszone vermeiden.

Ich möchte Sie bei dieser Gelegenheit auch gerne auf unser Schiff einladen...“, fuhr Wikland fort, in der Hoffnung man könne sich zunächst ein wenig besser kennenlernen und wichtige Informationen über die neue Rasse erfahren.

„...wir könnten dann die offenen Fragen gemeinsam und in angenehmerer Atmosphäre besprechen.“

Nachdem der Captain geendet hatte, trat für einige Sekunden völlige Stille ein, bevor sich Karthofeen mit seinen beiden Kollegen Trelluut und Palatiin zu beraten schien,
wobei zum Teil einige Bewegungen der Köpfe und Gesten der Arme zu sehen waren, die nach menschlichem Ermessen entweder Unverständnis oder Ablehnung signalisierten.

Viele der Gesten schienen Teil einer Zeichensprache zu sein, die mit Zisch- und Schnarrlauten ergänzt wurden. Der Universalübersetzer blieb stumm, eine solche Verständigung war er nicht in der Lage zu interpretieren.
Nach einer Weile wandte sich Karthofeen wieder dem Captain zu und antwortete.

„Ihre Erklärung ist immer noch unzureichend, Sie konnten uns keinen ausreichenden Grund nennen, warum Sie in unser Gebiet eingedrungen sind.
Wir können Ihnen daher nicht gestatten Ihre Reise fortzusetzen. Sie werden Ihre Position halten und warten bis wir unsere abschließende Bewertung getroffen haben, ob Sie für unser Volk eine Gefahr darstellen oder nicht.
Sofern Sie den Versuch machen, uns anzugreifen oder sich zurückzuziehen werden wir nicht zögern entsprechende Maßnahmen einzuleiten.
Sollten Sie Ihren Ausführungen noch etwas hinzufügen wollen, können Sie uns jederzeit kontaktieren. Erwarten Sie unsere Entscheidung in 2 Perioden.“

Damit verschwand die Bilddarstellung und die Ansicht des Raumschiffes erschien wieder auf dem Schirm.

„Verdammt,...“, entfuhr es Wikland,
„...genau das wollte ich vermeiden. Hören die uns überhaupt zu?“

Der Captain ballte die rechte Hand zur Faust und man konnte regelrecht sehen wie er innerlich mit seinem nordischen Temperament kämpfte und nur mit Mühe gelang es Ihm seine Ruhe zu wahren.
Mit langen Schritten war er auf dem Weg zum Besprechungsraum und bedeutete mit einer Geste des linken Armes, dass ihm seine Führungsoffiziere folgen sollten.

Nachdem alle Platz genommen hatten richtete er sich als erstes an Tara Inana Anu’U um Ihren Eindruck von den Dalerianern zu erfahren.

„Bitte erklären Sie uns, was Sie während unserer Unterhaltung über die neue Rasse erfahren konnten.“, übergab Wikland das Wort an Sie.

Tara machte zunächst eine schöpferische Pause, richtete ihr schwarzes Kleid an dem mehrere silberne Stoffteile drapiert waren und nahm eine bequemere Position ein.
Erst als sie sicher war, dass sie die volle Aufmerksamkeit aller Anwesenden hatte, begann Sie mit Ihren Ausführungen.

„Während Ihrer Erklärung habe ich feststellen können, dass die fremden Wesen sehr verwirrt waren, die Informationen waren nicht ausreichend, um ihnen ein umfassendes Bild unserer Lebensformen und unserer Absichten zu vermitteln...“

Der Captain blickte sie verständnislos an,
„Aber ich habe doch bewusst die anderen Rassen angesprochen und unsere Situation nochmals klar erläutert.“, erwiderte er und ließ seine rechte Hand auf dem Tisch wieder eine leichte Faust bilden.

„...das schon, aber die von Ihnen gewählten Worte und Ausführungen klingen nach der Übersetzung in die Sprache der Dalerianer nur noch wie Abkürzungen wie UFP für United Federation of Planets, oder TDF für Trägheitsdämpfungsfeld.
Sie konnten den Sinn Ihrer Mitteilung nicht erfassen. Die Sprache der Dalerianer ist weitaus umfangreicher und weitschweifender als die unsere.
Sie benutzen sehr komplexe Laute und Kombinationen mit Gesten um ganze Erzählungen zu artikulieren, die vom Universalübersetzer für uns in kurze klar verständliche Worte übersetzt werden, möglicherweise ist das Sprachkonvertierungsprogramm aber nicht in der Lage aussagekräftige dalerianische Sätze zu bilden.“

Der Captain schaute zu Sermin, K’Orak und den anderen Wissenschaftsoffizieren hinüber. Ihm war klar dass es nicht einfach werden würde ein so ausgefeiltes System so zu erweitern, dass es auch diese Hürde nehmen konnte.

„Können wir eine Änderung am Übersetzer vornehmen, die eine korrektere und verständlichere Kommunikation ermöglicht?“
Er hoffte inständig auf eine Zustimmung oder wenigstens auf ein ‚Vielleicht’, wurde aber leider enttäuscht.

„Das ist leider nicht möglich...“, antwortete der Vulkanier
„... dazu müssten Sie zusätzlich einige der Gesten benutzen, deren Bedeutung uns nicht bekannt ist.
Die einzige Möglichkeit, die uns offensteht - wie soll ich es beschreiben - ist eine mit vielen farbigen Metaphern ausgeschmückte Rede, wie sie von den Politikern der alten Regierungen auf der Erde häufig gehalten wurde.
Wenn ich mich richtig erinnere, wurden dort teils stundenlange Monologe geführt, deren Inhalt unter logischen Gesichtspunkten mit nur wenigen Worten effizient hätten beschrieben werden können.“

„Welche anderen Option haben wir?“, wollte Wikland wissen. Er konnte und wollte es einfach nicht wahrhaben, dass die Situation keine anderen Lösungswege gestattete.
Selbst eine militärische Lösung wäre ihm recht gewesen, wenn er nur etwas hätte tun können, bei dem er seine vorhandenen taktischen Fähigkeiten besser einsetzen konnte.

K’Orak, der die ganze Zeit geschwiegen hatte, aktivierte das Wanddisplay und die Eckdaten der Sensorenauswertungen erschienen auf dem Schirm.
Er stand langsam auf, ging zum Display und mit einer grimmigen Mine interpretierte er die wenig erfreulichen Daten. Ihm war klar anzusehen, dass es ihm nicht behagte, die festgestellten Daten zu interpretieren. Klingonen kannten keine Angst. Sie hatten nur die Ehre vor Augen und Loblieder für vergangene Schlachten auf den Lippen. Sie würden auch in Unterzahl oder bei weit überlegenen Gegner lieber Kämpfen und untergehen, als den Rückzug antzutreten. Aber diese verweichlichten Menschen und ihre Föreration kniffen immer den Schwanz ein wenn es andere Lösungen gab und die gab es fast immer.
Das Display zeigte eine Übersicht der Scanergebnisse.

„Ihr Schiff ist deutlich schneller als das unsere.
Die Energie für die Strahlungswaffen übersteigt wie bereits vermutet unsere gesamte Energiekapazität, andere Waffensysteme sind auch jetzt noch nicht feststellbar, aber mit Sicherheit vorhanden.
Ein Traktorstrahlsystem haben wir nicht gefunden, Vorhandensein von diversen Alternativsystemen ist allerdings sehr wahrscheinlich.
Die Schiffshülle und die Schilde bieten keine Angriffsmöglichkeiten, die uns einen markanten Vorteil verschaffen könnten.
Selbst bei maximalem Waffen- und Energieeinsatz könnten wir aller Voraussicht nach keine wichtigen Systeme an diesem Schiff außer Kraft setzen.

Die Wirkung unserer Surapht- und Quantentorpedos auf die Schilde und die Energieform des fremden Schiffes sind nicht bestimmbar.
Es ist jedoch davon auszugehen, dass bei dieser Energiemenge weder die Subraumverzerrung zur Energieneutralisierung genutzt werden kann noch die Subraumtransportmethode von Sprengkörpern durch die Schilde funktioniert.
Ein weiteres Problem ist, dass wir die Quelle für diese immense Energie auf dem fremden Schiff nicht lokalisieren können.

Einziger Schwachpunkt ist die interstellare Sensorenleistung, die im Gegensatz zu unserem Schiff klar unterlegen ist.
Die Dalerianer arbeiten hauptsächlich mit visuellen Systemen um Vorgänge außerhalb des Schiffes wahrnehmen zu können.
Sowohl bei einem Kampf als auch bei einem Rückzug würden wir auf jeden Fall unterliegen.“, schloß K’Orak seine Ausführungen, blieb aber für eventuelle weitere Fragen am Wanddisplay stehen.

Roger van Dyke beugte sich vor und fuhr sich mit der rechten Hand durch seinen Bart.
„Das heißt, wir können Sie nicht überzeugen, können nicht kämpfen und nicht entkommen.“, fasste er die enttäuschenden Fakten in klare kurze Worte.

„K’Orak, konnten Sie feststellen, was die Crew während der Unterhaltung von Captain Wikland und Karthofeen gemacht hat?“ van Dyke suchte nach einem Schlupfloch und war gerade dabei seine Fühler auszustrecken um das Terrain auszuloten. Er erinnerte sich an einige Angaben, die er beim ersten Kontakt mit Mühe zusammengestellt hatte.

K’Orak schaltete die Darstellung des Bildschirms auf ein Zeitdiagramm um, auf dem einige Linien untereinander zu sehen waren.
„Dieser Analyse ist zu entnehmen, dass während der Kommunikation lediglich die energieerzeugenden Systeme durch Signaturänderungen darauf hinweisen, dass sie durch Personal bedient, umgestellt oder aktiviert worden sind.
Alle anderen Systeme wie Sensoren, Waffen oder Defensivsysteme wurden nicht verändert.“, erklärte der Klingone, wobei er auf die einzelnen Diagrammlinien deutete und zusätzliche Informationen über die Mannschaftsstärke in der Zentrale des gegnerischen Schiffes gab.

„Das heißt, wir könnten eventuell während eines Gespräches einen Überraschungsangriff durchführen?“, fragte Jefferson, die bislang gespannt zugehört hatte und in ihrer Eigenschaft als Ingenieur die Energiewerte des fremden Schiffes mit Ungläubigkeit vom Display abgelesen hatte.

„Nein Lt. Commander...“, antwortete Sermin,
„...zunächst einmal ist das nicht der Stil der Sternenflotte und würde wenn überhaupt dann nur im äußersten Notfall in Erwägung gezogen.
Des Weiteren sind die Systeme selbstverständlich nicht deaktiviert, sondern lediglich in einem Automatikmodus, der eine manuelle Kontrolle oder Energieregulierung überflüssig macht.
Wie K’Orak bereits erklärt hat, können wir gegen das hohe Energieniveau der Sigortaan nicht ankommen, egal auf welchem Weg wir es versuchen.“

Roger van Dyke blickte gespannt auf die dargestellten Daten der Sensorenabtastung und man konnte förmlich sehen, wie seine grauen Zellen angestrengt arbeiteten.
Während er sich immer intensiver mit den vorliegenden Informationen auseinandersetzte verblasste die Unterhaltung, die um ihn herum mit angeheizten Gemütern geführt wurde und mehrmals das für und wider einer taktischen Lösung dieses Konfliktes beleuchtete.

Vor seinem geistigen Auge erschienen markante Werte und Fakten über die Dalerianer und reihten sich zu einem Bild aneinander.
Erst als die energische Stimme des Captains wieder den Raum durchschnitt kehrten seine Sinne in die Wirklichkeit zurück und konzentrierten sich auf Wikland.

„Ich erwarte aktive Vorschläge zur Lösung dieser Situation meine Damen und Herren. Sie haben dafür vier Stunden Zeit.
Die Dalerianer werden sich in ungefähr fünfeinhalb Stunden wieder bei uns melden. Lassen Sie mir Ihre Ideen zukommen, ich entscheide dann über die Durchführung.“

Wikland erhob sich durchschritt den Raum und nachdem sich die Tür vor ihm geöffnet hatte, ging er zielstrebig auf seinen Sessel auf der Brücke zu und setzte sich.
Während die Brückenmannschaft wieder auf die Normalbesetzung reduziert wurde verließ auch Tara den Kommandobereich und nahm den Turbolift um in ihr Quartier zu gelangen. Sie war sich sicher, dass Wikland die falsche Entscheidung treffen würde. Eine solch schwierige Situation war er für Ihre Begriffe gar nicht in der Lage einzuschätzen. Glücklicherweise hatte niemand sie gefragt, ob Sie diese Aufgabe übernehmen konnte, denn ihr war bei der letzten Unterhaltung klar geworden, dass selbst sie als höher entwickeltes Wesen keine Lösung herbeiführen konnte. Aber Wikland hatte sie nicht gefragt und so blieb es ihr erspart diese Unfähigkeit zugeben zu müssen.

Roger van Dyke der Wikland auf die Brücke gefolgt war ging auf den Platz in der Mitte zu.

„Captain, ich möchte gerne meine Variante für die Behandlung dieser Situation in aller Ruhe ausarbeiten und bitte darum mich in mein Quartier zurückziehen zu dürfen. Ich möchte zunächst noch einmal alle vorliegenden Daten vergleichen.“
Wikland nickte zustimmend mit dem Kopf und Roger van Dyke verließ die Brücke gemeinsam mit den Wissenschaftlern Corbal Mor und Lock, die zurzeit nicht mehr benötigt wurden.

* * *

Roger van Dyke nahm zuerst einmal ein Duschbad, damit er die Anspannung der letzten Stunden aus seinem Körper vertreiben konnte. Nachdem er sich einen leichten Freizeitanzug übergestreift hatte nahm er an seinem Terminal Platz, und gab dem Schiffscomputer seine Anweisungen.

„Computer, aktiviere Audiosystem und beginne mit dem Playback von >Waiting for Cousteau< von Jean Michel Jarre, Lautstärke 15 Prozent.
Stelle alle Daten über die Dalerianer zusammen, die aus früheren Kontakten sowie unseren aktuellen Gesprächen und den Sensorenscans vorliegen“.
Kurz darauf erklang eine leise entspannende Musik, die mit flächigen Klängen einen guten Kontrast zu der nun geforderten hohen Konzentration bot. Es war das Lieblingsstück von van Dyke, welches er immer dann auswählte, wenn er schwierige Aufgaben genau analysieren wollte.

Auf dem Computerdisplay erschienen die Dateinamen mit kurzen Inhaltsangaben und füllten mehrere Seiten an Text.
Roger sichtete eine Datei nach der anderen und erzeugte Querverweise zu einer Tabelle in der er alle Fakten zusammentrug, die sich negativ für die ALEXANDRIA darstellten.
Eine weitere Tabelle enthielt alle Informationen, die sich eventuell positiv für eine Strategie verwerten ließen.

Aus seinen eigenen Datenblättern fügte er die nach seiner Meinung wichtigen Positiveigenschaften der ALEXANDRIA sowie die verfügbaren Technologien an Bord hinzu.
Schon nach wenigen Minuten fiel die Gewichtung deutlich zu Gunsten der Dalerianer aus und nur wenige Details verblieben, die für eine Lösung des Problems nutzbar waren.
Van Dyke erinnerte sich an die Frage von Jaqueline Jefferson, ob man nicht einen Überraschungsangriff während eines Gespräches starten sollte, was natürlich nach Sichtung der gegnerischen Defensiv- und Offensivtechnologie aussichtslos erschien.

Dennoch war er sich sicher, dass hier der Weg zum Erfolg zu liegen schien. Bereits seine Überlegungen im Besprechungsraum hatten ihn zu dem Ergebnis geführt, dass lediglich ein tiefer Griff in die Trickkiste einen entsprechenden Erfolg versprach.
Allerdings hatte der Captain ihm bei seinem Dienstantritt auch unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass er eine solche Art von Problemlösungen überhaupt nicht schätzte.

Roger van Dyke ließ noch einmal die derzeitige Situation Revue passieren. Sie mussten einem Notruf der Sternenflotte folgen, der Ihre baldmöglichste Weiterreise erforderte.
Die Dalerianer waren aber wenn überhaupt, dann nur durch aufwendige ausschweifende Gespräche zu überzeugen.
Dazu müsste man Zeit haben, ein Luxus den man sich nicht leisten konnte.
„Computer, Lichtniveau auf 75 Prozent erhöhen“, ordnete Roger an.
Er hatte inzwischen mehr als zwei Stunden auf seine Auswertung geblickt, ohne dass ihm eine halbwegs angemessene Idee eingefallen war.

Roger stand auf und ging zu den Fenstern seines Quartiers, durch das transparente Aluminium war der riesige Rumpf des fremden Schiffes zu erkennen, dessen Außenteile in schiefergrauer Farbe im Licht der nahen Sonnen glänzten.

„Verdammt, man müsste einfach an zwei Orten gleichzeitig sein können. Das monotone Geschwafel was notwendig ist um unsere Ideale, Beweggründe und Absichten zu vermitteln, könnte sogar ein Taschenrechner erledigen“ sagte er zu sich selbst.

Er schaute auf den Tisch über dem die runde Schirmlampe hing, nahm einen Apfel aus der Schale mit Früchten, die in der Mitte des Tisches stand und biss kräftig hinein.
In der Wölbung der Fenster spiegelte sich die Obstschale und zeichnete sich als Geisterbild vor dem Rumpf der Sigortaan ab.

„Das ist es...“
Mit einem Ruck drehte er sich um und ging zum Terminal zurück. Er legte den Apfel zur Seite und betätigte mit geübten Bewegungen die Bedienfelder seines Computers.
Schemata von verschiedenen Sonden, technischen Ausrüstungen, Materialbeständen, Energieeinheiten und Informationen über technisches Personal flimmerten über das Display.
Wenige Minuten später hatte er eine komplette Zusammenstellung aller benötigten Mittel sowie einen Zeitplan und eine Personenliste für seine Lösung zusammengestellt.

Er war davon überzeugt, dass der Captain nur schwer von diesem Plan zu überzeugen war. Aber er war sich sicher, dass es die einzig realisierbare Lösung war.

* * *

„Herein!“, sagte Wikland, als das Türsignal ertönte. Die Tür des Bereitschaftsraumes öffnete sich und Roger van Dyke trat ein.

Ihm schlug ein kaltes Klima entgegen und er fühlte sich zurückversetzt in seine Kindheit in der er einige Tage an der Nordküste von Zentraleuropa verbracht hatte. Es fröstelte ihn aber er ließ sich nichts anmerken.
Wikland saß auf der Couch und vor Ihm auf dem Tisch lagen einige PADD’s die bereits von anderen Mannschaftsmitgliedern abgegeben worden waren, allem Anschein nach nicht mit begeisterungsfähigen Vorschlägen versehen, denn die Gesichtszüge des Captains erinnerten an einen Eisberg im Nordatlantik.

„Nun Nummer Eins, haben Sie etwas Brauchbares aus den wenigen positiven Punkten herausfiltern können, was uns vorwärts bringt?“, richtete er sich an van Dyke, der vor ihm stand und bedeutete mit einer Handbewegung, dass er Platz nehmen solle.
Roger wusste, dass der Captain niemals Resignation offen zeigen würde, aber er war ein guter Beobachter und die Bewegungen des Captains, seine Körperhaltung und vor allem die nachdenkliche Mine mit wenig Hoffnung bestätigten seine Einschätzung.

„Wenn ich mir die genialen Einfälle meiner Crew ansehe, kann ich kaum glauben, dass wir immer wieder heil nach Hause zurückkehren.
Die Vorschläge gehen von Entern des gegnerischen Schiffes, über einen umfassenden Präventivschlag mit allen Mitteln, eine völlig unerwartete Idee unseres klingonischen Austauschoffiziers, bis hin zur Aufgabe des Schiffes.
Ein anderer Vorschlag befasst sich mit einem taktisch gut geplanten Angriff mit anschließendem Rückzug von Ran Byrell. Recht interessant ausgearbeitet, aber aufgrund der unzureichenden Daten über die Defensivwaffen des Gegners wenig Erfolg versprechend.
Ein Offizier der Sensoren Workgroup ist sogar der Ansicht, die Selbstzerstörung des Schiffes sei der einzig richtige Weg. Ich muss sagen von dieser Erkenntnis bin ich weit entfernt.“

Wikland atmete tief durch und legte das PADD beiseite, von welchem er gerade die Zusammenstellung der Vorschläge vorgelesen hatte, und lehnte sich nach hinten in die Couch.

„Wie sieht es mit Ihnen aus, was können Sie mir bieten?“
Roger van Dyke zog seine Uniform glatt und begann mit seinen Erläuterungen

„Captain, zunächst möchte ich Ihnen versichern, dass ich mir Ihre Worte gut gemerkt habe, die Sie mir zu Beginn meines Dienstes hier an Bord gesagt haben.
Ich weiß dass Sie eine Abneigung gegenüber theoretischen Lösungen haben, die aus der Trickkiste stammen. Viele Optionen bleiben uns nicht.
Ich bin mir auch bewusst, dass Ihnen dieser Vorschlag absurd vorkommen wird, bitte Sie aber dennoch Ihn wohlwollend zu überdenken.
Er erfordert meiner Meinung nach nur ein minimales Risiko und gibt uns Gelegenheit sowohl diese Situation, als auch unsere Rettungsmission zeitgleich erfolgreich abzuschließen.“
Wikland taxierte seinen ersten Offizier mit ernstem Blick, bevor er langsam antwortete.

„Nun wenn uns dieser Plan eine echte Chance bietet bin ich gerne bereit ihn mir anzuhören Commander.
Ich habe zwar meine Prinzipien, aber ich bin nicht uneinsichtig.
Übrigens habe ich inzwischen aus zuverlässiger Quelle erfahren, dass Ihre gelegentlichen, sagen wir mal kreativen Ideen, bislang immer zum Erfolg geführt haben. Lassen Sie hören was Sie anzubieten haben.“

Roger van Dyke holte etwas aus um seine Absichten besser zu erläutern und dem Captain noch einmal die zentralen Punkte für das Gelingen dieses Planes vor Augen zu führen.
„Aus unseren Sensorenabtastungen wissen wir, dass die Mannschaftsstärke auf der Sigortaan 753 Individuen beträgt.

Wir wissen, dass sie sich bei einer Kommunikation fast alle auf das Gespräch konzentrieren, da sie mental verbunden scheinen und eventuelle Veränderungen im Raum hauptsächlich durch visuelle Kontrolle registrieren. Ihre Scanner liefern nur eine Minimuminformation, was als gesichert gelten kann.
Des Weiteren sind sie dafür bekannt, dass sie nie eine Rede unterbrechen, solange ein Gesprächspartner das Wort führt.
Diese Fakten werden wir uns zunutze machen um hier zu verschwinden und gleichzeitig die Dalerianer darüber aufzuklären, was unsere grundsätzlichen Ziele sind.“
Wikland blickte van Dyke ungläubig und gleichzeitig ernst an.

Trotz seiner langjährigen Praxis im Umgang mit Menschen und fremden Rassen konnte er nicht einschätzen ob ihn sein erster Offizier verschaukeln wollte oder einen ernsthaften Vorschlag unterbreitete.
Zumindest ließen die Stimme und die Emotionen im Vortag seines Ersten erkennen, dass dieser es wohl vollkommen ernst meine.
Wikland ließ sich seine Skepsis nicht anmerken und versuchte seiner Frage einen interessierten und unbefangenen Klang zu verleihen als er sich an van Dyke wandte:

„Und wie wollen Sie das anstellen, wenn ich mir die Frage erlauben darf?
Die schießen uns in Stücke oder jagen uns bis zum Rand des Universums wenn Sie unser Verschwinden bemerken.“

„Genau das ist der Punkt“ erwiderte van Dyke.

„Hier kommt meine Idee ins Spiel. Nach meinen Informationen ist es möglich eine Sonde der Klasse 10 mit einer Phaserenergiezelle einem starken externen Holoemitter sowie einer phasenparallelen Energieantenne zu versehen.
Wir würden eine soweit modifizierte Sonde aussetzen, die ein holographisches Bild unseres Schiffes erzeugt, das seine Position hält.“

Wikland nahm einen Schluck aus seinem Glas mit Fruchtsaft, dass er sich gerade eingeschenkt hatte, und hielt die Karaffe mit dem Saft über van Dyke’s Glas, der kurz nickte woraufhin Wikland das Glas bis zur Hälfte füllte.

„Commander, mir ist nicht bekannt, dass eine Sonde, sei sie auch mit einer Phaserenergiezelle ausgestattet, eine solche Energiemenge erzeugen kann um ein Hologramm in der Größe der ALEXANDRIA zu manifestieren.
Ich glaube da greifen Sie, wie man so schön sagt, nach den Sternen.“

Roger van Dyke hatte diese Reaktion vorhergesehen und wandte sich an den Computer:
„Computer, zeige Hologrammschema van Dyke zwei und ergänze um die Animationen der taktischen Darstellung“
Über dem Tisch entstand eine dreidimensionale Lichtprojektion, welche die Position der ALEXANDRIA und der Sigortaan in entsprechendem Maßstab zeigte.

Im Verlauf der Simulation wurde von der ALEXANDRIA eine Sonde unter dem Schiff abgesetzt und erzeugte ein positionsgleiches Abbild der nebula Klasse, dann beschleunigte das Föderationsschiff und zurück blieb die Sonde, die als kleiner gelber Punkt angezeigt wurde sowie ein durchsichtiges Abbild der ALEXANDRIA.

„Selbstverständlich wird unser Schiff lediglich als Lichtreflektion der Außenhülle bestehen und als Sicherheit werden wir die Sensoren der Sogortaan mit genau den Daten füttern, die Sie anzeigen sollen.
Durch die Antenne können wir sowohl die Energiesignatur unseres Schiffes simulieren, als auch eine holographisch erzeugte Bildkommunikation aufbauen, die mittels einer Darstellung von Ihnen und einigen Brückenoffizieren einen Vortrag auf den Schirm der Dalerianer projiziert.
Wir könnten zum Beispiel die Prinzipien der Föderation und die Interpretationen der obersten Direktiven der Sternenflotte in der Fassung von Edgar P. Belter verlesen, alles in allem vier Wochen ununterbrochenen Vortrages.

Das dürfte selbst für die Dalerianer ausführlich genug sein, und wenn Sie tatsächlich keinen beim Reden unterbrechen, gibt uns das genug Zeit um unsere Aufgabe zu erledigen und wieder unbemerkt zurückzukehren.“

„Was macht Sie so sicher, dass Karthofeen und seine Leute nichts bemerken werden?“
Wikland wollte wissen, ob diese verrückte Idee tatsächlich durchdacht war und keine Lücken aufwies, die ihnen zum Verhängnis werden konnten.

„Das läßt sich anhand der uns vorliegenden Sensorenwerte recht genau bestimmen.
Die Technik der Dalerianer ist im Bezug auf Sensorik weit geringer entwickelt als die unsere.
Sie sind in der Lage unser Schiff zu scannen, erhalten allerdings nur wenig aussagekräftige Daten.
Die hierfür notwendigen Energiesignaturen, Lebenszeichen und Bewegungsdaten können wir leicht durch ein dreidimensionales Energiegitter simulieren.

Auf den Bildschirmen wird unser Schiff aussehen wie vorher und auch die optischen Systeme stellen uns genau so dar wie wenn jemand aus dem Fenster sieht.
Solange keiner aussteigt und versucht unser Schiff anzufassen wird keiner die Täuschung bemerken.
Einziger Risikofaktor ist, dass wir aus dem Stand auf mindestens Warp 2 beschleunigen müssen. In diesem Moment erscheint durch unseren Abflug ein elektronisches Echo auf Ihren Schirmen.

Wenn aber zu diesem Zeitpunkt bereits die Holosimulation der Vorlesung läuft, könnte Ihnen dieser Umstand aufgrund der gemeinsamen Konzentration auf die Unterhaltung entgehen.
Sollten Sie nach einiger Zeit tatsächlich ungeduldig werden und den Schwindel entdecken, haben wir schon einen sicheren Vorsprung, der nicht mehr vor dem Föderationsgebiet von Ihnen aufgeholt werden kann.“

Wikland schaute auf die Simulation die in regelmäßigen Abständen vom Rechner wiederholt wurde und nahm einen weiteren Schluck Fruchtsaft. Er musste sich erst noch daran gewöhnen seine Vorgehensweise mit einer solchen List in Einklang zu bringen. Der Captain war ein gradliniger Mensch und ließ in der Regel keinen Zweifel daran, dass seine Taten ebenso klar und erkennbar integer waren.

Dann stand er auf ging zum Fenster und blickte hinaus in die Sterne.
Nach einer schier endlos wirkenden Weile fragte er van Dyke ohne seinen Blick vom Sternenpanorama abzuwenden:

„Wie sicher sind Sie, dass dieser Plan gelingen wird, wenn ich Ihnen meine Zustimmung dafür geben würde?“

Van Dyke hatte sich auf der Sitzgruppe zum Captain umgedreht und erhob sich langsam. Er trat hinter den Captain und blickte mit Ihm in die Unendlichkeit.
„Wie sicher sind Sie, dass alle taktischen Manöver der Sternenflotte im tatsächlichen Kampfeinsatz funktionieren?“, stellte er eine rhetorische Gegenfrage und fügte nach einer kurzen Pause hinzu

„Wir beide wissen doch nur zu genau, dass es hier draußen keine Garantien gibt.
Wir treffen unsere Entscheidungen orientiert an Fakten, Computerdaten, logischen Erwägungen oder Empfehlungen anderer Personen.
Aber letztendlich kommt die Entscheidung von unserem Herzen und aus dem Bauch, der uns verrät ob wir dabei ein gutes oder ein schlechtes Gefühl haben, nicht wahr?“

Diese wirklich ehrliche Antwort erstaunte den Captain. Er hatte erwartet, dass sein Offizier seine eigene Leistung ihm so gut und hübsch wie möglich verkaufen wollte.
Aber das Gegenteil war der Fall. Van Dyke war klar, dass es ein gewagtes Spiel war und genau das hatte er dem Captain mit diesen Worten bestätigt.
Das Ansehen und der Respekt für den neuen Offizier stiegen in Wiklands Meinung um einige Punkte.

Für einige Sekunden blickten beide stumm nach draußen bevor Wikland mit leiser Stimme antwortete.

„Da haben Sie Recht Nummer eins, und es wird uns weiß Gott nicht leicht gemacht diese Entscheidungen zu treffen.“
Der Captain drehte sich zum Tisch über dem noch immer die Simulation lief.
„Wie lange brauchen Sie um die Vorbereitungen zu treffen?“
Van Dyke zog ein PADD aus der Tasche, aktivierte es und reichte es dem Captain.

„Wie ich sehe haben Sie bereits festgelegt, wer Ihnen bei dieser besonderen Modifizierung zur Hand gehen soll, ich muss sagen Sie haben sich hervorragend vorbereitet und auch bei der Personalwahl eine glückliche Hand bewiesen.
Selbst die benötigten Materialien haben Sie bereits lokalisiert und bereitlegen lassen, sind Sie sich so sicher, dass ich den Plan genehmigen werde?“, wollte Wikland wissen.

„Das nicht Captain, aber wie Sie bereits richtig erkannt haben ist gute Vorbereitung bei zeitkritischen Problemen ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Bei Ihrer Zustimmung benötigen wir nicht mehr als 40 Minuten um die Sonde entsprechend umzubauen.“

Roger van Dyke war zufrieden mit seiner Arbeit. Er hatte einen seiner Meinung nach guten Vorschlag ausgearbeitet und alle nötigen und im Voraus planbaren Vorarbeiten bereits erledigt.
Selbst wenn der Captain einer anderen Lösung den Vorrang geben sollte, so hatte er doch das erste Mal den Eindruck, dass der Captain seine Bemühungen anerkannte.
Ein erster Schritt in die angestrebte Richtung.

„Vielen Dank Commander, ich werde mir noch einmal alle Vorschläge ansehen und meine enge Auswahl mit Ihnen und Andy Duke besprechen.
Danach treffe ich meine Entscheidung. Bleiben Sie auf der Brücke, ich werde Sie in wenigen Minuten kontaktieren.“

Roger van Dyke sah dem Captain deutlich an, dass er an der bevorstehenden Entscheidung schwer zu tragen hatte.
Wikland machte sich seinen Job nicht leicht. Sicherlich würde er jetzt über die Folgen der einzelnen Lösungen für die Crew und die Zivilisten nachdenken und abwägen, wo das geringste Risiko lag.
Roger war auf die Entscheidung des Captains sehr gespannt. Er verabschiedete sich und als die Tür zur Brücke aufglitt hatte sich Wikland bereits wieder gesetzt und sortierte die PADD’s, die auf dem Tisch lagen.

* * *

Es dauerte tatsächlich nicht lange,
bereits nach wenigen Minuten meldete sich Captain Wikland und Roger van Dyke und Andy Duke betraten den Bereitschaftsraum.

Der Captain saß noch immer in der Sitzgruppe und hatte die PADD’S zu einem großen und einem kleinen Stapel ordentlich zurechtgelegt.

Als die beiden Offiziere vor ihm standen begann er nachdem er für einige Sekunden mit leerem Blick auf den Tisch gestarrt hatte.
„Um sicherzugehen habe ich nochmals Rücksprache mit Tara Inana Anu’U genommen, die mir bestätigte, dass die Dalerianer auch nicht durch telepathischen Kontakt von unseren friedlichen Absichten zu überzeugen sind.
Tara Anu’U konnte keine Verbindung herstellen um auf diesem Wege eine zusätzliche Kommunikationsmöglichkeit aufzubauen.“

Der Captain nahm den kleineren Stapel von drei PADD’s vom Tisch und richtete sich auf.

„Ich habe drei grundverschiedene Lösungen in die engere Wahl gezogen und ich kann Ihnen versichern, dass es mir nicht behagt, dass keiner dieser Vorschläge von mir selbst stammt. Dies macht mich vielleicht aber auch etwas objektiver in dieser besonderen Situation.
Möglichkeit Nummer eins: Wir bleiben hier, und versuchen die Dalerianer durch umfangreiche Erklärungen von unseren Prinzipien zu überzeugen und einen friedlichen Abschluss für diesen Erstkontakt zu finden.
Wir bitten die Sternenflotte ein anderes Schiff zur Station Merlin zu schicken welches hoffentlich noch rechtzeitig ankommt.

Möglichkeit Nummer zwei: Wir ziehen uns zurück unter Anwendung aller nötigen Technologien, auch auf die Gefahr hin, dass wir nicht entkommen können und die Folgen hinnehmen müssen.

Möglichkeit Nummer drei: Wir verwenden den Vorschlag von Mr. van Dyke und versuchen eine Täuschung, um uns zurückzuziehen, helfen der Station Merlin und entscheiden dann ob wir wieder hierher fliegen um den Erstkontakt fortzusetzen, sofern das noch möglich und nötig ist.“

Andy Duke, der die Vorschläge kurz überflogen hatte sagte zum Captain:

„Sir, bei allem nötigen Respekt, inzwischen sind annähernd vier Stunden vergangen, die Entscheidung zu bleiben hätten wir wenn überhaupt, dann direkt nach unserer Besprechung treffen sollen.
Der Plan mit dem direkten Rückzug stellt allerdings ein nicht unerhebliches Risiko dar, wenn man davon ausgeht, dass es die Dalerianer mit ihren Drohungen ernst meinen.“

Roger van Dyke war klar, dass er nun am Zug war und der Captain gespannt auf seine Reaktion wartete. Mit fester Stimme wandte er sich an den Captain.

„Sir, ich empfehle meinen eigenen Vorschlag. Nicht weil er von mir kommt, sondern weil ich davon überzeugt bin, dass wir durch die Täuschung einen Vorteil erhalten und das Risiko, soweit es überhaupt kalkulierbar ist, minimieren.
Wir sollten jeden Pluspunkt mitnehmen, der sich uns bietet. Im Übrigen stimme ich mit Lieutenant Commander Duke überein, alle anderen Optionen hätten wir weitaus früher wahrnehmen müssen.“

Erstmals umspielte der Ansatz eines Lächelns die Mundwinkel des Captains. Die Regung war jedoch schon nach wenigen Sekunden wieder verschwunden. Gleichwohl hatte sie Roger van Dyke genau gesehen. Der Captain schien zufrieden über die Antworten, die er erhalten hatte.

„Ich bin erfreut, dass Sie sich beide so entschieden haben,
aus Ihnen werden doch noch einmal gute und erfahrene Raumschiff Captains...“, versuchte Wikland die Anspannung ein wenig aufzulockern.
„Ich hatte mich auch schon für diesen Weg entschieden. Commander, benachrichtigen Sie die ausgewählten Leute und fangen Sie sofort an. Informieren Sie mich, wenn Sie soweit sind, dass wir starten können. ich bin in meinem Quartier.“
Kapitel 12 by Harald Latus
Roger van Dyke tippte auf seinen Kommunikator.
„Lt. Commander Jefferson und Lt. Commander Sermin, bitte kommen Sie auf Deck fünf im Modul, ich möchte gemeinsam mit Ihnen eine Sonde modifizieren.
Bitte benachrichtigen Sie Corbal Mor und Maxine Dent, der Eingriff ist etwas ungewöhnlich und ich möchte von jedem Fachgebiet einen Spezialisten dabeihaben.
Wir treffen uns in fünf Minuten.“

„Verstanden Commander, wir sind auf dem Weg“, kam die Antwort von Jaqueline Jefferson und Sermin, die sich anscheinend gerade im LOOKOUT aufhielten, denn im Hintergrund waren angeregte Unterhaltungen wahrzunehmen.

Nun würde es sich zeigen, ob die Zusammenarbeit tatsächlich so gut funktionieren konnte wie es sich van Dyke wünschte.
Als er im Sonden-Wartungsraum des Moduls eintraf, waren Jefferson und Sermin bereits anwesend und kurz darauf traten die anderen aus dem Turbolift.
Corbal Mor der Trill wirkte etwas schläfrig, er war wohl schon zu Bett gegangen und durch die Nachricht aus dem Schlaf gerissen worden.

Roger van Dyke aktivierte das Wanddisplay um den Plan und die weitere Vorgehensweise zu erläutern.
„Zunächst möchte ich mich dafür entschuldigen, dass ich einige von Ihnen aus der verdienten Freizeit hierher zitiert habe,
aber für die folgende Aktion benötige ich Ihre Erfahrung und Ihre geschickten Fähigkeiten beim Umgang mit den einzelnen Komponenten.
Der Captain hat sich gemeinsam mit Lt. Commander Duke und mir für die folgende Vorgehensweise entschieden.“

Der erste Offizier erklärte die Einzelheiten der geänderten Sondenausstattung und den gewünschten Effekt. Nachdem er seine Ausführungen beendet hatte ging ein Raunen durch die kleine Gruppe und Jaqueline Jefferson wagte den Vorstoß, den van Dyke bereits erwartet hatte.
Ein wenig aufbrausend machte sie ihrem Zweifel Luft.

„Bei allem gebührenden Respekt Sir, das wird nicht funktionieren, Sie können ein Hologramm nicht im freien Raum projizieren.

Die Materiedichte ist nicht zu realisieren, im Übrigen werden wir Probleme mit der Phaserenergieeinheit bekommen.
Wie sollen wir da einen langsamen gleichmäßigen Energiefluss erzeugen, diese Dinger sind auf schnelle Ladung und plötzliche Energieabgabe ausgelegt.“

Jaqueline Jefferson stand mit einem skeptischen Gesicht vor dem ersten Offizier und hatte die Arme vor der Brust verschränkt.
Der neben ihr stehende Corbal Mor senkte den Kopf und murmelte etwas in vulkanisch vor sich hin, das van Dyke geflissentlich überhörte.
Er wollte jetzt nicht kritisieren oder den Vorgesetzten raushängen lassen, er war auf die schnelle und perfekte Mitarbeit dieser Leute angewiesen. Solche kleinen Spitzfindigkeiten konnte man auch noch später erörtern.
In den wenigen Tagen, die van Dyke an Bord verbracht hatte, war es bislang nur zu wenigen Kontakten per Kommunikationssystem mit der Crew gekommen.
Die meisten Senior Offiziere hatten ihn wenn überhaupt dann nur kurz gesehen, da sich die Dienstzeiten meist überschnitten hatten. Er kannte sie daher fast nur aufgrund der Dienstakten, die er sich eingeprägt hatte.
Selbst bei den Reparaturarbeiten auf der Station waren Sie ihm mit der natürlichen Distanz begegnet, die man einem neuen Vorgesetzten entgegenbringt.
Sie alle respektierten seinen Rang, aber es bestand noch immer eine gewisse Reserviertheit gegenüber seiner Persönlichkeit.

„Vor einigen Tagen waren wir auch noch alle davon überzeugt, dass ein Schiff mit nur einer Warpgondel nicht schneller als Warp 4 fliegen kann, aber heute wissen wir es besser.“, antwortete van Dyke gelassen und damit ging dieser Punkt ganz klar an ihn.

„Ich habe mich mit Lt. Commander Carter von der Phaser Workgroup unterhalten, er hat mir versichert, dass die gewünschte Energiematrix problemlos erzeugt werden kann.“
Van Dyke trat nach links und bedeutete den Anderen ihm zu folgen, die Sonde war bereits von einer Wartungscrew auf einem Arbeitstisch fixiert und geöffnet worden.
Die angeforderten Teile lagen bereit und mussten nun entsprechend eingebaut und verbunden werden.

„Lt. Commander Jefferson, ich möchte, dass Sie sich mit der Energiezelle beschäftigen.
Damit Sie nicht bei Null anfangen müssen habe ich einen hübschen Liebesbrief von Mr. Carter für Sie, der leider mit einer Infektion auf der Krankenstation liegt und den Dr. Wells nicht diensttauglich schreiben konnte.“

Jaqueline drückte den Sensorbereich des PADD’s und zu ihrer großen Überraschung erschienen auf dem Display detaillierte Verbindungsanweisungen für die Phaserenergieeinheit und das Stromnetz der Sonde.
Als zentrales Verbindungsteil war eine EDC-Kupplung eingezeichnet, ein Bauteil welches zurzeit noch in der Forschungsabteilung auf seine unterschiedlichen Verwendungsmöglichkeiten untersucht wurde.

„Lt. Commander Mor…“, wandte sich Roger an den Trill,
„…setzen Sie sich mit K’Orak auf der Brücke in Verbindung.
Wir benötigen einen bioneuralen Scan aller Lebensformen auf diesem Schiff mit einer aktiven Matrix.
Ich denke 5 Minuten Aufzeichnung sollten reichen, wir werden daraus eine Schleife fertigen, die endlos läuft und die Lebenszeichen der Mannschaft simuliert.“

Der Vulkanier Sermin stand ruhig neben van Dyke und fragte ihn dann,
„Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie meine Kenntnisse über das Medizinisch Holographische Notfallprogramm benötigen um die korrekte Darstellung des Schiffs außerhalb eines Holodecks zu erzeugen?“

Van Dyke nickte kurz mit dem Kopf,
„Wie ich aus dem Logbuch weiß, haben Sie sich bereits wiederholt mit dieser Technologie auseinandergesetzt um die Einsatzdauer und die persönlichen Eigenschaften eines MHN zu verbessern.“

Sermin der Vulkanier zog die linke Augenbraue hoch und blickte auf das Datendisplay an der Wand, welches noch immer die taktische Simulation des Plans wiedergab.

„Dieser Lösungsansatz ist eine bemerkenswerte Alternative, darf ich fragen wie Sie auf die Idee mit den Holoemittern gekommen sind?“

Roger van Dyke war überrascht, er hatte keinem gesagt, dass dieser Vorschlag von Ihm kam dennoch antwortete er Sermin mit einem Anflug von Humor

„Das erzähle ich Ihnen lieber bei einem Drink in unserer Bar wenn das alles hinter uns liegt, sonst werfen Sie mich aus der nächsten Luftschleuse, bevor wir mit der Arbeit fertig sind“

Wie zu erwarten konnte Sermin auch diese Antwort nicht sofort richtig einordnen.
Die Angewohnheit Auskünfte, Meinungen oder Informationen mit Humor, Sarkasmus oder Ironie wiederzugeben war nach seiner vulkanischen Einschätzung ineffektiv und sorgte für Ablenkung vom eigentlichen Thema.
Er wandte sich dem Diagnosetisch zu und begann mit der Anpassung des Holoemitters für die kommende Aufgabe.

Maxine Dent, die stellvertretende Leiterin der Science Workgroup hatte bislang schweigend dabeigestanden und wandte sich nun an van Dyke.
„Lassen Sie’s uns angehen Commander“, sagte sie, mit wenigen Schritten war sie am Computerterminal, steckte die bereitliegende Speichereinheit in den Übertragungsport und wies den Computer an die Konstruktionsdaten der Schiffshülle als dreidimensionale Daten zu übertragen.
Im Anschluss daran kopierte van Dyke sein Holoprogramm ‘Brückensimulation’ sowie die Daten der Föderationsprinzipien, die von der Holosimulation des Captains verlesen werden sollte auf das Speichermodul.

Jefferson hatte gerade die Energieeinheit mit der neuen EDC-Kupplung verbunden und prüfte den Energiefluss mit ihrem Tricorder. Corbal Mor trat neben Sie und fragte leise:
„Was glauben Sie Jaqueline, wird das funktionieren?“
Jefferson drehte sich zu ihm und bedeutete mit einem kurzen Schulterzucken und einer leicht gerümpften Nase, dass sie sich auch nicht ganz sicher war.

Obwohl die Einheit gut zu funktionieren schien war der Neutrinofluß immer noch gewissen Schwankungen unterworfen.

„Commander van Dyke...“, rief sie zur Konsole hinüber und Roger kam zum Wartungstisch, auf dem die Sonde lag,
„...der Neutrinofluß lässt sich nicht vollständig beruhigen, es treten immer noch in unregelmäßigen Abständen Schwankungen und Pulsfrequenzen auf.“
Van Dyke blickte auf die abgelesenen Trikorderwerte und nahm einen Verteronpolarisator zur Hand.
„Das liegt an der Ladung der Phaserzelle, die Wartungscrew kannte den Verwendungszweck dieser Einheit nicht.“
Langsam bewegte er den Polarisator über der Energieeinheit hin und her, bis die Induktionskurve auf dem Trikorderdisplay unter die Schwellgrenze sank.

„Das müsste genügen...“, sagte er mit einem Lächeln und drückte Jefferson den Tricorder wieder in die Hand,
„...wir sind gleich mit den Datenübertragungen fertig und werden dann das Speicherelement einsetzen können.
Lt. Commander Sermin hat den Holoemitter an die Bedürfnisse angepasst, bitte helfen Sie Ihm beim Verbinden mit der Energieleitung.“

Der Rest der Arbeit war reine Routine, nachdem alle Bauteile in der Sonde untergebracht waren führten Maxine Dent und Sermin noch eine Simulation durch.
Zumindest die am Computer angezeigten Werte bestätigten die einwandfreie Funktion.

Die Sonde wurde durch die Transportöffnung zum unteren Auslassschacht weiterbefördert und van Dyke richtete sich an die Anwesenden:

„Ich danke Ihnen für Ihre Unterstützung und hoffe für uns alle, dass uns diese Lösung den gewünschten Erfolg bringt.
Lt. Commander Jefferson, bitte veranlassen Sie, das die Crew im Maschinenraum den Warpantrieb ganz langsam auf volle Leistung hochfährt, die brauchen wir für unseren Blitzstart.
Wir wollen den dalerianischen Freunden unsere Absichten nicht allzu offensichtlich zeigen, gute Nacht.“

Jaqueline Jefferson und die anderen gingen zum Turbolift und Roger van Dyke blieb allein zurück. Er deaktivierte das Wanddisplay und sicherte die Computerzugänge, die sie für die Programmierung genutzt hatten.
Den Rest überließ er der Wartungscrew, die in wenigen Minuten hier wieder Ihren Dienst antreten würde.
Schon wenige Minuten später stand van Dyke wieder auf der Brücke und löste Andy Duke ab, der in der Zwischenzeit das Kommando hatte.

„Captain, wir sind soweit, die Sonde ist bereit und der Antrieb wird auf einen Notstart vorbereitet. In zehn Minuten können wir mit unserer Show beginnen.“, sagte van Dyke, nachdem er seinen Kommunikator angetippt hatte.
„In Ordnung Nummer eins, ich bin gleich bei Ihnen. Machen Sie weiter mit Ihren Vorbereitungen.“, antwortete Wikland und beendete die Kommunikation.
„Mr. Ramirez, berechnen Sie einen Kurs zur Sternenbasis Merlin, der uns auf dem kürzesten Weg in bekanntes Föderationsgebiet bringt.

Commander K’Orak, setzen Sie die Sonde unter dem Schiff aus, die in Abwurfschacht vier liegt. Kein Antrieb und keine Steuerdüsen aktivieren. Sie bleibt tot bis der Captain hier ist.“

K’Orak nickte mit dem Kopf und aktivierte den Abwurfschacht über sein Display.
Die Sonde wurde über einen Greifer ins Freie befördert und dort losgelassen, jeder Bewegungs- oder Gravitationseinfluß hätte ein Abdriften und somit ein Verschieben der Bilddarstellung beim Aktivieren mit sich gebracht.

Der Captain betrat die Brücke schon nach wenigen Minuten. „Lieutenant Carah, öffnen Sie eine Kom-Verbindung zur Sigortaan, ich möchte mit Karthofeen sprechen. Commander van Dyke aktivieren Sie Ihr Wunderwerk auf mein Zeichen.“
Van Dyke nickte dem Captain zu und aktivierte das Datenterminal vor seinem Platz.
„Verbindung steht Captain“, antwortete die Bajoranerin und drehte sich nach vorne zum Hauptschirm auf dem das Gesicht von Karthofeen erschien, der diesmal alleine am großen Tisch saß.

„Karthofeen, ich bin untröstlich, dass unsere Ausführungen noch immer unzureichend sind und Sie sich daher kein vollständiges Bild über unsere ehrlich gemeinten friedlichen Absichten machen können.
Ich habe daher beschlossen, eine ausführliche Erklärung abzugeben, die alle Hintergründe genau erläutern und jedwede weitere Frage überflüssig machen wird.“

Der Dalerianer wartete einen Augenblick um sicher zu sein, dass Wikland seinen Satz beendet hatte und sagte dann:
„Wir werden Ihre Ausführungen gerne entgegennehmen Captain, Trelluut und Palatiin werden gleich hier sein und gemeinsam mit mir hören was Sie zu sagen haben.“

Wikland hob die rechte Hand und sagte
„Ich danke für Ihr Verständnis Karthofeen, lassen Sie mich wie folgt beginnen...“
Im selben Moment wurde der Hauptschirm geteilt und die Linke Hälfte zeigte die Brücke der ALEXANDRIA auf der Captain Wikland in der Holosimulation begann die Prinzipien der Föderation zu zitieren,
während auf der rechten Seite die Dalerianer zu sehen waren, die gespannt zuhörten.

Wikland und die Brückencrew schauten gespannt auf den Hauptschirm, und das Schauspiel, das sich darauf abspielte.
Es sah so aus als schienen die Dalerianer tatsächlich nicht zu bemerken, dass sie eine Aufzeichnung sahen bzw. so etwas ähnliches.

„Sehr gut Commander...“, wandte sich Wikland an van Dyke, „...kommen wir nun zu Schritt Nummer zwei. Commander Jefferson, wie weit sind Sie mit der Notstartsequenz?“

„Jederzeit bereit Captain, sagen Sie nur wann.“, kam die Stimme von J.J. aus dem Maschinenraum.
„Wir müssen den Start und das Hologramm synchronisieren, Captain...“, gab van Dyke zu bedenken.
„...sonst empfangen die Dalerianer ein doppeltes Signal“.
„Verstehe, können Sie die Aktivierung der Sonde mit dem Einsatz des Warpantriebs koppeln?“

„Aye Sir, gekoppelt mit dem Warpsprung“, erwiderte van Dyke.
„Ramirez, Notstart auf Warp 2, nach dem Beschleunigen gehen Sie auf Warp 9.6, und los“, rief Wikland.

Die ALEXANDRIA wurde von einem holographischen Bild überdeckt, das maßstabsgetreu das Schiff wiedergab und im selben Moment schoss die ALEXANDRIA davon.

Minute um Minute verstrich und die Spannung auf der Brücke wuchs ins Unermessliche. An allen Dingen die man berührte konnte man die feine Vibration erfühlen, die durch die volle Belastung des Warpantriebs erzeugt wurde.
Man meinte fast keiner traue sich zu atmen. Überall auf der Brücke war nur das leise Piepen der Computer kontrollierten Systeme wahrzunehmen und das unterschwellige Brummen des Antriebs.
Die Nerven aller waren bis aufs Letzte gespannt und jeder konzentrierte sich auf seine Aufgabe.

„K’Orak, Sensorenabtastung, was machen die Dalerianer?“ richtete sich Wikland nach wenigen Minuten an den Klingonen.

„Den Werten zufolge haben Sie Ihre Position noch nicht verlassen. Das Schiff ist nach wie vor in Defensivhaltung. Waffen und Antrieb sind abgeschaltet, keine weiteren Aktivitäten Captain“

Wikland nickte zufrieden und blickte kurz zu van Dyke der auf seinem Terminal die Sondensignale kontrollierte.
„Wie lange noch bis zum Verlassen des Raumes der Dalerianer K’Orak?“

Der Captain war sich noch nicht sicher, ob die Gefahr gebannt war.

„In zwei Stunden verlassen wir deren Raum, wenn wir uns an den Sternenkarten der Föderation orientieren...“, und damit die Information vollständig war fügte er hinzu,
„...die Station Merlin erreichen wir bei Warp 9.6 in ungefähr 12 Stunden, Sir“

„Das gibt uns Zeit für eine erholende Runde Schlaf, nicht wahr? Nummer eins, informieren Sie die Delta Schicht, sie soll die Brücke und den Maschinenraum etwas früher übernehmen, wenn wir bei Merlin ankommen müssen wir alle wieder in Form sein.

Alarmstufe Gelb ist aufgehoben. Erholen Sie sich gut, morgen wird ein ebenso anstrengender Tag“, damit erhob sich Wikland und verschwand in sein Quartier.
Wenige Minuten später saß Maxine Dent im Sessel des Captains und auch die anderen Stationen waren übernommen worden.
Kapitel 13 by Harald Latus
Die ALEXANDRIA schoß mit Warp 9.6 durch den Raum und ließ das Gebiet der Kugelsternhaufen und Sternencluster schnell hinter sich.
Der Captain und auch die anderen Crewmitglieder der Brückenbesatzung hatten sich nach der Ablösung auf der Brücke,
gleich in den Quartieren zur Ruhe begeben.
Lediglich van Dyke stand am Fenster und schaute auf die Warpsterne die ihm entgegen flogen, er konnte keine Ruhe finden.
In seiner rechten Hand hielt er eine Tasse Raktajino und vor ihm auf dem Tisch lagen einige PADD’s, die taktische Angriffs- und Verteidigungssimulationen der Sternenflotte zeigten.
Er wusste, dass die Situation der sie nun entgegenstürmten mit Sicherheit nicht leichter zu bewältigen war, als das Problem welches sie gerade mühevoll hinter sich gelassen hatten.

Wobei es in diesem Fall keine richtige Lösung sondern nur ein gut erwirkter Aufschub war. Das war Roger vollkommen klar. Er war sich sicher, dass in dieser Sache das letzte Wort noch nicht gesprochen war.
Im Hintergrund erklang leise Musik, die mit tragenden und flächigen Sounds und dem eingebundenen Meeresrauschen eine beruhigende Wirkung verströmte.
Noch lange stand er vor seinem Fenster, blickte hinaus ins All und überlegte was bei der Station Merlin wohl auf sie warten mochte.

Noch vor Anbruch der Tagesschicht war der Captain wieder auf der Brücke. Er hatte sich von K’Orak die Auswertungen der Langstreckensensoren geben lassen und studierte die Angaben.
Die Abtastung deutete auf einige kleine Schiffe verschiedener Bauart hin, die in angemessenem Abstand zur Station eine Gruppe gebildet hatten. Aus dieser Ansammlung scherten immer wieder zwei oder drei Schiffe aus, die in einzelnen Wellen auf die Station zuflogen und sich kurz darauf wieder zurückzogen.
Die ALEXANDRIA hatte noch ungefähr zwei Stunden mit Warp 9.6 vor sich, bevor sie den Sektor der Station erreichen konnte.

„Lieutenant Commander Carter, beschleunigen Sie auf Warp 9.85, ich will schneller dort sein“, wies der Captain den gerade wieder von der Krankenstation entlassenen Ingenieur an.

Edison Carter nahm die Korrektur vor und berichtete dem Captain wie sich die Flugzeit verändern würde.
Wikland war zufrieden und ließ seinen Blick über die Brücke schweifen. Von der Alpha Schicht war bislang noch keiner erschienen, es waren allerdings auch noch gut eineinhalb Stunden bis zur Übernahme.
In diesem Moment glitt die Tür des Turbolifts auf und Roger van Dyke trat auf die Brücke. Er sah den Captain und ging auf ihn zu. Mit einem freundlichen Lächeln setzte er sich auf seinen Platz, der von Lt. Commander John Newton freigemacht wurde.

„Guten Morgen Captain, hatten Sie eine angenehme Nacht?“
Wikland blickte auf.
„Leider nicht, ich bin immer etwas unruhig, wenn ich im Voraus weiß, das militärische Konflikte auf mich warten.
Eigentlich sollte so ein alter Haudegen wie ich das ja gewohnt sein aber es ist dennoch immer wieder eine gewisse Anspannung.
Und wie haben Sie geschlafen?“, wollte Wikland wissen.

„Mir geht es ähnlich, da wir wohl mit einer militärischen Auseinandersetzung rechnen müssen habe ich die Zeit genutzt mich nochmals mit den taktischen Gegebenheiten bei der Station MERLIN zu befassen.
Obwohl ich danach sehr abgespannt war, bin ich doch schon wieder früh aufgewacht. Ich denke, bevor ich diese Zeit durch herumsitzen vergeude, kann ich mich auch hier auf die kommenden Aufgaben vorbereiten.“

Wikland nickte zustimmend und nahm zufrieden zur Kenntnis, dass er nicht alleine war mit seiner Unrast.
Er deutete auf die Wissenschafts-Station und van Dyke folgte dem Captain zum Display.
Der Computerbildschirm, der in der Wand eingelassen war zeigte die Analysen der Sensorenabtastungen.

„Da ist ja richtig was los nicht wahr? Sieht aus wie Angriffsflüge, wenn man die Wellen von Schiffen und die Flugbahnen so sieht.
Oder könnte es sich dabei lediglich um Drohgebärden handeln?“,
meinte van Dyke und wechselte von der Animation der Sensordarstellung auf die tabellarische Übersicht der Werte.

Wikland drehte sich nach vorn und blickte auf den Hauptschirm.
„Nein, unsere Langstreckensensoren können derzeit nur die Bewegungsdaten analysieren, inwieweit hier Offensivwaffen zum Einsatz kommen lässt sich erst feststellen wenn wir näher dran sind, es sieht aber sehr nach Angriff aus.
Bislang waren unsere Versuche eine Kommunikation mit der Station herzustellen nicht erfolgreich. Alle Signale sowohl zur- als auch von der Station werden durch ein starkes Störenergiegitter zerstreut.“

Wikland und van Dyke standen eine lange Zeit vor der Wissenschaftsstation und der Captain erklärte die bevorzugten Taktiken der ALEXANDRIA Crew.
Er rief einige Aufzeichnungen zurückliegender Gefechte und Sternenflottendateien ab und informierte den ersten Offizier wie er im Fall von Aggressionen vorgehen würde.
Van Dyke nahm die Ausführungen des Captains mit hoher Konzentration entgegen.
Der Erste Offizier senkte seine Stimme, so dass er sicher sein konnte, dass keiner die nun folgende Unterhaltung verstehen konnte.

„Captain ich möchte eine sehr persönliche Frage an Sie richten…“, Wikland nickte zustimmend mit dem Kopf, „…bei allem schuldigen Respekt, halten Sie es wirklich für notwendig, dass die Wachoffiziere Ihr Betreten und Verlassen der Brücke mit einer Meldung quittieren?
Ich weiß, Ich bin neu hier und sollte mich mit meinen Vorschlägen erst einmal hinten anstellen, aber ich denke doch diese Ehrenbezeugung, die noch aus der Zeit der christlichen Seefahrt stammt, entspricht nicht mehr den Umgangsformen der heutigen Zeit.
Wir alle kennen Ihre Fähigkeiten und Ihren Rang. An der Professionalität der Crew ändert sich nichts wenn jemand ‘Captain auf der Brücke‘ ruft. Im Gegenteil, ich denke eher, dass es zu Ablenkungen führt.“

Roger van Dyke rechnete mit einer Zurechtweisung und wurde von Wiklands Antwort völlig überrascht.

„Nummer Eins...“, begann der Captain mit leiser Stimme und stützte sich mit seiner linken Hand lässig auf der Arbeitsfläche der Wissenschaftsstation ab.
„...ich schätze Ihre Offenheit. Auch wenn Sie für Ihre Frage nicht gerade den passendsten Zeitpunkt ausgewählt haben, so rechne ich es Ihnen doch hoch an, dass Sie sich mit den Gegebenheiten an Bord auseinandersetzen und sich mit Ihren Vorschlägen an mich wenden.
Auch wenn es in diesem Fall bedeutet, dem Captain eines seiner Vorrechte streitig zu machen. Wenn Sie der Meinung sind, dass Sie mir in irgendeiner Situation widersprechen müssten oder einen anderen Standpunkt haben, lassen Sie es mich wissen.
Was diese Meldungen betrifft, weisen Sie die Sicherheitscrew an, sie künftig wegzulassen, ich weiß auch so dass ich auf der Brücke bin, ich brauche keinen der mich darauf hinweist.“
Den letzten Satz unterstrich er mit einem ehrlichen Lächeln und nickte van Dyke noch einmal kurz zu.

Dann kam Wikland mit großen Schritten zurück zu seinem Sessel und nahm Platz.
„Commander...“, richtete er sich an seinen ersten Offizier, der noch im hinteren Bereich der Brücke am Computer stand,
„...bereiten Sie das Schiff auf einen Kampf vor. Wenn es losgeht möchte ich dass alles funktioniert und dass die Crew auf Draht ist.“
„In Ordnung Sir!“, antwortete van Dyke ging zum Turbolift und drückte seinen Kommunikator.
„An alle Führungsoffiziere, kommen Sie zum Briefing in den Schulungsraum auf Deck vier. Van Dyke Ende.“
Er betrat den Turbolift und wenige Sekunden später öffnete sich die Tür mit einem leisen Zischen auf Deck vier. Er eilte den Gang hinunter und traf auf Corbal Mor den Trill, der aus einem Seitengang zu Ihm stieß.
„Übrigens Lt. Commander...“, richtete Roger sich an den Trill, während sie weiter den Flur entlangschritten,
„...ich schätze es nicht, wenn man meine Anweisungen oder die Befehle des Captains in Frage stellt. Ihre Bemerkung im Wartungsraum beim Umbau der Sonde war nicht angebracht...“
Dem Trill lief ein kalter Schauer über den Rücken. Er hatte nicht erwartet, dass van Dyke seine abfällige Bemerkung im Sondenraum bemerkt hatte, die er leise vor sich hin gemurmelt hatte.

„...außerdem müssen Sie nicht noch andere Offiziere verunsichern indem Sie negative Fragen stellen und Schwarzmalerei betreiben.
Wenn Sie sich einer Sache nicht sicher sind, steht es Ihnen frei weitere Informationen zu erfragen, oder Ihre Bedenken zu äußern.
Aber so etwas wie im Wartungsraum möchte ich nicht wieder erleben. Ist das klar?“
Der Trill senkte den Kopf, zog eine Grimasse und preßte ein
„Ja, Commander“, hervor.

Corbal Mor wertete diese Unterhaltung als Maßregelung, denen er sich nur ungern beugte. Sein Symbiont war bereits mit acht verschiedenen Wirtskörpern verbunden und Mor war der Ansicht, dass seine Meinung den höchsten Stellenwert hatte,
zumindest wenn es um seine Handlungen ging.
Corbals Stellung als Lt. Commander war der langjährigen Erfahrung seines Symbionten zu verdanken, der schon seit mehr als 78 Jahren in der Sensoren- und Sondentechnik gearbeitet hatte.

Inzwischen hatten sie die Tür zum Schulungsraum erreicht und traten ein. Einige Führungsoffiziere waren schon anwesend, standen in der Ecke am Computerterminal und unterhielten sich leise.
Nach einigen Minuten waren auch die Letzten eingetroffen und van Dyke bedeutete der Gruppe sich zu setzen.

„Der Captain hat mich beauftragt Sie über die aktuelle Situation aufzuklären und auf unsere Rettungsmission vorzubereiten.“
Er aktivierte eine Informationstafel, die den Grundriss der Station Merlin zeigte und erläuterte die bereits gewonnenen Daten.

Bei der Sternenbasis handelte es sich um eine Station vom Typ vier, eine stark verkleinerte Ausgabe der pilzförmigen Stationen. Sie besaß nur einen kleinen Shuttlehangar und hatte insgesamt 68 Decks.
„Wir müssen davon ausgehen, dass wir die Station mit militärischen Mitteln gegen die Aggressoren verteidigen müssen. Ich weiß, dass Sie erst vor kurzer Zeit einen Kampfeinsatz mitgemacht haben...“, erklärte Roger

„Wir machen doch dauernd irgendwelche Kampfeinsätze mit, dass ist doch nichts neues für uns!“, kam eine Stimme aus den hinteren Reihen, und ein zustimmendes Gelächter ging durch die Gruppe.

„...nun, schön das Sie so begeistert und erfahren sind, dann wird es Sie sicherlich freuen, dass Sie eines der Kampfrunabouts steuern dürfen Mr. Sinclair. Sie sind hiermit für die Amazonas eingeteilt.“, erwiderte van Dyke.
Damit war schlagartig Ruhe eingekehrt bis auf den etwas vorlauten Offizier, der sich gerade ereifern wollte gegen die Entscheidung zu protestieren, aber von seinen Nachbarn mit schnellen Griffen wieder auf seinen Stuhl zurückgezogen wurde.

Van Dyke informierte nun über die zu erwartende Gegnerstärke und über die bereits mit dem Captain erörterte Taktik.
Als die Gruppe nach einer halben Stunde den Schulungsraum verließ, blieben nur van Dyke und Corbal Mor zurück, der an der Tür wartete.

„Und, welche Strafe haben Sie sich für mich ausgedacht?“, fragte er schnippisch als van Dyke an Ihm vorbeigehen wollte.
„Lt. Commander, der Vorfall ist für mich erledigt, es wird auch keinen Eintrag in Ihre Akte geben.
Ich habe Ihnen meine Einstellung dazu bereits mitgeteilt, wobei ich es tunlichst unterlassen habe dies in Anwesenheit Anderer zu tun.

Ich erwarte nur, dass Sie sich künftig korrekt verhalten. Das was eben da drinnen passiert ist, hat sich der junge Mann selbst zuzuschreiben. Es wird Ihm eine Lehre sein und die nächsten Einweisungen sicherlich deutlich ruhiger machen.“

Damit wandte sich van Dyke ab und ließ Corbal Mor alleine in der Tür stehend zurück.

* * *

„Captain, wir haben die Energiesignaturen der Angreifer identifiziert, sie halten die Station Merlin unter Beschuss, die Schilde der Station sind runter auf 30 Prozent und im unteren Sektor werden sie bald völlig ausfallen“, kam die Stimme von Alisha der Bolianerin, welche die aktuellen Daten an der OPS abrief.

„Wie lange noch bis zur Ankunft?“
K’Orak schaute auf seine Anzeigen.
„Sechs Minuten Captain.“
Wikland blickte zu van Dyke an seiner Rechten.
„Commander“, sagte er mit einem fordernden Unterton in der Stimme und van Dyke begriff, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen war. Er übernahm die Leitung der Aktion. Ihm war klar, dass der Captain ihn mit dieser Aufgabe testen wollte, aber er hatte sich gut auf diese Situation eingestellt. Alles was er wissen musste hatte er sich in seinem Kopf bereitgelegt, so dass er es nur noch abrufen musste.

„Ramirez, verzögern Sie auf Warp 2. Alarmstufe Rot, Schilde hoch, Phaser und Torpedoabschussrampen klar zum Gefecht, alles auf die Kampfstationen...“

Schlagartig war die Brücke erfasst von fieberhafter Geschäftigkeit. Der Turbolift öffnete sich und zusätzliche Sicherheitsleute mit Phasergewehren nahmen Ihre Plätze auf der Brücke ein.

Ein medizinischer Offizier sowie zwei weitere Crewmitglieder zur Verstärkung der taktischen- und der Sicherheitsstation folgten Ihnen und platzierten sich an den rückwärtigen Computerterminals.
Das Licht dunkelte ab und die roten Leuchtbänder in der Wand flammten auf während gleichzeitig der akustische Alarm erklang.
„Computer, Audio aus.“, gab van Dyke weitere Anweisungen,
„Shuttlehangar eins, starten Sie die Kampfrunabouts nach Muster Wikland Alpha drei.“

„Hier Shuttlehangar eins, Runabouts ausgeschleust.“, kam die Rückmeldung vom leitenden Offizier Otumbwe kurz darauf.
„Piloten bestätigen Muster Wikland Alpha drei“, rief Carah Pehl von der Kommunikationsstation.
Von diesem Moment an ging alles Schlag auf Schlag.
Alle Flugdaten wurden nochmals geprüft und geringfügige Kurskorrekturen vorgenommen.

Die ALEXANDRIA steuerte mitten auf die Angriffsformation zu, die in ständigen Wellen auf die Station Merlin zustürmten.
Auf den Bildschirmen der Wissenschaftsstationen wurden ständig die aktualisierten Sensorenwerte angezeigt und die aktivierten Abwehrsysteme zeigten durch nervös blinkende Leuchtfelder auf den Bediendisplays Ihre Bereitschaft.
„Ramirez, gehen Sie unter Warp. Nachricht an die Runabouts, Sie sollen die Zielerfassung auf die Schiffe einstellen,
welche die Station aktiv angreifen, und nach eigenem Ermessen feuern. Lieutenant Ran, das gilt auch für Sie“, schloss van Dyke seine Befehle.

„Anweisungen bestätigt.“, rief Carah von der Kom-Station und im selben Moment verschwanden die Warpsterne auf dem Schirm und man sah die Station Merlin die von zirka 30 Kampffliegern umgeben war.
Ramirez hatte die Verzögerung so geschickt programmiert, dass die ALEXANDRIA in einer günstigen Position zwei Kilometer vor und fünf Kilometer unterhalb der Station auftauchte.
Damit war das Überraschungsmoment auf der Seite der Sternenflotte. Der Kampf über Ihnen tobte bereits in voller Stärke.
Jedes Mal wenn ein Angriffsjäger seine Phasersalven gegen die Station geschleudert hatte, drehte er ab und der Nächste rückte nach. Die Jäger zogen sich kurz zurück, formierten sich neu und flogen in immer wiederkehrenden Wellen auf die Station zu.

Die Runabouts und die ALEXANDRIA machten einen Schwung nach oben und stießen auf die Angreifer zu.
Erste Phaserstrahlen zuckten von der oberen und unteren Phalanx des Föderationsschiffes sowie der Runabouts und trafen die Angreifer, deren Schilde bei derartig starkem Beschuss schnell nachgaben.
Sie brachen verwirrt Ihre Angriffe ab und drehten bei um sich neu zu formieren.
Ran Byrell hatte die Zielerfassung mit den Kurzstreckensensoren gekoppelt und ließ nun aus den Torpedoabschussrampen der Moduleinheit eine Salve nach der anderen auf die einzelnen Schiffe los.

Der erste Torpedo traf einen kleinen Jäger und riss ihm das Heck weg. Das Schiff kam ins Trudeln und krachte in einen alten Erzfrachter, der sichtbar umgebaut und mit mehreren Geschützen ausgestattet war.
An der Einschlagstelle entwich ein riesiger Feuerball ins kalte All.
Anscheinend war der Antrieb oder ein Treibstofftank getroffen worden. Teile der Außenhülle platzten weg und man konnte sehen, dass auch dieses Schiff keine Chance mehr hatte.
Zwei weitere Torpedos trafen die ineinander steckenden Schiffe und rissen sie in tausend kleine Fetzen, die in alle Richtungen zerstreut wurden.
„Ramirez, bringen Sie uns zwischen die Station und die Angreifer“, rief van Dyke dem jungen Mann an der Conn zu.

„Aye Commander, wir drehen bei.“, erwiderte Ramirez und die ALEXANDRIA glitt in einem eleganten Bogen zwischen die Fronten.
Die Angreifer stellten sofort ihre Taktik um und nahmen das Föderationsschiff unter Beschuss.
Phaserstrahlen zuckten aus den Emitterringen des Diskussegments und des Moduls und legten den Antrieb und die Waffenphalanx einiger Schiffe lahm.
Die ALEXANDRIA bot zwar ein neues Ziel, aber dennoch ließen die Gegner nicht von der Station ab.

Zwei kleinere Jäger kamen auf die ALEXANDRIA zu und feuerten Phaser und Mini-Torpedos ab.
Auf der Brücke konnte man einen deutlichen Ruck spüren, als die Geschosse auf die Schilde trafen.
„Vordere Schilde bei 95 Prozent und halten!“, rief der Sicherheitsoffizier, der die Defensiveinrichtung auf dem Computer überwachte.
Ran Byrell, der bajoranische taktische Offizier, fühlte sich in seinem Element und konnte endlich wieder einmal all seine sorgfältig geplanten Angriffssequenzen anwenden, die er sich im Laufe der Zeit angeeignet hatte.
An seiner Station ließ er seine Finger über die Sensorflächen der Abschusskontrolle schweben.
Das Display mit den ausgewählten Zielprogrammen zeigte mehrere Möglichkeiten und Ran handelte Instinktiv.

Sein Zeigefinger senkte sich auf eine Eintragung die neben der bürokratischen Bezeichnung ‘Ran Byrell Gamma 4’ mit dem klangvollen Namen ‚Zifferblatt’ versehen war.

Im selben Moment in dem die Jäger über die ALEXANDRIA hinwegflogen zuckten die Phaserstrahlen aus der oberen Phalanx den kleinen Schiffen entgegen.

Ran Byrell hatte die Strahlen nicht gebündelt, da bei einer solchen Geschwindigkeit eine genaue Erfassung fast nicht möglich war. Stattdessen wurde jetzt die Bedeutung des zusätzlichen Namens klar.
Als hätte man von jedem Sekundenpunkt einer Uhr einen Scheinwerfer nach oben gerichtet,
so hatte Ran Byrell ganz plötzlich Phaserstrahlen senkrecht über dem Schiff aufsteigen lassen.
Selbst für die wendigen Einmann-Jäger war ein Ausweichen auf solch kurze Distanz nicht mehr möglich und beim durchfliegen der Strahlen wurden sie zerschnitten wie Papierflieger.

Die Trümmer flogen bedingt durch die kinetische Energie weiter und verschwanden bald hinter der ALEXANDRIA in den Weiten des Raums.
Die Runabouts konzentrierten Ihr Feuer derweil auf die anderen Schiffe, die noch immer nicht die Angriffe auf die Station eingestellt hatten.
Die Amazonas verfolgte einen der Jäger, der gerade seine Torpedos abschießen wollte und Lieutenant Sinclair manövrierte das Runabout so geschickt hinter den Feind,
dass ein gut plazierter Mikro-Torpedo den Antrieb zerfetzte.
Das Schiff trieb steuerungslos weiter, blieb aber von einer totalen Zerstörung verschont.

„Schilde der Station sind runter auf 10 Prozent, die halten nicht mehr lange durch“, stellte Alisha die Bolianerin in diesem Moment fest und ihre Stimme überschlug sich fast vor Erregung.
„Gut, machen wir dem ein Ende“, sagte van Dyke,
„Lieutenant Ran, eine volle Salve mit einer Sequenz von drei Sekunden auf die beiden Großraumer,
die von den Jägern immer als Wendepunkt angeflogen werden.“
Sekundenbruchteile später verließen zwei Torpedoreihen die ALEXANDRIA.
Der erste Torpedo schlug kurz darauf mit Wucht auf die Schilde der Großraumer und die nachfolgenden schwächten die Schutzmechanismen ständig weiter, so dass der letzte Torpedo die Schilde durchdrang und voll im vorderen Bereich des einen Schiffes einschlug.

Von den über dreißig Angreifern waren bis zu diesem Zeitpunkt nur noch sieben intakte Schiffe verblieben die sich nun schnell zurückzogen.

Der Rest war zerstört oder manövrierunfähig. Der unbeschädigte Großraumer aktivierte einen Traktorbeam und zog die lädierten Schiffe in den rettenden Hangar.
„Feuer einstellen“, befahl Wikland und stand auf.
„Lieutenant Carah, stellen Sie eine Verbindung zu diesem Raumschiff her“ Er stellte sich vor seinen Stuhl und stützte die Hände in die Hüften.
Auf dem Hauptschirm erschien eine verzerrte Bilddarstellung und es war eine von Rauch durchsetzte Brücke zu sehen.
Im Hintergrund waren einige Besatzungsmitglieder damit beschäftigt auflodernde Flammen niederzukämpfen.

Viele hatten leichte Verletzungen an Kopf und Armen davongetragen und Ihre Kleidung war zerrissen.
Überall lagen Trümmerteile herum und es waren die Rufe von weiteren Verletzten, möglicherweise eingeklemmten Personen zu hören.
Es musste sich um das Schiff handeln, dass den Torpedotreffer eingesteckt hatte.

„Hier spricht Jan Erik Wikland vom Föderationsraumschiff U.S.S. ALEXANDRIA.
Wir fordern Sie auf sich zu ergeben. Sie haben ohne provoziert worden zu sein eine Station angegriffen die der Vereinten Föderation der Planeten angehört und sich unter dem Schutz der Sternenflotte befindet.“
In dem Rauch auf der Brücke des gegnerischen Schiffes tauchte das Gesicht eines Mannes auf, das blutverschmiert und verschwitzt war.

„Sie wissen doch gar nicht um was es geht, hier steht der Fortbestand unserer Rasse auf dem Spiel und die Spinner auf der Station haben dieser Terrorregierung Schutz gewährt.
Sie sind genauso Schuld an den Verbrechen, die an unserem Volk begangen werden wie die Repräsentanten der Regierung die sich auf der Station verkriechen.

Wir kommen wieder, und dann werden wir unser Volk endgültig von diesen Verbrechern befreien. Wenn es nötig ist, werden wir auch Sie überwältigen.“
Die Verbindung wurde unterbrochen und im selben Moment verschwanden die Schiffe der Angreifer mit einem Blitz in der Warpgeschwindigkeit.

„Captain sie ziehen sich zurück, sollen wir sie verfolgen?“, das war die Stimme von Lt. Sinclair, der die Amazonas in einem weiten Bogen um die Station gesteuert hatte und gerade in richtiger Position war um zu Beschleunigen.
„Negativ Amazonas, kommen Sie zurück zur ALEXANDRIA wir müssen zunächst nach der Station sehen. Lt. Ramirez, schwenken Sie in einen Standardorbit ein.“

Der Blick von Wikland fixierte den Hauptschirm, auf dem die Schrecken des Gefechtes ihre grausamen Spuren hinterlassen hatten.
Trümmerteile verschiedener Schiffe schwebten durch den Raum, manche davon glühten noch immer.
Einige herausgerissene Bedienkonsolen die aus den Brücken- oder Maschinensteuerungen stammten trudelten durch den Raum und die heraushängenden Enden der Kabelverbindungen sprühten gelegentlich einige Funken, eine Folge der Restenergie, die langsam zum Erliegen kam.

Ein leerer Raumanzug schwebte vorbei, und der Captain überlegte, ob seine Entscheidung richtig war, sofort und ohne Warnung anzugreifen.
„Schadensberichte!“, wandte sich Roger van Dyke an Carah Pehl, die sofort die Anweisung weitergab und bereits nach wenigen Sekunden die ersten Anzeigen von Ihrem Display ablas.

„Alle Decks an Bord der ALEXANDRIA klar, keine Verletzten.
Die Rio Oro meldet den Ausfall eines Schildgenerators und in der Phasersteuerung ist durch die Rückkopplung der Tangentialkompensatoren eine Energiekupplung durchgebrannt.
Das Team repariert bereits und wird dann auf den Reserve-Schildgenerator umschalten.“
Roger van Dyke drehte sich zu Andy Duke:

„Lt. Commander, die Runabouts sollen bis zu einem Umkreis von 5000 Kilometern um die Station Patrouille fliegen. Fünf weitere Shuttles sollen den näheren Umkreis absichern. Gehen sie auf Alarmstufe Gelb.“

Sofort wechselten die Leuchtbänder der Brücke auf ein gelbes Licht und der Herzschlag der Crewmitglieder normalisierte sich langsam wieder.

„Lt. Carah, stellen Sie eine Verbindung zu Commander Nicolai Graves her.“
Die Bajoranerin nickte kurz, während Sie Ihre Station bediente.
„Tut mir Leid Commander, das Störfeld ist wieder aktiv, anscheinend wurde es nur kurz während des Angriffs abgeschaltet. Ich kann keine Verbindung herstellen.“

„Danke...“, sagte van Dyke und drückte seinen Kommunikator „...Lt. Keros, ist es möglich zur Station hinüberzubeamen?“
„Geht leider nicht Commander, das Störfeld beeinträchtigt auch die Transporterstrahlen, es ist sehr effektiv. Wir arbeiten aber schon an einer Überbrückung. Vielleicht können wir das Problem umgehen, wenn wir den Transporter auf eine andere Frequenz umstellen können.“, kam die Stimme des Transporterchefs aus dem Interkom.

„In Ordnung...“, erwiderte van Dyke,
„...machen Sie weiter und melden Sie sich, wenn Sie soweit sind.“ Dann wandte er sich um zu Wikland.
„Captain, es sieht so aus als müssten wir das Shuttle benutzen.“
Wikland stand noch immer vor dem Hauptschirm und schaute auf die vielen zerstörten Schiffe, die hilflos und in grotesken Positionen im All hingen.

„Ist schon gut Nummer eins, kommen Sie mit.
Mr. Duke, Sie haben die Brücke, lassen Sie die Tiefenscanner ständig nach den Angreifern suchen und benachrichtigen Sie uns, wenn sich etwas tut.
Die medizinische Crew soll zusammen mit der Sicherheit die einzelnen Schiffe anfliegen und nach Überlebenden suchen.
Lassen Sie die Überlebenden zur Sicherheitsabteilung der Station bringen.“
Kurz darauf waren der Captain und Roger van Dyke im Turbolift verschwunden und auf dem Weg zum Shuttlehangar.
Kapitel 14 by Harald Latus
Der Captain und Roger van Dyke folgten dem Sicherheitsoffizier mit zügigen Schritten durch die Flure der Station Merlin.
Diese befand sich noch immer im Alarmzustand und die Crewmitglieder eilten durch die Gänge und Hallen um benötigte Ersatzteile an die Reparaturstandorte zu bringen.
Einige der Wandvertäfelungen waren abgenommen worden um durchgebrannte optronische Bahnen zu ersetzen und die Computerleitsysteme wieder in Gang zu setzen.

Viele der Beleuchtungselemente blinkten nervös und deuteten darauf hin, dass das Energieversorgungszentrum erhebliche Schäden davongetragen hatte.
Einen weiteren Angriff dieser Stärke würde die Station im derzeitig geschwächten Zustand nicht überstehen.

Sie bogen in einen Seitengang ein, der an seinem Ende im Ringkorridor mündete, welcher dem Verlauf der Außenhülle folgte. Diverse Trümmerteile von abgesprengten Wandteilen und geplatzte Beleuchtungseinheiten lagen auf dem Boden.
Von der Decke hingen überall Kabel herunter, die an Ihren ausgefransten Enden noch immer Lichtsignale weitergaben, die durch den Verbindungsabriss im Nichts endeten.
Einige der Fenster waren durch großflächige Notschotten abgedeckt und mit Hydrostempeln abgesichert. Anscheinend hatte die Außenhülle doch an manchen Stellen nachgegeben.

Endlich erreichten Sie eine große Tür, die sich unter lautem Zischen nur noch langsam öffnete.
Der Konferenzraum war mittels einer mobilen Energiezelle notdürftig beleuchtet und an dem runden Tisch in der Mitte saßen sechs Personen.
Die Flagge der Föderation hing als kleiner Wimpel an einem 50 cm hohen Fahnenmast in der Mitte des Tisches
und die sonst durch eindrucksvolle Lichtakzente unterstrichene Holztäfelung mit dem Bild des Sonnensystems der Erde wirkte fahl und wie eine billige Kunststoffnachbildung.

Commander Nicolai Graves ein hart gestählter Kenianer stand auf und ging auf Wikland zu.
„Vielen Dank für Ihren Einsatz Captain Wikland, wir hatten schon fast keine Hoffnung mehr.
Die Gegner hatten heute bereits nach wenigen Minuten unseren letzten Phaseremitter ausgeschaltet und ab da konnten wir nur noch hoffen, dass Hilfe kommt.
Gegen eine solche Streitmacht sind wir einfach nicht gewappnet.“

Wikland nickte kurz mit dem Kopf und erwiderte die Worte des Commanders mit einem zuversichtlichen Lächeln.
„Das wir noch rechtzeitig hier eintreffen konnten verdanken wir unserem neuen ersten Offizier...“, und damit deutete er auf van Dyke, der neben ihm stand,
„...der uns mit einer ganz besonderen Taktik von einem im wahrsten Sinne des Wortes ‘fesselnden’ Erstkontakt befreit hat. Aber wer zum Teufel sind diese Kerle, die hier einen solchen Tanz veranstalten.“

Commander Graves drehte sich zum Tisch und sagte:
“Nun das erklärt Ihnen am besten Erek Kanor der Präsident von Sakras 5.
Seine Begleiter sind Timor Ballat der Vizepräsident, Simas die Regierungsrätin, Avallia Sen die Kanzlerin der südlichen Hemisphäre und Rikor Bast der Berater der Regierungsplanung“, stellte der Commander die anderen Anwesenden vor, die sich beim Nennen ihres Namens erhoben und leicht verbeugten.

„Auch wir möchten uns bedanken...“, begann Erek Kanor, „...dass Sie sich bereit erklärt haben, uns zur Hilfe zu kommen.“
Er erinnerte den Captain mit seinen langen braunen Haaren,
der dunklen Brille und den weiten bunten Gewändern die er trug,
sehr an eine längst verblasste Ära der guten alten Erde erinnerte.
Auf dem Gesicht des Captains zogen kurz dunkle Schatten auf.
Mit fester Stimme richtete er sich dann an Erek Kanor,

„Zunächst möchte ich einmal klarstellen, dass wir nicht wegen Ihnen gekommen sind, sondern weil eine Station der Föderation in feindliche Aktionen verwickelt wurde.
Von Ihnen erwarte ich jetzt eine Aufklärung dieser ganzen Situation und dann werde ich entscheiden ob wir Ihnen helfen oder lediglich unser Eigentum unter Schutz stellen.“
Enttäuschung machte sich auf den Gesichtern der Sakranianer breit und Rikor wollte schon zu einem heftigen Wortgefecht anheben als ihn Avallia Sen am Arm zog und ihm bedeutete sich zurückzuhalten.

Die kleine Geste der jungen Frau war Wikland sofort aufgefallen und er schenkte ihr einen wohlwollenden Blick, den sie mit einem höflichen Senken Ihres schönen Hauptes verlegen zur Kenntnis nahm.
Die junge Frau hatte eine schlanke Figur mit einem fein gezeichneten Gesicht und filigran wirkenden Fingern.
Die Strähnen ihres silbrig-braunen Haares umrahmten ihre Augen wie ein Schleier und gaben ihnen etwas Geheimnisvolles.
Wikland fragte sich, wie eine so junge Frau zu dem Amt als Kanzlerin eines ganzen Staates kommen konnte. Verglichen mit den Frauen der Erde würde er ihr Alter auf maximal 24 Jahre schätzen.

„Selbstverständlich haben Sie Recht Captain. Es steht uns nicht zu uns anzumaßen, Sie seien wegen uns gekommen, dennoch haben wir bereits jetzt von Ihrer Hilfe profitiert.
Aber zunächst möchte ich Ihre Fragen beantworten.
Die Angreifer sind Mitglieder einer militanten Gruppe, die aus politisch motivierten Gründen gegen die derzeitige und rechtmäßig bestimmte Regierung opponieren.
Dabei schrecken sie, wie Sie gesehen haben auch vor brutalen und bedingungslosen Angriffen nicht zurück.
Seit mehr als neun Jahren wird die Arbeit des Rates durch diese Splittergruppe behindert, die durch Ihre Terroranschläge, Angriffe und Befreiungskämpfe die sogenannte ‘wahre’ Stimme des Volkes verkünden will.
Sie nennen sich ‘Energie der Freiheit’ und wollen dadurch den Bewohnern unseres Heimatplaneten suggerieren, dass sie unter der gegenwärtigen Führung gegeißelt werden“, erklärte die junge Frau nun.

Avallia stand auf und holte einen lederartigen Köcher der an der Wand stand.
Sie öffnete den Verschluss, der mit handgefertigten Metallbeschlägen versehen war und entnahm zwei große Papierrollen, die sie auf dem Tisch ausbreitete.
Sie zeigten die einzelnen Kontinente mit den bewohnten Gebieten und den jeweiligen Regierungsformen.

„Unser Regierungssystem basiert auf uralten überlieferten Regeln, die von den Arbeitern und Priestern erstellt wurden.

So ist es den einzelnen Staaten, insgesamt 66, freigestellt welche Regierungsform Sie wählen.
Insgesamt haben wir 14 verschiedene Regierungssysteme, von der Monarchie bis hin zum totalitären Staat.
Die Zentralregierung von Sakras 5 wird jedoch durch ein Komitee wahrgenommen, welches vom Volk gewählt wird.

Es ist üblich, dass das Komitee in rotierendem Wechsel alle drei Jahre einen Repräsentanten einer anderen Staatsform zum Präsidenten erhebt.
Ein Beraterstab, der aus je einem Repräsentanten aus jedem Staat gebildet wird, unterstützt den Präsidenten bei der Entscheidungsfindung.
Dies soll verhindern, dass es unter den einzelnen Staaten aufgrund der unterschiedlichen Rechtsformen zu Spannungen kommt.“

Timor Ballat der Vizepräsident erhob sich und erklärte weiter,
„Vor elf Jahren sollte nach dem üblichen rotierenden Wechsel wieder ein Vertreter der demokratischen Regierungsform zum Präsidenten bestimmt werden.
Die Repräsentanten konnten sich jedoch nicht auf einen entsprechenden Kandidaten einigen und das Komitee beschloss, nachdem man die Nominierungsfrist um zwei weitere Zyklen verlängert hatte, die Demokraten zu übergehen und die nächste Regierungsform zu berücksichtigen.

Almatar, ein Vertreter der Monarchie wurde zum Präsidenten ernannt.
Für die demokratischen Staaten bedeutete das allerdings,
dass Sie nach dem rotierenden System erst in 42 Jahren wieder die Regierungsgeschäfte leiten würden.
Einige politische Gruppen waren allerdings der Ansicht, dass somit ihre hochgesteckten Ziele nicht durchzusetzen wären.
Sie opponierten zunächst friedlich durch Protestnoten gegen das Komitee und versuchten die Entscheidung rückgängig zu machen, dann griffen sie die damalige Präsidentschaft öffentlich und mit verbalen Verleumdungen an.

Die Proteste gipfelten in der Ermordung des Präsidenten, zwei Jahre nach seiner Ernennung. Die restliche Regierungszeit wurde vom Vizepräsidenten bewältigt.“

Wikland nickte mit dem Kopf,
„Verstehe, gab es keine Möglichkeit diese Gruppe zu eliminieren oder ruhig zu stellen? haben Sie keine militärischen Eingreiftruppen, die hier für Ordnung sorgen können?“
Simas die Regierungsrätin wechselte einen bedeutsamen Blick mit Commander Nicolai Graves und sagte:

„Das was Sie unter militärischen Eingreiftruppen verstehen, gibt es auf unserem Planeten seit 543 Jahren nicht mehr.
Das ist auch der Grund dafür, dass wir wegen den immer heftigeren Angriffen auf unserem Planeten diese Station besucht
und lange Verhandlungen mit Ihrem Commander geführt haben,
der uns über die oberste Direktive aufgeklärt hat.
Wir wissen keinen Weg, wie wir diesen Konflikt mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln lösen sollen.“

Commander Graves richtete sich an Wikland,
„Die Sakranianer haben den offiziellen Antrag gestellt in die Föderation aufgenommen zu werden.
Sie sind an kulturellem Austausch interessiert und möchten mit uns Verträge über den wechselseitigen Bedarf von Rohstoffen abschließen.
Wir sollen dafür helfen, die Ordnung auf dem Hauptplaneten und den Kolonien wieder herzustellen.“

„Das ist einfacher gesagt als getan...“, ergriff van Dyke das Wort,
„...dazu müsste man erst einmal den Standort der Rebellen kennen und die Ausdehnung Ihres Wirkungsbereiches.
Das Störfeld welches Kommunikation und Transportersignale unterbindet ist recht stark und zeugt von hohem technologischem Niveau. Das heißt sie müssen mindestens eine Basis haben, von wo aus sie operieren.
Dazu kommt, dass es eine Untergrundbewegung ist, die sich erfahrungsgemäß sehr selten gemeinsam an einem Ort aufhält und häufig durch Sympathisanten gedeckt wird.“

Wikland stand auf und wandte sich an die Repräsentanten von Sakras 5, wobei sein Blick wiederholt an Avallia Sen hängenblieb.
Eigentlich konnte er sich das nicht erklären, aber irgend etwas an dieser Frau faszinierte ihn.

„Ich werde Ihr Anliegen gemeinsam mit Commander Graves erörtern und Ihnen unsere Entscheidung sobald als möglich mitteilen.“, sagte er entschlossen und wählte dabei einen Tonfall der durch seinen autoritären Klang jede weitere Frage abwürgte.

Er drehte sich um und bedeutete Graves und van Dyke mit einem Handzeichen, dass er dieses Gespräch gleich im Anschluss führen wollte.
Gemeinsam verabschiedeten sie sich formell von den Sakranianern und verließen den Konferenzraum. Zusammen schritten Sie wieder durch die beschädigten Sektionen der Station, begleitet von drei Sicherheitsleuten, die speziell für den Schutz der Gäste abgestellt waren.

Sie erreichten einen funktionierenden Turbolift und während die Gäste von Sakras 5 auf ihre Quatiere im Inneren der Station begleitet wurden, traten die Offiziere der Sternenflotte in die Kabine ein. Commander Graves gab die knappe Anweisung „OPS“, woraufhin sich der Lift in Bewegung setzte.

Nach wenigen Sekunden öffneten sich die Türen und gaben den Blick auf die Operationszentrale frei, die ebenfalls einen sehr mitgenommenen Eindruck machte.
In fast jeder Konsole steckte ein Techniker von dem nicht mehr als die Beine zu sehen waren und reparierte, teilweise von unverständliche Flüchen begleitet, die einzelnen Komponenten.

„Commander, die Lebenserhaltung ist auf allen Decks wiederhergestellt und die Energiekupplungen für die Hauptleitungen werden gerade ausgetauscht. In 20 Minuten können wir wieder mit der Hauptenergie ans Netz gehen, bis dahin werden die Notstromaggregate halten.“, der junge Fähnrich, der die Meldung gemacht hatte übergab Commander Graves ein PADD mit dem Statusbericht der Station.
Das erinnerte Wikland daran, dass auch auf der ALEXANDRIA noch einige Probleme offen waren. Er tastete nach seinem Kommunikator.

„Wikland an ALEXANDRIA, Statusbericht“, aus seinem Kommunikator kam ein kurzes Rauschen, das war alles was zu hören war.
„Captain, wir haben bereits versucht eine Verbindung zu Ihrem Schiff herzustellen, allerdings ist uns das bislang durch das Störfeld nicht gelungen.
Jedwede Energiesignatur wird durch das Störfeld zerstreut, selbst ein richtungsgebundener Trägerstrahl zerfällt schon nach wenigen hundert Metern.“

Die Stimme des Fähnrichs klang enttäuscht und es war ihm sichtlich unangenehm, dass er den Wunsch des Captains nicht erfüllen konnte. Auf dem Bildschirm über dem Leitstand konnte man die ALEXANDRIA sehen, die ruhig Ihre Bahnen um die Station zog.
Obwohl die Situation sich keinesfalls entspannt hatte wirkte das Schiff ganz harmlos, die Positionsleuchten blinkten in langsamen Rhythmus und von der sicherlich angespannten Situation an Bord war äußerlich nichts zu erkennen.

Zwei Shuttles wurden eingeschleust und kurz darauf verließen zwei andere Beiboote die ALEXANDRIA um die nächste Patrouille zu übernehmen.
Van Dyke’s Blick hatte lange auf dem Bildschirm verharrt, als sein Gesicht sich zu einem breiten Lächeln verzog. Er sah zu Wikland hinüber, der den Ausdruck in van Dyke’s Gesicht überrascht zur Kenntnis nahm.

„Captain, ich habe eine Idee wie wir eine Sprechverbindung mit unserem Schiff herstellen können, ich hoffe nur unsere Kommunikationsoffizierin Carah Pehl ist nicht nur eine nette Bajoranerin, sondern auch vertraut mit allen Übermittlungsmethoden der Erde.“

Während Wikland noch auf den Großbildschirm schaute erwiderte Commander Graves,
„Mr. Van Dyke, meine Crew tut das Möglichste um eine Verbindung herzustellen und wenn sie bisher keine Lösung gefunden hat, dann gibt es auch keine. Da gehe ich mit Ihnen jede Wette ein.“

Roger van Dyke drehte sich mit erheitertem Gesichtsausdruck zu Nicolai Graves um.
„Ich nehme Sie beim Wort, und ich erwarte einen angemessenen Einsatz wenn Sie wirklich an Ihrer Meinung festhalten.“

„Commander, bitte...“, mischte sich Wikland verärgert ein.
„Nein, schon gut Captain, ich bin überzeugt, dass es keinen Weg gibt, wenn meine Techniker keinen finden konnten.“

Beruhigte Ihn Graves. Er streckte van Dyke selbstsicher die Hand entgegen und sagte:

„Ich bevorzuge eine gute Flasche alten französischen Champagner, der möglichst vor der Jahrhundertwende abgefüllt worden sein sollte.“
Van Dyke schlug ein, „Und ich bin ein Liebhaber alter Kraftfahrzeuge und würde mich über ein zertifiziertes Originalbauteil eines italienischen Sportwagens freuen.“

Wikland schüttelte den Kopf, er konnte dieser Geschichte angesichts der drängenden Probleme keinen Sinn abgewinnen.
Er hielt sich aber zurück und gönnte den Beiden diesen Spaß, schließlich hatte er in seiner Zeit bei der Sternenflotte auch so manches Spiel gemacht und andere dabei gehörig über den Tisch gezogen.

Nicolai Graves machte eine ausladende Bewegung mit seinem rechten Arm.
„Die Conn gehört Ihnen Commander, seien Sie mein Gast!“
Roger van Dyke ging zur Kontrolle der Stationssignalisation und drückte einige Felder auf der Sensorenfläche.
Mit einem Schlag erloschen alle Außenlichter und Signalfeuer und die Station hing wie ein dunkler Klotz im Raum.

Da sich zur Zeit SAKRAS 5 zwischen der Station und der Sonne des Systems befand war die Merlin Station gegen den Planeten kaum noch auszumachen.
Alisha saß noch immer an der OPS der ALEXANDRIA.
„Lieutenant Duke, die Station ist total dunkel geworden, aber ich kann keinen Grund für den Ausfall erkennen.
Die Energieversorgung ist zwar immer noch schwach, aber die Hauptenergie ist schon wieder im Aufbau, Sie sollten keine Probleme damit haben.“

Andy Duke, der die Brücke der ALEXANDRIA beaufsichtigte schaute auf den Hauptschirm.
In der Dunkelheit des Planeten hing die Station und es tat sich nichts, außer den Positionslichtern die jetzt dreimal kurz blinkten und dann wieder erloschen.

Nach wenigen Sekunden blinkten Sie erneut dreimal und begannen dann in unregelmäßigem Intervallen zu flackern.

„Schauen Sie sich das an, sie haben Ihre Signalisation wieder eingeschaltet, aber selbst die scheint nicht mehr zu funktionieren.“, erwiderte Andy.
„Man meint gerade, da würde jemand mit seinem Hintern auf dem Schalter sitzen und Samba tanzen!“, fügte er mit einem Lächeln hinzu.
„Moment mal, das könnte tatsächlich Absicht sein, das gab es doch schon mal...“, mischte sich jetzt auch Carah Pehl in die Unterhaltung ein.

„Der Captain hat doch mal so etwas erwähnt, da bin ich mir ganz sicher. Wie war das noch gleich…“

„Was?“ Andy blickte Carah verständnislos an.
„Was gab es schon mal?“, fragte er sie verwirrt.

Die Bajoranerin war schon damit beschäftigt die Schaltflächen Ihrer Konsolen zu aktivieren und wenig später kamen aus dem Audiosystem kurze Laute, die synchron mit dem Blinken der Stationslichter waren.

Zwei Minuten später hatte sie die Steuerung der Positionslichter der ALEXANDRIA an die Kom-Station gekoppelt und erwiderte das Signal.

„ALEXANDRIA ruft Captain Wikland, können Sie uns empfangen?“ Kam eine blecherne Stimme aus der Audioanlage der OPS auf der Station.
Überrascht nahmen alle Anwesenden im Kontrollraum der Station die Worte der Computerstimme aus der Audioanlage in sich auf.

„Hier Wikland, wir verstehen Sie. Erstatten Sie Bericht.“

„Captain, es tut mir leid dass Sie keine Bildverbindung haben...“, sagte van Dyke.
„...aber Sie wissen ja sicherlich wie Ihre Brücke aussieht, oder?“, fügte er grinsend hinzu und schaute in das verwirrte Gesicht eines Technikers.

Auch Wikland konnte sich ein kurzes Lächeln nicht verkneifen. Er musste sich selbst eingestehen, dass die Ideen, die sein neuer Offizier aus dem Hut zauberte, bemerkenswert waren.
Der Einfall das Licht als Überträger des Signals einzusetzen war genauso einfach wie genial, wo es doch innerhalb des Schiffes in den optronischen Bahnen ohnehin auf diese Weise genutzt wurde.
Die optischen Verfolgungskameras konnten die hellen Positionsleuchten über weite Entfernungen erfassen und der Computer konnte die binären Daten sowohl in Lichtsignale, als auch wieder in digitale Audiosignale umwandeln.

Während Wikland in sich hineinlächelte stöhnten die Techniker der Station über die eigene Blindheit, den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen zu haben.

„Meinen Glückwunsch Commander...“, sagte Nicolai Graves und reichte van Dyke die Hand,
„...eine wirklich beeindruckende Leistung und noch dazu eine so einfache. Sie haben verdient gewonnen. Ich werde sehen wie ich meine Wettschulden begleichen kann, Sie werden bald von mir hören“
„Captain,...“, waren wieder die Worte von Carah Pehl zu hören, die vom Computer wiedergegeben wurden,
„...wir haben den gesamten Sektor gescannt. Auf den Tiefensensoren wie auch auf den Spezialsensoren konnten wir keine Schiffe der Angreifer mehr ausmachen.
Laut Lt. Commander Lock konnten auch mit unserem Teklon Beam-Sensor keine weiteren Daten gefunden werden.

Die Runabouts und Shuttles fliegen wie angeordnet Patrouille, konnten aber ebenfalls keine weiteren Aktivitäten feststellen.

Allerdings mussten wir bislang die Schiffe alle halbe Stunde zum Rapport zurückholen, jetzt können wir ja - nachdem wir alle informiert haben - unsere Kommunikation über das Lichtmedium übertragen. Commander Jefferson arbeitet weiter an einer Übersteuerung der Störsignale.“

Wikland nickte verständig und blickte zu van Dyke hinüber. „Machen Sie weiter, wir kommen in ungefähr einer Stunde wieder an Bord. Wikland Ende.“
„Commander Graves, ich glaube wir haben noch etwas zu besprechen...“, damit drehte sich der Captain um und blickte Graves direkt in die Augen.

„Ich möchte mehr, und im speziellen Ihre persönliche Einschätzung der Situation hören. Dann werden wir unsere Entscheidung über die weitere Vorgehensweise treffen.“

Graves hatte Wikland seit seiner Ankunft aufmerksam beobachtet und Ihm genau zugehört.
Es war Ihm nicht schwer gefallen festzustellen, dass die Kanzlerin Avallia einen bleibenden Eindruck bei Wikland hinterlassen hatte, an dem er auch jetzt noch zehrte.

„Mein Büro ist dort oben...“, sagte er zu Wikland und van Dyke und wies mit einer leichten Bewegung seines linken Armes auf eine Tür im hinteren Bereich des Kontrollraumes der einige Stufen höher war und einen guten Überblick über alle Stationen ermöglichte.

Das Büro war gemessen an der Kontrollraumgröße eher klein ausgefallen, war aber durch die geschickte Hand und den ausgewählten Geschmack des Commanders recht gemütlich eingerichtet.
Die klare Nüchternheit der Sternenflotten-Ausstattung wurde durch eine Vitrine mit Sportpokalen, einige Fotos von Baseballmannschaften und einem großen Bild des Andromedanebels deutlich aufgelockert.

Die einzige Sitzgelegenheit neben dem Arbeitsplatz des Commanders war ein kleiner Tisch mit sechs Stühlen, der vor dem Fenster stand.
Draußen war die Nachtseite des Planeten zu sehen, und über dem Polarkreis konnte man den hellen Schimmer der Sonne erkennen, die auf der gegenüberliegenden Seite den Tag erhellte.
Nachdem Sie alle Platz genommen hatten und der Commander mit einigen Erfrischungsgetränken an den Tisch zurückgekehrt war schilderte er die Beziehungen mit den Sakranianern.

„Ich bin seit ungefähr drei Jahren auf dieser Station und habe in dieser Zeit bereits umfassende kulturelle Kontakte zu den Sakranianern geknüpft.
Die unterschiedlichen Staatssysteme werden durch die Zentralregierung gut kontrolliert und es ist ein Wunder, dass so viele verschiedene Rechtsformen dennoch eine Gemeinschaft bilden können.

Die unterschiedlichen Regierungssysteme werden in anderen Staaten bedingungslos toleriert und auch werden Mitbürger der einzelnen Staaten in anderen Ländern nicht verfolgt.“

Er machte eine Pause und schenkte seinen Gästen und sich selbst etwas zu trinken ein. Danach aktivierte Graves den Informationsschirm, der im Tisch eingelassen war und rief ein paar Daten auf.

„Wie Sie sehen können haben wir einen kleinen Handel auf einfachem technologischem Niveau aufgebaut und versuchen gemeinsam die jeweils andere Kultur zu studieren.
Zu diesem Zweck haben wir im südlichen Bereich des Hauptkontinents eine Forschungsstation eingerichtet, die dem Handel und der Verständigung dient.“

Auf dem Display erschienen einige Tabellen und eine Landkarte, welche die genaue Position der Forschungsstation zeigte.
Wikland deutete mit seiner rechten Hand auf die Station.

“Sie sagten in Ihrem Funkspruch, dass die Kommunikation zu dieser Einrichtung unterbrochen sei und erwähnten noch einen Beobachtungsposten“, wollte er sich vergewissern.
„Richtig Captain, vor sieben Tagen brach der Kontakt plötzlich vollständig ab.
Wir befürchteten bereits das Schlimmste, konnten allerdings von unseren Gästen erfahren, dass die Funkstille nur auf das Störfeld zurückzuführen ist.

Kurz darauf versuchten wir unsere stellare Beobachtungsstation auf Arlat 4 zu erreichen, dem kleinen Mond dort oben rechts am Horizont...“, damit deutete er durch das Fenster auf einen Trabanten, der Sakras 5 in einer elliptischen Bahn umkreiste.

„...er braucht für eine Umkreisung ganze drei Monate und das einzige verbliebene Shuttle das wir haben ist dort stationiert damit die Besatzung Ihren Posten regelmäßig wechseln kann. Drei weitere Beiboote haben wir in dem Konflikt bereits verloren.

Auch von dieser Station haben wir seit sieben Tagen nichts mehr gehört. Gleichzeitig mit der Kommunikation fielen auch unsere Transportersysteme aus, so dass wir hier gefangen waren.

Vor drei Tagen trafen dann unsere Gäste ein, die ein mintanisches Kurzstreckenschiff benutzten.
Ein kleines Geheimnis, das nur dem Zentralen Rat bekannt war und mit dem im Falle von Unruhen die Führer des Volkes in Sicherheit gebracht werden sollten.

Mit dem Auftauchen des Störfeldes hatte die Splittergruppe den Kampf begonnen und wichtige Regierungsziele unter Beschuss genommen.
Der zentrale Rat entschied hierher zu kommen und um Schutz nachzufragen, den wir aufgrund unserer bisherigen Erkenntnisse mit dieser Rasse gewährten.

Kurz darauf setzten die Angriffe auf unsere Station ein.
Wir haben dann alle Energieerzeugungssysteme für kurze Zeit auf unsere Übertragungsgeräte geschaltet und gehofft somit die Barriere zu überwinden, was uns wie es scheint ja geglückt ist.“

Wikland hatte sich nach hinten gelehnt und betrachtete lange den Planeten, dessen Oberfläche langsam an der Station vorbeiwanderte.
Im diffusen Gegenlicht der Sonne und des Mondes war auf der Nachtseite kaum etwas auszumachen.

„Wie schätzen Sie die Glaubwürdigkeit der amtierenden Regierung ein Commander?“, wollte er von Nicolai Graves wissen.
„Captain, ich vertraue diesen Leuten voll und ganz. Sie haben sich bisher sehr loyal und kooperativ verhalten.
Sie sind allerdings im Umgang mit Pazifisten und Widerstandsbewegungen ungeübt und mit dieser Aufgabe total überfordert.“, erwiderte Graves.
„Nun, eine Kultur wächst auch an schwierigen Aufgaben Commander, was ist wenn die Sternenflotte beim nächsten Mal nicht da ist um zu helfen?“, fragte van Dyke und Captain Wikland nickte zustimmend mit dem Kopf.

„Warum wollen Sie die Regierung unbedingt vor diesen Meuterern schützen, es ist deren Welt und es sind deren Probleme. Vielleicht wird die Regierung gestürzt, vielleicht wird die Untergrundbewegung verlieren, wer weiß das schon.

Haben wir das Recht uns mit unserer Technologie einzumischen und eine Entscheidung herbeizuführen?“

Wikland blickte Graves lange an und wartete auf eine Antwort.
Es dauerte eine ganze Weile bevor Graves die richtigen Worte fand. Man konnte regelrecht sehen, dass er in den letztn Jahren auch im Auftrag der Sternenflotte eine enge Bindung mit den Bewohnern aufgebaut hatte, die ihn nun bei der Entscheidung im Weg stand.
Der Commander drehte sein halbvolles Glas in der rechten Hand und starrte versonnen auf die Flüssigkeit, die bei den kreisenden Bewegungen seiner Hand im Glas umherschwappte.
Schließlich stellte er sein Glas auf den Tisch und begann:

„Captain, diese Kultur hat einen Punkt erreicht, den die Menschheit erst nach dem verheerenden großen Krieg angestrebt hat. Die völlige Gleichheit aller Individuen auf dem Planeten.
Es ist ein friedliches und funktionierendes System.
Der Krieg mit der Untergrundbewegung wird diesen Planeten aus dem Gleichgewicht werfen Anarchie und Chaos wären die Folge. Das könnte ich nicht mit ansehen.
Im übrigen sind auch die Sternenflotten Einrichtungen auf Sakras 5 und Arlat 4 betroffen, und Sie werden sicherlich keinen Sternenflotten-Angehörigen im Stich lassen denn sonst wären Sie nicht hierher gekommen Captain“, gab er Wikland zur Antwort.

„Da haben Sie recht Commander. Es sieht so aus, als bräuchten wir noch weitere Informationen um eine Entscheidung zu treffen.
Stellen Sie uns alle Daten zusammen, die Ihnen über die Sakranianer zur Verfügung stehen, wir werden auf der ALEXANDRIA noch einmal alles durchgehen und dann sehen wir weiter.
Übrigens, wie wäre es, wenn Sie mit Ihren Gästen heute Abend auf die ALEXANDRIA kommen, wir würden Sie gerne zum Abendessen begrüßen. Wir schicken Ihnen ein Shuttle das Sie abholt.“

„Diese Einladung nehmen wir gerne an. Ich bin sicher, dass auch die Sakranianer gerne kommen werden. Sie werden umgehend über Ihr Angebot informiert.“, erwiderte Graves ein wenig hastig.

Wikland stand auf und van Dyke und Graves folgten Ihm aus dem Büro.

Auf der OPS waren die Techniker noch immer damit beschäftigt die defekten System wieder in Gang zu bekommen,
als plötzlich die gesamte OPS wieder in helles Licht getaucht wurde und ein erleichterndes „Aaaahhh....“ durch den Raum ging.

Die Hauptenergie stand wieder zur Verfügung und damit auch wieder die Defensiveinrichtungen wie auch alle anderen Annehmlichkeiten der Station.
Ein Sicherheitsteam begleitete den Captain und van Dyke zur Shuttlerampe, damit diese Ihren Rückweg antreten konnten.
Die Transporter funktionierten immer noch nicht und so mussten beide wieder mit dem Shuttle zur ALEXANDRIA hinüberfliegen.
Ein Katzensprung, denn das Schiff war keine 500 Meter von der Station entfernt.

Vier Einsatzshuttles waren in verschiedenen Ebenen und Orbits unterwegs um den näheren Sektor rund um die Station abzusichern.
Der Captain hatte einen Koffer mit mehreren Isolinearen Platten erhalten, die er van Dyke übergab mit der Anweisung Sie umgehend in die Datenbank der ALEXANDRIA zu übertragen.
Schon nach wenigen Minuten hatten Sie die Shuttlerampe erreicht und Captain Wikland eilte ohne auf seinen ersten Offizier zu warten direkt auf die Brücke.

Roger van Dyke nahm den Koffer mit den Datenplatten und ging in Richtung Computerkern vier, der auf Deck 24 direkt vor dem Maschinenraum lag.
Er wollte den Wunsch des Captains sofort erledigen, im Übrigen war er selbst neugierig auf die Daten. Information ist das halbe Leben, diese Lektion hatte er schon früh gelernt und sie hatte Ihm oft zum Vorteil gereicht.

* * *


Van Dyke und Wikland saßen in einer kleinen Besprechungsecke, die sie in Holodeck 4 erzeugt hatten.

Es waren bereits zwei Stunden vergangen, in denen Sie die Daten über Sakras 5 teils als normale Bildprojektion und teils als komplette Holosimulation angesehen hatten.
Die Informationen reichten von kulturellen Eigenheiten über technische Entwicklungen bis hin zu den Regierungsformen, die tatsächlich in aller Eintracht nebeneinander existierten.
Eine eigenart, die auf der Erde niemals funktioniert hatte.

Vor Ihnen wurde gerade die entscheidende Wahl projiziert, bei der kein Kandidat der Demokraten zur Verfügung stand.
Das Protokoll wurde minutiös eingehalten und nachdem man zu dem Punkt kam, an dem die Berufung und Vereidigung stattfinden sollte stoppte der ganze Mechanismus.
Der obere Rat beschloss eine Pause zu machen um den Demokraten die Möglichkeit zu geben doch noch einen Kandidaten zu nominieren.
Nachdem alle Versuche fehlschlugen musste der Rat handeln.
Wikland stoppte das Programm und blickte van Dyke an.

„Es sieht so aus, als sei die Delegation tatsächlich in einem argen Dilemma. Wenn man die Vorgaben für die Wahl mit den Aufzeichnungen vergleicht, muss man feststellen, dass alles mit rechten Dingen zugegangen ist und die offizielle Regierung rechtmäßig eingesetzt wurde. Für uns stellt sich damit die Frage:
‘Dürfen wir uns in diese Regierungsgeschäfte einmischen?’

Die oberste Direktive verbietet jede Einmischung in die Angelegenheiten fremder Rassen, die nicht dem technischen Niveau der Föderation entsprechen und keine Mitglieder sind.
Auch wenn ich mir selbst diese Frage längst beantwortet habe, so muss ich sie mir doch auch als Captain dieses Schiffes und Verantwortlicher für meine Crew stellen.“

„Captain...“, begann van Dyke, „...wir haben uns doch längst in den Konflikt eingemischt, indem wir in die Kampfhandlungen um die Station Merlin eingegriffen haben.
Aber ich glaube, die oberste Direktive kann hier nicht herangezogen werden. Wir haben bislang nicht in die Regierungsgeschäfte eingegriffen, sondern lediglich das Hoheitsgebiet und Eigentum der Föderation geschützt.
Auch eine Außenmission zu der Forschungsstation und dem Beobachtungsposten würde nur dazu dienen die Angehörigen der Sternenflotte zu retten.
Im Übrigen hat uns dieser Rebell ja eindeutig gedroht unser Schiff ebenfalls zu zerstören, was auch die Ausführungen der Repräsentanten von Sakras 5 bestätigen.“

Wikland blickte eine ganze Weile stumm auf die eingefrorene Darstellung des Ratsgebäudes, in dem der Rat gerade den neuen Führer ernennen wollte.
Nach einigen Minuten sagte er mit ruhiger Stimme:

„Ich denke genauso. Vorrangiges Ziel sollte es sein, dass wir den Forschungskomplex auf Sakras 5 sichern, danach werden wir einen Erkundungstrupp auf den Mond entsenden um nach der Station zu sehen.
Sollten wir auf Widerstand stoßen, werden wir uns mit unseren Möglichkeiten zur Wehr setzen. Ich halte es außerdem für besser,
wenn die Ratsmitglieder an Bord der ALEXANDRIA bleiben, auf der Station sind sie nicht mehr sicher.
Bitte veranlassen Sie alles notwendige, ich werde unsere Entscheidung heute Abend beim Essen bekannt geben. Sie sollten auch dabei sein wir beginnen um 19:00 Uhr.“

Der Captain hatte die Northlander zur Station hinübergeschickt um die Gäste abzuholen und die Bar Lookout für diesen Abend für die allgemeine Nutzung geschlossen.
Ein großes Buffet war entlang den Wänden aufgebaut und zeigte viele interessante Gerichte der Erde, aber auch einige Dinge, die nur auf den anderen Welten der Föderation erhältlich waren.
Der Koch von Merlin hatte noch schnell einige Informationen über sakranianische Kochkunst geliefert, so dass die Gäste auch etwas heimisches vorfinden konnten.
Für Roger van Dyke war dies der erste offizielle Anlass, den er an Bord der ALEXANDRIA miterleben durfte.
Hier hatte er endlich Gelegenheit alle Senioroffiziere einmal in entspannter Atmosphäre kennen zu lernen und vielleicht erste nicht dienstliche Kontakte zu knüpfen.
Er entschied, sich zunächst einmal auf das Beobachten zu beschränken, um die Interessen und das Verhalten seiner Kollegen ein wenig besser zu verstehen und einschätze zu können. In der Vergangenheit war er trotz seiner Vorsicht in manchen Fällen zu leichtgläubig gewesen.

Vor den Fenstern hatte man zwei Tische entfernt, damit man bis an den Rand herantreten konnte um das einzigartige Panorama zu genießen.
Dort baute sich Captain Wikland auf. Seine eindrucksvolle Gestalt führte sofort dazu dass die Gespräche abflauten und sich die Konzentration der Anwesenden auf Ihn richtete.
Er hielt eine kurze Willkommensrede zu den Gästen und seinen Senioroffizieren, die an dem Empfang teilnahmen und gab das Buffet frei. Die Atmosphäre war ungezwungen und heiter.
Keiner dachte mehr an den Kampf, der noch wenige Stunden zuvor rund um die Station getobt hatte.
Um seine Gäste nicht durch die immer noch herumdriftenden Trümmer der Schlacht zu schockieren hatte die ALEXANDRIA eine Position auf der anderen Seite des Planeten eingenommen.

Schon bald bildeten sich kleine Grüppchen und Geschichten und Anekdoten wurden erzählt. Roger van Dyke fiel auf, dass sich die Wege von Wikland und der Kanzlerin Avallia Sen an diesem Abend häufig kreuzten.
Sie saß beim Essen neben Ihm am Tisch und wenig später schien sie Geschichten aus Ihrer noch nicht lange zurückliegenden Jugend zu erzählen, bei denen Wikland sogar herzlich lachen musste.
Hätte er sein Glas nicht rechtzeitig abgesetzt, hätte er wahrscheinlich hineingeprustet und seine Uniform dabei ruiniert.
Eine Weile später standen sie wieder wie zufällig am Tresen und tranken ein Glas Sekt.

Sermin der Vulkanier und Lock diskutierten mit dem Cheftechniker der Station und waren so vertieft in Ihr Gespräch, dass sie vom Rest der Party nicht viel mitbekamen.

Nicolai Graves der Commander von Merlin hatte sich schon während des Essens an Jaqueline Jefferson festgebissen, nachdem der Captain ihm erzählt hatte, mit welchem Feuereifer sie die Situation mit der defekten Warpgondel gelöst hatte.
Anscheinend erhoffte sich Graves Ihre Hilfe bei der Instandsetzung der zerstörten Systeme auf seiner Station.
Obwohl Jaqueline sich köstlich mit Ihm amüsierte, sogar einen tollen Boogie mit Ihm aufs Parkett legte, hatte van Dyke nicht den Eindruck, dass Graves hier einen wichtigen Vorteil errungen hatte. Noch bevor Nicolai seinen ganzen Charme zum Einsatz bringen konnte, ergriff Captain Wikland wieder das Wort und richtete sich damit an die Gäste von Sakras 5.

„Werte Mitglieder des Zentralen Rates von Sakras 5, wir bedauern sehr, dass es auf Ihrer Heimatwelt zu den von Ihnen beschriebenen Unruhen gekommen ist, deren Heftigkeit wir heute miterleben mussten.
Wir haben zunächst nur die Station der Föderation geschützt, die zu diesem Zeitpunkt angegriffen wurde.
Nachdem wir alle vorliegenden Fakten eingehend studiert haben sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir auch weiterhin keine aktiven offiziellen Handlungen in Ihrer Angelegenheit durchführen werden...“
Bei diesem Satz sanken die Köpfe der Sakranianer und Ihr Blick richtete sich enttäuscht auf den Boden, mit Ausnahme von Avallia, die dem Captain mit festem Blick direkt in die funkelnden blauen Augen sah.

„...wir sind jedoch durch unseren dienstlichen Eid gebunden, jedwede Gefahr von Mitgliedern unserer Flotte oder den Angehörigen der Föderation abzuwenden.
Zurzeit besteht kein Kontakt zu unserem Forschungszentrum und zu dem Beobachtungsposten auf dem Mond Arlat 4.
Wir werden mit Ihrer Erlaubnis unsere Teams aussenden, um dort nach dem Rechten zu sehen.
Sollten uns hierbei Angehörige der Untergrundbewegung behindern, werden wir unsere Ziele klar durchsetzen.
Im Übrigen bieten wir Ihnen an, einen Kontakt herzustellen und zwischen Ihnen zu vermitteln, sofern dies Ihrem Wunsch entspricht. Ich bin sicher man wird unseren Argumenten aufgrund unserer Stärke sicher Gehör schenken.

Damit Sie auch erkennen, dass wir Sie nicht Ihrem Schicksal überlassen, möchte ich Sie einladen hier an Bord zu bleiben,
denn wir können uns einem zu erwartenden Angriff sicherlich besser zur Wehr setzen als die angeschlagene Merlin Station.“
Die Sakranianer atmeten ein wenig auf und die Gesichtszüge von Avallia entspannten sich wieder, es zeigte sich sogar ein feines Lächeln auf Ihren Lippen.
Auch ein anderer hatte verstanden, Sermin, der von der Logik beherrschte Vulkanier stand am Tresen der Bar und konnte die Worte des Captains kaum fassen.
Mit stoischer Mine hatte er die Ausführungen des Captains gehört und mit seinen Werten und den Sternenflotten Anweisungen verglichen.

Für Ihn ergaben sich gleich eine ganze Reihe von Konflikten, die nicht haltbar waren.
Die gefühllose kalte Logik gebot Ihm hier sofort einzuschreiten, ohne an eventuelle Folgen zu denken, die sich bei einer Diskussion mit dem Captain in dieser Situation sicher ergeben würden.
Er stellte sein Glas ab und genau in dem Moment in dem er losgehen wollte um Captain Wikland auf sein unangemessenes Verhalten hinzuweisen spürte er den festen Griff von Roger van Dyke an seinem rechten Arm, der ihn unausweichlich zum Steuerbordausgang der Bar zog und mit ihm schnell durch die Tür verschwand.
Wikland registrierte diese Geste wohlwollend in seiner Akte für persönliche Leistungen, die er immer im Kopf hatte, obwohl er aus seiner Position nicht genau sehen konnte was zwischen dem Ersten Offizier und dem Vulkanier vorgefallen war.

Es dauerte ganze 45 Minuten, bis Commander van Dyke und der Vulkanier wieder im Lookout erschienen.
Die Grüppchen waren inzwischen auf wenige Personen zusammengeschmolzen und der Captain saß mit Nicolai Graves und Erek Kanor dem Präsident von Sakras 5 am Tisch vor der Treppe, an dem sich sonst die Senioroffiziere breit machten.
Als Wikland den Commander erblickte stand er auf, verabschiedete sich förmlich von den beiden Tischgenossen und vergaß auch nicht die anderen Repräsentanten von Sakras 5.
Danach kam er auf van Dyke zu und lächelte ihn an. Sie verließen gemeinsam die Bar und gingen den Flur zum Turbolift entlang.

„Der Präsident und sein Gefolge haben sich über unser Angebot gefreut und werden gerne auf der ALEXANDRIA bleiben...“, begann Wikland, „...ich habe Ihnen bereits Quartiere zuweisen lassen. Erek Kanor hat ein wenig Erklärungsbedarf gezeigt.
Ich habe Ihm unsere Vorgehensweise und die Prioritäten erklärt und er hat seine Zustimmung für unseren Plan gegeben.
Er wird morgen früh seine Ratsmitglieder auf dem Planeten kontaktieren und Ihnen unsere Vorgehensweise erklären.
Wir haben die volle Unterstützung der amtierenden Regierung.“

Van Dyke erwiderte den Blick des Captains und in seiner Stimme schwang Zufriedenheit mit als er antwortete:

„Ich werde sofort ein Außenteam zusammenstellen Captain, sobald uns die Genehmigung zur Landung vorliegt, werden wir unsere Leute runterschicken. Vielleicht geht bis dahin auch der Transporter wieder, so dass wir kein Shuttle benötigen.“

Wikland nickte langsam und verabschiedete den Commander mit den Wünschen für eine angenehme Nachtruhe.
Während van Dyke den Turbolift betrat ging der Captain weiter in den hinteren Bereich des Schiffes. Er hatte einen anstrengenden Tag hinter sich und wollte noch ein wenig entspannen.

Die große Tür am Ende des Gamges glitt auf als er sich näherte und sofort schlug ihm der frische Duft von Blüten, Sträuchern und anderen Gewächsen entgegen, die im Arboretum angebaut waren.
Er atmete mehrmals tief durch und ging dann langsam in Richtung der Zierpflanzen.
Das Arboretum war dicht bewachsen und erinnerte auf den ersten Blick ein wenig an einen Urwald.
Wikland hatte es seiner Crew zur Aufgabe gemacht, den Bewuchs so zu forcieren, dass schon nach weniger als einem Jahr kaum noch die Wände zu sehen waren.
Man hatte tatsächlich den Eindruck durch eine grüne Oase zu wandeln.
Zu dieser Uhrzeit war der Raum nur mit gedämpftem Licht beleuchtet und fast alle Pflanzen hatten ihre Blüten für die simulierte Nachtruhe geschlossen.
Wikland folgte dem kleinen Pfad, der durch die Pflanzenwelt führte und hielt an dem kleinen Teich an, der von einem hohen Wasserfall gespeist wurde.
Eine auf dem Teichboden angebrachte Supraleuchte strahlte den Wasserfall von unten an.
In vielen Kaskaden kam das Wasser über einen 4 Meter hohen Felsaufbau, der aus vielen kleinen Quadern aus echtem Zyrellit zusammengesetzt war, heruntergeplätschert.

Die Steine hatten eine graue und unebene Oberfläche die mit vielen silbernen Partikeln durchsetzt war, sie erinnerten entfernt an das Vulkangestein welches man auf der Erde vorfand.
Diese Zusammensetzung ergab gemeinsam mit dem Wasser ein überaus faszinierendes Lichtspiel aus farbigem Glitzern und beruhigendem Rauschen.

Eine Mischung die Wikland in seiner spärlichen Freizeit gerne genoss. Wenn er es neben seinen vielen anderen Verpflichtungen einrichten konnte, die er als Captain eines so großen Schiffes hatte, kam er nach dem Dienst direkt hierher.
Meist war zu diesen Zeiten keiner mehr im Arboretum. Die Botaniker, die für die bestmöglichen Bedingungen sorgten, hatten nur selten Nachtdienst, so dass er so gut wie immer allein war.
Über Ihm war durch die Deckenplatten aus transparentem Aluminium der Sternenhimmel zu sehen, der an keinem Punkt auch nur eine vertraute Sternenanordnung zeigte.

Wikland der auf der kleinen Bank gegenüber des Teichs und des Wasserfalls Platz genommen hatte horchte auf. Ein Geräusch war von hinten zu hören, das wie das leise Huschen eines kleinen Tieres klang.
Der Captain wusste allerdings, dass im Arboretum keine Kleintiere gehalten wurden. Er wandte sich um, konnte jedoch nichts erkennen und gab sich nach einem Moment wieder dem Schauspiel des Wasserfalls hin.
Er lehnte sich zurück, schloss die Augen und konzentrierte sich auf das Plätschern des Wassers. Als er die Augen nach wenigen Minuten öffnete saß neben Ihm eine Person.
Er wäre vor Schreck fast zusammengefahren und aufgesprungen, allerdings bemerkte er sofort wer sich da neben Ihn gesetzt hatte. Avallia Sen, die Kanzlerin der südlichen Hemisphäre hatte sich völlig lautlos neben ihm auf der Bank niedergelassen.
Es war wohltuend, dass diese Frau seine Nähe als ebenso angenehm empfand wie er die Ihre.
Bereits während des Empfangs hatten sich ihre Wege immer wieder gekreuzt und er hatte keine Gelegenheit ausgelassen sich mit ihr zu unterhalten.

Wikland wollte gerade etwas sagen, aber Avallia bedeutete Ihm, dass er die Stille nicht unterbrechen sollte. So saßen sie beide auf der kleinen Bank gegenüber des Wasserfalls und genossen das Plätschern des Wassers.
Für Wikland war es das erste Mal seit vielen Jahren, dass er sich gemeinsam mit einer Frau wieder besonders wohl fühlte.

* * *

Die Frühschicht war gerade dabei die Brücke zu übernehmen als Roger van Dyke aus dem Turbolift trat.
Er grüßte kurz die Kollegen, die Ihre Stationen einnahmen und ging gleich weiter in den Konferenzraum im hinteren Bereich der Brücke.
Am Tisch hatte das Erkundungsteam Platz genommen, welches in wenigen Minuten zur Forschungsstation auf dem Planeten aufbrechen und die Situation klären sollte.
Van Dyke hatte sich für ein ausgewogenes Team entschieden.
Die Chefingenieurin Jaqueline Jefferson, die Führungsoffizierin des Rescue & Recovery Teams Jadzia Lansu, Sowie Olivia Harris eine Ärztin.
Unterstützt wurden die drei durch zwei Männer der Sicherheitsabteilung, die Andy Duke persönlich für diese Mission ausgewählt hatte.

Jadzia Lansu, eine hochgewachsene schlanke Trill mit langen dunkelbraunen Haaren und einer feinen Fleckenzeichnung saß links von Jaqueline Jefferson und sah sich die Daten der Bodenstation an.
Olivia Harris, die blonde Ärztin saß zwischen den beiden Sicherheitsleuten, neben denen sie mit ihrer kleinen und etwas pummeligen Figur wie ein zu dickes Kind aussah.
Ihre blauen Augen wechselten zwischen den beiden Sicherheitsleuten hin und her, mit denen sie über den Empfang des letzten Abends sprach.

„Guten Morgen alle miteinander, wir wollen kurz den kommenden Einsatz durchgehen.“
Roger van Dyke hatte bereits alle notwendigen Vorbereitungen getroffen und schaltete das Wanddisplay ein.
Die Aufmerksamkeit richtete sich auf die Darstellung der geographischen Lage der Forschungseinrichtung, die in einem von beiden Seiten gut zugänglichen Tal zwischen hohen Felsformationen gelegen war.

„Die Mission sieht zwar einfach aus...“, begann er mit ernster Mine, „...aber wir müssen uns dennoch darauf vorbereiten, dass die Verbindung zur Station nicht nur durch das Störfeld, sondern eventuell auch auf Sabotage zurückzuführen ist, oder eine Übernahme durch die Untergrundbewegung erfolgt ist.“

Er griff nach einem PADD, das vor ihm auf dem Tisch lag und schaltete die Ansicht um mehrere Seiten vor, bis er zu dem Punkt kam, an dem die gesuchten Angaben standen.

„Die Mitglieder des Rates haben uns versichert, dass noch kurz vor ihrer Abreise ein Kontakt mit dem Stationspersonal bestand. Zu diesem Zeitpunkt waren Sie schon mehrere Tage von Merlin abgeschnitten.
Sofern die Untergrundbewegung nichts damit zu tun hat, können wir durch unsere Kontaktaufnahme den kleinen Trick mit der Lichtübertragung anwenden um wieder eine Kommunikation herzustellen.
Wir werden mit zwei Shuttles auf dem Planeten landen.“
Van Dyke wechselte am Wanddisplay auf eine Darstellung des Grundrisses der vier Gebäude zeigte, die durch Verbindungstunnels aneinandergereiht waren.
Die ganzen Stationsgebäude waren hintereinander gebaut worden und bildeten einen langen linienförmigen Komplex.

Einige Bäume umringten den Eingangsbereich und seitlich der Gebäude befanden sich viele Büsche die gute Deckung boten.
Etwas außerhalb war die Abdeckung der Energiezentrale zu erkennen, die im Boden eingelassen war, und deren Abluftschächte nur etwa einen halben Meter aus dem Boden ragten.

„Lt. Commander Jefferson, Sie leiten diese Mission. Sie bilden das Team Nummer eins und werden außerhalb dieses Bereiches hinter dem Wald landen.“
Er deutete dabei auf einen Bereich ca. 500 Meter südlich der Gebäude, der durch einen dichten Wald nach allen Richtungen gut abgeschirmt war.
„Sie werden zunächst die Lage analysieren und uns Bericht erstatten. Team zwei folgt Ihnen mit insgesamt 12 Sicherheitsleuten.
Sie werden nichts unternehmen, bevor nicht dieses zweite Team gelandet ist, welches Ihre Sicherheit gewährleistet.

Die ALEXANDRIA wird den Gebäudekomplex ständig in der Zielerfassung behalten und sollte sich Widerstand zeigen sind wir bereit einzugreifen.
Sie werden dann vorrücken und prüfen, ob eine Übernahme oder Sabotage erfolgt ist. Sofern alles klar ist checken Sie die Station und nehmen Kontakt mit den Wissenschaftlern auf.

Lt. Commander Lansu und Lieutenant Harris, Sie kümmern sich um eventuelle Hilfsbedürftige. Lt. Commander Jefferson, Sie werden die Technik prüfen und die Kommunikationsverbindung wieder herstellen.“

Im Besprechungsraum herrschte ein entspanntes Klima, jeder wusste genau wo seine Aufgaben und Verantwortlichkeiten lagen und man konnte sehen dass die Mission trotz der Kürze der Zeit perfekt vorbereitet worden war.
Die Mitglieder des Landetrupps wechselten einige Worte miteinander und stimmten Ihre Ausrüstung noch einmal ab.

„Noch etwas...“, fügte van Dyke hinzu, „...ich erwarte, dass Sie sich an die Weisungen halten, kein Alleingang und keine voreiligen Schlüsse.
Handeln Sie nur wenn Sie sich absolut sicher sind.
Sie sind Profis, verhalten Sie sich auch so. Viel Glück, Sie starten in 5 Minuten. Das ist alles.“
Nur wenige Minuten später stand das Landeteam auf Deck vier im Shuttlehangar und verstaute die Ausrüstungsgegenstände im Laderaum des Shuttles.
Jaqueline Jefferson war gar nicht glücklich, dass sie ihren Maschinenraum verlassen musste.
Sie arbeitete noch immer an der Überwindung der Störstrahlung und war noch nicht viel weiter als bis zur Identifizierung der gegnerischen Energiefrequenz gekommen. Sie drückte van Holt ein PADD in die Hand.

„Ich möchte, dass Sie während meiner Abwesenheit die Energiesignaturen dieser Trägerwelle einer weiteren Untersuchung unterziehen.
Versuchen Sie es mit einer Politronwelle und überlagern Sie es mit einer Subraum-Übertragungssignatur. Dann drehen Sie den Filter langsam zu und suchen nach der Harmoniefrequenz.
Vielleicht können wir damit die Störstrahlung absorbieren. Das ist besonders wichtig für die Transporterfunktion, aber Sprechverbindungen müssen auch wieder funktionieren.
Sofern wir nicht dieses Störfeld entkräften können, sind wir nicht einmal in der Lage um Hilfe zu rufen wenn es brenzlig wird.“

Van Holt nickte kurz und steckte das PADD weg.
„Viel Glück, und geben Sie auf sich Acht. Ich möchte Sie gerne in einem Stück zurückhaben.“

Jefferson lächelte und blinzelte mit dem rechten Auge, gleichzeitig deutete sie mit der rechten Hand auf Ihn,
„Ich seh’ Sie!“ rief sie Ihm zu und verschwand durch den Einstieg im Heck des Shuttles.
Mit geübten Griffen machte Sie das Shuttle startklar und nach wenigen Sekunden hatte Sie alle Systeme aktiviert.
„Hier ist Shuttle Sam, alle Systeme klar, wir bitten um Starterlaubnis“ gab sie durchs Interkom und umgehend kam die Rückmeldung.
Roger van Dyke’s Stimme klang aus dem Audio System:

„Shuttle Sam, der Rat von Sakras 5 hat seine Zustimmung zur Landung gegeben, Sie haben Starterlaubnis, viel Glück !“
Jaqueline drehte sich zu Ihren Kollegen um,
„Haltet euch fest, es geht los!“
Obwohl die Shuttles des TYP 6 alle über künstliche Schwerkraft verfügten wussten doch alle Mitglieder der kleinen Gruppe was dieser Satz zu bedeuten hatte.
Jaqueline Jefferson saß am Steuerpult, was einen heißen Ritt auf die Oberfläche bedeutete.
Es war ihr einfach nicht möglich ein Shuttle nur zu fliegen, nein, es musste schon etwas lebendiger sein.
Ein Flug mit ihr als Pilotin war in etwa vergleichbar mit einer wilden Achterbahnfahrt, in der die Wagen ungebremst und scheinbar steuerlos über die Schienen schossen und eigenmächtig und ohne ersichtlichen Grund auf allen drei Neigungsachsen die Richtung wechselten.

Kaum hatten alle nach einem Halt gesucht ging es auch schon los. Das Shuttle schwenkte herum und beschleunigte noch im Hangar voll.
Sowie die Schotten hinter ihnen lagen drehte das Shuttle auf die Nachtseite des Planeten und folgte dem Eintauchprogramm um den korrekten Winkel für den Atmosphärendurchbruch zu erreichen.
Während das kleine Schiff durch die Luftschichten nach unten sank, wurde es durch die Reibung stark aufgeheizt und die Turbulenzen schüttelten alle heftig durch.
Nach wenigen Minuten hatten Sie auch eine dünne Wolkendecke durchdrungen und der Flug wurde ruhiger.
Das Landegebiet blinkte auf dem Monitor, aber durch die vordere Scheibe war noch nichts zu erkennen.

Das Tal lag noch im Dunkeln und an den Wolken über den Bergspitzen zeigten sich gerade die ersten Lichtschimmer, die den kommenden Tag ankündigten.

Lautlos glitt das Shuttle über den dichten Wald und setzte dann sanft auf der kleinen Lichtung auf. Alle Passagiere atmeten auf, als sie diesen Flug überstanden hatten. Für die Chefingenieurin war das nur ein kleiner Spass, der ruhig hätte länger dauern können.
Jaqueline führte zunächst einen Scan des Areals durch, konnte aber außer einigen Kleinlebewesen keine Anzeichen für die Anwesenheit von Personen feststellen.
Auch die elektronischen Scans zeigten keine Kraftfelder oder Fallen irgendeiner Art. Einzig und allgegenwärtig war das Störfeld, welches jede Kommunikation verhinderte.
Sie betätigte den Controller, der das Stimmsignal über die obere Positionsleuchte als Blinkcode aussandte.

„Shuttle Sam an ALEXANDRIA, Landung erfolgreich abgeschlossen, alle Sensorenwerte normal. Wir beginnen mit Phase zwei. Melden uns in einer Stunde wieder, Jefferson Ende“
Sie öffneten den Laderaum und nahmen Ihre Ausrüstung auf. Nachdem die Heckklappe geöffnet war, traten zunächst die beiden Sicherheitsleute auf die Lichtung.

Sie waren völlig allein, der Landeplatz war gut gewählt. Sie gaben den anderen ein Zeichen, und die Gruppe sammelte sich vor dem Shuttle.

In diesem Moment erschien die zweite Landegruppe mit den Sicherheitsleuten und setzte dicht neben dem ersten Shuttle auf.
Wenige Minuten später standen sich Andy Duke und Jaqueline Jefferson gegenüber, umringt von Sicherheitsleuten, die den Bereich rund um die Shuttles absicherten.

„Andy, ich wusste gar nicht das Sie mitkommen...“, sagte Jefferson.
„Nun, der Captain ist mir noch einen Landurlaub schuldig, und den nehme ich jetzt...“, erwiderte dieser verschmitzt.
„Hey, von der Seite kenne ich Sie ja gar nicht...“ begann Jaqueline lächelnd, „...OK, ich schlage folgendes vor. Wir rücken langsam in Richtung Station vor, wenn wir Ihre Leute in zwei Teams aufteilen die unsere Flanke schützen und Sie mit unseren beiden Sicherheitsoffizieren beim Team bleiben, sollten wir vor Überraschungen sicher sein.“

Andy Duke hatte sich kurz umgesehen und die Dichte des Baumbewuchses geprüft. Es sollte kein Problem sein mit der kleinen Gruppe die 400 Meter Wald zu durchqueren.
Danach kam nur noch Buschwerk, sofern er die Karte noch richtig in Erinnerung hatte.
Er überlegte eine Weile und zählte noch einmal das Team und die Sicherheitsleute im Gedanken durch. Dann nickte er und antwortete:

„Einverstanden, Lieutenant Holmer nehmen Sie sich fünf Männer und sichern Sie die linke Flanke. Lieutenant Sinclair, Sie übernehmen die rechte Seite. Tellington und Kremer, Sie bilden die Nachhut“

Lt. John Holmer deutete auf seine Leute und gab ihnen einen Wink ihm zu folgen.
Der große mittelblonde Mann strahlte eine natürliche Autorität aus und seine Anweisungen wurden auch ohne viele Worte von seiner Gruppe befolgt.

Lt. Jeremy Sinclair hatte seine Sicherheitsleute noch einmal kurz um sich geschaart und gab kurze Anweisungen.
Einige von Ihnen waren erst vor kurzem auf die ALEXANDRIA gekommen und hatten bislang an keiner Außenmission teilgenommen.
Er wollte eventuellem Fehlverhalten und jugendlichem Übermut von vornherein Einhalt gebieten.
Der schwarzhaarige Offizier mit sonnengebräunter Haut konnte seine spanische Herkunft nicht verhehlen.
Mit seinen 158 Zentimetern Körpergröße wirkte er etwas zu kurz geraten, dennoch war sein durchtrainierter Körper sportlich und mit reichlich Muskulatur versehen.
Nachdem alle Ihre Positionen bezogen hatten setzte sich die Gruppe langsam in Bewegung. Andy Duke ging mit dem Phasergewehr im Anschlag voraus.

Alle achteten darauf, beim Laufen so wenig Geräusche wie möglich zu machen. Selten knackte ein kleiner Ast der unter der Laubschicht nicht zu erkennen war. Eine Viertelstunde später standen Sie am Waldrand und konnten das Terrain rund um die Basis einsehen.

„Jaqueline, was zeigt Ihr Trikorder an ?“ fragte Andy leise und blickte auf das Gerät das die Chefingenieurin in der rechten Hand hielt.
„Wenn alle Wert stimmen, dann ist die Station mit 38 Personen besetzt. Das entspricht den Angaben von Commander Graves. Bis jetzt deutet nichts auf eine Sabotage oder Übernahme hin.“
Andy gab seinen Kollegen ein Handzeichen, woraufhin Sie weiter zur Seite ausschwärmten und einen breiteren Bereich abdeckten.
Langsam gingen sie durch das niedrige Buschwerk auf die Gebäude zu.
Es waren noch mindestens 80 Meter zwischen ihnen und dem Komplex als sich im fahlen Morgenlicht die Haupttüre öffnete und ein Starfleet Sicherheitsoffizier mit Phaser in der einen Hand und Trikorder in der anderen auf die breite Treppe hinaustrat.

Langsam schwenkte er den Trikorder umher und las dann die Werte ab, die auf dem Display erschienen.
„Hallo, wer immer da draußen ist, wir haben Ihre Landung mitverfolgt, wenn Sie zur Sternenflotte gehören geben Sie sich bitte zu erkennen.“
Andy Duke blickte zu Jefferson und drückte seine Hand noch fester um den Griff seines Phasergewehrs,
„Ich rate zur Vorsicht, das könnte auch eine Falle sein.“
Jaqueline nickte, sie blieb in Deckung und rief zu dem Mann auf der Treppe:
„Merlin hat schon seit über einer Woche nichts mehr von Ihnen gehört, ist Ihre Kommunikation ausgefallen?“ fragte sie.
„Nein, unsere Kom-Verbindung wird durch ein Störfeld überlagert, aber die Mitglieder des Zentralen Rates Erek Kanor, Timor Ballat und Simas wollten die Station besuchen und Commander Graves informieren, dass hier alles OK ist.

Wir haben einen Angriff auf die Station verfolgt, hoffentlich haben Sie es noch rechtzeitig geschafft.“
Andy und Jaqueline erhoben sich und gingen langsam auf die Station zu.
Inzwischen hatten sich hinter dem Sicherheitsoffizier einige Wissenschaftler in der Tür versammelt und als der Offizier die Uniformen der Sternenflotte erkannte, ließ er seine Waffe sinken.

Alle waren erleichtert, die Situation hatte sich tatsächlich als ungefährlich herausgestellt, Jefferson machte sich sofort daran, die Kommunikation über die Lichtsignale zu programmieren.
Da die Station keine Positionsleuchten besaß, musste eine eigens hierfür von der ALEXANDRIA mitgebrachte Lichteinheit auf dem Dach des Hauptgebäudes installiert werden.

Noch bevor der Tag das Tal vollends erreicht hatte war die Kommunikation mit Merlin und der ALEXANDRIA wiederhergestellt.

* * *

Van Dyke stand an der Wissenschaftsstation im hinteren Bereich der Brücke und analysierte die Sensorendaten als Jaqueline Jefferson hinter ihn trat.
„Commander, ich komme gerade aus dem Maschinenraum, Lieutenant van Holt konnte die Harmoniefrequenz des Störfeldes isolieren.
Wenn wir einen negativ geladenen Subraumstrahl in gleicher Frequenz aussenden, können wir das Kraftfeld neutralisieren.
Damit können wir unsere Kommunikation dann wieder aufnehmen.“
Van Dyke blickte der jungen Frau in die Augen und erkannte den Stolz und die Freude darin, die Ihm verriet, dass diese Frau sich mit ihrer Arbeit vollends identifizierte.

So ausgelassen wie er sie auf dem Empfang für die Ratsmitglieder erlebt hatte, so energiegeladen machte sie sich über jede neue Aufgabe her, immer bestrebt das bestmögliche Resultat zu erzielen.
„Sehr gut Commander, aber diesen Vorsprung wollen wir jetzt noch nicht verraten indem wir die normale Kommunikation aufnehmen.
Sollen die ruhig glauben, dass keine Kom-Verbindung zustandekommt. Ich bin mir sicher, dass die Rebellen auch unsere kleine Morse-Lichtshow noch nicht durchschaut haben.

Die Harmoniefrequenz könnte uns aber die Möglichkeit geben, die Energiequelle ihres Störfeldes zu lokalisieren und dieses auszuschalten.

Lassen Sie Lt. Commander Sermin und Lock gleich mit dieser Aufgabe beginnen, je schneller wir dieses Feld loswerden, umso besser für uns. Machen Sie erst einmal eine Mittagspause und danach nehmen Sie Ihr Team und machen auch die zweite Gruppe bereit.
Wir müssen noch den Beobachtungsposten auf Arlat 4 prüfen, Wollen wir hoffen, dass auch dort nur das Störfeld die Verbindung unterbrochen hat.
Melden Sie sich bei mir wenn Sie einsatzbereit sind.“ damit wandte er sich wieder seinen Aufzeichnungen zu.

J.J. hatte gehofft, dass der neue Erste Offizier nicht gleich die Erkundung des Mondpostens anordnen würde.
Sie hatte sich mit den anderen Crewmitgliedern in der Offiziersmesse verabredet und war sich nicht sicher ob sie dieses Treffen einhalten konnte. Schnell setzte sich J.J. in Bewegung.

Als sich die Tür zur Messe vor ihr öffnete und den Blick in den zweckmäßig eingerichteten Raum freigab kam ihr auch schon van Holt entgegen.
„Und was hat der Captain zu unserer Entdeckung gesagt?“ fragte er gespannt und seine Nervosität war deutlich an seinen Händen abzulesen, die er sich ungeduldig rieb.
„Ich war nicht beim Captain, aber unser neuer Erster ist ganz zufrieden mit uns.“, antwortete sie und wusste in diesem Moment selbst nicht ob sie sich über die kurze aber positive Antwort von van Dyke freuen sollte oder nicht.

Van Holt ließ den Kopf ein wenig sinken, er hatte natürlich mit einer ungleich besseren Antwort gerechnet, schließlich hatte er sich den ganzen Vormittag Formeln, Simulationen und tangentiale Frequenzüberlagerungen um die Ohren gehauen.

Für Jefferson war ein anderer Aspekt am neuen ersten Offizier viel eindrucksvoller gewesen.
Immerhin hatte er erkannt, dass jetzt Mittagszeit war, eine deutliche Verbesserung zu David Robinson,
der sich nie darum geschert hatte, welche Tages- oder Nachtzeit gerade war, selbst wenn er sie nur wegen einer Lappalie zum Dienst zitierte.

Bei dieser Gelegenheit fiel ihr wieder ein, wie van Dyke ihr beim präparieren der Sonde vor drei Tagen ganz selbstverständlich geholfen und sogar daran gedacht hatte, die ihr unbekannten Informationen von Lieutenant Carter mitzubringen, damit sie vor den Anderen nicht dumm dastand.
Sie verzeichnete diese Tatsachen als Pluspunkte für ihn und beschloss ihn bei passender Gelegenheit einmal näher unter die Lupe zu nehmen.

Sie trat vor den Replikator gab ihren Speisewunsch ein und nachdem sich das Tablett mit der Suppe dem Hauptgericht und einer äußerst süßen Nachspeise materialisiert hatte ging sie vorbei an den beiden Tischen,
an denen gerade die Schulungsteilnehmer der Astro-Kartographie saßen, zu Andy Duke und van Holt,
die zusammen mit Jadzia Lansu und Olivia Harris an einem großen runden Tisch Platz genommen hatten.

Noch bevor sich Jaqueline gesetzt hatte platzte es aus Jadzia heraus:
„Ich kann gar nicht verstehen, dass unser Neuer nicht die Landegruppe anführen wollte. Die oberen Zehntausend können sich doch sonst nicht zurückhalten, wenn es darum geht Lorbeeren einzuheimsen...“
Jan van Holt nickte zustimmend, „...David Robinson hat sich jedenfalls keine Gelegenheit entgehen lassen, bei der er sich eine gute Beurteilung versprochen hat und auch der Captain hat lieber das Zepter selbst in der Hand.“, fuhr sie voller Enthusiasmus fort.

„Der hat momentan ganz andere Prioritäten...“ erwiderte Harris, “...hast Du seinen Blick bei dem Empfang gesehen? Ich glaube da hat was zwischen Ihm und der Kanzlerin gefunkt.
Komisch, ich dachte bislang immer er sei ein Einzelgänger, ein alter grauer Wolf, der durch sein Revier streift und niemanden in seiner Nähe duldet.“
Jadzia verzog das Gesicht zu einer steinernen Grimasse und imitierte die bei solchen Anlässen immer etwas steif wirkende Stimme Wiklands.

„Die Kanzlerin der südlichen Hemisphäre, welch ein wertvoller Gewinn für die Föderation.“
Das Ganze ergänzte sie noch mit einigen typischen Handbewegungen was dazu führte, dass van Holt fast den Löffel verschluckte, so grotesk wirkte die übertriebene Darstellung.

„Nun kriegt euch mal wieder ein. Was der Captain tut oder lässt ist allein seine Sache. Ihr seid doch nur neidisch weil keine von euch die Auserwählte ist.
Im Übrigen kann ich mir nicht vorstellen, dass sich da was ernsthaftes entwickelt.“, mischte sich Andy Duke ein, der den banalen und überzogenen Humor nicht leiden konnte.

„Lass’ Ihnen doch ihren Spaß...“ sagte Jaqueline und begann damit das tentarische Huhn zu zerlegen, welches vor Ihr auf dem Teller lag.

* * *

„Commander K’Orak erstellen Sie einen kompletten Scan des Monds, ich möchte wissen was dort auf uns wartet.
Lieutenant Carah, versuchen Sie weiter mit unserer Lichtkommunikation eine Verbindung mit der Mondbasis aufzubauen, zur Not senden Sie einige Morsezeichen, auch wenn diese Art der Kommunikation nicht mehr zu den aktiven Sprachen zählt, so kennt Sie doch jeder Absolvent der Sternenflotten-Akademie.“

Van Dyke wanderte auf der Brücke umher wie ein Tiger auf der Jagd.
Er pendelte ständig von einem Kontrollpaneel zum anderen rief Daten ab und machte sich Notizen auf seinem PADD, welches er bereits seit dem frühen Morgen mit sich herumtrug und das er bis jetzt nicht ein einziges Mal aus der Hand gelegt hatte.

„Brücke an Lt. Commander Lock...“ van Dyke schaute auf das Display in seiner Hand auf dem die Auswertungen der Abtastungsergebnisse abgebildet waren.

Hinter der Eintragung ‘Antriebsenergiespuren’ schloss sich in roter Schrift ‘keine verwertbaren Angaben’ an.
„Hier Lock, was gibt’s Commander?“ kam die leicht näselnde Stimme des Benziten aus dem Audiosystem.
„Ich weiß, dass ich Ihnen vorhin schon eine wichtige Aufgabe übertragen habe, die Ihren vollen Einsatz fordert, aber ich möchte unbedingt in Erfahrung bringen, wohin sich die Rebellen nach dem Angriff zurückgezogen haben, bisher waren alle Suchscans ergebnislos.

Wenn Sie den Standort des Störsignals gefunden haben, möchte ich, dass Sie sich mit dieser Aufgabe befassen.
Ich will nicht, dass unser Landeteam in einen Hinterhalt fliegt. Sie werden dadurch etwas zu spät zum Mittagessen kommen, aber ich werde Sie persönlich beim Koch entschuldigen.“

Alleine diese Bemerkung zeichnete ein Lächeln auf das Gesicht des Benziten und die Brückencrew wechselte einige vielsagende Blicke.
Natürlich bezogen alle an Bord der ALEXANDRIA, bis auf Tara Anu’U, ihre Mahlzeiten aus dem Replikator.
Stolz gab Lock den derzeitigen Status seiner Arbeit an den Commander durch,
„Wir haben den Standort des Senders schon auf 200 Quadratkilometer begrenzt und die genaue Position sollte in wenigen Minuten feststehen, wir werden dann eine Sonde starten, um genaue Aufnahmen der Geländeformation zu machen. Danach können wir sofort mit dem Scan nach den Rebellen beginnen.“

Van Dyke nickte zufrieden.
„Gut Commander, ich erwarte Ihren Bericht, vielen Dank. Van Dyke Ende.“

K’Orak stand in seiner seitlich geschnürten ledernen Hose und der Jacke der Sternenflotte vor van Dyke, der sich angesichts dieses Musters sehr beherrschen musste um nicht laut zu lachen.
Obwohl er Ihn schon oft in dieser Kluft gesehen hatte wirkte sie heute völlig absonderlich.
Der Klingone hielt ihm wortlos ein PADD entgegen und nahm die typische klingonische Haltung an, welche den Gegner durch die Demonstration körperliche Stärke einschüchtern sollte.
Er wusste, das die Angaben bei van Dyke keine Freude auslösen würden wollte es jedoch nicht dazu kommen lassen, dass dieses Ergebnis seine Ehre schmälerte.
Für Ihn war es eine Erniedrigung sich einem gleichrangigen Menschen unterordnen zu müssen, noch dazu wo dieser gerade erst an Bord gekommen war.
Auf einem klingonischen Schiff müsste van Dyke die Rechte des Dienstälteren respektieren und dafür würde K’Orak schon sorgen - soviel war sicher - jedenfalls wenn sie auf einem klingonischen Schiff wären.

Bedauerlicherweise befand sich K’Orak aber als einziger Klingone auf einem Föderationsschiff und musste sich somit seiner Rolle als Austauschoffizier fügen.
Van Dyke prüfte die Angaben und blickte den Klingonen fest an. „Sind Sie sicher, dass hier auch kein Irrtum vorliegt? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Station auf ARLAT 4 verlassen sein soll.“
Die Antwort des Klingonen bestand nur aus einem tiefen Knurren und einer langsamen Bewegung seiner rechten Hand,
die an die Stelle wanderte wo üblicherweise sein D’k-tahg Messer hing, womit für van Dyke klar war, dass an der Richtigkeit der Angaben kein Zweifel bestand.
Den Daten zufolge war der Stützpunkt auf dem Mond verlassen, keine Lebenszeichen, keine Energiewerte, nicht einmal ein Hinweis auf das Shuttle, welches zum Transfer verwendet wurde.
Für Roger van Dyke ein weiterer Grund die Mission so bald als möglich zu Ende zu bringen.

Er aktivierte seinen Kommunikator:
„Lt. Commander Jefferson, wie weit sind Sie mit der Vorbereitung der Shuttles? Ich möchte die Aktion so bald als möglich durchführen. Die Daten, die wir von dem Mond erhalten haben sind mehr als beunruhigend.“

Jaqueline Jefferson hatte sich so etwas schon gedacht und hatte nach dem Essen alle zur Eile angespornt.
„Unser Shuttle kann in wenigen Minuten starten Commander.
Die Sicherheitscrew hat das zweite Shuttle bereits besetzt und macht gerade den Systemcheck.“, gab sie dem Commander zurück.

„In Ordnung, Wir werden Ihnen die Amazonas als Begleitschutz mitgeben.
Ich habe ein ungutes Gefühl in der Magengegend und das ist meist ein sicherer Kompass für unerwartete Schwierigkeiten.“, antwortete van Dyke.
„Verstehe, wir sind in fünf Minuten startklar Commander.“
Van Dyke tippte auf seinem PADD herum und las noch einmal die Daten des Scans ab.
„Ich schicke Ihnen die Daten unserer Sensorenabtastung auf den Shuttlecomputer. Denken Sie an Ihre Sicherheit, wenn alles klappt gebe ich heute Abend einen aus.“, scherzte van Dyke.

„Na dann stellen Sie schon mal die Flaschen kalt Commander.“ antwortete Jaqueline und stieg lächelnd in Ihr Shuttle, wo Jadzia schon den Antrieb prüfte und mit der Vorstartsequenz begonnen hatte.

* * *

Die beiden Shuttles und das Runabout flogen in enger Formation auf den Mond zu, der langsam seine Bahn um den Planeten zog.
Seine sandgelbe Oberfläche schimmerte im Licht der Sonne wie ein goldenes Seidentuch, welches den ganzen Mond umhüllte.
Der Trabant war wenig mehr als eine Million Kilometer vom Planeten entfernt und hatte einen Durchmesser von zirka 15000 Kilometern.

Ähnlich wie der Erdmond besaß er keine Eigenrotation und hatte eine fest dem Planeten zugewandte Seite.
Er verfügte über eine dünne Atmosphäre, die jedoch nicht ausreichte um ohne Sauerstoffgeräte zu atmen und war bedeckt von einer kargen Vegetation.
Die wenigen Pflanzen existierten von der spärlichen Luftfeuchtigkeit, die dort herrschte.
Es gab hier keine Ozeane und nur an wenigen Stellen bildeten sich in den Dunkelphasen durch Niederschläge kleine Seen, die jedoch bei Sonneneinstrahlung schnell wieder verdunsteten.

Mit allergrösster Sorgfalt steuerte J.J. das kleine Schiff auf den gelben Trabanten zu, ständig mit einem Auge auf den Scannern, die den Sektor auf gegnerische Schiffe abtastete. Ihr war klar, dass sie Im Falle eines Problems keine schnelle Hilfe erwarten konnten.
Die Spannung in der kleinen Kabine war drastisch angestiegen, nachdem Jaqueline die anderen über die Ergebnisse des Suchscans informiert hatte.
Keiner traute sich zu sprechen und so glitten die drei Beiboote der ALEXANDRIA langsam durch die dünne Atmosphäre des Mondes.
Die Shuttles überflogen die Gebirgskette, die sich wie eine Schlange entlang des Äquators rund um den Mond zog.

Auf einem Hochplateau kam dann die kleine Beobachtungsstation ins Blickfeld. Sie bestand aus fünf Modulen, die um einen Runden Turm sternförmig angeordnet waren.

Auf dem Turm war eine große gläserne Kuppel angebracht,
die das Magnaton-Teleskop beherbergte, mit dem die Astrobeobachtungen durchgeführt wurden.
In der Station herrschte völliger Dunkelheit.
Von einem der Module ging ein Korridor zu einem Hangar in dem zwei kleine Shuttles Platz finden konnten - er war leer.

Die SAM und die PIGGY setzten sanft im Hangar auf, während die AMAZONAS in voller Bereitschaft über dem Komplex kreiste.
Die Sensoren des Hangars reagierten nicht auf die Landung. Jaqueline aktivierte die Kommandoüberbrückung und versuchte die Systeme per Fernsteuerung zu bedienen, aber nichts passierte.

„Möglicherweise ist die gesamte Energie inklusive Notenergie ausgefallen oder abgeschaltet worden.
Wir müssen erst mal für entsprechend Saft auf den Leitungen sorgen.“, sagte Jadzia, die sich neben Jaqueline auf dem Sitz des Copiloten niedergelassen hatte.

Sie aktivierte den Traktoremitter und übertrug einen kalibrierten Energiestrahl an die Konsolen. Langsam erwachte der Hangar zum Leben.
Erst blitzten die Displays der Bedieneinheiten auf und dann begann die Hangarbeleuchtung erst nur langsam zu glimmen aber nach wenigen Sekunden doch hell aufzuleuchten.
Als erstes versiegelte Jefferson den Eingang und flutete dann den Hangar mit Atemluft.
Sie öffneten die Einstiege der Shuttles und noch bevor die Klappe Ihres Shuttles den Boden berührt hatte sah sie schon die Sicherheitsleute von Andy Duke auf die Türe zum Korridor zuhasten und in Stellung gehen.

Mit einer kurzen Handbewegung bedeutete Andy dem anderen Team zunächst im Shuttle zu bleiben.
Mittels eines Entkopplers löste Andy die Türverriegelung und schob das Türblatt zur Seite.
Der Geruch von verbrannten Kabeln drang in seine Nase und ein zweiter süßlicher Duft erzeugte ein merkwürdiges Kribbeln in der Nase. Die Ursache hierfür blieb nicht lange verborgen.

Bereits nach wenigen Metern stießen Sie auf die Leiche eines Wissenschaftlers, der mit einem Phaser unter hoher Energie niedergestreckt worden war.

Andy wendete sich angewidert ab und versuchte den Brechreiz zu bekämpfen. Der Körper zeigte bereits deutliche Anzeichen von Verwesung, was auch für den beißenden Geruch verantwortlich war, der hier direkt neben der Leiche noch viel intensiver war.
Inzwischen waren Jadzia, Jaqueline und Olivia Harris durch die Tür gestiegen und richteten Ihre Trikorder auf den toten Offizier.

Andy Duke gab kurze Anweisungen und verteilte seine Leute in dem Komplex.
Im Energiezentrum, der Küche und dem Kartenraum wurden sechs weitere Leichen aufgefunden, alle waren wohl durch ein Enterkommando bei der Arbeit überrascht worden, aber es sah nicht nach einem Kampf aus, eher nach einer Hinrichtung.
Im oberen Bereich der großen Kuppel auf dem Bedienungsplatz des Teleskops, welches auf einem Drehschemel montiert und nur durch eine Leiter erreichbar war, fanden sie den diensthabenden Offizier der Station.

Der Wissenschaftler war anscheinend schwer verletzt worden, hatte sich aber noch bis zu diesem Platz geschleppt bevor er starb.
Er hatte eine tiefe Schnittwunde an seiner rechten Seite über die er viel Blut verloren hatte, das überall auf der Treppe verteilt und angetrocknet wae. Die Finger seiner rechten Hand umklammerten noch immer die manuelle Justierung des Teleskops und unter seiner Hand blinkte eine Anzeige auf.
Allem Anschein nach eine Uhr, die beim Abschalten der Energie stehengeblieben war.
Jetzt, nachdem die Chefingenieurin die Notenergie hochgefahren hatte zeigte sie noch immer das Datum sowie den Wochentag Donnerstag und 14:15 Uhr an.
Jadzia Lansu war gerade dabei mit Ihrem Trikorder die genaue Todeszeit des Mannes am Teleskop festzustellen, als einer der Sicherheitsleute nach Ihr rief:

„Lt. Commander, kommen Sie - schnell.“
Mit einem Satz hatte sie den Drehschemel des Teleskops verlassen und war an dem Handlauf der Leiter heruntergeglitten.

Sie stürmte in die Richtung des Sicherheitsoffiziers, der wild mit den Armen herumfuchtelte und auf einen der privaten Räume deutete.
Jadzia rannte hinein und wenige Schritte hinter Ihr erreichte auch Olivia Harris mit dem Medokit den Raum.
Neben dem Bett lag eine Frau in zerrissener Zivilkleidung am Boden, total zusammengekrümmt und teilweise mit dem Bettuch bedeckt. Überall im Raum war Blut, obwohl die Frau keine derartigen Verletzungen zeigte. An die Wand hatte jemand scheinbar mit diesem Blut das Wort ‚Pakash’ geschrieben.

Jadzia scannte die Frau mit ihrem Tricorder konnte aber keine Lebenszeichen mehr erkennen.
Im Gegensatz zu den anderen, hatte man sie nicht mit Energiewaffen oder Messern getötet, sondern eher mit roher Gewalt durch Tritte und Stockschläge zu Tode gebracht.
Darauf deuteten jedenfalls die Hämatome hin, die auf der bloßen Haut zu sehen waren.
Den Daten des Tricorders zufolge musste sie wohl an inneren Blutungen gestorben sein. Sie drehte die Frau auf den Rücken und erstarrte vor Schreck.

* * *

Captain Wikland beendete seine Schiffsführung auf der Brücke.
Er hatte sich den ganzen Vormittag Zeit genommen um den Repräsentanten von Sakras 5 das Schiff und alle Einrichtungen persönlich zu zeigen und zu erklären.
Nachdem er die Stationen der Brücke erläutert hatte, bedankte er sich bei seinen Gästen für Ihr Interesse und übergab sie in die Obhut von Alisha, welche die Würdenträger wieder zu Ihren Quartieren begleitete.
Entspannt und gut gelaunt ging er auf van Dyke zu, der gerade die neuesten Scans begutachtete, die Ihm Lt. Commander Lock auf die Science Station übertragen hatte.

„Commander, wie ich gehört habe gibt es gute Neuigkeiten von der Bodenstation.“ Er blickte seinen ersten Offizier fragend an.
„Richtig Captain, alle sind wohlauf, die Funkstille war Gott sei dank nur auf das Störfeld zurückzuführen.“
Wikland sah ihm über die Schulter und fragte dann:
„Gibt es schon Nachricht von dem Beobachtungsposten auf dem Mond?“ Der Captain schien trotz dieser ersten guten Nachricht ehrlich besorgt zu sein.

„Noch nicht Sir, aber ich erwarte jeden Moment einen Bericht. Die Teams müssten inzwischen Kontakt hergestellt haben.
Die Amazonas meldete gerade, dass die Teams im Inneren der Station tätig sind.“

Wikland nahm auf seinem Sessel Platz.
Auf dem Hauptschirm waren die Station Merlin und Sakras 5 zu sehen und auf der Brücke herrschte eine eifrige Betriebsamkeit.
K’Orak bediente die Sensorenphalanxen und versuchte mit neuen Scans bessere Informationen über den auf dem Mond gelegenen Beobachtungsposten zu erlangen,
während Ran Byrell an der taktischen Station neue Kampfsimulationen prüfte und den nötigen Aufwand mit dem zu erwartenden Resultat verglich.
Aufgrund der geringen Effizienz hatte er gleich zu Beginn zwei seiner neuen Ideen verworfen.
Ein anderer Einfall, der ihm beim Kampftraining mit Commander Lock am vergangenen Abend plötzlich in aller Klarheit in den Kopf geschossen war, hatte er noch am selben Abend im Computersystem programmiert und dieser hatte gerade gegen die drei schwierigsten Angriffssimulationen der Sternenflotte bestanden.

Carah Pehl an der Kommunikationskonsole drehte sich zum Captain um,
„Captain, das Außenteam meldet sich gerade, es ist Jadzia Lansu, die Leiterin des Rescue Teams.“

Wikland fuhr sich mit der rechten Hand durch die Haare und sagte dann:
„Stellen Sie den Ruf durch!“
Ein kurzes Krächzen im Audiosystem zeugte davon, dass die Abstimmung der Filter für die Lichtkommunikation eine schwere Aufgabe war, die ein großes Maß an Fingerspitzengefühl erforderte.
Carah Pehl hatte mit einer blitzschnellen Sequenz auf den Sensorflächen Ihrer Station eine bessere Einstellung gefunden.

„Wir haben die Beobachtungsstation erreicht und gesichert. Leider mussten wir feststellen, dass wir deutlich zu spät gekommen sind. Wir haben nur noch Leichen vorgefunden.

Dem Zustand der Körper zufolge sind Sie bereits verstorben, bevor die ALEXANDRIA in diesem System eingetroffen ist.
Alles deutet auf einen bewaffneten Überfall hin, der für die Crew völlig überraschend gekommen sein muss. Sie hatten keine Chance zur Gegenwehr.
Die Angreifer haben die gesamte Datenbank vernichtet, und einige Einrichtungsgegenstände zerstört. Anscheinend haben Sie sich viel Zeit gelassen.“

Die Nachricht rief blankes Entsetzen bei der Brückencrew der ALEXANDRIA hervor. Die Hände des Captains griffen etwas fester um die Lehnen seines Sessels.

Einige Offiziere auf der Brücke senkten die Köpfe und dachten an die Mitglieder des Beobachtungspostens, die ebenfalls Angehörige der Sternenflotte waren und hier im Dienste der Wissenschaft Ihr Leben lassen mussten.
So sinnlos wie es schien, denn außer dem Shuttle, von dem jede Spur fehlte, gab es keine wichtigen Apparaturen oder wertvolle Gegenstände auf der Station.
Bis zuletzt hatte man gehofft, die Crew hätte sich mit dem Shuttle möglicherweise in Sicherheit bringen können, und so schmerzte die neue Erkenntnis umso mehr.

Wiklands Gesichtszüge wirkten tiefer als noch vor wenigen Minuten. Es ärgerte ihn, dass er nicht rechtzeitig genug gekommen war um diese Menschen zu retten. Auch wenner dafür mehrere tage vorher hätte eintreffen müssen.
Auf seiner Stirn bildeten sich ärgerliche Falten und mit einem grimmigen Blick sowie einer belegten Stimme richtete er sich an Jadzia.

„Gibt es irgendwelche Erkenntnisse, wer den Überfall verübt haben könnte?“

„Nein Captain, die Mitglieder der Station wurden alle auf unterschiedliche Weise getötet, vom Sternenflotten Phaser, über romulanische Disruptoren bis hin zum klingonischen Jagdmesser wurde alles eingesetzt.“

Van Dyke war vorgetreten und stand nun neben dem Captain, der sich in seinem Sessel aufgerichtet hatte.

„Klingt für mich stark nach der Splittergruppe, die Merlin angegriffen hat, die hatten auch so viele verschiedene Schiffe und unterschiedliche Technologien, anscheinend von verschiedenen Rassen zusammengeklaute oder über Schieberbanden gekaufte Teile.“ bemerkte van Dyke.

Aus dem Audiosystem war wieder die Stimme von Jadzia Lansu zu vernehmen, die Ihrem Bericht noch einen wesentlichen Punkt hinzuzufügen hatte.
„Captain, unter den Leichen ist auch eine Zivilistin von Sakras 5. Sie war...“ Sie wollte den Satz nicht zu Ende sprechen.

Verdammt, sie wusste, dass diese Information beim Captain mit hoher Wahrscheinlichkeit heftige Reaktionen auslösen könnte und verfluchte sich insgeheim dafür, dass sie nicht einfach nur die Anzahl der Opfer durchgegeben hatte.

„Was ist mit ihr Lt. Commander?“ fragte Wikland fordernd und wartete ungeduldig auf die Anwort.
Jetzt blieb ihr nichts anderes übrig als dem Captain die grausame Wahrheit mitzuteilen. Jadzia nahm alle Kraft zusammen und sagte dann mit fester Stimme:

„...sie war schwanger Captain, den Daten zufolge zirka Ende des 7. Monats. Sie wurde im Gegensatz zu den Besatzungsmitgliedern nicht einfach hingerichtet sondern durch extreme Misshandlung zu Tode gefoltert. Jemand hat mit Blut das Wort ‚Pakesh’ an die Wand geschrieben. Der Übersetung nach handelt es sich um das Wort Hure!“

In Wiklands Kopf flammten sofort Bilder aus seiner eigenen Vergangenheit wieder auf. Parallelen bildeten sich zu einer Zeit, in der er die Sternenflotte nur aus Büchern und Berichten kannte.
Seine junge schwangere Frau, die schwer verletzt im Wohnraum seines Hauses lag und deren Leben er trotz aller Anstrengungen nicht mehr retten konnte.

In wilder Entschlossenheit sprang er aus seinem Stuhl auf, diese Meuchelmörder durften nicht ungestraft davon kommen, schoss es ihm durch den Kopf.
Seine Augen blitzen auf wie kalter Stahl und alle Muskeln seines Körpers waren mit einem Mal voll angespannt. Er wirkte wie ein altertümlicher Jäger, der sich nur mit einem Speer bewaffnet aufmacht ein grausames Tier zu erlegen.

Jeder auf der Brücke hatte das Gefühl, dass er, wenn er sich dem Captain jetzt auf weniger als einen Meter näherte allein durch dessen Ausstrahlung verbrennen würde.
Für Wikland war sofort klar, dass nur die Mitglieder der Splittergruppe für diesen verabscheuungswürdigen Anschlag verantwortlich sein konnten.
Wie hatte der Mann auf der gegnerischen Brücke zu Ende des Kampfes doch gleich gesagt,
„...Wenn es nötig ist, werden wir auch Sie überwältigen...“

Wikland begriff, dass diese Extremisten vor nichts Halt machen würden und langsam konnte er die Probleme der zentralen Regierung nachvollziehen, die einer solchen Gewalt nichts entgegenzusetzen hatte.
Was ihn aber am meisten schmerzte war die Erkenntnis, dass wieder einmal Angehörige der Sternenflotte als Opfer zu beklagen waren und das weitaus schlimmere, dass auch unschuldige Zivilisten und ungeborene Kinder unter den Ausschreitungen einer Gruppe dieses Volkes zu leiden hatten und ums Leben gekommen waren.

Wiklands Wut brannte heiß in seinem ganzen Körper
und seinen Entschluss diese Verbrecher jetzt sofort und auf der Stelle zur Strecke zu bringen konnte er nur noch mit äußerster Mühe verdrängen, aber aus seinem Gedächtnis löschen konnte er Ihn nicht.
Er schwelte im Untergrund, bereit bei der nächsten Gelegenheit durchzubrechen und das gesamte todbringende Potential der ALEXANDRIA den verhassten Rebellen entgegen zu schleudern.

„Lock an Commander van Dyke...“ die Stimme des Benziten zerriß die Spannung wie einen Vorhang.
Erst jetzt fiel van Dyke auf, dass auf der Brücke totale Stille eingekehrt war und die Crewmitglieder wie gelähmt an ihren Stationen saßen.

Keiner hatte gewagt sich zu bewegen oder etwas zu sagen. Die Meldung von Lock riss sie aus ihrer Lethargie und sie nahmen langsam wieder ihre Arbeit auf.

„Van Dyke hier, wie sieht es aus?“
Die näselnde Stimme des Benziten klang ungeduldig und voller Stolz und war angesichts der eben gewonnenen Erkenntnisse irgendwie fehl am Platze.
„Wir konnten den genauen Standpunkt des Störsignals festlegen.
Es wird auf einer Insel in der Nähe der nördlichen Hauptstadt erzeugt.
Es sind keine Gebäude in der Nähe auszumachen und auch die Tiefenscans haben keine Hinweise auf eine Basis gegeben.“
Es dauerte einige Sekunden bis van Dyke in der Lage war sich wieder voll zu konzentrieren.

„Können wir die Antenne oder den Emitter zerstören?“
Das Zögern in van Dyke’s Stimme und auch das Fehlen des noch vor einer Stunde anklingenden Humors zeigten Lock, das irgend etwas nicht stimmte.
Er wollte nachfragen, entschied sich dann jedoch dazu zunächst seine Ergebnisse weiterzugeben. Die Fakten die er zusammengetragen hatte überraschten alle.

„Das halte ich für unmöglich Sir, es sei denn Sie wollen den Planeten seiner gesamten Wasservorkommen berauben.
Die Rebellen haben nämlich eine Möglichkeit gefunden die Meere als Emitter für das Störfeld zu verwenden, so dass es auf dem Planeten keinen toten Winkel gibt und sowohl die Tag- als auch die Nachtseite abgedeckt ist.

Die Energieanlage ist durch eine mehrfache Duraniumpanzerungen abgedeckt, da kommen wir selbst mit unseren Phasern nicht durch. Einzige Möglichkeit ist eine Erkundung und möglicherweise spätere Zerstörung durch ein Einsatzkommando.“

„Gut gemacht Lt. Commander, wir werden prüfen ob wir ein Landeteam zusammenstellen um den Sender auszuschalten.
Versuchen Sie jetzt den Fluchtpunkt der gegnerischen Flotte festzustellen, die können sich ja nicht in Luft aufgelöst haben.

Die Ergebnisse und Suchkriterien der vorangegangenen Untersuchungen finden Sie im Schiffscomputer.“, erwiderte van Dyke und beendete die Verbindung.

* * *

Der Captain hatte sich mittlerweile in seinen Bereitschaftsraum zurückgezogen und versuchte seine aufgewühlten Gefühle wieder unter Kontrolle zu bringen.
Er hatte van Dyke damit beauftragt die Energiequelle für das Störfeld durch einen Erkundungstrupp zu erforschen und Informationen für eine mögliche Ausschaltung zu sammeln.
Jetzt war der Punkt gekommen, da er sich auf seinen ersten Offizier verlassen musste. Noch war er sich nicht sicher, ob er dies in seinem Sinne tat, denn viel Zeit war noch nicht vergangen, in der er ihm seine Philosophie hätte mitteilen können.

Aber Wikland war jetzt nicht in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen und er war sich sicher, dass sein Platz momentan nicht auf der Brücke war. Es war nicht gut, wenn ein Captain vor seiner Mannschaft derartige Schwächen offenbarte.

Ruhelos ging Wikland in seinem Raum auf und ab.
Die Bilder aus der Vergangenheit tauchten immer wieder vor seinem geistigen Auge auf und es wollte ihm nicht gelingen sie zur Seite zu schieben.
Er trat an den Replikator bestellte irgendein Getränk, kippte es rastlos in sich hinein und ließ sich dann auf der Sitzgruppe nieder.

Die Tour mit den Würdenträgern des zentralen Rates hatte enorm an seinen Kräften gezehrt. Nach und nach fiel die Anspannung von ihm ab und sein Körper fand langsam einen ruhigeren Rhythmus.
Obwohl er nicht das Gefühl hatte müde zu sein, ließ er es zu, dass sich seine Augen nach einigen Minuten schlossen.
Durch die Dunkelheit stieg langsam die Wärme in seinem Körper auf, welche ihn einhüllte und in einen wohltuenden Schlaf sinken ließ.
Kapitel 15 by Harald Latus
„Captain, das Erkundungsteam ist bereit um die Gegend in der Nähe des Störfeldgenerators zu untersuchen.“
Die Stimme von van Dyke ließ den Captain in seinem Raum hochfahren, sein Blick fiel sofort auf die alte Wanduhr, die hinter seinem Schreibtisch über dem kleinen Schrank hing.
Ganze zweieinhalb Stunden hatte er auf seiner Couch geschlafen und fühlte sich trotzdem nicht merklich besser.

Der Schlaf saß ihm noch in den Knochen, aber die Gedanken an seine Vergangenheit waren nur noch als dunkle Schatten in seinem Kopf zurückgeblieben und sanken langsam wieder in die Tiefe seiner Erinnerungen zurück, wo er sie vor vielen Jahren begraben hatte. Es war eine tiefe alte Wunde die er da in seinem Geist verbarg, aber manchmal brach sie wieder auf und erzeugte ungeahnte Schmerzen in seiner Seele.

„Wikland hier, ich bin in zwei Minuten bei Ihnen Nummer eins.“
Der Captain stand auf und ging die wenigen Schritte in den kleinen Sanitärbereich, der sich an seinen Bereitschaftsraum anschloss.
Er schaufelte sich mit den Händen das kalte Wasser ins Gesicht und trocknete sich kurz ab.
Jetzt fühlte er sich den Anforderungen des Lebens wieder gewachsen.

Mit festem Schritt trat er durch die Tür auf die Brücke,
wo sein Erscheinen nun nicht mehr durch die übliche Meldung des Sicherheitsoffiziers quittiert wurde.

Van Dyke erhob sich von seinem Platz und kam auf Wikland zu,
„Captain, Commander Robinson hat sich bei mir gemeldet und darum gebeten seine Erfahrung und seine Techniken in diese Aufgabe mit einbringen zu dürfen.

Ich habe ihn daher am Briefing für die Aktion teilnehmen lassen,
habe ihm aber unmissverständlich mitgeteilt, dass seine Teilnahme nur mit Ihrer Genehmigung erfolgt.“

Der Captain überlegte kurz und antwortete dann:
„Nun wenn er sich freiwillig meldet, dann gibt es zwei Möglichkeiten, entweder es ist Ihm langweilig, oder er will sich vor seinem Abgang noch ein paar Lorbeeren verdienen.
Meinetwegen lassen Sie ihn mitgehen, er hat auch eine Ausbildung durch den Geheimdienst erhalten. Das könnte dem Team nützlich sein.“

Van Dyke nickte und drückte seinen Kommunikator,
„Commander Robinson, Sie sind dabei, nehmen Sie Ihr Team und begeben Sie sich auf den Planeten.
Sie kennen Ihren Auftrag.
Sie sollen die Gegend um den Störfeldgenerator erkunden.
Wie bereits im Briefing besprochen, haben wir keine Bewachungseinrichtungen erkennen können.
Seien Sie aber trotzdem wachsam und bei den geringsten Anzeichen auf gegnerische Aktivitäten treten Sie den Rückzug an. Denken Sie daran Mister Robinson, Ihr Auftrag lautet erkunden und nichts weiter!!!, ich hoffe ich habe mich klar ausgedrückt?“

Van Dyke konnte sich nicht helfen, er hatte kein gutes Gefühl bei dieser Sache. Alle Informationen die er bislang durch Robinson erhalten hatte, oder über ihn in Erfahrung bringen konnte beunruhigten Ihn.
Er wusste, dass Robinson ein eigensinniger Zeitgenosse war und er zweifelte nicht daran, dass dieser jede Gelegenheit ergreifen würde, die ihm eine Belobigung oder gar Beförderung in Aussicht stellen würde.

„Robinson hier, ich habe verstanden Commander. Sie können sich auf uns verlassen, Robinson Ende.“
Damit beendete er die Kommunikation und wenige Sekunden später sah man auf dem Hauptschirm wie das Shuttle über die ALEXANDRIA hinweg glitt und dann in die Atmosphäre abtauchte.

„Transporterraum an Brücke...“ war die Stimme des Bolianers Keros über das Interkom zu hören.

„Wikland hier, was gibt’s Lieutenant?“

„Captain, gemeinsam mit der Chefingenieurin und der Sensoren-Arbeitsgruppe haben wir eine Möglichkeit gefunden auch durch das Störfeld hindurch zu beamen. Das bedeutet, dass wir sowohl zum Planeten wie auch zur Station gelangen können, ohne weiterhin ständig Shuttles einsetzen zu müssen.“

Wikland blickte van Dyke zufrieden an, auch wenn er schon früher mit der Überwindung dieses Problems gerechnet hatte,
so war er doch stolz darauf, dass seine Crew in der Lage war auf derartige Herausforderungen mit der gebotenen Kreativität und Motivation zu reagieren.

„Informieren Sie die Station Merlin über die gefundene Lösung und bitten Sie Commander Graves die Transporter nur im Notfall einzusetzen. Wir wollen diesen Vorteil nicht vorschnell preisgeben.
Richten Sie Ihre Zielerfassung auf unser Landeteam und halten Sie es für einen Notfalltransport ständig erfasst.“, sagte Wikland

„Verstanden Captain, Transporterraum Ende.“, quittierte Keros.

Das Shuttle setzte langsam am Rand eines kleinen Waldes auf.
Robinson und seine Männer stiegen aus und versiegelten das Shuttle gegen fremden Zugriff.
Das Team bestand nur aus drei Personen. Commander David Robinson, einem Techniker aus der Sensoren-Arbeitsgruppe sowie einem Sicherheitsoffizier.
Alle waren ausgestattet mit Phasergewehren und Jaqueline Jefferson hatte die Trikorder so modifiziert, dass sie die Energiewerte des Störfeldes genau lokalisieren konnten.

Von Ihrem Standort konnte die kleine Gruppe in eine Senke blicken, in deren Mitte eine kleine Baumgruppe aus Nadelgehölzen stand.
Die Bäume waren dicht und hoch gewachsen wie Fichten auf der Erde, aber sie waren deutlich schmäler und hatten wesentlich mehr Äste, als Ihre terranischen Ebenbilder.
Zudem erinnerte die Farbe der Bäume mehr an eine saftige Wiese in den Schottischen Highlands, als an eine Fichte aus den Gebirgshängen der Alpen.

Den Trikorderwerten zufolge war Ihr Ziel genau in der Mitte der Baumgruppe angesiedelt.
Eine perfekte Tarnung dachte Robinson bei sich, aber andererseits war die Insel unbewohnt und zudem völlig uninteressant, so dass hier sicher keiner einen Sonntagsspaziergang machen würde um nebenbei nach einem Störfeldgenerator zu suchen.

Da keine Anzeichen auf irgendwelche Rebellen hinwiesen, setzte sich Robinson in Bewegung und die anderen folgten ihm dichtauf.

Sie hatten den Weg zur Baumgruppe nach wenigen Minuten zurückgelegt und traten durch die Stämme in eine kreisrunde Lichtung mit einem Durchmesser von knapp 20 Metern.
Vor Ihnen ragte eine Mauer einen Meter hoch aus dem Boden.
Von oben sah das Gebilde quadratisch aus und war mit Duraniumplatten verschlossen.

An jeder Ecke der Mauer ragte eine kleine Erhöhung wie ein kurzer Kamin über die Duraniumplatte.
Aus der kreisrunden Öffnung an der Oberseite strömte warme Abluft in den blauen wolkenlosen Himmel.
Anscheinend waren diese Kanäle mit dem Kühlsystem des Energiewandlers verbunden um eine sichere Funktion zu garantieren.
Robinson stieg auf die Abdeckplatte und prüfte die Luftausläße.
Sie waren mit dicken Gitterplatten versehen, aber diese waren nur aus einer hochwertigen Stahllegierung.
Er richtete sein Phasergewehr auf eines der Gitter, stellte es auf die höchste Stufe und brannte ein Loch in das dicke Material.

„Commander, was machen Sie da?“ rief ihm Jeremy Sinclair zu, der sich noch genau an die Weisungen im Briefing erinnerte.
„Nun, Ich werde uns einen kleinen Vorteil verschaffen, Mister Sinclair. Der Captain wird das sicher zu schätzen wissen.“, sagte Robinson und setzte ein breites Grinsen auf.

Damit griff er ganz selbstverständlich in seine Tasche, die er sich umgehängt hatte und zog ein PADD heraus.
Er aktivierte es und reichte es dem Lieutenant.
Auf dem PADD war eine Infrarotabtastung der Abdeckplatte zu sehen, die mit maximaler Vergrößerung der Sensorendaten zusammengestellt war.
Deutlich konnte man die vier Abluftöffnungen an den Ecken erkennen, sowie die Warmluft welche durch eine leise Brise bewegt zur Seite hin wegzog.

„Warum haben Sie das nicht beim Briefing gezeigt, das hätte uns die Gelegenheit gegeben dieses Ding von Bord der ALEXANDRIA zu deaktivieren.“

David Robinson machte ein erstauntes und gleichzeitig vergnügtes Gesicht, ging in die Knie und blickte Sinclair in die Augen.
„Merken sie sich eins: Sie dürfen alles wissen, aber Sie müssen nicht alles sagen. Trümpfe gibt man bei keinem Spiel zu früh aus der Hand.“ Sinclair schüttelte langsam den Kopf.

Robinson griff ein weiteres Mal in seine Tasche und holte eine Antimateriegranate heraus. Das runde Ding erinnerte in seiner Größe und Form an einen Baseball, war aber deutlich schwerer.

Es lag gut in der Hand und man war versucht, es wie einen Ball weit wegzuwerfen. Robinson schnippte die schmale Abdeckung mit dem Daumen hoch und drückte die kleinen Tasten zur Einstellung.
Er stellte den Zünder auf fünf Minuten, schloss die Abdeckung, öffnete seine Hand und ließ die Granate einfach durch das eingebrannte Loch in den Abluftschacht fallen.

„Hopsa, wie ungeschickt von mir...“ mit diesen Worten drehte er sich zu seinen Kammeraden und sprang von der Platte auf den weichen Boden.
Hinter ihm konnte man an dem Scheppern erkennen, dass die Granate einen weiten Weg in die Tiefen des Energiewandlers zurücklegte. Robinson deutete mit den Fingern voraus in Richtung des Shuttles und ging mit schnellen Schritten voran.

Sie hatten gerade die Hälfte des Weges hinter sich gebracht,
als aus dem Wald seitlich der Senke fünf Personen hervortraten.
Da alle aus Robinsons kleinem Team ihren Blick auf das nahe Shuttle gerichtet hatten, dem sie entgegeneilten, bemerkten sie die Angreifer zu spät.
Energiestrahlen überbrückten die wenigen hundert Meter vom Wald bis zu der kleinen Gruppe und sie wurden von den Betäubungsstrahlen erfasst.
Im Fallen hörte Robinson noch einen dumpfen Schlag, der direkt von einer heftigen Detonation begleitet wurde.
Der Energiewandler war in die Luft geflogen und das Störfeld sicher zusammengebrochen, dachte er bei sich bevor die Dunkelheit ihn umgab und ihm die Sinne raubte.


„Captain, auf der Oberfläche hat sich in der Nähe des Landeteams eine Explosion ereignet, außerdem werden Energiewaffen eingesetzt“ rief K’Orak, der die Sensoren überwachte.
„Transporterraum, wenn Sie unser Team noch erfasst haben beamen Sie es sofort nach oben.“ gab Wikland schnell die Anweisung an Keros.

„Brücke, wir haben ihr Signal. Transport wird durchgeführt.“
Die Transporterspulen heulten laut unter der plötzlichen Belastung und auf der Transporterfläche bildete sich am Boden bereits das erste blaue Schimmern der Übertragungsenergie.
Allerdings blieb es auch dabei, denn auf der dunklen Bodenplatte materialisierten sich lediglich die Kommunikatoren.
Von den Crewmitgliedern fehlte jede Spur.

„Captain, wir konnten Sie nicht hochbeamen, wir haben nur Ihre Kommunikatoren bekommen, sonst nichts.
Wir können Sie nicht mehr orten Sir, sie sind wie vom Erdboden verschluckt.“ rief Keros aufgeregt in das Interkom.
Er verfluchte sich innerlich, dass er nicht einige Sekunden früher die Kontrollen bedient hatte.

Der Captain ballte die rechte Hand zur Faust und ließ sie auf die Lehne seines Sessels niederfahren,
ein dumpfer Schlag begleitete den harten Kontakt zwischen seiner Faust und der Kunststoffoberfläche in der Lehne seines Sessels.
Das Bedienfeld zersplitterte mit lautem Knacken und die Kontrollen darin erloschen. Der Captain kümmerte sich nicht um die Detonation auf der Planetenoberfläche, die Ihm K’Orak gerade gemeldet hatte.
Seine Crew hatte absoluten Vorrang vor allem anderen.
Es war jetzt sein vorrangiges Ziel, die verlorenen Mannschaftsmitglieder wiederzufinden und wohlbehalten auf das Schiff zurückzubringen.

Viele andere Kommandanten hätten den Verlust von drei Crewmitgliedern billigend hingenommen, wenn dabei wie in diesem Fall ein erheblicher Vorteil für die Föderation entstanden wäre. Für Wikland war es jedoch keine Option.
Er hatte sich und seiner Crew versprochen, dass er alle Mittel einsetzen würde, um jeden Einzelnen zu retten, sofern dies im Rahmen der Mission durchsetzbar war.
Das war einer der Gründe, warum seine Mannschaft alles für ihn gab und damit die ALEXANDRIA zu einem so besonderen Schiff in der Flotte machte.
Der Captain drückte seinen Kommunikator erneut.

„Wikland an Commander Jefferson...“
Die Stimme der jungen Chefingenieurin kam prompt aus dem Interkom „Jefferson hier...“

„Commander, drei unserer Leute sind anscheinend in einen Hinterhalt der Rebellen geraten.
Unsere Bemühungen sie zurückzubeamen waren bislang erfolglos, wir haben nur die Kommunikatoren hochgeholt.
Ich erwarte, dass Sie die Sicherheit der Landeteams künftig optimieren und einen sicheren Rücktransport ermöglichen, auch wenn die Ausrüstungsgegenstände von den Personen entfernt wurden.“
Jaqueline Jefferson stand sprachlos an der Konsole in ihrem Büro im Maschinenraum. Sie war völlig perplex, diese Forderung kam für sie so überraschend, dass sie nicht einmal sofort darauf antworten konnte.
Selbst dem Captain musste doch klar sein, dass ohne die Kommunikatoren eine Erfassung von Personen nur unter schwierigen Umständen möglich war.
Nach kurzem Zögern wagte sie es dennoch, ihren Bedenken Ausdruck zu verleihen.

„...aber Captain, es gibt keine Möglichkeit, außer nach den Lebenszeichen unserer Crewmitglieder zu suchen.
Aber alleine für die Aufstellung der Vergleichsmatrix aus früheren Transporterprotokollen und den anschließenden Scans brauchen wir eine kleine Ewigkeit.
Zudem darf sich eine Person mindestens zehn Sekunden nicht von der Stelle bewegen, bis wir die gesamten Daten verglichen haben.“

Wikland blieb hart und ließ das auch in seiner Stimme mitschwingen als er zu Jefferson sagte
„Dann müssen Sie sich eine Alternative überlegen. Sie sind doch sonst so gewieft im Umgang mit unlösbaren Problemen.
Ich erwarte Ihren Lösungsvorschlag bis heute Abend zum Schichtwechsel. Wikland Ende.“

Der Captain stand auf und ging zum Turbolift, er musste noch einen Termin mit dem zentralen Rat wahrnehmen, der einen Besuch auf dem Planeten organisieren wollte.
Wikland deutete mit seiner rechten Hand auf das zerdrückte Display an seinem Stuhl,

„Lassen Sie das reparieren Nummer eins!“.

Roger van Dyke sah Wikland nach, der durch die Tür in die Kabine trat und sich umwandte.
Mit einer Geste seiner rechten Hand deutete er an, dass van Dyke die Brücke hatte. Dann schlossen sich die Türen mit dem üblichen Zischen.

„Lieutenant Ran, aktivieren Sie die Kommandoüberbrückung und holen Sie das Shuttle hoch, es darf den Rebellen auf gar keinen Fall in die Hände fallen.“, wandte sich van Dyke an den Bajoraner.

Bereits wenige Sekunden später hob das Shuttle mit der Nummer 5 und dem etwas lächerlichen Namen Fozzy vom Boden ab und begann den Steigflug in die Umlaufbahn.
Das Gefährt hatte gerade den äußeren Ring der Atmosphäre durchbrochen als Ran Byrell auffiel, dass ein kleiner Marschflugkörper das Shuttle verfolgte.

Ran aktivierte den kleinen Phaseremitter des Shuttles, feuerte nach hinten und machte eine Rolle nach Backbord.
Aber die kleine Rakete wurde nicht beschädigt, am hellgelben Glühen konnte Ran erkennen, dass sie mit einem effektiven Schutzschild ausgestattet war.
Sie folgte der Flugbahn des Shuttles weiterhin und holte langsam auf. Er erhöhte die Geschwindigkeit des Shuttles aber der Verfolger zog sofort nach.

Als nächstes versuchte er durch einen plötzlichen Schwung nach oben, den Marschflugkörper ins Visier der Hauptphaser der ALEXANDRIA zu bekommen.
Ein gezielter Schuss ging voll ins Schwarze, konnte aber die Schilde ebenfalls nicht durchdringen.

Inzwischen war das Shuttle schon bedenklich nahe an die ALEXANDRIA herangekommen und die Rakete hing noch immer wie eine lästige Fliege am Heck des kleinen Raumschiffs,
aber Ran konnte es nicht riskieren auf Warp zu gehen, denn unter diesen Umständen war die Fernsteuerung nicht mehr aufrecht zu erhalten.

Außerdem war nicht abzusehen, was dann mit dem Sprengkopf passierte.
So blieb Ihm keine andere Möglichkeit als das Shuttle in einem weiten Bogen vom Schiff wegzusteuern und auf den Einschlag zu warten.
Er transferierte alle Energie in die Heckschilde und hoffte, dass das Beiboot die Detonation überstehen würde.
Interessanterweise passierte erst einmal gar nichts.
Nachdem die Verfolgerrakete das Shuttle eingeholt hatte klemmte sie sich an die rückwärtige Klappe und hing dort zwei lange Minuten.
Plötzlich zerbarst das Shuttle in alle Einzelteile und hinterließ auf seiner Flugbahn tausende von kleinen Stücken, die der Fluggeschwindigkeit entsprechend weiterdrifteten und bald im All verschwanden.
Ran Byrell trat mit seinem rechten Fuß wutentbrannt gegen seine Konsole. Er war sich so sicher, dass Shuttle unbeschaded zurückbringen zu können.

„Sie hatten keine Chance...“ sagte van Dyke, der an der Wissenschaftsstation stand und die Telemetriedaten des Shuttles prüfte,

„...das war ein verdammter Flugroboter, der sich an der Heckwand festgeklemmt hat. Er hat ein Loch reingefräst und dann einen Sprengsatz ins Innere abgesetzt.
Wir können von Glück sagen dass keiner an Bord war, sonst könnten wir jetzt Trauerlieder für unsere Kameraden singen.“
Kapitel 16 by Harald Latus
Wikland war der Einladung des Rates nur widerwillig gefolgt,
der sich für die Aufnahme seiner Würdenträger an Bord der ALEXANDRIA revanchieren wollte.

Für Wikland hatten jetzt gänzlich andere Probleme Vorrang.

Er ließ sich von van Dyke über den aktuellen Stand informieren, aber da es noch keine neuen Ergebnisse gab, stimmte er schließlich dem Besuch auf dem Planeten zu.

Avallia Sen begleitete den Captain bei seinem Rundgang durch die Innenstadt. Wikland ließ sich seine Sorgen nicht anmerken.
Er spielte den souveränen Captain, der alles im Griff hat.
Noch hatte die Kanzlerin nicht bemerkt, dass es unter der ruhigen Fassade Wiklands bereits stark zu brodeln begann.

Es war ein strahlender Tag über Tironis der Hauptstadt von Sakras 5. Die Stadt bot einen sagenhaften Anblick.
Eine Vielfalt von Gebäuden, aus verschiedenen Epochen der Kultur sowie unterschiedlichen Glaubensrichtungen standen in bemerkenswerter Eintracht nebeneinander.
Von filigran erstellten alten Fachwerkhäusern bis hin zu hochmodernen Bürobauten war alles vertreten.

Auf den Wegen die sich durch die Häuser schlängelten fielen Wikland nur wenige Magnetgleiter auf, die zwischen den Häusern hin und her flogen.
Der Großteil des Personentransportes, so erklärte ihm Avallia, spielte sich unterhalb der Stadt im weit verzweigten Netz der Röhrenbahnen ab.
Ein großer Fluss teilte die durch viele Generationen gewachsene Stadt fast genau in der Mitte, bevor er seinen Weg zum nahen Ozean fortsetzte.
Die rote Wasseroberfläche schimmerte unwirklich im hellen Licht des Tages und ließ keinen Vergleich mit gewohnten Bildern zu.

Sie überquerten eine lange Brücke, welche den Fluss in einem langen Bogen überspannte.
Auf halbem Weg traten Sie an das Geländer, von wo man einen herrlichen Ausblick auf den Fluss wie auch auf das nahe Bergmassiv hatte.
Sie blieben einige Minuten stehen und genossen die warme Nachmittagssonne.
Wikland fiel auf, dass die Sonnenstrahlen einen goldenen Glanz in die Haare von Avallia Sen zauberten und Ihre Augen spiegelten die rote Wasseroberfläche des Flusses wider, welche die Sonne ebenfalls reflektierte.

Die Brücke, welche die beiden Stadtteile miteinander verband mündete in einem großen Park, dessen grüne Wiesen und schönen Bäume zum Verweilen einluden.
Kleine verschlungene Pfade führten durch die Pflanzenwelt bis hinunter an das Ufer des Flusses, dessen Wellen ungeduldig an die Uferbefestigung drangen.

Die Kanzlerin und Wikland schritten, wie schon im Arboretum, schweigend über die Pfade, vorbei an den schönen Blumen, die zu dieser Jahreszeit in voller Blüte standen.
Die langen Stengel erinnerten an Sonnenblumen aber die Blüten waren unbeschreiblich.
Ihre rosa und orangefarbene Tönung und die sanften großen Blätter waren von einer solchen Herrlichkeit, dass man alles um sich herum vergessen konnte.

Langsam gingen sie weiter bis zum Fluss.
Eine wunderschöne sicherlich in Handarbeit gefertigte hölzerne Brücke verband den großen Park mit einer Insel,
die im Fluss lag wie ein vor Anker gegangener Ozeanriese.

Mehrere märchenhafte Gebäude in auffallenden Farben und faszinierenden runden Formen waren darauf errichtet worden und von hoch gewachsenen Bäumen umsäumt.
Wenn der Wind günstig stand, so wie heute, konnte man das Stimmengewirr von jungen Sakranianern vernehmen, welches von der Insel herüber schallte.

Eine Schar von Vögeln erhob sich aus einer Baumgruppe und strebte den kleinen Wolken am sonnigen Himmel entgegen als der plötzliche Knall einer gewaltigen Detonation die Idylle des Parks mit einem mal zerriss.
Weitere Explosionen folgten und Steine hagelten aus der Luft auf den Fluss und den Park hernieder.
Ein riesiger Rauchpilz bildete sich über dem Fluss und überall auf der Insel sah man durch die Rauchschwaden die Mauern der Gebäude einstürzen.
Von der bildhübschen Insel, die noch eben inmitten des Stroms im Licht der Mittagssonne gestrahlt hatte, waren innerhalb von Sekunden nur noch verbrannte Erde und klägliche Mauerreste zurückgeblieben.

An einigen Stellen loderten Flammen auf, die auch die letzten Reste der Gebäude verschlangen.
Verstummt waren mit einem Male die Stimmen, die allmorgendlich zum Park hinüberdrangen.
Wikland stürzte auf die kleine Brücke zu und hatte sie mit wenigen Schritten überquert.

Sie war von Steinen und Mauerresten übersät und an dem großen Portal auf der Uferseite der Insel hatte sich ein großes Metallschild auf einer Seite aus seiner Verankerung gelöst und schwang traurig hin und her.
Die Inschrift war vor lauter Russschwärze kaum noch erkennbar. Auf Wiklands Trikorder erschien die Übersetzung der sakranianischen Buchstaben.

- Vereinigte Lern- und Kleinkinder-Betreuungsstätte von Tironis -
Noch bevor die Wut in ihm hochkochte hatte er bereits seinen Kommunikator gedrückt.
„Wikland an ALEXANDRIA, hier wurde ein Anschlag verübt, beamen Sie sofort das gesamte medizinische Hilfsteam sowie das Rescue & Recovery Team an diese Position. Die Krankenstation soll sich auf eine große Anzahl Verletzter einstellen.“

Avallia Sen, war dem Captain nur langsam gefolgt.
Sie war vom Schock total gelähmt. Ihre Hände krampften sich zusammen und die Knöchel ihrer Hand wurden durch die mangelnde Durchblutung schneeweiß.

Bereits nach wenigen Sekunden erschienen im blauen Schimmern der Transporterenergie die ersten Mediziner, begleitet von Darian Wells dem Chefarzt.
Sie hasteten hinüber zu den Ruinen und suchten mit den Tricordern nach Überlebenden, die in der Mischung aus Feuer, Staub und beißendem Rauch für das bloße Auge nicht erkennbar waren.

* * *

Carah Pehl wandte sich an den Captain, der gerade auf der Brücke materialisiert hatte.

„Captain, wir erhalten einen Ruf vom Planeten.
Es ist der Führer des Widerstandsgruppe ‘Energie der Freiheit’.
Er bezeichnet sich als Holat Samas und sagt, er habe unsere Leute gefangengenommen!“

Wikland der direkt vom Planeten kam, stand noch der Haß und die Wut ins Gesicht geschrieben, die angesichts dieser Tat in ihm hochgekocht war.
Hätte man ihm ein Schwert in die Hand gedrückt so wäre er in alter Wickingermanier laut schreiend und waffenschwingend gegen die verhaßten Feinde ins Feld gezogen.
So musste er sich damit begnügen sein Schiff in Bereitschaft zu versetzen und abzuwarten, da er bislang noch keine Information hatte, wo sich die Rebellen verborgen hatten.

„Legen Sie den Ruf auf den Schirm!“
An der Härte seiner Stimme konnte man seinen gegenwärtigen Gemütszustand ohne Mühe erkennen und er gab sich auch keine Mühe seine Emotionen in dieser Situation zu verbergen.

Der Hauptschirm wechselte und das grobe Gesicht von Holat Samas füllte fast das ganze Format.
Seine Wangenknochen standen hervor und seine Gesichtshaut machte einen wettergegerbten Eindruck. Die schwarzen langen Haare hingen unordentlich um seinen Kopf und seine Kleidung war zerrissen und angesengt, ein Zeichendafür, dass er auf dem Schiff noch einiges Mitgemacht hatte.

Wikland erkannte den Mann wieder.
Es war derjenige, der auf der Brücke des gegnerischen Schiffes gestanden und Ihn gewarnt, ja eigentlich schon verhöhnt hatte.

„Hallo Captain Wikland, ich entbiete Ihnen meinen Gruß.

Wie Sie sehen, haben wir Ihren ersten Offizier und seine Gehilfen gefangen genommen, die unseren Störsender sabotiert haben.“

Damit deutete er hinter sich, wo die Mitglieder der ALEXANDRIA unter der Bewachung von mehreren bewaffneten Personen in Schach gehalten wurden.
Wikland und van Dyke wechselten einige fragende Blicke, wie kam der Sakranianer auf den ersten Offizier?
Dann ging ihnen ein Licht auf. Sicherlich hatte Robinson dem Rebellenführer eingeredet, er sei der erste Offizier des Föderationsschiffes und so glaubte man nun, man habe einen Besonderen Pfand in der Hand.

„Die Sabotage war eine sehr unkluge Handlung Captain.
Wie Sie an unserer kleinen Vergeltungsmaßnahme erkennen konnten haben wir dies den Bewohnern von Tironis umgehend klar gemacht.
Diese Warnung an den zentralen Rat haben Sie zu verantworten Wikland. Sie haben sich in unsere Angelegenheiten eingemischt und sind zu weit gegangen.
Wir haben jetzt ein Zeichen gesetzt. Ich hätte Ihre Fähigkeiten allerdings weit höher eingeschätzt. Sicherlich interessiert es Sie auch, was jetzt mit Ihren Leuten passiert.
Das ist ganz einfach, wir werden sie hinrichten, wenn Sie nicht innerhalb von zwei Stunden den Sektor um Sakras 5 verlassen.
Und um Ihre Entschlußkraft noch ein wenig zu fördern kann ich Ihnen schon verraten, dass unsere nächste Aktion den zentralen Rat auf dem Planeten ein für allemal ruhig stellen wird.
Danach werden wir uns um Sie kümmern, Ihr einsames Schiff werden wir schnell ausschalten.“

Wiklands Hass kochte immer höher. Er hätte am liebsten die Phaser auf Ziel eingestellt und höchstpersönlich den Auslöser betätigt, aber er musste an sein Schiff und vor allem an die Crewmitglieder auf dem Planeten denken.

„Dafür, dass Ihre Repräsentanten bei der Regierungsführung einmal übergangen wurden, haben Sie einen sehr blutigen und verabscheuungswürdigen Weg eingeschlagen.
Kleine Kinder und schwangere Frauen qualvoll zu Tode zu bringen ist kein politischer Protest, dass ist Völkermord!“

Wikland atmete heftig, er war richtig in Fahrt gekommen und machte seinem Ärger Luft,
„Wir werden Ihre Basis finden Samas, und unsere Leute befreien, und wenn es das Letzte ist was ich tue, ich werde Sie zur Strecke bringen. Und das ist keine Drohung Samas, das ist ein Versprechen!“

Das Gesicht von Holat Samas verzog sich zu einem bizarren Lachen,
„Das wird Ihnen nicht gelingen Captain. Ich finde, Sie überschätzen Ihre Möglichkeiten um ein Vielfaches.
Es gab bislang nur einen, der herausgefunden hat wo wir zu finden sind und der ist jetzt tot.
Was die schwangere Frau angeht, sie war eine Hure, sie hat sich mit einem der Wissenschaftler der Föderation eingelassen und diesen Abschaum wollen wir auf unserem Planeten nicht mehr haben. Sie hat Ihren Tod verdient.
Es nützt Ihnen auch nichts in unseren Provinzen nach Anhängern meiner Bewegung zu suchen.

Wir haben alle, auch unsere Familien in Sicherheit gebracht.
Und selbst wenn Sie mit Ihren leistungsfähigen Sensoren die ganze Planetenoberfläche absuchen, Sie werden uns nicht rechtzeitig finden. Ihre Zeit läuft ab Captain, ich an Ihrer Stelle würde jetzt nicht mehr herumtrödeln.“

Damit brach die Verbindung ab und der Captain fluchte laut vor sich hin, so dass die gesamte Brückencrew zusammenfuhr.

Die Unruhe und die aufgewühlten Gefühle ließen Wikland nicht einmal die Ruhe finden um sich auf seinen Platz zu setzen.
Er wanderte von Station zu Station, ging in seinen Bereitschaftsraum, war aber nach zwei Minuten schon wieder auf der Brücke und kam schließlich zu van Dyke an die Konsole der Wissenschafts-Station, wo der erste Offizier gerade den Energiebedarf der Sonde berechnete, die sie im Raum der Dalerianer zurückgelassen hatten.

Vorausgesetzt, dass der Schwindel nicht längst aufgeflogen war, hatte die Sonde noch für zirka eine Woche Energie, bevor das Hologitter und damit auch die Simulation zusammenbrach.

„Wenn ich die Worte dieses Halunken richtig interpretiere Nummer Eins, dann will er einen Großangriff auf den Hauptsitz des zentralen Rates in Tironis durchführen.
Das wird er sicher nicht mit einem Rollkommando zu Fuß tun.
Seine Schiffe müssen irgendwo in der Nähe sein.
Commander, ich will wissen wo sich diese Rebellen versteckt halten und wo ihre Flotte ist, und verdammt, ich will es jetzt wissen!“

Mit fordernder Stimme hatte er van Dyke angefahren,
der sich daraufhin langsam zum Captain umdrehte und ihn einige Sekunden lang ruhig anblickte, was Wikland nur noch weiter auf die Palme brachte.
„Captain, wir haben schon alle möglichen Prüfungen gemacht.
Ich habe nach dem Ausfall des Störgitters einen neuen Scan des Planeten angeordnet. Dabei ist uns aufgefallen, dass unsere Sensoren nun viel genauere Daten liefern. Das bedeutet, dass das Energiefeld auch die Sensoren beeinträchtigt hat und alle vorher gewonnenen Daten unbrauchbar sind.

Der Planet und insbesondere die Insel mit dem Energiefeldemitter ist durchzogen von unterirdischen Gängen und Höhlen, deren Vorhandensein uns zuvor nicht aufgefallen ist. Wir erstellen gerade ein genaues Raster, an dem wir zu erkennen hoffen, wo sich die Rebellen verbergen. Eines hat mich allerdings stutzig gemacht:

Holat Samas hat erwähnt, dass es jemandem gelungen sei seinen Standort zu bestimmen und dass derjenige jetzt tot ist.
Im gleichen Atemzug hat er die schwangere Frau auf der Mondstation erwähnt.
Das könnte darauf hindeuten, dass möglicherweise dort der Schlüssel liegt, der uns hilft das Tor zum Unbekannten aufzustoßen.
Ich werde mir noch einmal alle Daten ansehen und Sie dann Informieren. Geben Sie mir etwas Zeit.“

Wikland antwortete mit einer Stimme die keinen Widerspruch duldete,
„Genau das ist es, was wir nicht haben Commander, wir sind im Zugzwang!“

Roger van Dyke nickte kurz mit dem Kopf und drückte seinen Kommunikator

„Lt. Commander Mor und Lt. Commander Lock, bitte melden Sie sich auf der Brücke, wir müssen einige besondere Scans durchführen.“

„Hier Lock, verstanden Commander ich bin auf dem Weg.“, kam die Antwort aus dem Intercom und wenige Sekunden später kam auch die Bestätigung von Corbal Mor dem Trill, der als Verantwortlicher der Science Workgroup für die Ausstattung und den Einsatz der unbemannten Sonden verantwortlich war.
Bereits nach wenigen Minuten standen sie mit dem ersten Offizier an der zweiten Wissenschafts-Station im hinteren Teil der Brücke zusammen und Roger van Dyke schilderte die Situation.

„Der Captain erwartet, dass wir den Stützpunkt der Rebellen sowie deren Flotte umgehend aufspüren.

Er ist fest entschlossen sowohl unsere Crewmitglieder zu retten, wie auch diesem wahnsinnigen und sinnlosen Morden Einhalt zu gebieten.

Lock, machen Sie einen Multi-Sensorenscan dieses Sektors einschließlich der Monde und suchen Sie mit allen Möglichkeiten nach Spuren, die auf den Verbleib der gegnerischen Flotte hinweisen.
Lt. Commander Mor, wählen Sie eine geeignete Sonde aus und lassen Sie eine Tiefenabtastung des gesamten Planeten machen, damit wir feststellen können, wo sich diese Rebellen verkriechen.
Ich brauche sicher nicht zu erwähnen, dass der Captain sehr ungeduldig ist, man hat uns eine Frist von nur zwei Stunden zur Entscheidung gegeben und Captain Wikland ist nicht bereit klein beizugeben, er will Resultate. Also, gehen wir’s an“

Corbal Mor hatte noch immer nicht vergessen, dass ihn der Erste Offizier vor wenigen Tagen zurechtgewiesen hatte, daher ging er nur widerwillig an die gestellte Aufgabe.
Natürlich ließ er sich das nicht anmerken, er wollte nicht schon wieder riskieren durch diesen Neuling gedemütigt zu werden.
Er rief die Sondenbestückung der ALEXANDRIA auf und gab missmutig die Missionsparameter ein.
Der Computer schlug eine Sonde der Klasse vier vor und präsentierte drei verschiedene Ausrüstungsvarianten.
Mor nahm noch einige kleine Umbestückungen vor, die er als günstiger erachtete und übergab dann dem Computer den Bereitstellungsauftrag.
Er konnte sich darauf verlassen, dass die Mitarbeiter seines Teams die Sonde innerhalb weniger Minuten vorbereiten würden.

Bereits nach kurzer Zeit verließ die Sonde den vorderen Launcher des Schiffs und schoss dem Planeten entgegen.
Sie würde ihn 60 Mal umkreisen und dabei einen vollständigen Scan bis in eine Tiefe von 1200 Metern durchführen.

* * *

Van Dyke sah nachdenklich auf den Chronometer.
Der reguläre Schichtwechsel sollte in einer knappen Stunde erfolgen und noch hatten Sie keine Ergebnisse erzielt.

„Brücke an Lt. Commander Jefferson...“, kontaktierte Roger die Chefingenieurin.
„Jefferson hier...“ kam die genervte Stimme von J.J. aus dem Audiosystem und van Dyke wusste schon genau, wie es um die gegenwärtige Aufgabe der Chefingenieurin stand, ohne dass er seine Frage formuliert hatte.

Dennoch sprach er sie aus:
„Wie kommen Sie voran mit der Transportererfassung unserer Crewmitglieder?“

„Fällt Ihnen keine andere Frage ein, wie zum Beispiel ‘Würden Sie heute Abend gerne mit mir Essen gehen?’ darauf würde mir eine Antwort wenigstens leicht fallen...“
J.J. verstand es sich auch in den schwierigsten Situationen immer noch mit Humor und einer gewissen Portion Ironie über Wasser zu halten.
Van Dyke und Lock blickten sich an und der erste Offizier verzog sein Gesicht zu einem Schmunzeln.

„Einverstanden, ich hole Sie um 21:00 Uhr ab. Nachdem das geklärt wäre, wie sieht’s aus ?“

J.J. musste erst einmal schlucken, mit dieser Reaktion hatte sie nicht gerechnet. Sie überlegte kurz ob sie das alles nur als Scherz abtun sollte, konzentrierte sich dann aber auf die dienstlichen Pflichten.
„Commander, die Aufgabe, die uns der Captain gestellt hat, ist nicht gerade leicht.
Wir haben bis jetzt noch keinen verlässlichen Weg gefunden,
um die Position unserer Crewmitglieder eindeutig zu bestimmen,
geschweige denn eine präzise Erfassung zu ermöglichen.
Wir haben alle Möglichkeiten versucht um eine Kalibrierung der Transporter auf die Personen oder Ihre Kleidung zu ermöglichen,
aber nichts lässt auch nur eine annähernd sichere Ortsbestimmung zu.
Die Sensoren haben zwar die Möglichkeit, die Skelettstrukturen oder biologische Besonderheiten soweit herauszufiltern und zu trennen, dass wir sie in die Transportererfassung einspeisen könnten, aber eine Zielsuche mit den Hochleistungsscannern würde Tage dauern. Wir suchen weiter, aber ich glaube, ich werde den Captain das erste Mal auf dieser Reise enttäuschen müssen.“

Roger van Dyke wusste, dass weitere Appelle jetzt keinen Sinn hatten.
Er hatte sich schon häufig in solchen Situationen befunden.
Hier kam es darauf an, den richtigen Ton zu finden um ein niedergeschlagenes Crewmitglied zu motivieren.

„Sie schaffen das schon, konzentrieren Sie sich noch mal auf die Dinge, die Sie noch nicht versucht haben und auch auf solche Sachen, die Sie als ganz selbstverständlich ansehen.
Sowie die Abtastungswerte unserer Sonde eingespeichert sind können Sie darauf zugreifen. Viel Glück.“

Damit trennte van Dyke die Verbindung und wandte sich zu Lock um, der in der Zwischenzeit seinen Multiscan abgeschlossen hatte.
Der Benzite atmete tief ein und aus dem künstlichen Beatmungsgerät drang eine kleine Wolke Chlorgas um Die Atemluft seinen Bedürfnissen anzupassen.

Der Scan hatte nur die ohnehin üblichen Daten geliefert.

An der Stelle, an der die Rebellenflotte nach dem Angriff verschwunden war, zeigten sich Reste von Sauerstoff, Wasserstoff und Plamsarückstände.
Eine natürliche Zusammensetzung, wenn man sich vor Augen hielt, dass eine Menge angeschlagener Schiffe sich dort versammelt hatte und gemeinsam mit dem Kampfverband verschwunden waren.

„Commander...“ begann Lock seinen Bericht,
„...außer den Angaben wohin Sie verschwunden sind, können wir keine weiteren Daten finden.
Der Kurs führt weg von diesem System und die Richtung die sie eingeschlagen haben geht in die Tiefen des Alls.
Kein Sternensystem, Planet, Mond oder ähnliches, auf dem Sie eine Basis haben könnten.
Auch der Mond Arlat 4 bringt außer einigen Sauerstoff- und Wasserstoffverbindungen keine weiteren Ergebnisse.
Wir können keine Energiewerte oder Aktivitäten feststellen.
Auch der Tiefenscan liefert nichts weiter als Mineralwerte und totes Gestein. Keine Lebenszeichen oder Hinweise auf einen Landeplatz.“

Van Dyke blickte verbittert auf die im Wanddisplay angezeigten Werte.
„Dieser Rebellenführer hat eine klare Drohung ausgesprochen,
dass macht keinen Sinn wenn er nicht seine Streitmacht in nächster Nähe hat. sie müssen hier sein.
Auch seine Bemerkungen über die Mitglieder der Mondstation und dieser Überfall. Warum hat man nicht auch die Bodenstation auf dem Planeten überfallen und alle getötet. Das muss einen Grund haben.“

Van Dyke dachte angestrengt nach. Er versuchte die gesamte Geschichte aus der Perspektive der Rebellen zu sehen.
Sein Blick der alles durchdrang verriet, dass hinter seiner Stirn die grauen Zellen in tiefer Konzentration nach Zusammenhängen suchten, eine Gabe, die das menschliche Gehirn den künstlichen Intelligenzen auch heute noch voraushatte.

„Haben Sie es schon mit einer Echitron Abtastung des Mondes versucht?“ fragte van Dyke schließlich, der noch immer mit leerem Blick auf das Bedienpanel starrte, ohne seinen Kopf zu heben.

„Nein Sir,...“ erwiderte Lock, „...dieses alte Verfahren wird schon seit vielen Jahren nicht mehr zur Sensorenabtastung verwendet.
Es liefert so gut wie keine Daten außer einer 3D Matrix und ist daher für die Schiffsführung gänzlich ungeeignet.“

„Aber nicht für die taktischen Aufgaben...“ entgegnete van Dyke „...Computer, Durchführung eines Echitron Scans des Mondes Arlat 4 und Projektion der 3D Matrix durch den Holoemitter im Besprechungsraum.“
Lock schüttelte seinen Kopf und entließ einen Chlorschwall aus seinen Lungen, als er hinter van Dyke in den Besprechungsraum trat, der direkt nebenan lag.
Er sah keinen Sinn in dieser Abtastung, die außer einer Oberflächendarstellung keinerlei Meßwerte lieferte.
Über dem Tisch begann sich langsam die dreidimensionale Darstellung des Mondes aufzubauen, die alle Feinheiten seiner Oberfläche darstellte.

Nach wenigen Minuten war die obere Halbkugel fertiggestellt und sogar die Struktur der Mondstation war in aller Deutlichkeit erkennbar.
Als der Aufbau vollendet war wies van Dyke den Computer an, die Darstellung zu rotieren und das dreidimensionale Modell begann langsam sich im Uhrzeigersinn zu drehen.

Als die Rückseite des Mondes langsam nach vorne drehte triumphierte van Dyke innerlich.
An Lock gerichtet, deutete er mit seiner rechten Hand auf einige feine Punkte, die außerhalb der Mondoberfläche zu liegen schienen.
Der Benzite hielt sie zunächst für eine fehlerhafte Darstellung der Abtastungsergebnisse, aber bevor er etwas sagen konnte klärte Ihn van Dyke mit freudiger Stimme auf.

„Hier haben wir unsere Rebellenflotte Lt. Commander.
Computer, Ausschnitt X-fünf, Y-sieben vergrößert darstellen und Objekte nach Anzahl und Volumengröße sortiert auflisten.“

Die weibliche Stimme des Computers antwortete umgehend.
„Es handelt sich um 48 Objekte, 5 große mit einem Volumen von über 5000 m³,
16 mittlere Objekte mit mehr als 750 m³ und 27 kleine Objekte mit weniger als 50m³.“

Lt. Commander Lock stand verblüfft vor dem Hologramm, das in seiner eintönigen hellblauen Schattierung sogar die Form der fremden Schiffe deutlich nachzeichnete.
Es bestand kein Zweifel, dass es sich um Raumfahrzeuge handelte, und wer sonst außer den Rebellen hätte Grund dazu,
mit seiner Flotte hinter dem Mond toter Mann zu spielen.

„Wie sind Sie darauf gekommen, dass Sie mit diesem alten Sensorenprogramm ein solches Ergebnis bekommen?“, entfuhr es dem immer noch erstaunten Benziten.
„Ein großer Mann der Sternenflotte hat einmal gesagt - Es ist wichtig, dass Sie wissen wie etwas auf einem Raumschiff funktioniert- und damit hat er noch heute recht.
Es ist nicht immer nur das was man zur Verfügung hat, sondern vielmehr, das was man daraus macht.“

Roger van Dyke blickte zufrieden auf das Ergebnis der gemeinsamen Bemühungen.
„Es ist eigentlich ganz einfach. Diese Technik hat einen uralten Verwandten in der Seefahrt der Erde.
Damals wurde mit einem Schallwellen-Sonar die Tiefe sowie die Oberfläche der Meeresböden abgetastet und auch Hindernisse wie gegnerische Unterseeboote aufgespürt.

Die abgesendeten Schallwellen wurden von fester Materie reflektiert und aus dem Echo konnte man die Entfernung errechnen.
Die auf den frühen Schiffen der Sternenflotte eingesetzte Echitron-Technik war eine Weiterentwicklung dieser Abtastung.
Die Energiestrahlen wurden nicht nur von der Oberfläche reflektiert sondern durchdrangen alle Objekte und konnten somit die komplette Form abbilden.
Ein Vorteil der bei den heutigen Hochleistungsscannern verloren gegangen ist, da hier die Hauptanwendung auf der Oberflächenanalyse liegt.“

„Jetzt brauchen wir nur noch den Stützpunkt der Rebellen auf dem Planeten auszumachen und wir sind wieder voll im Spiel“,
sagte van Dyke mit hoffnungsvoller Stimme und deaktivierte die Ergebnisse der Sensorenabtastung.

„Irgend etwas sagt mir, dass auf der Mondstation noch einige Antworten zu finden sind, wir müssen nur danach suchen.“
Van Dyke und Lock nahmen am Tisch Platz und sichteten nacheinander die Daten, die das Rescue-Team von der Mondstation mitgebracht hatte.

Viel war nicht übrig geblieben, denn die Separatisten hatten alle Datenbänke gelöscht und die meisten technischen Geräte zerstört.
Die Auswertung der spärlichen Informationen war sehr ermüdend und führte zu keinem richtigen Hinweis.
Sie hatten lediglich feststellen können, dass die schwangere Frau wohl die Lebensgefährtin des leitenden Wissenschaftlers war, die ihn auf der Station am Wochenende besucht hatte.
Van Dyke war sich so sicher hier eine Spur zu finden, dass er jede Winzigkeit fünfmal und mehr umdrehte auf der Suche nach einer Abweichung.
Letztendlich resignierte er und gab dem Benziten Lock zu verstehen, dass er als Abschluss noch die Aufzeichnungen der Missionskamera durchsehen wollte, nur um nichts zu vergessen.

Der Computer stellte die Videoaufzeichnung sofort zur Verfügung. Die Kamera war am Stirnband eines Sicherheitsoffiziers befestigt und zeigte die Bilder aus der bedrückenden Ich-Perspektive.
Die Station war tatsächlich total verwüstet und man konnte die Bemerkungen der Teammitglieder hören, als sie die getöteten Sternenflotten Angehörigen fanden.
Obwohl der Offizier mit der Kamera in jedem Raum war, und sogar daran gedacht hatte einen Rundumschwenk aufzuzeichnen,
konnten van Dyke und Lock nichts Greifbares erkennen.

Schließlich stieg der Offizier die Metallsprossen zum Teleskop hinauf, auf dem der Stationskommandant tot im Stuhl saß.
„Er hat eine tiefe Schnittwunde, die sehr stark geblutet hat, er ist allerdings nicht hier angegriffen worden, die Blutspur beginnt bereits unten in seinem Quartier, wo er schon viel Blut verloren hat.“, stellte Jadzia Lansu gerade fest und hielt ihren Tricorder nochmals auf die Leiche.

Der Offizier mit der Kamera stand auf der anderen Seite und blickte auf den Kommandanten herab.

Seine Hand lag auf der manuellen Nachführung des Teleskops und darunter blinkte kurz eine Digitalanzeige auf,
als ein aufgeregter Ruf von unten erklang und sich alle auf dem Teleskopschemel nach unten umwandten.

„Halt. Computer beginne neu bei Zeitindex 114,789.4“ rief Lock, der meinte etwas Wichtiges erkannt zu haben.
Gleichzeitig aktivierte er wieder sein Beatmungsgerät und der Chlorgeruch breitete sich im Besprechungsraum aus.
„Commander haben Sie das gesehen?“ fragte er van Dyke.
„Was meinen Sie Lock?“

Van Dyke der durch den langen Dienst und die hohe Konzentration ziemlich erschöpft war hatte keine Ahnung was der Benzite gesehen hatte.
„Ich hatte gleich das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt.
Sehen Sie die Hand des Stationskommandanten auf der Teleskopnachführung? Er hat es manuell in diese Position gebracht.“

Van Dyke sah die Wiederholung der Szene und verstand was Lock ihm sagen wollte.
Wieso hatte sich ein sterbender Mann unter quälenden Schmerzen und mit letzter Kraft die Leiter zum Teleskop hinaufgeschleppt und nicht zu seiner misshandelten Lebensgefährtin, von der er wissen musste, dass auch sie im Sterben lag.
Es gab nur eine logische Erklärung dafür - er wollte einen Hinweis auf seine Mörder und Peiniger geben.
Aber was wollte er ihnen zeigen?
Das Teleskop zeigte nach Angaben der Trikorderwerte in den freien Raum.

„Commander, die Einstellung des Teleskops und die Angaben zum Datum, Wochentag und der Uhrzeit, das muss es sein!“
Van Dyke hörte die Worte des Benziten wie aus weiter Ferne an sein Ohr dringen. Er riss sich zusammen und versuchte wieder einen etwas agileren Eindruck abzugeben.
„Computer, verwende das Datum, Tag und Uhrzeit sowie die relative Position des Mondes und den Neigungswinkel des Teleskops und lege ein Bild der Außenkamera auf den Wandschirm.“

Das kurze Piepsen des Computers bestätigte die Verarbeitung der erteilten Anweisungen und kurz darauf erschien ein weitläufiges Waldgebiet, welches in einer Hügellandschaft lag,
unweit des großen Binnenmeeres, aber abgewandt von den Städten in Richtung der kargen Bergregionen.
Der dichte Baumbestand zeugte von einer intakten und unberührten Natur. Keine Straßen oder Pfade waren erkennbar.

„Computer, vergrößern!“ ordnete van Dyke an und sofort wurde die Bildschirmmitte herangezoomt.
Leicht konnte man jetzt schon einzelne Baumgruppen erkennen.
Es gab Stellen mit Mischwald und Regionen in denen sich nur Nadelhölzer fanden.
Eine weitere Vergrößerung ließ jetzt sogar einzelne Bäume erkennen und man konnte sehen, wie sie sich langsam im Wind bewegten. Aber es waren keine Anzeichen für irgendwelche Technik zu erkennen.

„Sackgasse!, So nennt man das doch auf der Erde, wenn ein Weg nicht weiterführt nicht wahr?“, sagte der Benzite als er feststellte, das außer den Bäumen nichts Nennenswertes zu erkennen war.
Langsam ließ Lock sein PADD sinken, auf dem er seine Notizen festgehalten hatte.

„Nein, so schnell gebe ich nicht auf...“ sagte van Dyke, der sein physisches Tief langsam wieder überwunden hatte.
Einige Minuten lang betrachtete er die Darstellung und dann hatte er einen Anhaltspunkt gefunden.

„Computer, überprüfe Bewegungsmuster in der Zone C3 bis H8 auf Wiederholung.“
Mit einem kurzen Blinken wurde ein Raster auf dem Display sichtbar, welches die benannten Zonen hervorhob und es war zu erkennen, dass die Berechnungen durchgeführt wurden.
Dann kam die Antwort die van Dyke erwartet hatte und seine Laune besserte sich schlagartig.

* * *
Die Sonde war zurückgekehrt und die Auswertung der Abtastung hatte eine Vielfalt von einzelnen Datenstrukturen ergeben, die jetzt noch zu einem vollständigen Bild zusammengesetzt werden mussten. Lediglich den Standort der Splittergruppe konnte man immer noch nicht bestimmen.
Die gesamten Aufzeichnungen waren zu Lt. Commander Jeffersons Terminal weitergeleitet worden und gemeinsam mit Jan van Holt saß sie vor dem großen Wanddisplay in ihrem Büro im Maschinenraum.

Der Computer hatte über 167 Energiesignaturen erkannt und isoliert.
„Computer, Erzeuge eine Simulation des Planeten und positioniere alle Energiesignaturen der Klasse A.“

Sakras 5 erschien als dreidimensionale Darstellung auf dem Schirm und die Energiewerte leuchteten als kleine gelbe Punkte an verschiedenen Stellen auf.
„Computer, füge alle Signale der Klasse B hinzu.“, gab J.J. dem Hauptcomputer weitere Anweisungen.
Begleitet von dem kurzen Aktivierungston erschienen nacheinander kleine grüne Punkte über den gesamten Planeten verstreut.
Auch das Hinzufügen der schwächeren Energie-Klassen führte zu keiner direkten Ansammlung oder markanten Überdeckung.
Jefferson gab auf, mit dieser Idee kam Sie nicht weiter.
Sie überlegte, ob eine andere Sichtweise vielleicht mehr Erfolg versprechen würde.
Während sie auf das Display blickte ging sie im Gedanken die vielen verschiedenen Arten der Darstellung durch und hatte sich nach langem hin und her für eine neue Variante entschieden. „

Computer, alle Energiesignaturen in Wellenform auf dem Display darstellen.“
Die Anzeige verwandelte sich in eine total überlagerte Abbildung aller Frequenz- und Wellensignale, die durch unterschiedliche Farben hervorgehoben waren.
„So ein Mist, das ist so viel, dass man gar nichts mehr erkennen kann“, sagte J.J. resignierend.
„Dabei ist das nur noch das verwertbare Material, den ganzen Müll und die Überlagerungen aus unseren Energiesignaturen habe ich schon alle herausgefiltert.“, bemerkte Jan van Holt, der neben Jaqueline stand und ebenfalls auf die verwirrenden Linien blickte, die auf der Anzeige zu sehen waren.

„Das kann ich mir gut vorstellen, wenn wir noch all die üblichen Überlagerungen und Standardsignale dabei hätten, dann würden wir wahrscheinlich...“ sie hielt plötzlich inne.

Ihr fielen die Worte von van Dyke wieder ein, der geraten hatte, dass sie sich auch auf solche Sachen konzentrieren sollte, die sie als ganz selbstverständlich hinnahm.
„Jan, können wir diesen Prozess auch invertieren, so dass wir nur noch unsere eigenen Signale sehen?“
Van Holt blickte sie verständnislos an,
„Was soll das für einen Sinn machen, wir würden nichts als unsere eigenen Abstrahlungen sehen.“

J.J. drehte sich zu Ihrem Terminal um.
„Tun sie’s, mal sehen was wir finden. Das ist unsere einzige Chance.“
Das Chaos, welches auf dem Display erschien unterschied sich in nichts von dem vorherigen Bild. Tausende von Energiesignaturen waren mit unterschiedlichen Wellenlängen abgebildet.

„Entfernen Sie alle Energiewerte, die mit dem Antrieb, den Schirmen und der Lebenserhaltung zusammenhängen.
Ebenso alle Emissionen aus der Krankenstation und den Freizeiteinrichtungen.“

Das Bild lichtete sich zusehends und nachdem die Kommunikation und auch die Energiewandler der Shuttlebereitschaft ausgefiltert waren blieben nur noch die Interferenzen, die von der Station Merlin erzeugt wurden, und der eigene Transporter übrig.

„Computer entferne nacheinander die verbleibenden Interferenzen und alle restlichen von der ALEXANDRIA abgestrahlten Energiesignaturen.“

J.J. schloß nacheinander alle bekannten Quellen aus. Normalerweise sollte das Display jetzt leer sein, aber ein gewisses Grundrauschen war immer noch leicht zu erkennen.
Das Signal entsprach jedoch keiner bekannten Wellenform.
„Computer, identifiziere die verbleibende Energieanzeige.“ wies Jaqueline den Computer an.

„Negativ, die verbleibenden Werte stammen nicht aus einer Energiequelle.“, war die prompte Reaktion.
„Computer, identifiziere die Quelle dieser Signale.“
Aus dem Audiosystem erklang das gewohnte Piepsen gefolgt von der Antwort:

„Die Auswertung der Sondenperimeter ergibt, dass die Signale zu
99,7518 Prozent eindeutig von Bord der ALEXANDRIA stammen.“ Die Antwort erstaunte sowohl Jaqueline Jefferson als auch Jan van Holt.
„Computer, wenn dies keine Energiewerte sind und wir bereits alle Signaturen von diesem Schiff in der Darstellung ausgeschlossen haben, was ist es dann?“
Die Stimme des Computers die wie gewohnt weich und frei von jeder Emotion war, antwortete als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt.

„Es ist das Echo der Transpondersignale, die jedes Crewmitglied zur Identifikation benötigt, um nicht durch den Eindringlingstransporter in die Arrestzelle gebeamt zu werden.“

Die Transponder, die jedes Crewmitglied in die Haut eingesetzt bekam, das war es also was hier als Hintergrundrauschen auf dem Schirm übrig blieb.
Die normalste Sache der Welt, hätte man nicht die Aufgabe verlorengegangene Kollegen zu suchen.

„Computer, Vergleiche die Transponderechos mit den anwesenden Crewmitgliedern auf dem Schiff und lösche jede Übereinstimmung.“
Jan van Holt wurde ungeduldig.
„Was soll das J.J. das bringt uns auch nicht weiter...“ aber Jefferson war nicht in der Stimmung die Einwände ihres Kollegen zu registrieren.
Nach und nach verschwanden die nadelartigen Ausschläge der Amplituden vom Display, bis nur noch drei Striche übrigblieben, die in Abständen von wenigen Sekunden aufblinkten.

„Computer, stimmen die verbleibenden Muster mit den vermissten Crewmitgliedern überein?“

„Positiv.“, war die prompte Antwort des Computers.
Jaqueline sah endlich Licht am Ende des Tunnels.

„Computer, ist es möglich diese Signale auf dem Planeten zu orten und deren Position für einen Transport zu bestimmen.“ wollte die Chefingenieurin wissen.
„Bestätigt, Die gegenwärtige Umlaufbahn ist jedoch zu groß um eine präzise Lokalisierung zu erzielen.“
Nur noch ein Schritt bis zum Erfolg, dachte sich Jefferson.
Ihr Blut geriet in Wallung als sie die alles entscheidende Frage an den Rechner richtete und innerlich flehte sie auf die erhoffte Antwort.

„Computer, würde die Position der Station Merlin ausreichen, um dies zu tun?“ Der Computer verarbeitete die Frage und bis zur Antwort dauerte es zwar nur den Bruchteil einer Sekunde aber ihr kam es wie eine Ewigkeit vor.
„Bestätigt, die Umlaufbahn der Station Merlin reicht aus um eine genaue Erfassung zu gewährleisten.“
Kapitel 17 by Harald Latus
Die Türe öffnete sich vor Jaqueline Jefferson und sie trat mit leichtem Schritt in den Konferenzraum, in dem der Captain mit den Vertretern des zentralen Rates über die weitere Vorgehensweise diskutierte.
Van Dyke hatte neben dem Captain Platz genommen und bedeutete Jefferson, dass sie sich zu Ihm setzen sollte.

Timor Ballat, der Vizepräsident stand auf und zog seine Robe straff.

„Captain, ich weiß, dass wir viel verlangen, aber Sie können sich sicherlich vorstellen, dass die Bewohner von Sakras 5 diesem Terror nichts entgegenzusetzen haben.
Wollen Sie uns ernsthaft mitteilen, dass Sie nicht bereit sind uns in dieser Angelegenheit zu unterstützen?“

Wikland blickte den Sakranianer streng an und erwiderte dann:
„Sie können sich gar nicht vorstellen, wie gerne ich diesen Banditen persönlich den Garaus machen möchte, aber auch wir haben Vorschriften, die nicht nur aus Willkür aufgestellt wurden.
Eine große Gemeinschaft von verschiedenen Völkern hat diese Regeln erstellt um jeder Spezies die freie und uneingeschränkte Entwicklung ihrer eigenen Kultur zu ermöglichen. Das oberste Gebot ist die Nichteinmischung.“

Simas die Regierungsrätin rutschte unruhig auf ihrem Stuhl hin und her, ihre langen Haare hatte sie zu einem Zopf gebunden und mit einer Schleife aus goldenem Stoff fixiert.
„Captain Wikland, wie Sie wissen haben wir bereits den offiziellen Antrag an Ihre Föderation gestellt mit der Bitte um Aufnahme und Hilfestellung.
Wir erwarten, mit Verlaub, ein wenig mehr Kooperation und Handlungsbereitschaft.“

Wiklands Stimme die noch immer ruhig und distanziert war kühlte merklich ab.
„...und wie Sie wissen, hat die Föderation noch nicht über Ihren Beitritt entschieden.“

Damit war für ihn dieser Punkt erst einmal erledigt.
Mit ernstem Gesicht wandte er sich an die Chefingenieurin um zu erfahren, ob der Rücktransport seiner Crewmitglieder gewährleistet war.
„Nun Lt. Commander, wie werden Sie unsere Crewmitglieder wieder zurückholen?“
Jaqueline Jefferson stand auf und aktivierte den Sichtschirm.
„Nachdem wir auf konventionellem Wege nicht weitergekommen sind haben wir uns den ungewöhnlichen Dingen gewidmet und sind bei einer ganz selbstverständlichen Sache gelandet.“
Sie bedachte van Dyke mit einem süffisanten Lächeln und fuhr dann fort.

„Die Transponder, die jedes Crewmitglied an Bord eingesetzt bekommen hat, senden ein Echo ab, welches zweifelsfrei jede Person identifiziert.

Dieses, wenn auch schwache Signal lässt sich überall bestimmen und erfassen.
Das heißt, wir haben unter Mithilfe der Station Merlin unsere gefangengenommenen Kollegen gefunden und sind bereit sie hochzubeamen. Zunächst auf die Station und dann zur ALEXANDRIA.“

Wikland blickte zufrieden auf die Berichte die ihm van Dyke gereicht hatte.
„Weisen Sie Keros an, diese zusätzliche Erfassungsmethode in die Standartroutine jedes Transporters zu integrieren.
Ich möchte nicht noch einmal meine Leute wegen fehlender Kommunikatoren auf einem Planeten verlieren.“

Während J.J. zu ihrem Stuhl zurückging erhob sich van Dyke und ging mit schnellen Schritten zum Wanddisplay.
Er aktivierte die 3D Holomatrix des Mondes und das Bild baute sich über dem Konferenztisch auf.
Er hatte den Computer so programmiert, dass die außenliegenden Punkte in einer leuchtend orangen Farbe erschienen und sich somit vor dem hellblauen Mond deutlich abzeichneten.

„Wie Sie unschwer erkennen können, haben sich die Rebellen hinter dem Mond im Schatten unserer Scanner und abgewandt von der Planetenseite dichtgedrängt versteckt.
Es handelt sich im Ganzen um 48 Objekte, 5 Großraumer 16 Frachter und Kreuzer und 27 kleine Kampfflieger.
Wie die Auswertung der Formen ergeben haben, handelt es sich um einen bunt zusammengewürfelten Haufen von Schiffen, die aus allen möglichen Teilen des Quadranten zusammengesucht wurden.
Vom bajoranischen Angriffsjäger bis zum orionischen Frachter ist alles dabei.
Die Feuerkraft würde wahrscheinlich ausreichen um einen ganzen Planeten mitsamt der Station Merlin auf Dauer in Schach zu halten, wenn man es geschickt anstellt.“

„Da haben Sie’s...“ rief Rikor Bast, der Berater des zentralen Rates, und sprang von seinem Stuhl auf,
„...die werden unser ganzes Volk unterjochen.“

Wikland drehte sich zu Bast hinüber und zog seine Stirn in Falten. Der harte Blick seiner Augen traf den Sakranianer, der schon nach wenigen Sekunden dem eisigen Blick nicht mehr standhalten konnte und sich widerwillig auf seinen Stuhl setzte.
Van Dyke schaltete die Darstellung des Mondes ab und legte das Panorama des Binnenmeeres auf den Schirm.
„Damit hat er vielleicht nicht ganz unrecht Captain...“
Wikland bemerkte, wie sein Blutdruck unweigerlich anstieg.

Jetzt wollte auch noch sein erster Offizier für diese Leute in die Bresche springen. Er hatte sich alle Mühe gegeben seinen eigenen starken Drang nach Vergeltung zu unterdrücken aber alle anderen schienen eine Einmischung zu akzeptieren.

„...wir konnten den wahrscheinlichen Aufenthaltsort der Rebellen ausfindig machen. Hier in diesem Waldgebiet haben sie eine große Basis errichtet, die extrem gut abgeschirmt ist.“
Er vergrößerte den Ausschnitt und es zeigte sich die gleiche Ansicht, die van Dyke nur eine halbe Stunde zuvor so intensiv betrachtet hatte.

„Das ist ein ganz gewöhnlicher Wald, wie soll dort eine Basis der Untergrundbewegung sein, keine Straßen, keine Landeplattformen keine Energieanzeigen nur unberührte Natur.“ sagte Erek Kanor.

„Genau das ist es, was jeder denken soll...“ quittierte van Dyke die Eingabe des Präsidenten, mit der er selbstverständlich gerechnet hatte.

„...aber wenn Sie genau hinsehen meine Damen und Herren, werden Sie erkennen, dass in dem mittleren Bereich der Darstellung die Bäume vom Wind in vertikaler Richtung bewegt werden, während alle anderen sich horizontal bewegen.

Das lässt darauf schließen, dass dieses Gebiet hier in der Mitte, mittels einer holographischen Matrix gegen fremde Blicke geschützt wurde. Eine geradezu perfekte Tarnung. Fast perfekt jedenfalls.“

„Sind Sie sicher, dass sich dort die Kommandobasis der Rebellen befindet Commander?“ Wikland, der die Ausführungen aufmerksam verfolgt hatte wollte wissen wie genau man den Standort identifiziert hatte.
„Dieser Bereich ist sehr groß und weitläufig Captain, ich bin mir sicher, dass sich hier ein ganzes Dorf, wenn nicht eine Großgemeinde verbergen ließe.
Sagte Holat Samas nicht, dass seine Anhänger und deren Familien in Sicherheit seien und wir keinen Zugriff auf sie haben würden? Ich glaube er hat sich leider geirrt.“

Die Mitglieder des zentralen Rates blickten sich freudig an.
Sie sahen einen Hoffnungsschimmer, diese Rebellen mit Hilfe der Föderation zur Aufgabe zu zwingen und das geregelte Leben auf Sakras 5 wieder herzustellen.
Aber ihre euphorischen Gedanken wurden schnell zunichte gemacht.

„Captain, der Regierungspalast meldet sich.“ kam die Stimme von Carah Pehl aus dem Audiosystem.
Die Bajoranerin klang besorgt und eine gewisse Dringlichkeit in ihrer Stimme verriet Wikland, dass es keine guten Neuigkeiten waren, die nun folgen sollten.
„Stellen Sie durch!“
Alle blickten auf den Wandschirm, auf dem das Gesicht des ersten Sekretärs erschien.

„Eure Exzellenzen, wir haben soeben ein Ultimatum von der Untergrundbewegung ‘Energie der Freiheit’ erhalten.

Wenn wir nicht innerhalb von einer Stunde die Regierungsgeschäfte niederlegen, wollen die Rebellen den gesamten zentralen Rat vernichten.“
Wie zur Bestätigung verwandelte ein greller Blitz den Wandschirm in gleißendes weiß und man hörte im Hintergrund direkt darauf das Geräusch einer Detonation.

Das Gesicht des Sekretärs verschwand für kurze Zeit vom Bildschirm, als er zurückkam hatte er vor Schrecken geweitete Augen, Zorn und Ernüchterung standen Ihm ins Gesicht geschrieben.
Einige Tränen rollten ungewollt seine Wangen hinunter und er musste mehrmals schlucken, bevor er überhaupt fähig war weitere Worte zu artikulieren.
„Die Rebellen haben die große Stadtklinik mit einer energetischen Bombe dem Erdboden gleichgemacht.
Keine Vorwarnung oder ähnliches. Das Ultimatum ist noch nicht einmal abgelaufen, wir hatten nicht einmal Gelegenheit unsere eventuelle Zustimmung zu geben.“

„Jetzt reicht es...“ Wikland sprang auf und stürmte durch die Tür auf die Brücke.
Doch bevor er in der Lage war irgendwelche Anweisungen zu geben wurde das Bild des Sekretärs, welches von Carah blitzschnell auf den Hauptschirm gelegt worden war, vom Gesicht Holat Samas überlagert, der die gleiche Frequenz zur Nachrichtenübermittlung gewählt hatte.
„Nun Captain, ich hoffe Sie haben unsere Nachricht erhalten.
Ihre Zeit ist abgelaufen. Verschwinden Sie, oder wir werden Sie ebenfalls vernichten.“
Wikland bemerkte, dass es immer schwieriger wurde, den Zorn in seinem Körper unter Kontrolle zu halten.

„Nicht ohne meine Crewmitglieder. Ich verlange die sofortige Freilassung meiner Männer, oder Sie werden mit den Konsequenzen leben müssen.
Und glauben Sie mir eins, Samas, auch ich kann unerbittlich sein. Das Ergebnis dürfte Ihnen sehr schlecht bekommen.“
Der Führer der Separatisten setzte ein gehässiges Grinsen auf.

„Sie haben hier gar keine Forderungen zu stellen Captain, wenn Sie nicht sofort verschwinden, werden wir die Gefangenen umgehend hinrichten.

Und sagen Sie Ihren Freunden von der Sternenbasis sie sollen sich raushalten. Das hier geht nur uns etwas an. Ihre Crewmitglieder können Sie höchstens im Austausch gegen die Führer der unrechtmäßigen Regierung bekommen.“

Wikland drehte sich um zu den Repräsentanten von Sakras 5 und sah die betroffenen Gesichter.
„Das steht auf gar keinen Fall zur Diskussion, Sie stehen unter direktem Schutz der Föderation.“, antwortete er, wobei er seinen Blick fest auf den Bildschirm richtete.

„Wie Sie wollen, das was jetzt passiert ist allein Ihre Schuld.“
Damit verschwand der Rebellenführer vom Bildschirm und der etwas verwirrte Sekretär der Regierung war wieder zu sehen.
Weitere Detonationen waren von draußen zu hören und Wikland wurde klar, dass man mit den Rebellen nicht verhandeln konnte.

„Eure Exzellenzen,...“ Wikland blickte die Mitglieder des zentralen Rates an,
„... Sie können gerne an Bord unseres Schiffes bleiben, wir werden Ihnen maximalen Schutz gewähren, aber Sie haben recht, diesen Handlungen muss Einhalt geboten werden.“
Das Angebot des Captains wurde angesichts der drohenden Gefahr gerne angenommen.

Alle Sakranianer außer Avallia Sen standen beieinander und redeten unentwegt über die soeben gesehenen Bilder.
Avallia sah Wikland in die Augen und fragte ihn dann:

„Was werden Sie jetzt tun Captain, werden Sie uns helfen?“
Wikland wandte sich seiner Crew zu und überlegte kurz. Dann hatte er sich entschieden.
„Lieutenant setzen Sie einen Kurs auf eins sieben vier komma zwei sieben null und beschleunigen Sie auf Warp zwei.
Wir verlassen diesen Sektor.“ sagte der Captain und ließ sich auf seinem Stuhl nieder.
„Aye, Sir“ kam die Antwort von der Conn.
Wikland erkannte an der Stimme, dass Ramirez diesen Befehl nur widerwillig ausführte, hieß es doch, die Crewmitglieder in der Gewalt der selbsternannten Freiheitskämpfer zu belassen.

„Folgen Sie diesem Kurs für zwei Minuten, und dann ändern Sie ihn so, dass wir von jetzt an in zirka sieben Minuten auf der Rückseite des Mondes Arlat 4 unter Warp gehen können.

Wir greifen diese Kindermörder an!“

* * *

Die ALEXANDRIA zog einen weiten Bogen durchs All und Captain Wikland nutzte die Zeit, sein Schiff gefechtsbereit zu machen.
Er befahl Alarmstufe rot und die Leuchtbänder in der Wand flammten sofort in entsprechend rotem Licht auf.
Alle Offiziere und Mannschaftsmitglieder hasteten zu ihren Stationen, während der akustische Alarm aufheulte, begleitet von der Standardmeldung des Computers.
Die zusätzlichen Sicherheitsleute erschienen auf der Brücke und die Regierungsmitglieder des Planeten wurden in sichere Quartiere in der Schiffsmitte eskortiert.
Die letzte Feldübung hatte gezeigt, dass bei einer Notsituation alle notwendigen Schritte in weniger als fünf Minuten durchgeführt werden konnten, so dass die volle Kampfbereitschaft schon nach kurzer Zeit zur Verfügung stand.

„Wikland an Shuttlehangar, rüsten Sie die Northlander um, wir brauchen den Spezialschild um unsere Runabouts zu schützen.
Außerdem sollen sich die Piloten für die Shuttles bereithalten, wir werden möglicherweise Flankenschutz benötigen.
Taktik, bereiten Sie sich auf einen schnellen Angriff vor.
Ich möchte, dass so viele Angreifer wie möglich in kürzester Zeit unschädlich gemacht werden.
Keine Kompromisse, wenn Sie Gelegenheit zum Schuss bekommen verwenden Sie das höchste Energieniveau um sicherzustellen, dass von diesem Schiff keine Gefahr mehr ausgeht..“

Die Gesichtszüge des Captains zeigten eine wilde Entschlossenheit, und van Dyke der seinen Platz neben dem Captain eingenommen hatte, lief ein eisiger Schauer den Rücken hinunter.
Wikland aktivierte seinen Kommunikator.

„Commander Jefferson, können Sie den Transport unserer Crewmitglieder auf mein Kommando hin durch die Station Merlin durchführen lassen?“
Wikland wusste das es möglich war, er wollte nur eine Bestätigung.

„Das ist kein Problem Captain, ich habe die notwendigen Protokolle bereits an Commander Graves übermittelt. Sagen Sie mir nur wann.“, antwortete J.J.

„Danke Commander, ich melde mich wieder, Wikland Ende.“

„Captain, noch zwei Minuten bis zum Erreichen des Mondes Arlat 4, die Abtastung zeigt, dass die Flotte sich bereitmacht um abzufliegen.“, meldete K’Orak von der Sensorenstation.
Wikland zögerte keine Sekunde.

„Wikland an Shuttlehangar. Runabouts ausschleusen, Muster Wikland Alpha vier, die erste Gruppe von Shuttles soll sich bereithalten um zu starten sowie wir unter Warp gegangen sind.“,
wies der Captain den Chef des Hangardecks an.

„Erledigt, die Runabouts sind schon auf dem Weg.“ meldete Andy Duke, der die Kontrollen der Shuttlerampe an seiner Station überwachte.

„Dann los...“ sagte Wikland.
„...Ramirez, gehen sie unter Warp und halten Sie sich bereit für das erste Angriffsmanöver.
Lieutenant Ran Sie haben Feuererlaubnis, setzen Sie alles außer Gefecht was erreichbar ist.
Achtung Piloten der Runabouts.
Nutzen Sie jede Gelegenheit zum Feuern und machen Sie keine Kompromisse.“

Die Warpstreifen auf dem Hauptschirm wurden kürzer und der Mond Arlat 4 tauchte sehr nahe vor Ihnen auf.
Einige Schiffe der Rebellenflotte hatten bereits Fahrt aufgenommen und glitten langsam im Schutz des Mondes in Richtung Sakras 5.
Alles deutete darauf hin, dass Holat Samas tatsächlich einen großen Angriff plante.

„Commander Jefferson, beamen Sie jetzt!“ rief Wikland worauf von J.J. die prompte Antwort aus dem Maschinenraum kam „Verstanden Sir, Transport wird durchgeführt.“

Die ALEXANDRIA und die Runabouts hielten weiterhin auf den Mond zu und gingen auf Gefechtsgeschwindigkeit.
Fünf kleine Kampfflieger lösten sich aus dem Verband der Rebellen und nahmen Kurs auf die Schiffe der Sternenflotte.
Drei der Runabouts nahmen eine Position an jeder Spitze eines gleichschenkligen Dreiecks ein,
während die Northlander den Mittelpunkt der Formation bildete und mit Ihrem Spezialschild die anderen Schiffe einschloss.

Die kleinen Jäger waren kaum in Waffenreichweite, als das erste Runabout bereits das Feuer eröffnete.
Ein kräftiger Phaserstrahl traf das kleine vironische Kampfschiff das mit seiner ballähnlichen Form und seiner unebenen Oberfläche eher an eine Tauchkugel als an ein Raumschiff erinnerte.
Der Strahl folgte dem Schiff, bis es die Runabouts überflogen hatte.
Das kleine Schiff wurde heftig durchgeschüttelt und an dem dunklen energetischen Glühen konnte man erkennen, dass seine Schilde nur noch mit niedriger Energie gespeist wurden.
Ihm folgten zwei bajoranische Fighter, die sich durch ihre Wendigkeit auszeichneten und mit viel Geschick gesteuert wurden.

Sie waren mit den Phasern der Runabouts nur schwer zu erfassen und trugen nur geringfügige Schäden bei Ihrem ersten Angriff davon.
Der Phaserbeschuss der auf die Runabouts der ALEXANDRIA gerichtet war, wurde von dem zusätzlichen Abwehrschirm der Northlander erfolgreich absorbiert.
Inzwischen hatte der Kampfverband den Angriff der ALEXANDRIA bewertet und anscheinend als unwichtig befunden,
denn nur zwei der Großraumschiffe und einige wenige Kreuzer scherten mit zusätzlichen Einmannjägern in Richtung des Föderationsschiffes aus.

„Lieutenant Ran, nehmen Sie die Rebellen unter Beschuss.
Wikland an Shuttlehangar eins.
Die erste Gruppe der Shuttles soll starten und den Runabouts Flankenschutz geben. Wir werden versuchen die Großraumschiffe und den restlichen Kampfverband auszuschalten.“

Der Captain gab seine Anweisungen mit der geübten Präzision eines Kommandanten. Es gab keine Unklarheiten und seine Befehle wurden umgehend ausgeführt.
Auf dem Hauptschirm konnte man erkennen, wie die Shuttles zu den Runabouts stießen und die rechte und linke Seite der Formation absicherten.

„Ramirez, bringen Sie uns in Position zu den Großraumschiffen, aber so, dass wir den restlichen Verband nicht aus den Augen verlieren.“
Die Bestätigung des jungen Lieutenants an der Conn wurde von einem abrupten Richtungswechsel begleitet, der die ALEXANDRIA direkt in den Kurs der Rebellen brachte.
Ran Byrell hatte eines seiner neuen Kampfprogramme in die Standardauswahl der Waffenkontrolle geladen und tippte nun eine Folge von Anweisungen in die Sensorschaltfläche.

Die beiden Großraumer bildeten gemeinsam mit den Kreuzern eine kompakte Formation, die sich mit langsamer Geschwindigkeit näherte.
Offensichtlich wollte man Zeit für den Rest der Flotte gewinnen, damit diese ihren sicherlich tödlichen Auftrag auf der Planetenoberfläche durchführen konnte.

Aber der junge Lieutenant an der taktischen Station hatte vorgesorgt. Er suchte sich für seinen ersten Angriff einen leichten Kreuzer aus, der unterhalb der beiden Großraumer flog.
Eine kurze Reihe von drei Photonen Torpedos verließ die ALEXANDRIA und gleichzeitig feuerte er mit den Phasern auf die Schilde der großen Kampfschiffe.

Die Torpedos schlugen direkt auf dem Kreuzer ein und mit einer gewaltigen Explosion zerbarst das Schiff in viele Teile.

Ein von Ran Byrell sorgfältig gewählter Schuss, denn die nun umherfliegenden Trümmer und die Druckwelle belasteten und schwächten die Schilde an der Unterseite der beiden Hauptschiffe.
Noch bevor die Explosion abgeklungen war, schoss die nächste Reihe von Torpedos auf die Schiffe zu und schlug genau auf den geschwächten Schilden ein.
Die Abschirmung brach zusammen und die folgenden Phaserstöße rissen bereits einige Löcher in die Außenhaut der Rebellenschiffe.

Auf dem rechten Schiff schienen die Schäden besonders heftig zu sein, denn im hinteren Bereich konnte man ein Plasmaleck erkennen und kurz darauf versagte auch bei diesem Raumer die strukturelle Integrität.
Er brach auseinander noch bevor sich Fluchtkapseln lösen konnten und die begleitenden Jäger konnten der Gefahr durch Trümmer nicht mehr ausweichen.
Vier von Ihnen wurden an Antrieb und Steuerung so stark beschädigt, dass sie zurückfielen und nicht mehr ins Geschehen eingreifen konnten.

Inzwischen war die ALEXANDRIA so nahe, dass sie fast über den noch verbliebenen Schiffen schwebte.
Die von dem verbliebenen Verband abgefeuerten Torpedos und Phaserschüsse schlugen hart an den Schilden des Föderationsschiffes ein, konnten jedoch keine wesentlichen Schäden hervorrufen.

Die Runabouts und Shuttles hatten inzwischen bereits viele der kleinen Jäger ausgeschaltet und griffen nun ebenfalls den restlichen Verband an,
der nunmehr nur noch aus einem stark angeschlagenen Hauptschiff und zwei Kreuzern bestand,
die mehr damit beschäftigt waren Ihre eigenen Schilde zu schützen,
als dem großen Schiff Deckung und Beistand zu geben.

„Wikland an die Piloten der Runabouts. Erledigen Sie hier den Rest, wir werden die Hauptflotte dieser Halunken stellen.“

Der Captain blickte auf den Schirm, auf dem die Flotte der Rebellengruppe zu sehen war,
die inzwischen den Mond umkreist hatte und einige Schiffe auf den Atmosphärenflug zum Planeten vorbereitete.

„Verstanden Captain...“, war die Stimme des Piloten zu hören, der die Northlander in der Mitte der Runabouts befehligte.
„...wir erledigen das für Sie. Viel Glück und gute Jagd.“

Damit löste sich die Formation auf und gemeinsam flogen die Runabouts und Shuttles nach einem abwechselnden Muster aus verschiedenen Richtungen über die verbliebenen Schiffe und feuerten Ihre Phaser ab.
Die unerwartete kräftige Phaserentladung eines Kreuzers traf das Shuttle Piggy welches schwer getroffen außer Kontrolle geriet und davon trudelte.

Das war dann aber auch der letzte Erfolg der Rebellenflotte denn Sekundenbruchteile später brachten zwei Mikrotorpedos aus der Amazonas die Lichter auf dem Kreuzer zum Erlöschen.
Obwohl die Schiffe der Rebellen bereits schwer beschädigt waren dachten Sie nicht im Traum daran ihre Gegenwehr einzustellen.
Verbissen feuerten Sie mit Ihren schwächer werdenden Energiewaffen auf die kleinen Föderationsschiffe, die wie ein Bienenschwarm um die Kreuzer kreisten.

Die ALEXANDRIA hatte den Hauptverband schnell eingeholt.
Allein und ohne Unterstützung durch die Runabouts würde sich nun zeigen, ob die Entscheidung zum Angriff nicht doch ein wenig überheblich gewesen war.
Der Captain saß in seinem Stuhl und schaute mit energischem Blick auf den Hauptschirm, auf dem die Rebellenflotte zu sehen war.
Ein bunt gemischter Haufen von Schiffen, wie es die Abtastung hatte erkennen lassen. Er hatte durch seine Anweisungen keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass er diese Aktion selbst befehligen wollte.
Alle Offiziere akzeptierten diese Einstellung, nur van Dyke machte sich innerlich seine eigenen Gedanken zu dieser Vorgehensweise.

Sie entsprach überhaupt nicht den Regeln und Direktiven der Sternenflotte und man konnte auch bei großzügiger Auslegung diesen Angriff nicht wirklich rechtfertigen.
Van Dyke hatte viel mehr den Eindruck, dass der Captain sich in dieser Situation von blindem Hass leiten ließ. Natürlich waren ihm auch einge Fakten aus dem Leben des Captains bekannt und er konnte aus dessen Warte betrachtet sogar verstehen warum er so unerbittlich vorgehen wollte.

Der Hauptverband war deutlich größer und auch die Schiffe waren in deutlich besserem Zustand, als es bei der Ersten Gruppe der Fall gewesen war.
Ein fataler Fehler, der Samas dem Rebellenführer hier unterlaufen war.
Denn einen potentiell starken Gegner durch die zweite Garde stoppen zu wollen, war eine taktisch unkluge Entscheidung.

Doch das lag wohl eher an der mangelnden Ausbildung und der fehlenden Kampferfahrung, die bei den Sakranianern aus den bekannten Gründen nicht vorhanden war.

„Captain, das sind eine Menge Schiffe. Das wird uns schwer zu schaffen machen.“, bemerkte Andy Duke, der gerade festgestellt hatte, dass insgesamt noch 31 Schiffe in dem Verband flogen und darunter noch drei Großraumer und einige schwerbewaffnete Kreuzer waren.

„Das ist mir schon klar Lieutenant, aber ich bin mir auch sicher, dass so ein Haufen zusammengeschusterter Technik mit Sicherheit schwerer zu handhaben ist als unser Schiff,
dass einen harmonischen Aufbau hat und ein homogenes System bildet. Außerdem wird die Schnelligkeit unser Verbündeter sein.“

Wikland drehte sich zu Ran Byrell, der an seiner Konsole stand und bereit war alle Möglichkeiten der Waffensysteme einzusetzen.
Für van Dyke wirkte er wie ein kleiner Junge, der an einer Schießbude stand und auf Plastikrosen zielte.
Ein Bild, welches er aus einem Holodeckroman kannte, der auf einem Jahrmarkt des späten zwanzigsten Jahrhunderts spielte.

„Lieutenant“, begann Wikland mit ernster Mine.

„Wir werden die Rebellenflotte mit Kampfgeschwindigkeit passieren und Sie haben nur kurz die Gelegenheit zu feuern.
Wählen Sie Ihre Ziele sorgfältig aus. Ich akzeptiere lieber zwei Volltreffer als fünf Streifschüsse.“

„Ich werde mein Möglichstes tun, Sir.“, antwortete Ran und straffte seinen Körper.
Die Anspannung in ihm war zu einem angenehmen ständigen Kribbeln geworden, welches ihn immer wieder aufs Neue faszinierte und ihn zu Höchstleistungen brachte.

Nicht umsonst hatte er bei seiner letzten Schieß- und Trefferübung im Sternenflotten Ausbildungszentrum den Lehrgang mit Auszeichnung bestanden und den Phaser Range 13 erhalten, was ihn dazu berechtigte vom Silvesterknaller bis zur planetaren Novabombe alles zu benutzen was man zum Schießen oder Sprengen verwenden konnte.

Der Captain nickte zufrieden und richtete sich an Ramirez, der bereits auf weitere Anweisungen wartete.
„Ramirez, verwenden Sie das Angriffsmuster der Sternenflotte Alpha Tango und variieren Sie die Angriffsschleifen in dreidimensionaler Hinsicht.
Sie wissen, ich mag’s gerne von allen Seiten. Besonders dann, wenn der Gegner nur zweidimensional denkt.“

„Aye aye, Sir.“ kam die Anwort vom Steuerpult und sofort beschleunigte die ALEXANDRIA ein wenig und flog den Kampfverband von hinten an.
In angemessenem Abstand flog die ALEXANDRIA über die Schiffe, die sofort ihre Waffen in Richtung des Föderationsschiffes sprechen ließen.

Mehrere Einschläge von kleinen energetischen Torpedos und reichlich Phaserfeuer belastete die vorderen Schilde und schüttelte die gesamte Crew kräftig durch.

Während das Schiff der Nebula Klasse die bunten Reihen der Rebellen überflog, konzentrierten sich seine Phaserentladungen auf die kleinen Angriffs und Einmannjäger, die ausscherten um dem Verband Deckung zu geben.
Zwei von Ihnen zerbarsten sofort, drei weitere erlitten Schäden an den Maschinensektionen und wurden langsamer.

Für sie war der Kampf schon jetzt vorbei.

Die ALEXANDRIA kam zur Spitze der Flotte an der die drei Großraumer flogen.
Zwei lange Torpedoreihen huschten auf die Plasmaauslasskanäle der Schiffe zu und explodierten auf den Schilden ohne sichtbare Spuren zu hinterlassen.
Das Gesicht von Wikland verzog sich zu einer unzufriedenen Grimasse aber im selben Moment hörte er die Stimme von Ran Byrell aus dem Hintergrund der sich an Ramirez wandte

„Ramirez, führen Sie uns beim nächsten Angriff vom oberhalb rückwärtigen Bereich an diese Schiffe heran. Da kann man jetzt mit Keksen werfen und dann sind die Maschinen aus.“

Das Föderationsschiff flog einen eleganten Bogen nach oben und zog eine enge Schleife. Beim zweiten Anflug setzte Ran Byrell alle Phaser ein und zielte auf die gleichen Stellen.
An einem Raumer erlosch der Antrieb völlig und auf dem zweiten versagte das Steuerbordtriebwerk.
Inzwischen hatte sich der Kampfverband der Rebellen auf den Angreifer eingestellt und zog nun seinerseits Kreise um das Schiff der Sternenflotte.
Immer wieder erschütterten die Einschläge von Phasern und kleinen Energiebomben den Rumpf des Schiffes, bis plötzlich ein gewaltiger Ruck durch die ALEXANDRIA fuhr.
Die Lichter auf der Brücke flackerten und zwei der Deckenleuchten gingen aus.

„Was war denn das?“ fragte Wikland.
Im Halbdunkel der Brücke war hastige Betriebsamkeit zu erkennen.
„Das Captain, war ein Föderationstorpedo mit einer doppelten Ladung Materie/Antimaterie.“
Entgegnete van Dyke, der sich sofort an die wissenschaftliche Station begeben hatte um den dort diensthabenden Offizier zu unterstützen.

"Abgefeuert wurde er von diesem kleinen korellischen Frachter am rechten Rand."

„Die vorderen Schilde sind runter auf 70 Prozent Captain. Ich hoffe die haben nicht noch mehr von der Sorte.“, kam die besorgte Stimme von Alisha die an der OPS saß und die Werte der Schiffsintegrität ablas.

„Verdammt, wie kommen die an Föderationstechnologie?“ schnaubte Wikland und seine Augen glühten vor Zorn.
Es war also wie immer im Leben, wenn nur jemand die richtige Summe zahlte, oder einen schon lange gehegten Wunsch erfüllen konnte, dann waren auch Mitglieder der Föderation bereit ihre Gemeinschaft zu schwächen, ja sogar zu verraten indem sie das Waffenpotential und die Technik dafür an andere weitergaben.

„Commander, ich will, dass Sie sich mit einer alternativen Angriffstaktik befassen. Eventuell müssen wir einen Trumpf aus dem Ärmel ziehen, wenn es hier allzu eng wird.
Von mir aus greifen Sie in Ihrer Trickkiste bis auf den Boden, aber wir brauchen etwas Effektives.
Ich will, dass keiner von denen übrigbleibt! Habe ich mich klar ausgedrückt?“

Van Dyke blickte den Captain zwei lange Sekunden an und sagte dann:
„Selbstverständlich, Sir. Ich werde Ihnen meine Vorschläge so schnell wie möglich präsentieren.“ Damit wandte er sich ab und ging in den Besprechungsraum.
Ihm war klar, was Wikland damit meinte. Allerdings hatte er ohnehin nur auf die Gelegenheit gewartet in diesem Spiel einige seiner eigenen Karten aus dem Ärmel zu ziehen.
Nun hieß es den richtigen Weg zu finden um den Captain zu stoppen und dabei noch nebenbei die ALEXANDRIA und die Bewohner des Planeten zu retten.
Selbstverständlich auf eine Weise, die keinen Zweifel an der Integrität des Captains aufkommen lassen würde.
Eine ganz besondere Herausforderung wie van Dyke sie bislang nur selten erlebt hatte.

Er war ganz allein im Besprechungsraum.
Durch die Fenster konnte er den hinteren Bereich des Schiffes sehen und die vielen Angriffsflieger,
die in immer neuen Anläufen versuchten die ALEXANDRIA zu überfliegen und ihre Treffer zu landen.

Meist wischten Sie plötzlich und unerwartet in unnatürlichen Flugbahnen über, neben oder unter dem Schiff vorbei.
Das lag daran, dass man durch das Trägheitsdämpfungsfeld die Kurswechsel nicht körperlich fühlte und lediglich an der ungewöhnlichen Flugbahn der anderen Schiffe sah,
dass die ALEXANDRIA wieder einen Haken geschlagen hatte.

Während van Dyke die Daten über die Rebellen und den Mond studierte, konnte er sehen wie aus dem hinteren Hangar der ALEXANDRIA eine weitere Gruppe von fünf Shuttles zum Flankenschutz abflog.
Der Captain, der sich unverkennbar in diesen Angriff hineingesteigert hatte suchte nach einer völlig anders gearteten Ausweichtaktik.
So jedenfalls hatte es van Dyke aufgefasst, aber was wollte Wikland damit erreichen?
Er wusste, dass er einen Weg finden musste um diese Kämpfe zu beenden. Der Captain hatte sich in den Kampf verbissen und war entschlossen in dieser Sache nicht nachzugeben.

Van Dyke hatte den Captain so verstanden als wolle er keine Gefangenen machen, und schon gar nicht mit diesen Leuten verhandeln. Sicherlich, vornehmliches Ziel musste es nun sein, die Rebellen zu stoppen und die geordneten Verhältnisse auf dem Planeten wieder herzustellen.

Im Gedanken ging van Dyke eine Reihe von Ideen durch und prüfte sie auf ihre Durchführbarkeit und Wirkung.
Alle Angriffsideen scheiterten daran, dass die Schlagkraft und die gesamte Kapazität der ALEXANDRIA in diesem Kampf bereits gebunden war.
Mehrere heftige Schläge die das ganze Schiff durchschüttelten rissen Ihn aus seiner Konzentration.
Von der Brücke war ein Alarmsignal zu hören, das auf einen Hüllenbruch schließen ließ.

Aus dem Fenster blickend erkannte er den Grund dafür, einige Wrackteile trudelten nach hinten und schlugen dabei noch kurz gegen die Außenwand des Modulsegments.
Gott sei dank richteten Sie außer ein paar Beulen keine weiteren Schäden oder Hüllenbrüche an. Anscheinend war einer der Kampfflieger auf dem Rumpf aufgeschlagen.

Es war nicht zu erkennen ob dies nach dem Beschuss oder durch einen Rammversuch geschehen war, aber es verdeutlichte van Dyke, das die Zeit knapp wurde und er sich mit seiner Lösung beeilen musste.

Den Anführer zu lokalisieren und auszuschalten würde zu lange dauern. Bestimmt würde ein anderer seinen Platz einnehmen und den Terror in gleichem oder stärkerem Maße weiterführen.
Man brauchte etwas, was am besten alle Rebellen betraf und das man um jeden Preis schützen oder nicht verlieren wollte.
Van Dyke rief sich die Worte von Holat Samas wieder ins Gedächtnis. Er aktivierte das Wanddisplay und ließ die Aufzeichnung des Gespräches mit Wikland noch einmal ablaufen.

Das war der Schlüssel, genau, die Familien der Rebellen.
In dem Waldstück, welches mit einer Holomatrix versehen war, musste sich das Versteck der Angehörigen der Rebellen befinden.

Ein guter Vorstoß und die Belagerung mit entsprechend ausgestatteten und kampferfahrenen Offizieren sollte ihm genügen.
Ein Blick auf die Bestands- und Einsatzliste der Shuttles ließ seine Euphorie jedoch schnell wieder sinken.
Gerade einmal drei Shuttles des Typs 6 und zwei Shuttles des Typs 7 waren verfügbar, keine ausreichende Anzahl um ein Gebiet so groß wie eine Kleinstadt zu bedrohen oder in Schach zu halten.

Ein kurzer Signalton des Computers ertönte und erinnerte van Dyke an die Berechnung des Energieverbrauchs der Holosonde, die er alle 12 Stunden durchführte um sicherzugehen, dass man nicht zu spät in den Raum der Dalerianer zurückkehrte.
Dabei kam ihm die rettende Idee, eigentlich brauchte er nicht mehr als ein bis zwei Shuttles.

Er tippte an seinen Kommunikator „Van Dyke an Lt. Cmdr. Mor, Lt. Comdr. Dent und Lt. Comdr. Jefferson.
Erinnern sie sich noch an das Baby, dem wir neulich Geburtshilfe gegeben haben ? ich benötige noch fünf weitere davon für einen ähnlichen Zweck.

Bitte bereiten Sie die nötigen Umbauten vor. Ich werde in Kürze zu Ihnen stoßen und das Programm erstellen.
Wir müssen uns beeilen, denn unser Überleben könnte eventuell davon abhängen, aber mit unserer Erfahrung auf diesem Sektor denke ich, sollten wir es problemlos schaffen.“, erkärte er kurz sein Vorhaben.

„Hier Jefferson, verstanden Commander wir bereiten Ihre Kinder im Maschinenraum vor, ich kann hier nämlich zur Zeit nicht weg. Maschinenraum Ende.“
Im Hintergrund waren Stimmengewirr und laute Rufe zu hören, die van Dyke signalisierten, dass dort ernsthafte Probleme zu lösen waren.
Auch die Meldungen der anderen Offiziere kamen prompt und so machte sich van Dyke daran seine Lösung auf ein PADD zu übertragen und eilte auf die Brücke.
Dort herrschte ein erschreckendes Szenario. Noch immer war die Beleuchtung mehr schemenhaft als ausreichend.
Einige der Deckenplatten hatten sich anscheinend beim Zusammenstoß mit dem kleinen Jäger gelöst und waren aus ihren Verankerungen gebrochen.
Zwei Konsolen der Wissenschaftsstation waren total ausgefallen und an den Rändern zur Vertäfelung waren deutliche Brandspuren erkennbar.

Auf dem Hauptschirm war gerade freier Himmel zu sehen, dann mit einer langsamen Wende kam die Rebellenflotte wieder in Sicht.
Fast alle Schiffe hatten inzwischen mittelschwere Schäden davongetragen, aber mindestens zehn waren noch kampffähig und formierten sich für einen weiteren Angriffsflug auf die ALEXANDRIA.
Von den kleinen Jägern waren nur noch zwei verblieben und auch die Kreuzer waren nur noch zu siebt.
Das letzte Großraumschiff machte trotz der häufigen Angriffe der ALEXANDRIA immer noch einen fast unbeschädigten Eindruck und führte auch das kleine Kontingent der Gegner an.

Van Dyke drückte dem Captain das PADD in die Hand, er wusste, dass sich Wikland eine weitere Angriffstatik erhofft hatte, aber van Dyke wollte der Vernichtungswut Wiklands einen Riegel vorschieben. Daher nahm er Ihm gleich den Wind aus den Segeln und sagte zu ihm:

„Es tut mir leid Captain, aber dies ist die einzige Alternative, die ich Ihnen mit den derzeitigen Mitteln anbieten kann. Ich bin aber davon überzeugt, dass sie funktionieren wird.“

Wikland blickte stumm auf die Anzeige des PADDs, welche ihm die vorgesehene Planung zeigte.
„Und wer soll das durchführen Nummer eins? Dazu brauchen Sie einen erfahrenen Mann mit einer gesunden Portion Selbstmordbereitschaft.“

Van Dyke straffte sich und erwiderte:
„Nun Sir, ich dachte, das ich das selbst in die Hand nehme. Sie kommen hier ja sicherlich ohne mich aus.“
Wikland sah den Commander kurz und prüfend mit seinen stahlblauen Augen an.
„In Ordnung Commander, melden Sie sich, wenn Sie soweit sind, wir werden dann unseren Kurs entsprechend verändern. Viel Glück Nummer Eins.“

Damit entließ er van Dyke von der Brücke, der kurz darauf den einzigen aktiven Turbolift betrat, denn der Zweite wurde bei Rotem Alarm grundsätzlich automatisch deaktiviert um zu verhindern, dass eventuelle Eindringlinge die Brücke entern könnten.

Während van Dyke mit dem Turbolift zum Shuttlehangar unterwegs war, dachte er über die Worte nach, die er dem Captain gesagt hatte. Er war durchaus nicht der Meinung, dass Wikland zurzeit alles im Griff hatte.
Dieser Angriff glich eher einem Rachfeldzug, als einer für Sternenflotten Maßstäbe diplomatischen Vorgehensweise.
Aber anstatt sich mit dem Captain auf einen Streit einzulassen, hatte er einen anderen Weg gewählt um diesem Wahnsinn ein Ende zu setzen.

Der Turbolift hielt auf Deck vier und van Dyke eilte durch den Korridor zum Hauptshuttlehangar.
Als sich die Tür zu der großen Halle leise zischend öffnete empfing Ihn Fähnrich Riseman mit aufgeregt herumfuchtelnden Armen, die van Dyke bedeuteten zurückzubleiben.

Kurz darauf schoss eines der Shuttles durch das geöffnete Haupttor in den Hangar, schlitterte mit heftigem Funkensprühen quer durch die Halle, wobei es laute kreischende Geräusche erzeugte.
Erst kurz vor der Wand wurde es durch ein quer gespanntes Polymernetz aufgefangen und zum Stillstand gebracht.
Mehrere Brandspuren an den Seiten deuteten unmissverständlich daraufhin, dass es wiederholt ins Kreuzfeuer der Gegner geraten war.
Während die Antriebsspulen noch unter großer Hitze Dampf ausstießen öffnete sich die hintere Luke und die beiden jungen Offiziere Hagman und Simmons stolperten aus dem Shuttle.
Dichter Rauch quoll aus dem Innenraum des kleinen Gefährts.

„Mann, die haben uns ganz schön in die Zange genommen. Der letzte Treffer hat uns glatt die Leitungen zum Antrieb durchschmoren lassen. Gott sei dank hat die strukturelle Integrität gehalten. Auch die Schildenergie war noch bei gut 70 Prozent, aber ohne Antrieb wenn man sich nicht weg bewegen kann ist man diesen Kerlen hilflos ausgesetzt.“

Simmons wischte sich mit dem Ärmel über das rauchgeschwärzte und verschwitzte Gesicht.
„Und wie habt Ihr das Ding wieder in Gang gekriegt?“ wollte Fähnrich Riseman wissen, der den beiden entgegeneilte.

„Haben wir gar nicht...“ sagte Hagman, ein untersetzter und braunhaarige Bursche, der nach seinem Aussehen zu urteilen einem Bergvolk aus den Anden entstammen konnte,
„...ich habe einfach den Druck aus den hinteren Zusatzsauerstofftanks abgelassen um Geschwindigkeit zu machen, fürs Lenken haben wir die kleinen Manöverdüsen benutzt. Nur zum Bremsen gab’s halt nichts.
Sorry, dass wir Deinen schönen Boden verkratzt haben. Da wirst Du jetzt erst mal Bohnern müssen, und das, bevor der Alte die nächste Inspektion macht.“

Die kleine Gruppe lachte kurz auf. Ein Zeichen dafür, dass die Crew auch mit solch brisanten Situationen umzugehen wusste und die ständig präsente Gefahr zu verdrängen vermochte.

Van Dyke ging ans Überwachungspult, an dem Lieutenant Otumbwe Dienst hatte.
Er hatte ebenfalls alle Hände voll zu tun und aktivierte gerade den Lastenlift, der ein weiteres Shuttle aus dem unteren Lagerraum in den Haupthangar beförderte.
Der Lärm in der Halle zwang van Dyke lauter zu sprechen, wobei er sich bemühte, dass es nicht in Schreien ausartete.

„Lieutenant, wo ist das Shuttle, welches ich vorhin angefordert habe?“ fragte er den hochgewasenen afrikanischen Mann, der nur kurz aufblickte und gleich wieder seine Kontrollen überprüfte.
„Das kommt gleich mit dem Lastenlift hoch Sir, wir mussten hier kurzfristig ein wenig Platz schaffen, wie Sie sicherlich bemerkt haben.“

„Gut, was schätzen Sie wieviele Personen in ein Shuttle des Typs 7 hineinpassen, wenn man Sie eng stellt.?“
Otumbwe sah van Dyke verwirrt an.
„Normalerweise ist das Shuttle für sechs Personen und zwei Flugbegleiter ausgelegt Sir.“
Van Dyke blickte dem Lieutenant entnervt in die Augen. Ihm lief die Zeit davon.

„Ja, das ist mir auch klar. Meinen Sie man kann für einen kurzen Moment 25 bis 30 Personen in voller Kampfmontur inklusive Phasergewehren hineinquetschen?“
Er schaute den stellvertretenden Chefingenieur an und wartete auf eine Antwort.

„Nun das müsste man versuchen Sir.“ kam es zögernd.
Otumbwe war es noch immer nicht klar, warum und wofür der Commander eine so große Anzahl von Leuten in ein so kleines Shuttle zwängen wollte.
„Lieutenant besorgen Sie sich 30 bis 35 Leute, die vollständige Marschausrüstung tragen und geben Sie jedem ein Phasergewehr des Typs drei geladen und auf höchste Energiestufe eingestellt in die Hand.
Es sollen so viele wie möglich in das Shuttle gehen und sie sollen die Finger vom Abzug lassen!
Wenn es soweit ist sagen Sie mir Bescheid, ich bin an der zweiten Computerkonsole dort drüben. Das ist alles.“

Otumbwe nickte und tippte sofort auf seinen Kommunikator.
Er gab eine Reihe von Anweisungen und bemühte sich die Dringlichkeit der Aufgabe durch einen sehr militärischen Tonfall inklusive aller dafür üblichen Mataphern zu verdeutlichen.
Die Hebevorrichtung nahm derweil das Shuttle George von der Liftplattform und setzte es millimetergenau auf die Vorbereitungsfläche.
Zwei Crewmitglieder der Technik machten sich sofort daran die Einsatzbereitschaft herzustellen.

Van Dyke aktivierte die Konstruktionspläne des Shuttles um daraus die Daten für eine Holoprojektion zu generieren.
Nachdem er alle Details übertragen hatte rief Otumbwe zu ihm herüber, dass die gewünschten Crewmitglieder bereitstünden.
Van Dyke drehte sich um und sah mehr als dreißig Personen mit voller Marschausrüstung und Phasergewehren am Rand der riesigen Shuttlehalle stehen.

Er trat auf Sie zu und erklärte seine Wünsche:
„Also meine Damen und Herren, ich benötige eine Sensoraufzeichnung von Personen, die mit voller Montur in diesem Shuttle sitzen.
Dabei ist es nicht wichtig, dass Sie sich wohl fühlen, oder ob Sie sich bewegen können. Es sollen einfach nur so viele wie möglich sein. Haben Sie mich verstanden?“

Ein Raunen ging durch die Menge und einige der Fähnriche und Mannschaftsmitglieder flüsterten untereinander, aber es gab keine Wortmeldung.
„Gut dann achten Sie bitte darauf, dass keiner den Finger am Abzug hat, Löcher in der Kabine sind das letzte was ich brauche.
Bitte mit Disziplin und Ruhe. Die Abtastung die ich vornehme wird ungefähr 5 Minuten dauern. Solange müssen Sie sich ruhig verhalten. Und jetzt los.“

Nacheinander bestiegen die Personen das kleine Schiff und van Dyke zählte sorgfältig mit.
Nachdem bereits 27 Mann dichtgedrängt im Shuttle standen versuchte Van Dyke noch weitere Leute unterzubringen, aber auch mit Aufrücken und Pressen waren 31 Personen das Maximum.

Van Dyke startete den Multiscan und zeichnete die Lebenszeichen aller Personen, sowie alle Energiesignaturen der mitgeführten Ausrüstung auf.
Nachdem die Aufzeichnung abgeschlossen war entließ er die Leute langsam aus dem engen Verlies, und schickte sie wieder dahin zurück, wo Lieutenant Otumbwe sie vorher abgezogen hatte, wo auch immer das war.

„Lieutenant, lassen Sie die Standard-Phaserstrahler gegen die neuen Hochleistungs-Pulsphaser austauschen und verbinden Sie diese mit der Sekundären Hauptleitung.
Wir bereiten noch eine zusätzliche Energiezelle für dieses Shuttle vor. Ich will in zehn Minuten starten. Also, die Zeit drängt.“
Während van Dyke die letzten Worte sprach, war er schon dabei den Hangar zu verlassen um in den Maschinenraum zu gelangen.

Dort herrschte hektische Aktivität. Jan van Holt und J.J. kamen gerade mit einer defekten EPS-Leitung aus der Jeffreys-Röhre gekrochen und van Holt eilte in einen Nebenraum um Ersatz zu holen. Mit einem jungen Fähnrich verschwand er gleich darauf wieder in der Röhre.

Jaqueline Jefferson kam auf van Dyke zu und wischte sich mit der Hand über die Stirn. Ihre blonden Haare waren ein wenig durcheinander und sie sah ziemlich abgekämpft aus.

„Hallo Commander...“ rief sie, „...Sie wollten doch schon vor einer Stunde hier sein um mich zum Essen abzuholen.“, versuchte sie einen Scherz zu machen, aber in der Mischung aus blinkenden Kontrollampen, akustischen Signalen und den Stimmen der Crewmitglieder, die sich Informationen und Anweisungen zuriefen ging die Pointe verloren und sie senkte verzweifelt den Kopf.

„Ihre Babys stehen hier drüben, die Datenleitung steckt schon drin, Sie brauchen nur noch Ihr Programm zu übertragen.
Sie hatten Recht, beim zweiten Mal geht alles viel schneller.
Außerdem hatte ich heute unseren ‘Gott der Elektronik’ Mr. Carter zur Verfügung, der die Anpassung der Energiewerte vorgenommen hat.“, erklärte J.J.

„Sehr gut Commander. Was glauben Sie, wie lange könnte man mit der Kapazität dieser Zelle die Simulation von zehn Shuttles des Typ 7 erzeugen?“, fragte van Dyke und Ihm war klar, dass er damit eine Frage stellte, die ohnehin keiner auch nur annähernd beantworten konnte, nicht einmal er selbst.

„Nun ja, Ausgehend davon, dass ein Shuttle wesentlich kleiner ist als unser Schiff, und berücksichtigt man dann wiederum die etwas höhere Detailtreue, dann müssten zirka zwanzig Stunden pro Zelle möglich sein. Sie dürfen allerdings nicht vergessen, dass das Antriebsaggregat ebenfalls Energie verbraucht. Je mehr Sie damit rumfliegen, desto kürzer wird es.“

Van Dyke war zufrieden, das sollte genügen um seinen Plan durchzuführen. Er übertrug die Daten die er im Shuttlehangar erstellt hatte direkt in die fertigen Sonden, entfernte die Übertragungskabel und schloss nacheinander alle Abdeckungen.

„O.K. Commander. Lassen Sie sie zur Abschußvorrichtung im Modul bringen, ich sage auf der Brücke Bescheid, damit unser Kurs angepasst wird. Übertragen Sie mir die Steuercodes für alle fünf Sonden auf das Shuttle George, mit dem werde ich gleich starten.“

Dann tippte er auf seinen Kommunikator und stellte eine Kom-Verbindung zur Brücke her.
„Captain, ich bin soweit in drei Minuten sind hier alle Vorbereitungen getroffen und wir können loslegen.“

„Verstanden Mr. van Dyke, Brücke Ende...“, antwortete der Captain und gleichzeitig wandte er sich an Ramirez, der an seiner Station saß und versuchte die Fluglage der ALEXANDRIA unter Kontrolle zu halten.

„...Ramirez, überfliegen Sie die Gruppe beim nächsten Anflug so, dass wir über den Pol des Mondes fliegen können und dahinter eine schnelle Wende schlagen können.“

„Aye Sir, eine Wende hinter dem Mond.“ wiederholte Ramirez die Anweisung. Sofort schwenkte die ALEXANDRIA wieder auf die Rebellenschiffe zu und überflog sie in Richtung Arlat 4.

Das Föderationsschiff glitt über die Polkappe des Mondes, die aus gefrorenem Wasserstoff und CO² bestand und tauchte kurz weg.
Schon wenige Sekunden später tauchte sie in Höhe des Äquators wieder auf und nahm den Großraumer wieder unter Beschuss.
Die Phaser schlugen auf dessen Schilden ein und ließen das große Schiff erzittern.

Keinem war aufgefallen, dass die ALEXANDRIA im Schutz des Mondes ein Shuttle und fünf Sonden abgesetzt hatte, die sich in diesem Moment auf wundersame Weise ebenfalls in mehrere Shuttles verwandelten und sich langsam in Richtung Planetenoberfläche in Bewegung setzten.
Kapitel 18 by Harald Latus
Van Dyke aktivierte den Navigationscomputer und wählte die Daten der speziellen Waldregion aus.
Durch ein parameträres Programm hatte er die Sonden auf unterschiedliche Abstände und Flugbahnen programmiert und dann die Shuttlesimulationen gestartet, so dass es aussah, als ob ein ganzer Schwarm von Shuttles auf den Planeten zusteuerte.
Er beschleunigte und gleichzeitig zogen die anderen Shuttles mit. Bereits nach wenigen Minuten hatte er eine Position oberhalb der Waldregion erreicht.

Er ließ die Shuttlesimulationen ausschwärmen, so dass sie einen großen Kreis über dem Waldgebiet bildeten.
Diese Position hielt er für annähernd zwei Minuten.
Er wollte den Leuten die Möglichkeit geben seinen Köder zu schlucken und hoffte inständig, dass er sich in seiner Beurteilung nicht getäuscht hatte.
Das holographische Feld über der Siedlung war vollkommen intakt und es war nichts zu erkennen, dass auf eine Abwehrstation oder ähnliche Defensivwaffen hindeutete.
Roger aktivierte sein Kommunikationssystem und stellte eine Kreuzverbindung mit der ALEXANDRIA und der Frequenz her, die Holat Samas der Anführer der Separatisten kürzlich benutzt hatte.

Das Gesicht des Rebellenführers erschien auf dem kleinen Schirm im Shuttle.
Deutlich war zu erkennen, dass er sich dieses Mal nicht auf einem seiner Schiffe befand.

Die Energierelais im Hintergrund waren stationäre Geräte für den planetaren Einsatz und standen wahrscheinlich in einem Bunker oder irgendeiner anderen unterirdischen Einrichtung, da die Wände an vielen Stellen aus massivem Gestein bestanden und mit Energiewaffen in den Fels getrieben worden waren.
Der Anführer lächelte und fragte mit einem sarkastischen Unterton:

„Na Ihr Föderationsschwächlinge, wollt Ihr euch endlich ergeben.
Ich habe mir schon gedacht, dass Ihr noch um Gnade winseln werdet. Auch wenn Ihr eure Leute durch diesen miesen Trick wieder in Sicherheit gebracht habt, so haben wir doch die effektiveren Argumente.
Ihr könnt uns nicht besiegen.“

Van Dyke blickte fest auf den kleinen Kontrollschirm vor sich.
„Da wäre ich mir an Ihrer Stelle nicht ganz so sicher Samas.

Es steht nicht allzu gut um Ihre Flotte hier oben, aber das wissen Sie sicher selbst am besten. Ich erwarte, dass Sie Ihre Schiffe anweisen die Kampfhandlungen sofort einzustellen und dann werden Sie und alle Ihre Gefolgsleute aus Ihren Verstecken kommen und sich den Sicherheitskräften von Tironis und der Föderation stellen. Sie haben fünf Minuten Zeit.“

Holat Samas lachte lauthals auf und die Menge seiner Anhänger die sich hinter ihm versammelt hatte lachte ebenfalls mit.
„Wie? Sie wollen mir Befehle erteilen? Ich glaube Sie verkennen die Situation sie Föderations...was immer sie sind.“ Höhnte der Widerstandskämpfer.

„Mein Name ist Roger van Dyke und ich bin Commander der Sternenflotte zurzeit tätig als Erster Offizier auf der U.S.S. ALEXANDRIA,
Sie hatten mir leider keine Gelegenheit gegeben mich vorzustellen.
Um nun Klarzustellen wer sich hier im Irrtum befindet,
möchte ich Sie bitten, Ihre Scanner einmal auf Ihr sorgfältig getarntes Tal zu richten, in dem Sie Ihre Familien und Freunde untergebracht haben.
Ja, wir haben es gefunden und es war gar nicht so schwer wie Sie uns glauben machen wollten.“

Das Gelächter um Samas verstummte abrupt.
Mit einer schnellen Handbewegung bedeutete er einem seiner Leute diese Nachricht zu verifizieren.
Er sah plötzlich verstört und gar nicht mehr so selbstsicher aus.
In seinen Augen konnte man die aufkommende Sorge und die Wut erkennen, die sich in seinem Körper breit machte.

Als der Mann am Sensorplatz Holat Samas zunickte fuhr van Dyke fort.

„So, nachdem Sie sich jetzt von der Richtigkeit meiner Angaben überzeugt haben erwarte ich dass Sie Ihre Befehle geben,
oder ich werde mit diesen über 1500 Mann in Ihrem kleinen Paradies landen und jeden und alles über den Haufen schießen, was uns vor die Phaser läuft.“

„Das können Sie nicht tun...“ brüllte Holat Samas in die Kom-Verbindung.
Er stützte sich auf dem Pult auf und kam mit seinem Gesicht bedenklich nahe an die Kamera
„...das sind alles unschuldige Personen ohne Waffen und völlig schutzlos.“

Van Dyke konnte die Ignoranz des Rebellen kaum fassen.
„Das waren die Kinder der Stadtschule und die Kranken in der Klinik von Tironis auch, aber das hat Sie ja scheinbar überhaupt nicht interessiert.
Sie haben nicht einmal Ihr eigenes Ultimatum eingehalten.
Wissen Sie was, Sie haben Recht. Wieso soll ich überhaupt noch warten, bringen wir’s doch lieber gleich hinter uns.“

Damit tippte er auf die Steuerkonsole und langsam glitten die Shuttles immer tiefer in die Atmosphäre. Jetzt kam es darauf an, dass der Rebellenführer schnell nachgab, sonst würde Rogers Schwindel bald auffliegen.
In der dichteren Atmosphäre waren die Sonden nicht mehr richtungsstabil und nur noch schwer unter Kontrolle zu halten.

Die Rebellen hatten die Audio Übertragung stummgeschaltet.
Van Dyke sah, wie die Helfer von Samas wild an den Konsolen und den anderen technischen Einrichtungen hantierten.
Samas sprach mit einem seiner Leute und es sah nach einem heftigen Wortgefecht aus.
Die beiden liefen ständig hin und her, und der Rebellenführer machte mehrfach abweisende Handbewegungen und deutete dann auf den Übertragungsschirm, wobei er heftig auf seinen Gefolgsmann einredete.
Schließlich schüttelte er den Kopf, kam wieder ans Pult und öffnete den Audiokanal wieder.

„Warten Sie! Welche Garantien können Sie uns geben, dass keinem meiner Leute oder unserern Familien ein Haar gekrümmt wird?“, sprach Samas in immer noch forderndem Ton in die Kom-Verbindung.
Van Dyke setzte sein bestes Pokerface auf und antwortete:
„In diesem Spiel gibt es keine Garantien. Diese Regel haben Sie selbst aufgestellt.
Aber wenn es Sie beruhigt, die Sternenflotte ist normalerweise nicht daran interessiert Konflikte auf militärische Art zu lösen.
Diesen Angriff hier haben Sie sich selbst zuzuschreiben. Grundsätzlich versuchen wir solche Probleme auf diplomatischem Wege in den Griff zu bekommen.
Wir versichern Ihnen, dass wir eine diplomatische Delegation abstellen, die zwischen Ihrer Gruppe und der aktuellen Regierung, rechtmäßig oder nicht, vermittelt.
Die Regierung von Sakras 5 hat uns einen Einblick in die letzten Dekaden Ihres Planeten gewährt und wir konnten feststellen, dass keinerlei Gewaltbereitschaft in der Bevölkerung zu erkennen war.
Sie und Ihre Leute werden sich allerdings den geltenden Gesetzen auf Ihrem Planeten unterwerfen müssen, auf diese Entscheidungfindung haben wir dann keinen Einfluss.
Ich kann Ihnen nur raten hier und jetzt einen Schlussstrich zu ziehen und endlich wieder für eine friedliche Zukunft zu arbeiten.
Und eines weiß ich aus Erfahrung.
Miteinander geht es viel leichter als gegeneinander.“

Für einige Minuten war noch immer der ratlose Gesichtsausdruck von Holat Samas auf dem Bild zu sehen. Dann hatte er sich entschieden.
Auf der Kom-Verbindung waren einige Anweisungen in alt Sakranianisch zu hören, die an die Schiffe der Flotte und die äußeren Sammelstellen der Untergrundbewegung gerichtet waren.

„Commander van Dyke, Wikland hier. Der Rebellenverband hat die Kampfhandlungen eingestellt.“
Van Dyke atmete tief durch, das war knapp. Er stabilisierte die Sonden erneut und versetzte sie dabei in langsamen Steigflug, so dass Sie über dem Gebiet kreisten.

„Captain weisen Sie die Station Merlin an, dass Sie alle verfügbaren Sicherheitsleute sowie die Sicherheitskräfte aus Tironis zu den entsprechenden Koordinaten beamt, die Holat Samas durchgibt.

Ich schlage vor, dass alle Mitglieder der Untergrundbewegung in Gewahrsam genommen und entwaffnet werden.
Danach sollten alle zunächst einmal in das Waldgebiet transportiert werden. Wir können Sie dort zusammen mit Ihren Familien und Bekannten mit einem Sicherheitsfeld der Stufe 4 festsetzen.“

Der Captain nickte und van Dyke konnte den kämpferischen Ausdruck in seinen Augen noch immer deutlich wahrnehmen.
Er war sich sicher, der Captain hätte bis zum bitteren Ende gekämpft und die Rebellenflotte mit Sicherheit bis aufs letzte Schiff vernichtet.
Roger schaltete auf eine sichere Verbindung zur ALEXANDRIA um und setzte seine Unterhaltung fort:

„Captain, wenn Sie die Shuttles und Runabouts eingeschleust haben sollten Sie dafür sorgen, dass Sie eine Ablösung mit möglichst vielen Schiffen hierher beordern, damit ich den geordneten Rückzug antreten kann, ohne dass unser kleiner Schwindel auffällt.“
Der Captain richtete sich in seinem Stuhl auf und erwiderte dann:
„In Ordnung Nummer eins, sobald wir soweit sind lassen wir die Ablösung starten, bis dahin viel Glück, Wikland Ende.“

Damit brach die Verbindung ab und van Dyke war wieder allein.
Er richtete seine Scanner und Bildabtaster auf den Mond und betrachtete den angerichteten Schaden.
Überall waren Trümmerteile zu sehen und viele der Raumschiffe hingen in grotesken Winkeln im All.
Die Kreuzer und Großraumschiffe zeigten überall Brände die auf austretendes Gas zurückzuführen waren.

Lediglich zwei Schiffe verließen den Kampfschauplatz mit langsamer Geschwindigkeit und ließen die ALEXANDRIA in einem großen Trümmerfeld zurück.

* * *

Holat Samas und seine wichtigsten Gefolgsleute waren direkt nach ihrer Festnahme auf die ALEXANDRIA gebracht worden
und es hatten unter der Leitung von Captain Wikland und Commander Nicolai Graves Gespräche zwischen den Rebellen und dem zentralen Rat stattgefunden.
Da beide Parteien sehr voneinander eingenommen waren hatte es einiger Geduld bedurft die jeweiligen Forderungen zu sondieren und eine klare Linie in die Gespräche zu bringen.

Nach einem Verhandlungmarathon von 21 Stunden konnte dann endlich eine für alle Seiten akzeptable Lösung erarbeitet werden.
Man beschloss dieses Ergebnis schon am nächsten Tag auf Sakras 5 bekannt zu geben um weiteren Unruhen vorzubeugen.

Das Parlamentsgebäude in Tironis war zwar von den Angriffen verschont geblieben, aber es lagen überall in den Gängen und Büroräumen Verletzte auf notdürftig hergerichteten Tragen die ärztlich versorgt wurden, da das Krankenhaus in Schutt und Asche lag.

Wikland und van Dyke folgten den Mitgliedern des zentralen Rates in den großen Sitzungssaal, in dem die Politiker sich zusammengefunden hatten.
Auch Commander Nicolai Graves mit seinem Stab war von der Raumstation Merlin heruntergebeamt und hatte die drei Crewmitglieder der ALEXANDRIA gleich mitgebracht, die während des Kampfes aus den verborgenen Höhlen der Separatisten gerettet worden waren.
David Robinson schaute dem Captain ins Gesicht und hatte dabei einen gleichgültigen Ausdruck in seinen Augen.

Er hatte ohnehin entschieden die ALEXANDRIA zu verlassen, und eine eventuelle negative Beurteilung von Wikland störte ihn nicht sonderlich. Sein Leben hatte ihm schon weitaus schwerere Situationen aufgegeben.

Nachdem Erek Kanor und Timor Ballat das Podium als letzte betreten und sich gesetzt hatten trat Stille ein.
Erek Kanor stand nun auf und trat in den Kreis, der auf dem Podium von einem Deckenscheinwerfer gebildet wurde und richtete sich an die Anwesenden.

„Liebe Freunde, durch die Hilfe der Föderation sind wir jetzt wieder in der glücklichen Situation, dass wir unsere alltäglichen Pflichten wahrnehmen können ohne um uns oder unsere Kinder zu fürchten.
Man hat für uns gekämpft und uns den Frieden zurückgegeben.
Ein wahrlich großes Geschenk, welches es zu bewahren gilt.
Es zeigt, dass wir den richtigen Leuten unser vertrauen geschenkt haben.
Auch wenn es für einige von uns bedeutet, dass in manchen Situationen das Beharren auf dem eigenen Standpunkt und das zugesicherte Recht nicht im Vordergrund stehen dürfen.
Unser Dank gilt Captain Jan Erik Wikland und seiner tapferen Crew und unsere Gedanken sind bei jenen, gleich auf welcher seite sie standen, welche diesen Tag nicht mehr erleben durften und nun hoffentlich an einem besseren Ort weilen...“

Wikland, der sich bei solchen Anlässen immer unwohl fühlte blickte sich um.
Links neben Ihm saßen Avallia Sen und Simas die beiden Frauen des Rates, die in den letzten Tagen auf der ALEXANDRIA gelebt hatten.
Van Dyke, der rechts von ihm Platz genommen hatte verfolgte gespannt den Vortrag des Präsidenten, der in ausschweifenden Worten die Handlungen der vergangenen Tage Revue passieren ließ und dabei staunende Gesichter erzeugte.
Plötzlich öffnete sich eine Tür und der Anführer der Rebellen Holat Samas wurde begleitet durch zwei Sicherheitskräfte der Stadtpolizei hereingeführt.

Er sah überraschend sauber aus und machte nicht mehr den verwahrlosten Eindruck, den man noch von den ersten Begegnungen kannte.
Ein wesentlicher Grund hierfür war das perfekt sitzende Gewand des zentralen Rates, in dem er wie ein waschechter Politiker aussah.

Ein Raunen ging durch die Menge und einige der Delegierten unterhielten sich leise hinter vorgehaltener Hand.
Samas betrat das Podium und ihm wurde bedeutet neben Erek Kanor stehenzubleiben.
Dieser war in seinen Beschreibungen an einem wichtigen Punkt angekommen und machte eine kurze Pause.

Dann ergriff er erneut das Wort.
„Nach eingehenden Beratungen haben wir beschlossen, Holat Samas als vollwertiges Mitglied in den derzeitigen zentralen Rat aufzunehmen.
Gemeinsam mit mir wird er die Menschen unseres Planeten führen.
Wir haben uns zu diesem Schritt entschlossen um allen Sympathisanten der Rebellen zu verdeutlichen, dass Ihre Wünsche in der derzeitigen Regierung eine ebensostarke Stimme haben, wie die Wünsche aller anderen Regierungsformen.
Wir verbinden damit die gemeinsame Hoffnung, dass eine solche Situation auf unserer Welt nie wieder entstehen möge.“

Nachdem der Präsident geendet hatte, herrschte im Raum eine unheimliche Stille.
Anscheinend wusste keiner so genau ob er sich über den gefundenen Kompromiss freuen oder ihn verteufeln sollte.
Dann trat Holat Samas in den Lichtkreis und richtete sich an die Zuhörer:

„Unser Ziel war anfangs klar umrissen. Die Nichtbeachtung unserer Interessen und die klare Weigerung des Rates den bestehenden Entschluss rückgängig zu machen, führte in unserem Staatssytem zu großer Unzufriedenheit.
Die Proteste und friedlichen Aktionen zeigten keine Wirkung und so fanden sich mit der Zeit immer mehr Leute zusammen, die unsere berechtigten Wünsche auf andere Weise durchsetzen wollten.
Wir haben nie in Frage gestellt, ob das was wir tun unrechtmäßig ist, wir haben immer nur die Vorgehensweise der Anderen verurteilt.
Mit der Zeit wurden unsere Aktionen immer härter, um das gewünschte Aufsehen zu erregen. Zum Schluss hat keiner mehr nach Menschenleben oder verloren gegangenen Werten unserer Kultur gefragt.

Hätte die Sternenflotte uns nicht zu einem Kompromiss gezwungen, wir hätten womöglich noch die nächsten 40 Jahre weitergemacht.
Wir hatten niemals in Erwägung gezogen mit dem zentralen Rat zu verhandeln, und doch mussten beide Seiten von der Föderation lernen, dass das Wohl von vielen mehr wiegt als die Wünsche oder Ängste von wenigen oder eines Einzelnen.

Unter Vermittlung unserer Gäste haben wir den von Erek Kanor beschriebenen Beschluss gefasst und ich versichere an dieser Stelle, dass ich alles in meiner Macht stehende tun werde um die Wünsche unseres Volkes, gleich aus welchem rechtsstaatlichen System sie kommen mögen, zu verwirklichen.
Ich appelliere an dieser Stelle auch an meine treuen Gefolgsleute diese Entscheidung anzuerkennen und bin gerne bereit jede Stimme zu hören die ein berechtigtes Anliegen vorträgt. Danke.“

Damit trat Samas wieder zurück und der Präsident betrat erneut den Lichtkreis um die Details dieses Abkommens näher zu erläutern.
Es dauerte annähernd eine Stunde bis der Präsident seine Ausführungen beendet hatte und die anderen Mitglieder des Rates ihren Kommentar abgegeben hatten.
Avallia Sen hatte sich leidenschaftlich für die künftige Zusammenarbeit stark gemacht und sich ebenfalls mit einem vielsagenden Blick bei der Föderation und im Besonderen bei Captain Wikland bedankt.

Nun war es an der Zeit für den Captain einige Worte an die Delegierten zu richten.
Er verließ seinen Platz am Rand des Podiums und trat in den hellen Lichtkreis.
Obwohl das von oben kommende Licht sehr hell war strahlte es zu seiner Überraschung gar keine Wärme aus.
Wikland räusperte sich kurz, er hatte lange überlegt was er den Mitgliedern des Parlaments sagen wollte und hatte sich dann für ein nur kurzes Statement entschieden.

„Eure Exzellenzen, werte Mitglieder des Rates und Abgeordnete.
Die Föderation ist seit einigen Jahren ein stiller Begleiter und aufmerksamer Beobachter Ihrer Welt.
Mit Anerkennung haben wir den Fortschritt Ihrer Rasse und die Entwicklung Ihrer Kultur zur Kenntnis genommen und haben mit Besorgnis die Auswirkungen dieses Konfliktes in Ihrer Welt verfolgt.
Umso mehr freuen wir uns, dass es, wenn auch unter großen Opfern auf allen Seiten, nunmehr zu einem Frieden gekommen ist, der seinen Wert sicher bald unter Beweis stellen wird.

Wir sind gerne bereit Ihre Bitte um Aufnahme in die Föderation, unserer Regierung und dem Föderationsrat erneut zu unterbreiten.
Wir kamen um unseren Freunden und den Angehörigen unserer Gemeinschaft in einer Notlage zu helfen und sahen uns aufgrund der aktuellen Geschehnisse auf Sakras 5 veranlasst, entgegen unseren eindeutigen Befehlen zur Nichteinmischung für eine Seite Partei zu ergreifen um größeren Schaden abzuwenden.

Wenn wir, die wir an Ihrer Seite die Krise mit durchlebt haben nun wieder unseren Weg aufnehmen und die uns auferlegten Aufgaben durchführen, so ist dies kein Abschied für immer.
Auf Sakras 5 haben wir einen Ort gefunden, den wir in unserer Kultur als Paradies bezeichnen und wir versprechen, wann immer es unser Weg und unsere Zeit zulassen, Sie hier zu besuchen.

In der Zwischenzeit werden unsere Kollegen von der Station Merlin den Kontakt zu Ihnen intensivieren und Sie bei Ihren Gesprächen mit der Föderation unterstützen.“

Nachdem der Captain geendet hatte brandete Applaus in der großen Halle auf, der allen Beteiligten gleichermaßen galt.
Die Menge erhob sich von ihren Plätzen und alle drängten nach vorne zum Podium und umringten die Würdenträger.
Holat Samas wurde noch immer mit Skepsis und offenem Misstrauen bedacht und man konnte Ihm ansehen, dass er in seiner neuen Rolle als Mitglied des Rates seine Emotionen nur schwer unter Kontrolle halten konnte.
Seine Augen strahlten noch immer diesen Kampfeswillen aus und bei jedem zweifelnden Wort das von den Delegierten an ihn gerichtet wurde, blitzten sie kurz auf und verrieten den starken Willen und die Energie, die Samas zum Führer der Untergrundbewegung werden ließen.

Die Kathedrale der Vereinigung war der einzige Raum, der die vielen hundert Ehrengäste aufnehmen konnte, die zum Galadinner gekommen waren.
Sie war im Inneren liebevoll geschmückt und an einer Seite nahe dem Altar war eine Tafel aufgestellt, welche die Namen all derer enthielt die im Verlauf der Krise der letzten Tage ihr Leben gelassen hatten.

Ganz im Stil des gefundenen Kompromisses hatte man die Namen aller Verstorbenen, gleich von wo sie kamen, alphabetisch aufgelistet und so standen die Namen der Rebellen mitten zwischen den Kindern und Kranken, die in Tironis umgekommen waren.

Die Feierlichkeiten dauerten bis tief in die Nacht. Alle Crewmitglieder die von der ALEXANDRIA teilnahmen, wurden von den Bewohnern von Sakras 5 wie Helden verehrt und gefeiert.
Selbst van Dyke konnte sich nicht vor dem Ansturm der vielen Gratulanten retten und den Angehörigen der Sternenflotte war diese Art von Verehrung schon viel zuviel.
War es doch in der Föderation üblich, sich bei aller Leistung die erbracht wurde, stets im Hintergrund zu halten und gerade bei anderen Völkern keine Überlegenheit zur Schau zu stellen.

Van Dyke, der sich bei solchen Gelegenheiten eher in eine ruhige Ecke zurückzog und den ganzen Trubel mit etwas Abstand betrachtete fühlte sich erdrückt.
Den ganzen Tag musste er schon Hände schütteln, Schulterklopfen und einige sakranianische Dankesrituale über sich ergehen lassen.
Er sehnte sich nur noch nach seinem Quartier um seinem ausgelaugten Körper ein wenig Ruhe zu gönnen.
Aber sein hilfesuchender Blick zu Wikland wurde mit einem kurzen Kopfschütteln quittiert, was bedeutete, dass auch er bis zum Ende bleiben musste.

Erst am frühen Morgen, als die Dämmerung den neuen Tag bereits ankündigte kamen die letzten Feierlichkeiten zum Ende.
Müde und leicht derangiert verließen die einheimischen Gäste die Kathedrale und machten sich auf den Weg zu Ihren Unterkünften.

Wikland, van Dyke und zwanzig weitere Mitglieder der ALEXANDRIA traten ins Freie und atmeten die frische Morgenluft ein.
Nach einigen Minuten sammelten sie sich, aktivierten die Kommunikationsverbindung mit dem Schiff und in einem leichten hellblauen Glühen, welches sich immer mehr verstärkte lösten sich die Körper auf und verschwanden.

Das Summen verklang und zurück blieb ein Planet, der einen neuen Anfang gemacht hatte.
Kapitel 19 by Harald Latus
Die ALEXANDRIA hatte im Laufe des Gefechts einige Beschädigungen erlitten, die meisten Schrammen hatten sich jedoch in den Shuttles und Runabouts verewigt.
Die Crew wusste genau, dass zunächst die wichtigsten Instandsetzungen der Primärsysteme am Schiff durchgeführt werden mussten, damit in eventuellen schwierigen Situationen die volle Einsatzfähigkeit der ALEXANDRIA gewährleistet war.

Die Beschädigungen auf der Brücke waren bereits am Morgen behoben worden und im Maschinenraum waren noch einige Sekundärsysteme zu reparieren.
Lt. Commander Jefferson hatte mit ihrem Stab die halbe Nacht durchgearbeitet und auch der Delta-Schicht eine umfassende Beschäftigung mit eng gestecktem Zeitrahmen hinterlassen.
So waren bis zu ihrem Dienstbeginn am Morgen alle Aufgaben erledigt worden und alle Hauptsysteme wieder online.

Die Reparatur der Energieverteilergitter, die bei einer Überlastung der Schildmodulierung durchgebrannt waren hatte die meiste Zeit in Anspruch genommen.
Aber auch die doppelte Redundanz der Systeme war kein Grund ohne Reparaturen zu starten.

Der Captain hatte noch einmal die Botschafter und die Würdenträger von Sakras 5 empfangen und sich persönlich von ihnen verabschiedet, jedoch nicht ohne vorher die positive Nachricht zu überbringen, dass die Sternenflotte das Beitrittsgesuch erhalten und wohlwollend beurteilt hatte.
Nach dem offiziellen Teil waren die Mitglieder des Rates auf den Planeten zurückgebeamt.

Wikland hatte sich für einen kurzen Augenblick der Ruhe in das Arboretum zurückgezogen, saß im abgeschwächten Licht der Pflanzenleuchten vor dem kleinen Teich und blickte gedankenverloren auf den Wasserfall, der mit seinem ständigen Plätschern eine beruhigende Wirkung ausstrahlte und alles um einen herum vergessen ließ.

Wikland hörte das Öffnen der Tür und blickte in Richtung des Eingangs.

Von der kleinen Bank auf der er Platz genommen hatte konnte er nicht sehen wer eingetreten war, er vernahm jedoch das Geräusch von leichten langsamen Schritten, die sich näherten.
Avallia Sen, die Kanzlerin der südlichen Hemisphäre kam zwischen den Blumen und Büschen um die Ecke und blieb dann vor Wikland stehen.

Der Captain stand auf und schaute sie eine ganze Weile schweigend an.
In den wenigen Tagen die sie zusammen auf dem Schiff verbracht hatten, hatte sie eine unerklärliche Kraft immer wieder zueinandergeführt und beide fühlten, dass sie den Anderen auch ohne viele Worte verstehen konnten.
Es war so, als ob beide auf ein und derselben Ebene existierten, die einen direkten Zugang zum Innersten des Anderen öffnete.
Es war kein Gedankenlesen oder eine vergleichbare Fähigkeit, von denen sie keine besaßen, es war etwas viel stärkeres was sie aneinander band.

„Warum sind Sie noch einmal gekommen Kanzlerin?“, fragte Wikland, und bewunderte ihr schönes Gewand, welches aus einer blausilbernen Faser bestand.
Ihre Schultern trugen einen tiefblauen Umhang, der vorne nicht verschlossen war und der bis zum Boden reichte.

Auf der rechten Seite steckte eine silberne Brosche, welche die Form Ihres Landes nachzeichnete.
Das Land war von einem Kreis umgeben in dem mehrere verschiedene Köpfe abgebildet waren.
Es war das Symbol der neuen Regierung und beinhaltete die Aussage, dass jedes Land und Regierungssystem nur ein Teil des Ganzen war und daneben auch viele andere Meinungen tolerieren musste, die aber ebenfalls Teil dieses Ganzen waren.

Sie blickte zu Wikland auf und antwortete:
„Ich war mir sicher, dass ich mit der offiziellen Verabschiedung alle meine diplomatischen Pflichten beendet hatte.
Jedoch wurde mir bewusst, dass meine persönlichen Wünsche bislang noch nicht vollständig erfüllt waren.
Ich fühle deutlich, dass uns in den letzten Tagen mehr verbunden hat als nur die Aufgabe die politischen Differenzen auf meinem Planeten beizulegen.

Um es mit wenigen Worten präzise zu beschreiben, ich fühle mich in Ihrer Nähe wohl und ich würde gerne mehr Zeit mit Ihnen verbringen. Auch wenn das bedeuten mag, dass ich meinen Planeten verlassen müsste um bei Ihnen zu bleiben.“

Wikland sah in ihre fragenden Augen, die nun auf seine Antwort warteten.

„Kanzlerin, ich teile diese Empfindungen mit Ihnen.
Auch ich fühle mich in Ihrer Gesellschaft deutlich wohler und ich habe zum ersten Mal seit Jahren wieder das Gefühl, dass mich etwas sehr stark mit einem anderen Menschen verbindet.
Ich möchte Sie nicht abweisen, im Gegenteil, aber Ihr Platz ist momentan an der Seite Ihres Volkes und im zentralen Rat, der nun eine wichtige und gleichermaßen schwierige Aufgabe zu lösen hat.

Zudem könnte ich Sie auf unserem Schiff nur als Zivilist unterbringen und es bedarf der Genehmigung der Sternenflotte, eine Person dauerhaft auf einem Raumschiff zu stationieren.
Ich bin sicher, dass Sie das verstehen werden, und Sie dürfen nicht vergessen, dass wir versprochen haben Ihren Planeten sobald als möglich wieder zu besuchen.
Ich habe nun einen persönlichen Grund, dieses Versprechen zu halten und ich werde es nicht brechen.“

Obwohl es nicht die Antwort war, die sich Avallia Sen gewünscht hatte, spielte ein erfrischendes Lächeln über ihre Lippen und sie nahm Wiklands Hand in die ihre.

„Ich wünsche Ihnen allzeit gute Reise und ich werde mein Bestes tun um die Situation auf SAKRAS 5 zu stabilisieren.
Vergessen Sie Ihr Versprechen nicht, ich warte auf Sie.
Wenn Sie nicht kommen, dann werde ich losziehen um Sie zu suchen.“

Sie schenkte dem Captain ein letztes Lächeln und wandte sich langsam um. Mit zaghaften leichten Schritten verließ sie das Arboretum und Wikland stand wieder allein vor dem glitzernden Wasserfall.

Wikland war es kaum anzusehen, dass seine Gefühlswelt Purzelbäume schlug.

Am liebsten hätte er die junge Frau in den Arm genommen und stürmisch geküsst.

Aber neben der Etikette, die es ihm gebot einen angemessenen Abstand zu wahren, gab es noch einen weiteren Grund, der den Captain daran hinderte allzu offen auf die junge und hübsche Sakranianerin zuzugehen. Seine verstorbene Frau.

* * *

Inzwischen stand die Tagesschicht bereits wieder kurz vor der Übergabe an die Deltaschicht, die das Schiff für den Abflug vorbereiten sollte.

Commander Darian Wells, betrat die Brücke und nahm im Stuhl des Captains Platz.
Die Stationen wurden übergeben und die entsprechenden Eintragungen ins Brückenlogbuch vorgenommen.
Sven Carlson, der junge dänische Fähnrich übernahm die OPS und Harumi Miyaoka, der drahtige Japaner löste Edison Carter an der Conn ab.

Die Kommunikationskonsole war voll in bajoranischer Hand.
Ymoota Aalia übernahm die Station von Carah Pehl und ging sofort die Protokolle durch um die aktuelle Kommunikation sicherzustellen. Die Station arbeitete fehlerfrei.
Kein Wunder, hatte der Wartungstrupp doch vor wenigen Stunden erst eine komplette Übertragungseinheit installiert.

Wie gewohnt ging der Kommandowechsel schnell, professionell und ruhig von statten.
Das einzige Geräusch das neben den Kontrollsignalen der einzelnen Stationsschirme und dem Quittungston des Computers zu hören war, war das leise Klimpern des bajoranischen Ohrschmucks, eine der wenigen Ausnahmen, die Wikland in Bezug auf die Kleidungsordnung an Bord seines Schiffes zuließ.

Die Tür des Besprechungsraumes öffnete sich und Wikland, van Dyke und Andy Duke betraten die Brücke. An Wells gewandt erklärte der Captain:

„Commander, wir haben beschlossen, in den Raum der Dalerianer zurückzufliegen und dort zu versuchen unseren Erstkontakt erfolgreich abzuschließen, sofern unser kleiner Schwindel noch nicht aufgefallen ist.

Setzen Sie Kurs auf die Position der Sonde die wir zurückgelassen haben und bringen Sie uns so schnell als möglich dort hin, die Zeit wird knapp.
Benachrichtigen Sie David Alexander Robinson, er soll sich in fünf Minuten bei mir melden, ich bin in meinem Raum.“

Wikland nickte van Dyke und Andy Duke zu, die in den Turbolift traten und ging mit großen Schritten zum Bereitschaftsraum.
Kurz darauf schloss sich die Tür hinter ihm und die Brückencrew war bereit, den Dienst und somit auch den Flug aufzunehmen.
Mit einigen freundlichen Worten verabschiedete sich die alte Schicht und damit lag es nun an Darien Wells dem Schiffsarzt, die ALEXANDRIA zu führen.

David Alexander Robinson hatte gerade den Beschluss gefasst ins Lookout zu gehen, als ihn die Nachricht erreichte, sich auf der Brücke beim Captain zu melden.
Ihm war sofort klar, worum es ging und er machte sich missmutig auf den Weg.
Im Turbolift überlegte er kurz, wie er sich am besten aus dieser Situation herauslavieren könnte.
Allerdings fiel ihm auf die Schnelle keine auch nur annähernd glaubwürdige Erklärung ein.

Der Turbolift stoppe und er betrat die Brücke.
Darian Wells deutete mit seinem rechten Daumen auf die Tür des Bereitschaftsraums und verzog sein Gesicht zu einer zornigen Grimasse.

David lächelte süffisant und ging mit entspanntem Gang hinter den Konsolen vorbei zur Tür.
Als das Türsignal ertönte war die feste Stimme von Jan Erik Wikland zu hören, die Robinson zum Eintreten aufforderte.
Die Türhälften glitten auseinander und schlossen sich direkt hinter ihm wieder.

Normalerweise war das spätestens der Punkt, an dem sich alle auf der Brücke wieder ihren jeweiligen Aufgaben widmeten.

Zumindest in ähnlichen Situationen, wie sie im Laufe eines Tages mehr als 20 mal vorkamen. Heute war jedoch alles anders.

„Was, bei allen Göttern des Nordens, hast Du dir dabei gedacht David? Hast Du dir mal überlegt, was denen noch hätte einfallen können?
Ich hätte dich von den Kerlen massakrieren lassen sollen und glaub’ mir das wäre noch das Beste gewesen was dir an diesem Tag passiert wäre!“

Alle Köpfe flogen herum und blickten auf die geschlossene Tür zum Bereitschaftsraum.
Das war eindeutig die Stimme von Captain Wikland, die in dieser Lautstärke sogar durch die Schallisolierung schlug.
Ein unverkennbares Zeichen dafür, dass der Captain über die Handlungsweise seines engen Mitarbeiters sehr ungehalten war.
Allerdings war es in der ganzen Zeit seit die ALEXANDRIA das Raumdock verlassen hatte noch nie zu einem solch lauten Gespräch gekommen.

Der Captain war zwar manchmal etwas aufbrausend, hatte sich aber bei der Konversation mit seiner Crew immer fest unter Kontrolle.
Obwohl Wikland und David Alexander Robinson keine festen Freunde waren hatte sich im Laufe der Dienstzeit eine Vertrauensbasis gebildet, und wenn sie unter sich waren,
hatten sie auf die Dienstgrade und die förmliche Anrede verzichtet.

Umso schlimmer bewertete Wikland das Verhalten seines ehemaligen Führungsoffiziers, der ihn in den letzten Tagen gleich mehrfach enttäuscht hatte.

Darien Wells und die Brückencrew mussten unfreiwillig annähernd zehn Minuten lang mit anhören wie der Captain seinem Ärger Luft machte und Robinson eine Standpauke hielt.
Erst danach wurde Wiklands Stimme leiser und war auf der Brücke nicht mehr wahrzunehmen.

* * *

Die ALEXANDRIA flog mit hoher Warpgeschwindigkeit in Richtung des dalerianischen Sektors und hatte noch gute sechzehn Stunden Ihrer Reise vor sich.
Van Dyke stand an der Wissenschaftsstation und prüfte die Energiewerte der zurückgelassenen Sonde mit sorgenvollem Blick.
Die Anzeigen verrieten ihm, dass sie sich bei den Sakranianern ein wenig zu lange aufgehalten hatten.

Nach seinen Berechnungen würde die Holoprojektion spätestens in vierzehn Stunden zusammenbrechen und dann würde der ganze Schwindel auffliegen.
Er wagte nicht daran zu denken, was die Dalerianer mit Ihnen machen könnten, sollten sie bemerken, dass sich die ALEXANDRIA entgegen deren eindeutiger Anweisung von ihrer Position entfernt hatte.
Roger ging zu K’Orak und verglich seine Ergebnisse noch einmal mit den Auswertungen des Klingonen und drückte seinen Kommunikator:

„Van Dyke an Maschinenraum, Commander Jefferson wie ist der Status unseres Warpantriebs?“

„Brücke, hier Jefferson. Der Warpantrieb hat volle Leistung und wird für die Aufrechterhaltung der maximalen Höchstgeschwindigkeit zur Zeit auf einem Energieniveau von 97% gehalten.“

Van Dyke drückte die Sensorfläche seines PADD’s und checkte einige Anmerkungen seiner persönlichen Notizen, dann richtete er sich wieder an Jefferson:

„Commander, gibt es eine Möglichkeit den Antrieb noch höher zu belasten? wir werden uns um zirka zwei Stunden verspäten wenn wir diese Geschwindigkeit beibehalten.“
Jefferson warf einen kritischen und fragenden Blick zu van Holt, der nur kurz mit den Schultern zuckte.
Dann drehte sie sich um und prüfte noch einmal die Antriebskontrollen.

„Wenn Sie es niemandem erzählen, dann verrate ich Ihnen, dass ich sogar noch Warp 0,03 mehr aus diesem Antrieb holen kann, ohne mir ernsthafte Sorgen machen zu müssen.

Allerdings bräuchten wir mehr als das Doppelte um die von Ihnen genannte Zeitdifferenz ab jetzt zu kompensieren und das ist deutlich mehr als ich mit meiner Methode leisten kann.
Geben Sie mir eine Viertelstunde, ich melde mich bei Ihnen. Maschinenraum Ende.“

Van Dyke trat nach vorne und setzte sich neben Wikland der den Kommandoplatz übernommen hatte. Der Captain sah ihn an und beruhigte ihn.
„Keine Sorge Commander, Sie ist ein guter Ingenieur. Sie wird das in den Griff bekommen.“
Van Dyke nickte kurz und blickte nach vorn wo die Sterne mit Warp 9,74 lange Striche erzeugten und den typischen Ausblick zeigten.

J.J. stand vor der Maschinenkontrolle und ließ eine Computersimulation ablaufen.
Ein kurzer Signalton gab den Abschluß der Berechnungen bekannt und die Computerstimme meldete in der üblichen tonlosen Art:
„Die zur Verfügung gestellte Energiemenge reicht nicht aus, um die vorgegebenen Geschwindigkeitsparameter zu erzeugen!“
Jaqueline Jefferson tippte eine neue Sequenz in die Bedieneinheit und startete die Simulation erneut. Aber das Ergebnis war das gleiche wie noch eben zuvor.

Es war einfach nicht möglich die erzeugte Energiemenge zu 99 Prozent auszunutzen.

Das absolute Limit lag bei 98,2 Prozent und der Rest war Verlustleistung.

Selbst dieses hohe Niveau konnte die ALEXANDRIA nur für maximal 22 Minuten aufrecht erhalten.

Um Zeit gutzumachen musste Sie aber länger als eine Stunde mit Warp 9,922 der absoluten Spitzengeschwindigkeit des Schiffes Reisen.
Wütend schlug sie mit der flachen Hand auf den Diagnosetisch.
Sie war jetzt schon über eine halbe Stunde am experimentieren.

Dabei hatte Sie der Brücke versprochen dass sie diese Frage schnell klären wollte.
Während sie sich resignierend in ihrem Büro in den Stuhl fallen ließ, öffnete sich die Tür des Turboliftes und van Dyke kam in den Maschinenraum.
Er bog um die Ecke und steckte seinen Kopf in das Büro.

„Na, kommen Sie voran oder sollen wir aussteigen und schieben?“
J.J. hob den Kopf und schaute van Dyke verdrossen an, der ihren Blick mit einem freundlichen Lächeln erwiderte.
„Ich dachte ich sehe mal nach ihnen und überzeuge mich davon, dass es Ihnen nicht langweilig wird.“ versuchte er Jefferson aufzumuntern.

Sie schob ein PADD über den Tisch und sagte:
„Schauen Sie sich den Energiebedarf an.
Selbst wenn wir die Energiemenge schaffen würden, müssten wir den Antrieb nach spätestens 46,3 Minuten zum Abkühlen abschalten.
Die einzige Möglichkeit ist eine kleine Steigerung, die wir kontinuierlich beibehalten können.
Dafür müssten wir aber die Effizienz des Antriebs verbessern. Nur so können wir sicherstellen, dass die Warpspulen genug Energie erhalten.“

Van Dyke betrachtete die Aufgabenstellung und die vom Computer erzeugten Simulationsergebnisse.
„Wenn ich Sie richtig verstehe, und die hier aufgeführten Ergebnisse richtig sind, dann ist Ihr einziges Problem, die Tatsache, dass Sie die im Warpkern erzeugte Energie nicht in der erforderlichen Menge und Zeit zu den Warpspulen bekommen, richtig?“

Jefferson war in dieser Situation nicht zum Scherzen aufgelegt.
„Haarscharf erkannt. Es ist ja auch ein Kinderspiel mal eben 110 Prozent Energie zu erzeugen, damit man in der Warpgondel die Reaktionen erhöhen kann.
Schließlich ist das ja nur eine Lappalie, die jede Energieberechnung seit Isaak Persson auf den Kopf stellt und die Gesetze der Physik aus den Angeln hebt.“ erwiderte sie trotzig und setzte eine Schmollmine auf.

Sie fühlte sich in ihrer Ingenieursehre stark getroffen denn sie hatte alles versucht um hier eine Verbesserung zu erreichen.

Van Dyke ließ den Kopf kurz sinken. Eigentlich war das nicht gerade die beste Art einem Vorgesetzten mitzuteilen, dass man seine Wünsche nicht erfüllen konnte. Aber Roger war ein einfühlsamer Mann, der immer genau zu spüren schien, mit welcher Methode er vorgehen musste um sein Ziel zu erreichen.

„OK, ich hätte es etwas diplomatischer ausdrücken können,“, sagte Roger.
„Aber Tatsache ist doch, dass wir eigentlich nur ein Problem zu lösen haben.
Es muss mehr Energie in die Warpspulen. Wenn uns das gelingt, dann muss der Antrieb gar nicht rekalibriert werden um diese 1,5 Prozent Mehrleistung zu bringen, nicht wahr ?“

Jefferson hob den Kopf und antwortete schon etwas ruhiger.
„Das ist richtig, aber wie wollen Sie das machen. Haben Sie dafür auch eine Idee?“ wollte J.J. wissen.
„Nur wenn ich eine zweite Chance für unser ausgefallenes Abendessen bekomme!“
Diesmal musste J.J. tatsächlich lachen. Das war wirklich eine Ungeheuerlichkeit. Aber sie wusste sofort, dass es nur eine Fangfrage sein konnte um sie aus der Reserve zu locken.

„OK. Sie bestimmen Tag und Uhrzeit, ich das Essen. Und jetzt raus mit der Sprache.“
Van Dyke der noch immer an der offenen Tür stand trat in den kleinen Raum und stützte sich mit den Händen auf den Arbeitstisch.

„Gut, stellen Sie sich vor, Sie haben einen Wasserhahn an einem Fass voller Wasser, und wenn Sie den Hahn aufdrehen kommt das Wasser raus.
Wenn das Wasser normal rausläuft ist das Fass in zehn Minuten leer. Wie können Sie erreichen das es in fünf Minuten leer ist?“

J.J. wollte zunächst über diesen lächerlichen Vergleich laut lachen und dann losschimpfen, dass van Dyke ihre wertvolle Zeit verschwende. Aber sie erinnerte sich daran, dass seine Überlegungen Ihr bisher immer weitergeholfen hatten. Es musste also eine Analogie dafür geben, aber es war scher Ihren Geist dafür frei zu bekommen.

„Das ist ganz einfach, ich gebe einen gesteuerten Überdruck auf das Fass und damit läuft das Wasser doppelt so schnell ab.“
Es war im Prinzip das was Sie gerade mit dem Antrieb erfolglos versuchte.

Roger konterte mit reinen Fakten um nicht belehrend zu wirken.
„Ja, aber für den Druck brauchen Sie Energie, und das haben sie ja mit der Energieerhöhung versucht!“, erwiderte er.
„Genau das ist ja das Dilemma, aber tun Sie bloß nicht so als ob Sie das nicht wüssten.“ wetterte Jaqueline.

„Eben, deshalb bin ich ja hier.
Sie haben nur aufs falsche Pferd gesetzt. Sie erreichen nämlich das gleiche Ergebnis, wenn sie den Durchflußquerschnitt des Wasserhahns verdoppeln, und das alles ohne Mehrenergie!“ erwiderte van Dyke.

J.J. hielt inne. Von dieser Seite hatte sie das Problem noch gar nicht betrachtet. Aber dann ging sie gleich zum Gegenangriff über.

„Wir können aber den Querschnitt der Hauptleitung nicht verändern Mister Oberschlau!“ Van Dyke überhörte die Bemerkung geflissentlich.
„Das nicht, aber wir könnten die Resonanzleitungen, die Wartungskabel, den Diagnosestrang und sogar die Abschirmung so anklemmen, dass sie in Richtung Warpspule gehen.“
Jefferson blickte auf die Anzeige auf Ihrem PADD, welches Ihr van Dyke mit den entsprechenden Änderungen in die Hand gedrückt hatte.

„Dann dürfte aber keiner mehr eine solche Leitung berühren, der würde sofort geschmort.“, erwiderte sie.

„Naja, dann stellen Sie eben Schilder auf ‘Frisch gestrichen’ oder so. Andererseits, wenn wir nicht am Ziel sind, bevor unser Schwindel auffliegt werden wir vielleicht sowieso alle geschmort.
Also was hält uns davon ab alles zu riskieren?“ sagte Van Dyke leicht belustigt um auf ihre Sorge eine humoristische Antwort zu geben.

Jaqueline Jefferson drückte ihren Kommunikator und beorderte die besten Leute Ihres Teams in den Hauptmaschinenraum.

Wenige Minuten später hatte sie Ihre Anweisungen gegeben und die Mannschaft machte sich daran die Änderungen vorzunehmen.
Nachdem alle Leitungen entsprechend gepolt waren ging die ALEXANDRIA kurz unter Warp, damit die Leitungen an den Energiekoppler angeschlossen werden konnten.

Nachdem der Antrieb erneut aktiviert wurde beschleunigte das Schiff wieder, und hätte die Navigationsstation ein altes analoges Anzeigeinstrument, dann wäre der Zeiger mit leichtem Zittern bei 9,84 auf der Skala stehengeblieben.

Der Antrieb funktionierte zufriedenstellend und auch die Temperatur im Warpkern blieb stabil, so dass keine Abkühlphase notwendig war.
Kapitel 20 by Harald Latus
„Status Fähnrich Miyaoka?“
Wikland schaute den kleinen Japaner an, der gerade an der Navigationskonsole Dienst hatte.
„Fünf Minuten bei gegenwärtiger Geschwindigkeit Sir!“
Die Zeit wurde verdammt knapp.

Obwohl sie die Fluggeschwindigkeit erhöht hatten, war es ihnen nicht ganz gelungen die Zeitdifferenz aufzuholen.
Selbst bei optimaler Leistung würde die Energie der Sonde, deren Bild noch immer stabil war, in zwei Minuten versagen.
Wikland hatte es gegen den Rat seiner Führungsoffiziere vermieden die Notenergie in den Antrieb zu leiten, da er beim Eintreffen nicht hilflos im Raum hängen wollte, wenn der Antrieb eine Abkühlphase benötigte.
So näherte sich die ALEXANDRIA der Position an der sie die Sonde zurückgelassen hatten und auch das Schiff der Dalerianer hing noch immer wie eine große dunkle Gewitterwolke über der Holoprojektion.
Den Abtastern zufolge hatte sich weder die SIGORTAAN noch die Sonde von ihrem Platz bewegt.

„Nummer Eins, wie wollen Sie die Annäherung an die Sonde durchführen? Wir müssen ja den genauen Platz wieder einnehmen und unseren Anflug können wir nicht verbergen.“
Roger van Dyke, der an der hinteren Konsolenwand stand, drehte sich zu Wikland, der ihn angesprochen hatte.

„Sir, ich habe den Kurs so programmiert, dass wir von hinten auf die Sonde zufliegen und genau auf die Position kommen die wir verlassen haben.
Um die sichtbare Anflugphase so kurz wie möglich zu halten werden wir die maximale Energie uf die Trägheitsdämpfer geben und drei Sekunden vor unserem Zielpunkt unter Warp gehen.
Dann werden wir mit einem Energiestoß aus dem Hauptdeflektor einen millimetergenauen Stopp vornehmen.
Das Ganze wird durch unseren Navigationscomputer automatisch gesteuert, da die Einstellungen zu komplex sind um sie manuell durchzuführen.

Unsere einzige Sorge ist, dass die Projektion vorher zusammenbrechen wird. Wir müssen also wachsam sein um eventuelle Notmaßnahmen direkt einleiten zu können.“

Wikland nickte kurz.
„Verstanden, na dann los!“

Auf der Konsole der Wissenschaftsstation war die Projektion der Sonde zu sehen und das Videosignal welches übertragen wurde.
Daneben wurde die Restzeit angezeigt, die nach der Berechnung des Energieverbrauches noch für die Projektion zur Verfügung stand.
Es waren nur noch wenige Sekunden. Während sich die ALEXANDRIA dem Zielpunkt näherte zählte die Uhr auf null und der Computer meldete:
„Die Energie für die Projektion der U.S.S. ALEXANDRIA ist aufgebraucht. Die Simulation wird beendet.“
Erstaunlicherweise waren das Bildsignal und auch die Energiewerte der Projektion noch immer vorhanden.
Was bedeutete, dass noch eine gewisse Restenergiemenge vorhanden war.
Van Dyke übergab die Kontrolle des Schiffs an den Navigationscomputer und aktivierte das Unterprogramm.
Die ALEXANDRIA ging wenige Sekunden danach unter Warp und im selben Augenblick verschwanden alle Anzeigen der Sonde von den Bildschirmen.
Die Holoprojektion blinkte noch einmal kurz auf und erlosch dann.
Einzig ein kleiner Metallkörper von zwei Metern Länge schwebte unter der Sigortaan und war nur noch ein energieloses Stück Technik.

Zwei Sekunden später wurde sie von dem Föderationsschiff überdeckt und war nicht mehr zu sehen.
Wikland wartete einen Augenblick um die Situation zu bewerten, aber es geschah nichts.
Das Schiff der Dalerianer veränderte weder seine Position noch waren ansteigende Energiewerte zu messen.
Wikland schaute sich um und gab dann Roger van Dyke und Andy Duke ein Zeichen ihm in seinen Raum zu folgen.
Nachdem sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, fragte er seine beiden Führungsoffiziere:

„Wie beurteilen Sie die Situation meine Herren? und wie würden Sie weiter vorgehen?“
Andy Duke blickte den Captain an und sagte:
„Nun, als Sicherheitschef muss ich Ihnen dringend empfehlen, Alarmstufe Rot auszurufen und das Schiff in höchste Bereitschaft zu versetzen. Wir wissen nicht, wie die Dalerianer reagieren werden.
Es ist möglich, dass sie unseren Schwindel bemerkt haben und jetzt die vorher angedrohten Vergeltungsmaßnahmen zur Anwendung kommen.“

Roger van Dyke blickte aus dem Fenster und konnte einen Teil des Rumpfes erkennen, der einen Eindruck von der imposanten Größe des fremden Schiffes vermittelte.

„Captain, bei aller nötigen Vorsicht gehört zu so einem wunderschönen Bluff auch die nötige Selbstüberzeugung und Selbstsicherheit.
Ich bin der Ansicht, dass wir unser Spiel ruhig weiterführen sollten, wenn Sie beim Pokern ein schlechtes Blatt in der Hand haben erzählen Sie es ja auch niemandem.
Tun wir einfach so, als wären wir nie weg gewesen, egal was die Dalerianer sagen, wer kann uns das Gegenteil beweisen, schließlich sind wir doch hier, oder?“

Wikland wägte die Vorschläge ab, er dachte an seine Entscheidung bei Sakras 5, für die er sich sicherlich noch an anderer Stelle verantworten musste.
Für den Moment wollte er sich lieber auf die Urteilskraft seines Stabes verlassen.
Irgendwie widerstrebte es ihm, das Schiff schon wieder in Gefechtsbereitschaft zu versetzen, andererseits durfte man sich seinem Schicksal auch nicht schutzlos ergeben.

„In Ordnung, Commander van Dyke ich denke Ihr Vorschlag hat seine Vorzüge, aber ich will auch die Crew und das Schiff so wenig wie möglich gefährden.
Ein wenig Wachsamkeit kann nie schaden. Gehen Sie auf Alarmstufe gelb.
Wenn sich in 15 Minuten noch keiner gemeldet hat, ergreifen wir das Wort. Das ist alles, vielen Dank meine Herren.“

Van Dyke und Andy Duke verließen den Bereitschaftsraum, nur Wikland blieb am Fester stehen und blickte hinaus auf die Sigortaan.

Er überlegte, welcher Teufel Ihn geritten hatte, dass er sich noch einmal hierher begeben hatte.
Eigentlich hätte er direkt zur Sternenbasis fliegen und den nächsten Auftrag ausführen können. Aber er war nun mal aus einem anderen Holz geschnitzt.
Er hasste es, angefangene Dinge liegen zu lassen oder ganz beiseite zu legen.
Er war sich seiner Pflicht als Sternenflottenoffizier bewusst. Natürlich erwartete man von Ihm, dass er über seinen Flug durch diesen Sektor einen Bericht abgeben würde, und man baute darauf, dass dieser kürzere Weg auch künftig von anderen Versorgungsschiffen genutzt werden konnte.
Das war aber nur dann möglich, wenn er seine Aufgabe hier zu Ende brachte. Zudem gab es für einen gestandenen nordischen Mann keine Herausforderung, der er sich nicht stellen würde.

Er war sich sicher, dass er einen Ausweg aus dieser Situation finden würde, auch wenn die Verständigung mit den Dalerianern sehr mühselig werden würde.
Er beschloss, sich noch einmal die Aufzeichnung der ersten Gespräche anzusehen um sich auf die kommende Aufgabe vorzubereiten.
Auch die Videoprojektion der Sonde ließ er in kurzen Sätzen über den Schirm gehen, um zu sehen, welche Informationen die Dalerianer erhalten hatten.

* * *

Eine halbe Stunde war seit der Ankunft der ALEXANDRIA vergangen und nichts hatte sich ereignet.
Der Captain hatte alle Informationen noch einmal gründlich gesichtet und war bereit den nächsten Schritt zu tun, auch wenn dies länger gedauert hatte als die vorher veranschlagten fünfzehn Minuten.

Er drehte sich zur Kommunikationskonsole um und gab die Anweisung eine Verbindung zur Sigortaan herzustellen.

Es dauerte einige Sekunden, dann erschienen das bereits gewohnte Bild auf dem Hauptschirm, welches den Raum mit dem großen Tisch zeigte.

Auf den Stühlen saßen zwei Dalerianer, Karthofeen und ein anderer, der Ihnen noch nicht vorgestellt worden war.
Ihre Gesichter sahen übernächtigt aus aber im Gegensatz zu den menschlichen Zügen, die meist nach einer durchzechten Nacht deutlichen Veränderungen unterlagen,
waren außer einer blassen Farbe und einigen Flecken an der Stirn keine Zeichen im Gesicht zu erkennen.
Die restliche Körperhaltung deutete jedoch auf eine totale Erschöpfung hin.

„Ich grüße Sie Karthofeen Alvat der Sigortaan.

Ich hoffe die von uns abgegebene Erklärung konnte Ihnen den Sinn unserer Reise und die friedliche Absicht unserer Föderation in angemessener Art und Weise verdeutlichen, wozu ich bemerken möchte, dass dies nur ein kleiner Teil unserer Informationen ist, den wir Ihnen zu geben bereit sind.“, sagte Wikland.

Der Dalerianer hob den Kopf ein wenig und antwortete:
„Wir haben Ihre Informationen sorgfältig aufgenommen und bewertet, aber bitte gewähren Sie uns eine angemessene Ruhephase, wir melden uns bei Ihnen. Bitte halten Sie Ihre Position.“
Damit verschwand das Bild vom Hauptschirm und die Sigortaan füllte wieder die ganze Wand aus.

„Was war denn das?“, wollte van Dyke wissen. Er schüttelte den Kopf und blickte Wikland verwirrt an.
„Keine Ahnung Nummer Eins, aber wie auch immer, sie sehen ziemlich mitgenommen aus. Man könnte fast meinen, sie hätten seit Tagen nicht mehr geschlafen.

Behalten Sie Position und auch Alarmstufe gelb bei. Wir warten ab was passiert.
Halten Sie mich über den Status auf dem Laufenden, auch was die Reparaturen an unseren Shuttles und Runabouts betrifft.“ Damit ging er in den Bereitschaftsraum.

Bis zum Schichtende ereignete sich nichts mehr und auch Wikland hatte an diesem Tag keinen Sinn mehr für weitere Studien, er übergab die Brücke an Lt. Commander Stephanie Hawkins, die häufig in der Deltaschicht arbeitete.
Die kleine und sportliche Person strahlte ein gewisses Etwas aus, welches den Captain häufig an seine verstorbene Frau erinnerte.
Vielleicht war es auch nur die ähnliche Frisur, oder eine ganz bestimmte Körperhaltung. Er wusste es nicht.

Er schüttelte den Kopf, als könne er sich so von diesen unliebsamen Gedanken befreien und ging mit schnellen Schritten zum Turbolift. Bevor er eintrat sagte er:

„Denken Sie daran mich zu wecken, wenn sich etwas tut. Auch wenn es bedeutet, dass Sie mich aus dem Schlaf reißen müssen. Ich verspreche, dass Sie nicht mehr als ein Bein und einen Arm verlieren.“
Ihr leichtes Lächeln, welches er noch wahrnehmen konnte bevor sich die Tür des Turboliftes schloss empfand er als angenehm erfrischend.

Als das Türsignal ertönte rief J.J. bedenkenlos "Herein", obwohl sie nur in einen Bademantel gehüllt vor dem Spiegel stand und sich die Haare mit einem Tuch trocken rubbelte.
Wenn Sie schon nur Ultraschallduschen hatten, so war wenigstens die Möglichkeit gegeben in einem kleinen Becken die Haare mit Wasser zu reinigen und die entsprechenden Pflegestoffe aufzubringen.
Sie stand noch immer mit dem Rücken zur Tür und hatte nicht bemerkt, dass Roger van Dyke inzwischen eingetreten war.
Erst als das leichte Zischen erkennen ließ, dass sich die Tür wieder geschlossen hatte, fuhr sie herum.

„Commander, was machen Sie denn hier?“ rief sie erstaunt und versuchte schnell ihre Haare zu ordnen die in alle Himmelsrichtungen abstanden.
Van Dyke blickte an sich herunter, und suchte demonstrativ nach den nicht vorhandenen Rangabzeichen an seiner Freizeitkleidung „Welcher Commander?“ fragte er und blickte Jefferson dabei mit einem freimütigen Lächeln an.
Gleichzeitig nahm er seine rechte Hand hinter dem Rücken hervor und hielt ihr eine langstielige rote Rose entgegen, die er dem botanischen Offizier im Arboretum für eine kleine Reparatur der automatischen Bewässerungsanlage abgerungen hatte.

„Abendessen, schon vergessen? Sie bestimmen das Essen, ich Zeit und Ort.“ sagte er mit einem fragenden Blick.

Jaqueline freute sich sehr über die Rose, sie nahm eine dünne hohe Vase aus einer der Schubladen und füllte sie mit Wasser, steckte die Rose hinein und plazierte sie auf dem niedrigen Couchtisch. Er war nahezu ausgeschlossen, dass ein solches Exemplar so lange unentdeckt blieb. Gerade im All war es eigentlich ausgeschlossen, dass man so Gewächs tatsächlich zum Blühen brachte.

„Oh Gott, ich hätte nie gedacht, dass Sie diesen Scherz wirklich ernst nehmen!“, sagte sie, drehte sich zu van Dyke um und verschränkte die Arme vor der Brust.
Van Dyke griff mit der rechten Hand an die Verstrebung der Schiffskonstruktion, die hier auf Deck sieben wie eine Dachschräge langsam bis zum Boden lief.

„Normalerweise pflege ich auch nicht meine Scherze in die Tat umzusetzen, aber ich dachte mir, wir beide haben uns einen ruhigen Abend in der Bar verdient, und wieso sollen wir ihn denn jeder für sich alleine verbringen.
Ich gebe zu, ich hätte gerne etwas Gesellschaft und Sie sind meine erste Wahl. Einverstanden?“

Jefferson druckste zunächst etwas verlegen herum aber entschied sich dann doch mitzugehen.

„Ja, na klar, wieso eigentlich nicht. Treffen wir uns im Lookout in zehn Minuten, ich bin zwar schon ein bisschen verrückt, aber nicht so verrückt, dass ich in diesem Aufzug durchs Schiff stolziere.“

Dabei wies sie mit Ihrer rechten Hand auf den blauen Bademantel aus glitzerndem glatten Stoff, der bis zum Boden reichte.

„In Ordnung, ich halte uns einen schönen Tisch frei. In zehn Minuten also. Bis dann.“

Damit verließ Roger das Quartier und Jefferson wandte sich wieder dem Spiegel zu, wobei sie einen Schreck bekam.
Wie? so hatte sie vor van Dyke gestanden? Ihre Haare sahen aus wie die zottige Mähne eines Langhaarhundes nach der Wäsche mit einem Gartenschlauch.
Wie sollte Sie das in der kurzen Zeit nur geregelt bekommen.

Van Dyke hatte einen Platz in der Ecke direkt vor den Fenstern gewählt.
Auf dem Tisch standen eine Kerze und zwei Gläser mit einem leicht bläulichen Getränk.

Die Bar war an diesem Abend nicht sehr stark besucht.
Das mochte auch daran liegen, dass immer noch einige Sonderschichten in den Shuttleabteilungen mit Reparaturen beschäftigt waren, oder an der Aufführung des Theaterstückes für das einige der Crewmitglieder in ihrer spärlichen Freizeit geübt hatten.

Als Jaqueline Jefferson den Raum betrat stand Roger höflich auf und rückte ihr den Stuhl zurecht.

„Oh, ein Kavalier der alten Schule, was?“
Van Dyke lächelte, „Nun, man tut was man kann.“
J.J. erwiderte sein Läcjeln und setzte sich langsam auf den bereitgestellten Stuhl.
Sie nahmen beide einen Schluck des bereitgestellten orionischen Weins und blickten durch die Fenster in den Weltraum.
Die Sigortaan schwebte über Ihnen und so konnten sie in die Tiefe des Weltalls schauen, als stünden sie am Rand einer Klippe.

J.J. war der Ansicht, dass Sie dem Commander noch einen kleinen Dank schuldete. Sie erinnerte sich daran, das Sie beim letzten Problem sehr genervt und nicht gerade freundlich war.
„Ich fand es übrigens sehr nett, dass Sie mir wiederholt mit einem kleinen Tip auf die Sprünge geholfen haben Commander, dass war bislang nicht im Fahrpreis mit inbegriffen.
Die meisten Führungsoffiziere scheren sich einen feuchten Kehricht um den Lösungsweg. Sie wollen nur die Resultate, und das am besten Blitzschnell.“, erklärte Jaqueline Jefferson.

„Nun, dann will ich auch jetzt nicht mit Vorschlägen geizen. Wie wäre es wenn Sie einfach den Commander mal weglassen, den höre ich im Dienst oft genug. Sagen Sie einfach Roger, das reicht.“
Jaqueline Jefferson lächelte.

„Okay, aber nur unter der Bedingung das Sie mich J.J. nennen. Das ist ein Vorrecht, dass nur meinen Freunden zusteht.“, und damit reichte sie ihm die Hand über den Tisch.

Er nahm ihre Hand und drückte sie mit einem freundschaftlich festen Druck.
„Ich freue mich, dass ich mich zu den Privilegierten zählen darf!“ spielte er mit künstlich aufgesetzter ernster Mine. Damit hob er sein Glas und nahm einen Schluck.

„OK, was essen wir heute? ich bin gespannt auf Ihre Auswahl.“
J.J. drückte einige Anweisungen in das PADD das auf dem Tisch lag und gab es dem Crewman, der für die Bedienung verantwortlich war.
„Lassen Sie sich überraschen, es wird Ihnen sicher gefallen.“ antwortete sie lächelnd.

„Sagen Sie mal Roger, Sie lassen nicht gerne den Führungsoffizier heraushängen oder? Ich habe eher das Gefühl, dass Sie ständig versuchen sich mit Ihren Kollegen auf die gleiche Stufe zu stellen.“
Van Dyke wurde ein wenig verlegen.

„Naja, ich kann natürlich auch den harten Kerl spielen, aber es entspricht nicht wirklich meinem Naturell.
Sicher, wenn es darauf ankommt, kann nur eiserne Disziplin und eine klare und präzise Führung den Erfolg garantieren.
Aber sind wir doch mal ehrlich, dass Letzte was wir brauchen wenn wir ein Problem haben ist ein ungeduldiger quengelnder Vorgesetzter, der uns alle paar Minuten auf die Nerven geht, wann wir denn endlich fertig sind.
Ich habe für mich recht früh erkannt, dass man viel mehr erreicht, wenn man sich in Augenhöhe trifft und Erfahrungen austauscht oder neue Ideen in eine verfahrene Situation einbringt.

Ein Unbeteiligter hat oft einen ganz anderen Blickwinkel und sieht die Lösung ohne große Anstrengungen.

Ich habe mir angewöhnt, wenn ich irgendwie festhänge, frage ich einfach jemand anderen und meist kommt mit der anderen Sichtweise schnell ein Lösungsweg.“
J.J. nickte verständig.

„Sie meinen sowas wie das Fass mit dem Wasser? oder die offensichtlichen Dinge, die man als selbstverständlich ansieht ja?“ Roger musste lachen und nickte langsam.
„Ja genau, das Wasser. Ein blödes Beispiel nicht wahr, aber mir ist auf die Schnelle nichts Besseres eingefallen. Aber wir reden immer nur von der Arbeit, was machen Sie eigentlich in Ihrer Freizeit J.J.?“

Bevor Jaqueline antworten konnte brachte der Crewman die Suppe, die sehr gut duftete.
Eine rigelianische Wurzelcremesuppe, die mit feinen Gemüsestreifen versehen, und liebevoll mit kleinen Kräuterstückchen verziert war. Sie war heiß und dampfte appetitlich.

Während sie langsam Ihre Suppe löffelten erzählte J.J. ein wenig über Ihre Interessen:
„Nun ich mag’s gern wenn ein bisschen was los ist, ich gehe oft zu den kleinen Partys, die von meinen Freunden veranstaltet werden und wenn sich die Gelegenheit bietet, gehe ich mit Vorliebe ins Theater.
Was übrigens auch der Grund dafür ist, dass ich Sie spätestens in zwei Stunden verlasse, denn meinen Platz bei der Aufführung würde ich für nichts auf der Welt aufgeben.

Im Übrigen liebe ich Tiere ganz besonders und im speziellen Pferde. Aber mein liebstes Hobby ist immer noch die Fliegerei. Ich bin Pilotin mit Leib und Seele.
Irgendwann will ich mal eins dieser alten Fluggeräte steuern, die noch ohne Navigationscomputer geflogen wurden, einfach mit den Händen am Steuer reißen und zack, rum um die Kurve, das wär’s mal.

Leider stehen diese Dinger alle unter Denkmalschutz oder hängen im Museum an der Decke. Bis jetzt habe ich noch keins gefunden mit dem ich mal eine Runde hätte drehen können.“

Sie schenkte van Dyke ein erfrischendes Lächeln und legte den Löffel in den leeren Teller. Dann ließ sie sich in Ihren Stuhl zurücksinken und blickte ihn unverbindlich an.

„So, nun sind Sie an der Reihe“, sagte sie, verschränkte Ihre Arme und streckte die Füße aus.

„Oh, da gibt es nicht viel zu erzählen. Ich treibe ein wenig Sport und bin vernarrt in Automobile, die Fortbewegungsmittel des späten zwanzigsten Jahrhunderts.
Ich habe sogar mal an einer Rennserie teilgenommen und einige Pokale Zuhause im Schrank stehen.
Wenn ich mich entspannen will höre ich meine Lieblingsmusik, die auch aus dieser Zeitperiode stammt, der neue Kram verursacht bei mir immer nervöse Magenkrämpfe...“

J.J. musste lachen, denn ihr ging es ähnlich. Auch sie hatte einen Hang zur alten Musik, zu der sie auch gerne tanzte.
Inzwischen war der Hauptgang eingetroffen und beide machten sich daran das virgonische Huhn zu zerlegen.
Es war ein Wunder, dass der Replikator hier eine so gute Qualität erzeugen konnte, wo doch das Essen in der Offizierskantine bei weitem nicht den gleichen Geschmack erreichte.
Alle Zutaten machten den Eindruck als seien sie absolut frisch
und direkt zubereitet.

„Sagen Sie J.J., wie kommt es, dass das Essen hier einen so natürlichen Duft und markanten Geschmack hat. Hat hier unser Wunderkind Carter den Replikator eingestellt?“
J.J. musste erst einmal schlucken, denn sie hatte gerade kräftig von dem Hähnchen abgebissen.
„Nein, ganz bestimmt nicht, und ich würde Ihnen auch nicht raten dieses Menü an einem anderen Tag erneut zu bestellen.

Sie werden bestimmt enttäuscht sein.
Wissen Sie, auch meine Fähigkeiten sind dann und wann zu unchristlichen Zeiten an den unmöglichsten Orten gefragt,
und inzwischen ist die Liste der Gefallen die man mir schuldet ungefähr so lang wie die vulkanische Ritualerklärung zum Fal-tor-pan.

Nein, Roger, was Sie da gerade genussvoll zu sich nehmen war gestern noch in der Erde und morgen früh beim Appell in der Tierfarm wird dieses arme Huhn ebenfalls auf der Mannschaftsliste fehlen.“

Roger van Dyke lächelte, während sie das Gericht mit Genuss verzehrten.

Er hatte Recht behalten, es war eine gute Idee gewesen mit J.J. einen gemeinsamen Abend zu verbringen.
Er hatte in ihr einen weiteren Freund auf diesem Schiff gefunden.

* * *

Es waren mehr als zwölf Stunden vergangen, als sich Carah Pehl von der Kom-Station meldete:
„Captain, ich erhalte einen Ruf von der Sigortaan.“

Wikland blickte von seinem Logbucheintrag auf und legte das PADD zur Seite.
Er hatte viel Zeit des vergangenen Abends investiert, um sich an die Sprachgewohnheiten der Dalerianer zu gewöhnen und sich die Worte für ein langes und hartes Verhandlungsgespräch zurechtgelegt.

„Gut, auf den Schirm damit.“ erwiderte er und richtete sich in seinem Sessel ein wenig auf.
Auf dem Bildschirm erschienen die vertrauten Gesichter, die ihnen seit dem ersten Kontakt bekannt waren.
Sie sahen frisch und erholt aus und hatten wieder deutlich mehr Farbe.
Wikland wollte den Dalerianer gerade begrüßen, aber Karthofeen kam ihm zuvor.

„Ich grüße Sie Captain Wikland.
Bevor Sie sich die Mühe machen, unsere Kommunikationsgewohnheiten zu adaptiern möchten wir Sie wissen lassen, dass wir aus Ihren Ausführungen gelernt haben, wie sich Ihre Rasse untereinander verständigt.

Auch wenn diese verkürzte Ausdrucksform nur wenig Informationen vermitteln kann, so waren wir doch in der Lage Ihre Intensionen für das Eindringen in unser Gebiet zu verstehen und haben unseren Sprachübersetzer entsprechend neu konfiguriert.

Es ist sicherlich einfacher für Sie, wenn Sie Ihre Angaben ohne große Veränderungen an Sprache und Gestik vortragen können.
Bitte entschuldigen Sie, dass wir Sie so lange warten ließen, aber Ihr Vortrag war doch sehr lang und interessant.
Sie müssen wissen, dass es bei unserer Spezies üblich ist, dass alle an der Kommunikation teilnehmen und man einen Redner nicht durch Fragen oder eigene Wünsche unterbricht.
Insofern hatten wir eine lange Konzentrationsphase hinter uns und waren nach dem etwas abrupten Ende Ihrer Rede sehr erschöpft.
Wir sind überdies sehr verwundert, dass Ihre Spezies auch bei einer so langwierigen Erklärung keine Regenerationspause benötigt. “

Wikland war sichtlich überrascht.
Der plötzliche Sinneswandel kam selbst für ihn völlig unerwartet.

„Nun, ich freue mich, dass Sie soviel Verständnis für uns aufbringen und es ist mir eine Ehre, dass mein Vortrag über die Föderation eine Klärung herbeigeführt hat.“

Karthofeen blickte seine beiden Crewmitglieder an und wandte sich dann wieder dem Captain zu.
„Wir sind erstaunt, dass Ihre Gemeinschaft diesen Sektor nicht schon viel früher bereist hat.
Einige Individuen unserer Rasse hatten schon Kontakt zu Ihrem Volk. Meist waren es Reisende, die sich in den Randregionen aufhielten.
Unglücklicherweise kam es durch die ungenügende Kommunikation häufig zu Missverständnissen, die nicht selten mit dem Tod der jeweiligen Personen endete.“

Wikland nickte mit dem Kopf und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass die Dalerianer mit ihrem plötzlichen Verhaltenswechsel sein ganzes Konzept über den Haufen geworfen hatten.
Jetzt musste er zusehen, wie er sich geschickt aus dieser Situation befreien konnte.

„Alvat Karthofeen, die Föderation hat diesen Sektor bislang noch nicht erforscht, da unser Gebiet im angrenzenden Sektor an ein benachbartes Hoheitsgebiet, das Romulanische Imperium, grenzt.
Durch die kleinen Konflikte und die Reibereien zwischen den Völkergruppen ist dort besondere Vorsicht von Nöten.
Dieses Gebiet hier ist durchsetzt von vielen Pulsaren, Sternenhaufen und Clustern, so dass es schwer zu kartographieren ist.
Selbst mehrere Schiffe würden aufgrund der Komplexität hierfür mehr als zwei Jahre brauchen.
Wir möchten jedoch zunächst gerne erste Kontakte mit Ihrem Volk aufnehmen und wenn es sich für beide Seiten als nützlich erweist diesen Teil des Universums eventuell unter Ihrer Mithilfe katalogisieren.“
Auf dem konturlosen Gesicht von Palatiin zeichnete sich so etwas wie ein Lächeln ab und Karthofeen fuhr fort.

„Nun Captain, die Informationen Ihres wirklich sehr langen Vortrages haben auch uns neugierig auf Ihre Rasse und im besonderen auf Ihre Föderation gemacht.
Wir haben Ihre Prinzipien genau studiert und können Ihnen voller Freude mitteilen, dass der Kontakt mit unserem Volk nicht mehr nach Ihrer obersten Direktive erfolgen muss.
Wir haben inzwischen einen Entwicklungsstand erreicht, der eher geeignet ist, dass wir eine solche Einschränkung eingehen müssen.
Wir sehen jedoch auch die Tatsache, dass sich aus einer gegenseitigen Akzeptanz Vorteile für beide Kulturen ergeben können, welche die Entwicklung der einzelnen Völker positiv beeinflussen kann.
Ich bin sicher, Sie möchten die Verantwortungsbereiche meiner Berater kennenlernen, denn mit den Titeln, die wir Ihnen Anfangs nannten, konnte Ihr Übersetzungscomputer wahrscheinlich nichts anfangen.

Das hier...“ er deutete auf Trelluut, der sich leicht verneigte
„...ist unser Astovar, was auf Ihrem Schiff der Stellung als erster Offizier entspricht,
außerdem ist er Botschafter des dalerianischen Volkes für den Kontakt mit fremden Rassen.

Mein Berater rechts von mir...“ dabei wies er auf Palatiin, der ebenfalls eine kurze Verbeugung andeutete,
„...ist der Vestral unseres Schiffes.

In Ihrer Gemeinschaft würde man es als Kulturwissenschaftler bezeichnen. Gemeinsam haben wir Ihre Angaben mit großem Interesse verfolgt.“

Wikland blickte sich auf der Brücke um, alle Offiziere widmeten Ihre Aufmerksamkeit den Kontrollen, lediglich Roger van Dyke und Andy Duke, verfolgten das Gespräch auf dem Hauptschirm.
„Nun Alvat Karthofeen...“ begann Wikland
„...vielen Dank für diesen ersten Einblick in die Struktur und Handlungsweise Ihrer Crew.
Ich bin sicher, dass wir einen Konsens bezüglich unseres Weiterfluges ausarbeiten können, nun da wir die jeweils andere Seite ein wenig besser kennen gelernt haben.

Ich möchte Sie daher einladen, uns hier auf der ALEXANDRIA zu besuchen, damit wir weitere Einzelheiten besprechen können. Wir verfügen über die Technik eines ‘Ort zu Ort Transfers’ und könnten Sie ohne weitere Umstände an Bord holen.“, schlug Wikland vor.

Karthofeen beugte sich vor und kam der Kamera etwas näher. Auch bei dieser Perspektive waren auf seinem Gesicht keinerlei Konturen erkennbar.
„Das wird leider nicht möglich sein Captain, wir sind bedauerlicher Weise nicht für das Überleben außerhalb unserer Umweltbedingungen eingestellt.
Die Anpassung ist ein langer Prozeß, der nicht umkehrbar ist, und dem sich nur wenige unseres Volkes unterzogen haben um die Weiten außerhalb unseres Planeten zu erforschen.
Es wäre mit Ihrer Technik nicht möglich ein für uns passendes Umfeld zu schaffen und Ihre Techniker haben ohnehin sicher wichtigere Aufgaben zu erledigen.
Was Ihren Wunsch angeht, die Reise fortzusetzen so sind wir aufgrund der nunmehr vorliegenden Informationen geneigt, Ihrer Bitte zu entsprechen.
Wir möchten jedoch zuvor noch einige Fragen mit Ihnen klären.
Wir werden eine Liste übermitteln, die Sie dann in aller Ruhe bearbeiten können.“

Sermin, der an der Wissenschaftsstation stand nickte dem Captain zu, als die Daten im Schiffscomputer auftauchten und transferierte sie direkt zum Tischterminal im Bereitschaftsraum.

„Wir danken Ihnen Alvat Karthofeen, ich werde mich so bald wie möglich bei Ihnen melden.“ sagte Wikland.
Die Dalerianer senkten Ihre Köpfe zu einer kurzen Verbeugung, danach wurde die Verbindung getrennt.

„Anscheinend sind sie tatsächlich auf unseren Bluff hereingefallen.
Ich hatte schon befürchtet, dass Sie unsere Abwesenheit bemerkt hätten und uns jetzt mit Ihren übermächtigen Waffen und den enormen Energiereserven bis ans Ende des Universums jagen.“
bemerkte der Captain.
Er stand von seinem Stuhl auf und ging zum Bereitschaftsraum.

„Nummer Eins, Sie haben die Brücke. Behalten Sie Alarmstufe gelb bei, man weiß nie ob die es sich noch mal anders überlegen.“

Die Beantwortung der Fragen gestaltete sich weniger schwer als es sich Wikland vorgestellt hatte, sie betrafen hauptsächlich kulturelle Themen, die mit den Mitgliedswelten der Föderation zusammenhingen.
Nur zwei Fragen beschäftigten sich ganz am Rande mit Technik, und hier auch nur im Rahmen der medizinischen Anwendung.
Die wichtigste Frage die Wikland auf der Liste fand war diejenige, ob sich die Föderation einen dauerhaften Kontakt mit der dalerianischen Kultur vorstellen könne.

Die Antwort hierauf war für Wikland die einfachste von allen.
Nachdem er alle Antworten zusammengestellt hatte wies er Carah Pehl an, eine Verbindung zum Schiff der Dalerianer herzustellen und die Übertragung in seinen Raum zu legen.

Auf dem Wanddisplay erschien Karthofeen und blickte Wikland interessiert an.
In einem langen und offenen Gespräch, informierte Wikland den Captain des anderen Schiffes nochmals über alle Hintergründe und die Bereitschaft der Föderation mit neuen Welten in Kontakt zu treten.
Karthofeen, der nun alleine an dem großen Tisch saß blickte Wikland an, eine Emotion war auf dem glatten Kopf nicht erkennbar.
Auch die vier Hände, die auf dem Tisch lagen, zeigten keinerlei Regung als der Dalerianer mit seinem Erfahrungsaustausch zum Ende gekommen war und sich für die übertragenen Antworten bedankte.

„Wir haben beschlossen Ihnen den Weiterflug zu gewähren Captain Wikland.
Bitte richten Sie Ihrer Föderation aus, dass wir gerne bereit sind eine Delegation Ihrer Gemeinschaft zu begrüßen und unsere Beziehungen zu vertiefen.
Als Zeichen unserer Offenheit möchten wir Ihnen ein kleines Geschenk machen.
Wir werden Ihnen die astronomischen Daten dieses Raumsektors übertragen, so dass Sie keine Erkundungsmission abstellen müssen und Ihre Schiffe einen sicheren Weg zu uns finden können.
Über die Frage, inwieweit Ihre Handels- und Versorgungsschiffe unseren Raum durchfliegen dürfen werden wir nach Verhandlung mit den Repräsentanten Ihrer Föderation entscheiden.

Übrigens, Ich hoffe, Sie konnten Ihre Probleme auf Sakras 5 zufriedenstellend lösen und bedenken Sie künftig, dass nicht nur die abtastbare Technik etwas über die Fähigkeit des Gegenüber verrät.
Manche Dinge bleiben auch dem besten Sensor verborgen. Gute Reise Captain, ich hoffe wir werden uns bald wiedersehen.“
Nachdem Wikland sich ebenfalls verabschiedet hatte, wurde die Verbindung getrennt.

Der Captain ließ sich nach hinten in den Stuhl fallen und musste sich erst einmal sammeln, nachdem das Bild von Karthofeen vom Display verschwunden war.
Sie hatten es also die ganze Zeit gewusst, und dennoch hatten Sie nichts unternommen um gegen die ALEXANDRIA und ihre Crew vorzugehen.
Durch sein Fenster konnte er sehen wie die Sigortaan langsam wendete und dann beschleunigte,
bereits nach wenigen Sekunden war sie trotz ihrer Größe zu einem winzigen Punkt zusammengeschmolzen und ein kleiner Blitz im Dunkel des Alls verriet den Moment,
in dem die Beschleunigung die Lichtbarriere durchbrochen hatte.
Kapitel 21 by Harald Latus
„Wikland an Brücke, setzen Sie Kurs auf Starbase 491, Warp 8.“

Roger van Dyke der auf der Brücke das Kommando führte meldete sich umgehend.
„Kurs liegt an Captain, Reisegeschwindigkeit Warp 8.
Wie ist es mit den Dalerianern gelaufen, wir haben gesehen, dass Sie abgeflogen sind. Können wir davon ausgehen, dass wir unseren Flug problemlos fortsetzen dürfen?“

Die leicht gereizte Stimme Wiklands kam aus dem Audiosystem.

„Ja Nummer Eins, und wir dürfen auch davon ausgehen, dass sie viel schlauer sind als wir alle dachten. Wir haben sie ganz schön unterschätzt.
Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal einer unbekannten Spezies gegenüberstehen.
Es gibt Dinge, die selbst unserer hochentwickelten Technik verborgen bleiben. Wikland Ende.“

Damit konzentrierte sich der Captain wieder auf die vor ihm liegende Information, die ihm Admiral Parker, der zuständige Leiter der Materialbeschaffung und Wartungscrews von Sternenbasis 491, vor seinem Abflug zugeleitet hatte.

Die Anforderungen lauteten auf das Abstellen eines vertrauensvollen technisch versierten Offiziers zum Lösen von Problemen an Fusionsreaktoren.
Wikland blätterte die Akten seiner Crew durch und separierte drei Kandidaten, die er für fähig hielt diese Aufgabe durchzuführen.
Wikland wollte gerade seinen Kommunikator drücken, als das Türsignal ertönte.

„Herein!“ sagte er unwirsch und blickte entnervt auf die noch immer unerledigte Aufgabe vor sich.
Er hatte Admiral Parker versprochen zu helfen und fühlte sich zudem durch den Einbau der neuen Warpgondel geradezu moralisch verpflichtet, auch etwas für die Sternenbasis zu tun.
Nachdem der Captain von seinem Tisch aufschaute erkannte er van Dyke, der vor ihm stand.

„Was gibt es Commander?“ erkundigte er sich bei seinem Ersten Offizier.

„Captain, ich wollte ihnen mitteilen, dass die Instandsetzungsarbeiten an Bord abgeschlossen sind, und wir wieder über alle Systeme und Shuttles verfügen können mit der Ihnen bekannten Ausnahme natürlich.“

Der Captain wusste, um welche Ausnahme es sich handelte, er hatte gerade seinen Bericht zu diesem unglücklichen Vorfall abgeschlossen.
Das einzig Gute daran war, dass er die Bezeichnung für das Ersatzshuttle selbst aussuchen konnte und somit wenigstens einer dieser aberwitzigen Namen von seiner Materialbestandsliste verschwand.

„Wissen Sie was, Nummer eins, Sie sollten sich in Fragen der Flottendiplomatie üben. Mir kommt da gerade eine gute Übungsaufgabe in den Sinn.
Wie wäre es, wenn Sie sich bemühen, das Amt für Materialbeschaffung und Schiffsregistrierung davon zu überzeugen, dass unsere Shuttles einen angemessenen Namen tragen können und nicht dieses alberne Zeugs, was mir schon seit der Schiffsübername im Magen liegt?“

Van Dyke blickte Wikland fragend an. „Nun Sir, ich....“
Wikland nickte zufrieden bevor der Erste Offizier seinen Satz beenden konnte.

„Sehr gut, dass nenne ich Einsatzbereitschaft. Sie werden sehen, dass es eine dankbare Aufgabe ist, bei der sogar so erfahrene Leute wie Sie noch etwas lernen können.“

Wikland war aufgestanden und hatte van Dyke mit der rechten Hand auf die Schulter geklopft. Ein Vertrauensbeweis, den er nur wenigen seiner Besatzungsmitglieder gegenüber zeigte.

„So, da das jetzt geklärt ist möchte ich noch etwas anderes loswerden...“, sagte Wikland und senkte seine Stimme fast zu einem Flüstern
„...ich bin Ihnen dankbar, dass Sie die Situation auf Sakras 5 auf eine so ‘diplomatische’ Weise gelöst haben.

Ich habe Ihnen angesehen, dass Sie nahe daran waren mich zu kritisieren, eventuell sogar von meinem Kommando abzulösen.
Aber Sie haben es vorgezogen, mit einer anderen Taktik meinen Gegner auszuschalten, so dass ich keinen weiteren Anlass hatte meinen Feldzug fortzusetzen.
Jeder andere hätte diese Gelegenheit genutzt sich zu profilieren und das Kommando an sich zu reißen.“

Van Dyke setzte sich neben Wikland der auf der Sitzecke Platz genommen hatte.
„Captain, uns ist nicht damit geholfen, dass wir uns wie die Klingonen gegenseitig den Rang streitig machen.
Unser gemeinsames Ziel muss es immer sein, die laufende Mission so gut wie möglich zu beenden, mit einem Minimum an Schaden und Aufwand.
Ich freue mich, dass Sie mich und meine etwas ungewöhnlichen Ideen inzwischen akzeptieren und Sie dürfen davon ausgehen, dass ich mich auch Ihnen widersetze, wenn es keine anderen Optionen gibt.
Aber wie Sie sehen, bin ich eher daran interessiert meine derzeitige Aufgabe auszufüllen, anstatt nach den nächsthöheren Sternen zu greifen.
Sie können sich auf mich verlassen Captain, auch weiterhin.“

Wikland nickte und reichte van Dyke das PADD mit den Informationen von Admiral Parker.

Erstaunt klickte der Commander die Angaben und Anforderungen durch und sah den Captain mit einem ehrlichen Lächeln an.
„Ich fühle mich geehrt Captain, dass Sie gerade mich für eine solche Aufgabe vorschlagen, aber ich glaube es gibt da eine noch bessere Wahl.
Ich bin überzeugt, dass Lt. Commander Jefferson gerade diese Aufgabe mit der größtmöglichen Effizienz und Liebe bewältigen wird.
Sie sollten Sie für die gesamte benötigte Zeit einteilen.
Auch wenn Sie nicht gerade begeistert sein wird, dass Sie arbeiten muss, während alle anderen Frei machen, so glaube ich doch, dass Sie Ihnen dankbar sein wird.“

Wikland blickte van Dyke verwundert an.
Wie konnte er nach so kurzer Zeit an Bord gerade in diesem Punkt so sicher sein.
Wikland beschloss sich darüber nicht weiter den Kopf zu zerbrechen.

Er notierte Jaqueline Jefferson für volle vierzehn Tage für den Dienstplan der Sternenbasis 491 und ergänzte das ganze mit einer Woche Sonderurlaub, wohlgemerkt ohne es dem betroffenen Crewmitglied überhaupt mitzuteilen.
Roger van Dyke war bereits aufgestanden und auf dem Weg zur Tür als er sich noch einmal umdrehte

„Ach ja, da fällt mir ein Sir, David Robinson hat mich um die Erlaubnis gefragt im Lookout eine Abschiedsparty feiern zu dürfen.

Er wollte sich gebührend von der Crew verabschieden.
Normalerweise bin ich der Meinung man sollte das mit den Partys nicht Überhand nehmen lassen, aber in Anbetracht der Ereignisse der letzten Tage bin ich der Ansicht, die Crew könnte ein wenig Abwechslung vertragen.
Vielleicht machen wir eine ganz offizielle Angelegenheit daraus, um unsere Erfolge ein wenig zu feiern.“
Wikland überlegte wann er das letzte Mal mit seiner Crew so richtig gefeiert hatte und musste lange zurückdenken, die Feierlichkeiten auf Sakras 5 einmal außer Acht gelassen.

„Das ist eine gute Idee Nummer Eins, man sollte den Kontakt zur Crew niemals abreißen lassen.
Das ist auch der Grund, warum ich die Dienstplanung und Beurteilungen immer selbst überwache. Bereiten Sie alles vor, wir machen mal so richtig einen drauf.“

* * *

Das Tischdisplay zeigte 20:00 Uhr an, als Roger van Dyke sein Quartier verließ.
Er hatte seinen Dienst auf der Brücke vor einer knappen Stunde beendet und an die Delta Schicht übergeben,
die heute ausschließlich aus Crewmitgliedern bestand, die einen Eintrag wegen mangelnder Disziplin in der Wikland’schen Gedächtnisakte hatten.

Der Captain hatte sich seine Erfahrungen mit der Crew gemerkt und war in der Umsetzung von disziplinarischen Maßnahmen ebenso hart, wie er bei eventuellen Belobigungen zuvorkommend sein konnte.
So kam es, dass auch Sermin der Vulkanier und einige Senior Offiziere heute auf der Brücke Dienst schieben mussten.
Roger van Dyke betrat den Turbolift, in dem bereits Fähnrich Carlisle und Crewman Wolters standen.
Er grüßte kurz und gab dann sein Ziel an.
Auf Deck neun hörte er bereits die laute Musik und die Unterhaltungen der Crew als er die Kabine des Lifts verließ.
Auf dem Flur hatten sich schon einige Grüppchen zusammengefunden, die der Musik und dem Gewimmel entgehen wollten.
Sie standen da, mit einem Glas in der Hand und fachsimpelten über das Leben, das Weltall, die letzte Mission und wie sie ihre Freizeit an Bord der Station verbringen wollten.

Roger betrat die Bar durch den Backbordeingang. Eine Welle von Musik, Rufen und ein Durcheinander von Gesprächen schlug ihm entgegen.
Der Raum war in der knappen Zeit zwischen Dienst und Party liebevoll und perfekt geschmückt worden und vermittelte den Eindruck eines richtigen Partyraumes.
Roger van Dyke konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Professionalität sicherlich durch eine Reihe zurückliegender Anlässe entstanden war.
J.J., die an dem Tisch der Senioroffiziere saß, hatte ihn zuerst gesehen. Sie sprang auf und rief zu ihm herüber:

„Commander, hierher, wir haben einen Platz für Sie freigehalten!“
Van Dyke ging auf die Sitzgruppe zu, an der bereits Andy Duke, David Robinson, Alisha, Jadzia Lansu, Jan van Holt und J.J. Platz genommen hatten.
Er setzte sich auf einen freien Stuhl an den Tisch und bekam von van Holt gleich ein Glas mit Syntehol in die Hand gedrückt.
Ein gemeinschaftliches Anstoßen erfolgte und führte fast dazu, dass Roger den Inhalt seines Glases über den Tisch verteilt hätte.
Jadzia, die ihr Temperament wieder nur schwer zügeln konnte, wäre fast wieder mit der Tür ins Haus gefallen, konnte sich jedoch noch rechtzeitig zusammenreißen.

„Commander, J.J. hat uns gerade erzählt, dass Sie über ungeahnte Fähigkeiten verfügen, die dazu führen, dass Sie immer zur passenden Gelegenheit eine Lösung für unangenehme Probleme haben.“

Alle am Tisch sitzenden blickten van Dyke fragend an und waren auf seine Antwort gespannt.
„Nun, ganz so euphorisch würde ich es nicht darstellen wollen...“, begann er und stellte sein leeres Glas auf den Tisch.

„...eigentlich habe ich gar nichts gemacht.
Ich habe lediglich ein wenig Fachsimpelei betrieben und dabei das Problem einfach von einer anderen Seite beleuchtet.
Mag sein, dass dadurch dann die Lösung ein wenig leichter gefallen ist.“

Roger war sich seiner Fähigkeiten wohl bewusst. Er liebte es jedoch nicht so sehr im Rampenlicht zu stehen und versuchte daher gleich wieder den Bogen zu einem anderen Thema zu schlagen.

„Wie kommt es eigentlich, dass ich immer nur Sie an diesem Tisch sitzen sehe?“ fragte er in die Runde.
Ein allgemeines Lachen war die Antwort, die Roger zunächst völlig verwirrte.
Jadzia nahm ein wenig Haltung an und sagte mit gespielter Autorität und tiefer Stimme:

„Dieser Tisch ist den Senioroffizieren vorbehalten, die sich im Dienst um Schiff und Crew verdient gemacht haben!“
Was wiederum einen weiteren Lacher am gesamten Tisch auslöste.

„...was nach der zurückliegenden Mission bedeutet, dass auch Sie sich künftig hier niederlassen dürfen! Sir!“, fügte sie hinzu woraufhin alle ihr Glas erhoben und van Dyke zuprosteten.

„Ich fühle mich geehrt.“ antwortete Roger lächelnd, füllte aus der Karaffe noch etwas Synthehol in sein Glas und stieß mit an.

Die Tatsache, dass Captain Wikland den Raum betreten hatte, erzeugte kein großes Interesse bei den Anwesenden.
Lediglich das Fass, welches auf einer Antigrav Einheit hinter Wikland ins Lookout gezogen wurde sorgte für Beachtung.

Das Fass trug außer einer medizinischen Kennung keinerlei Signalisation und selbst ein Blinder hätte feststellen können, dass der Inhalt nicht mit dem Etikett übereinstimmen konnte.
Das Fass wurde unter dem Grölen der Menge auf den Tresen gewuchtet und ein Absperrhahn mit einem Hammer durch eine kleine Öffnung getrieben.

Bislang war noch nichts ausgetreten und van Dyke schaute interessiert hinüber zur Bar.
Einige hatten sich schon große Gläser organisiert und bildeten eine Reihe die sich anschickte sich am Fass zu bedienen.

Der Captain stellte sich nun vor das Fass und schnell trat Ruhe im Lookout ein.
„Meine lieben Crewmitglieder, eine lange Mission mit einer harten Schlacht liegt hinter uns.
Wie schon so oft hat uns das Leben einen Strich durch die sorgfältig geplanten Aufgaben gemacht, die uns die Sternenflotte auferlegt hat.
Zudem hatten wir uns damit auseinanderzusetzen, dass ein neuer Mann in unserer Mitte wichtige Aufgaben übernommen hat.

Ich bin stolz darauf sagen zu können, dass die Crew der ALEXANDRIA alle Situationen mit Bravour gemeistert hat, und dass sich unser neuer Erster Offizier gut ins Mannschaftsbild eingepasst hat.
So wie wir Roger van Dyke auf diese Weise in unserem Team willkommen heißen wollen, so heißt es auch Abschied nehmen von einem verdienten Mitglied der Crew, welches die letzten zwei Jahre gemeinsam mit uns die Geschicke des Schiffs und der Crew gelenkt hat.
David Alexander Robinson wird uns in Kürze verlassen und auf ein anderes Schiff wechseln.
Wir alle wünschen Ihm viel Glück und dass ihm alle Götter des Universums wohlgesonnen sein mögen.
Damit diese Feier nicht allzu trocken wird habe ich aus Laderaum 28 eine Kleinigkeit mitgebracht, welche ich, die Genehmigung des ehemaligen Besitzers vorausgesetzt, der Crew spendieren will.
Ein Fass irisches Starkbier, garantiert nicht repliziert.“

Tosender Beifall brandete durch den Raum und gleichzeitig erhob sich auch wieder das Stimmengewirr.

Roger van Dyke blickte kritisch in die Runde.

„Laderaum 28? Die ALEXANDRIA hat doch nur 25 Frachträume. Das steht jedenfalls in den Schiffsunterlagen.“ David Robinson lächelte wissend.

„So ist es Commander, deshalb heißt es ja auch Laderaum 28.
Das ist eine Metapher für die illegalen Kleinigkeiten, die immer wieder auf dem Schiff auftauchen.
Dieses Fass hat der Captain vor Beginn der Reise einem irischen Crewman abgenommen, der Stein und Bein schwor, der Inhalt dieses Fasses sei ein medizinisches Heilbad, welches er regelmäßig nehmen müsse um allergische Hautreaktionen zu vermeiden.
Captain Wikland ist aber auf diesen Schwindel nicht reingefallen, genauso wie auf die anderen tausend Ausreden, die schon für alle möglichen Gegenstände angebracht wurden.
Ich möchte nur mal gerne wissen, wo er das Zeug all die Jahre gelagert hat, so dass es bis heute keiner gefunden hat.“

Die ersten kamen bereits mit gefüllten Gläsern an ihnen vorbei, in denen sich ein dunkles Getränk bedeckt mit einer weißen Schaumkrone befand.
Das Aroma ließ unverkennbar auf das Vorhandensein von echtem Alkohol schließen und Roger konnte sich jetzt lebhaft vorstellen, warum es der Captain bis heute unter Verschluss gehalten hatte.
Nachdem das Bier im Lookout die Runde gemacht hatte wurde die Stimmung immer besser.
Einige der Offiziere tanzten ausgelassen zur lauten Musik, die aus dem Audiosystem kam. J.J. hatte persönlich dafür Sorge getragen, dass einige heiße Rock & Roll Stücke auf der Musikliste standen.

Obwohl sie dem Bier nicht so intensiv zugesprochen hatte wie einige Andere, war sie voll bei der Sache.
Sie legte mit Ran Byrell einen flotten Tanz aufs Parkett, so dass alle einen Schritt zurücktraten um dem Paar ein wenig mehr Platz zu schaffen.
Durch den Applaus und unablässige Zurufe genötigt,
legten sie noch eine zweite Runde nach, was zur Begeisterung der Crew und zu ersten Nachahmungsversuchen führte.

Nach zwei Stunden hatte im Lookout auch der Letzte mindestens dreimal den Platz gewechselt und es gab bereits jetzt keinen Tisch mehr, an dem nicht mindestens ein Crewmitglied saß, welches von dem irischen Starkbier leichte Ausfallserscheinungen hatte.
Einzige Ausnahme war der Captain, dem man nicht ansah, dass er bereits das fünfte Glas hinter die Binde gekippt hatte.
Das lag aber wohl eher an seiner Konstitution, die der eines arvellianischen Bullen glich, als an der fälschlichen Annahme, er würde sich regelmäßig dem Alkohol hingeben.

Roger van Dyke ging mit seinem Glas entlang der Fenster und sah Andy Duke, der sich gerade auf einer der drei Stufen zum unteren Bereich niedergelassen hatte und auf die Bar schaute.

Er setzte sich zu ihm und hielt Andy das Glas zum Anstoßen hin.

„Hallo, genießen Sie die Party auch so intensiv wie ich?“
Andy schaute auf und prostete Roger zu.
„Ich bevorzuge eigentlich die etwas ruhigere Gangart. Wie ich sehe sind sie ja auch nicht einer der ausgelassenen Wilden, oder?“
Van Dyke lachte.

„Nein, wirklich nicht. Da haben Sie absolut Recht. Ich versuche sowohl im Dienst als auch in der Freizeit immer den goldenen Mittelweg einzuhalten.

Ich will zwar meinen Spaß haben, aber es sollte niemals so ausarten wie bei den Zweien dort drüben.“, er deutete auf zwei Offiziere der technischen Abteilung, welche dem Starkbier offensichtlich zu sehr den Vorzug gegeben hatten und sich nun schon nicht mehr selbst auf den Beinen halten konnten.
Sie zogen sich an der Wandung eines großen Pflanzentopfes hoch und hangelten sich zur nächsten Sitzgelegenheit.

Andy lächelte dünn.
„Das ist mir im Laufe der letzten Tage ganz besonders an Ihnen aufgefallen.
Wissen Sie, eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass es bei einem Wechsel in der Führungscrew zu viel mehr Reibereien und Unruhe unter der Crew kommen würde.

Aber dann habe ich festgestellt, dass Sie einen entscheidenden Vorteil gegenüber David Robinson haben; Sie arbeiten mit der Crew, nicht nur für sich selbst.
Deshalb habe ich auch nicht viel auf das dumme Gerede von Corbal Mor gegeben, der nach dieser kleinen Zurechtweisung von Ihnen überall herumerzählt hat, Sie seien ein ignoranter Großkotz.“

Roger musste bei dieser Bemerkung unvermittelt lachen. Er deutete mit der rechten Hand auf Corbal, der gerade an der Bar stand und sich ein weiteres Bier zapfte.
„Genau so habe ich mir seine Reaktion vorgestellt, nur nicht ganz so ausgefeilt in der Titulierung. Aber auch er wird noch lernen, dass man nicht von sich auf andere schließen soll.“
Andy stand auf und blickte auf Roger van Dyke nieder, der immer noch auf der Stufe saß.

„Willkommen im Team!“ sagte Andy und reichte Roger die Hand. Ein kräftiger Händedruck bildete den Anfang einer neuen Freundschaft zwischen den beiden, wie sich schnell herausstellen sollte.

Die Party dauerte bis lange in die Nacht.
Es wurde getanzt gelacht und nach dem Schichtwechsel tauchte auch Sermin auf, der nun ebenfalls noch einen kleinen Teil der Party miterleben konnte.
Roger hatte sich wieder am Tisch der Auserwählten niedergelassen und fachsimpelte mit den Kollegen über die Sensorenabtastungen und die Modifikation des Antriebes, wobei er die Fähigkeiten von J.J. und ihrem Team deutlich hervorhob.

Er gab einige kleine Geschichten aus seiner Jugend zum Besten und hörte gespannt zu, wenn die Anderen von Ihren Erlebnissen auf der ALEXANDRIA erzählten.
Nach einer Weile fiel van Dyke auf, dass Sermin der Vulkanier die ganze Zeit ruhig am Tisch gesessen hatte.
Auch beim Zuprosten und Lachen hatte er sich im Hintergrund gehalten, da er diese menschlichen Handlungsweisen nicht nachvollziehen konnte.
Als sich jedoch Ihre Blicke trafen schien sich der Vulkanier an etwas zu erinnern.

„Commander, als wir seinerzeit die Sonde für die Holoprojektion der ALEXANDRIA vorbereitet hatten, sagten Sie, Sie würden den Ursprung Ihrer Idee bei nächster Gelegenheit bei einem Drink näher erläutern.
Obwohl ich diese Vorgehensweise äußerst irritierend finde, glaube ich, dass die jetzige Situation Ihrer Beschreibung für die geeigneten Umstände am nähesten kommt.
Ich würde es begrüßen, wenn Sie nun Ihre Hintergründe erklären könnten.“

„Unser Vulkanier, hat er nicht den Charme einer Duraniumpresse?“, witzelte Jadzia was zu einem spontanen Lacher führte und Sermin lediglich einen verstörten Gesichtsausdruck abverlangte.
Er war sich nicht bewusst einen Scherz nach menschlicher Definition gemacht zu haben.

„Schon gut,...“, sagte Roger, „...ich will Sie nicht länger auf die Folter spannen. Aber hängen Sie mich nicht, wenn Sie es dann endlich wissen.
Eines meiner Hobbys ist das Anschauen von alten Filmen. Insbesondere Filme, die damals produziert wurden um eine ferne Zukunft darzustellen, die wir in vielen Punkten inzwischen weit überholt haben.
In einer dieser Serien wollte der Captain eines Raumschiffes seine Position gegen den ausdrücklichen Befehl der Leitstelle verlassen, was jedoch bemerkt worden wäre.

Er hat daraufhin ein Shuttle ausgeschleust und damit ein Energiefeld erzeugt, welches in Größe und Frequenz dem seines Schiffes entsprach, und welches er liebevoll ‘Laurin’ nannte.
Ich habe diese Idee einfach abgewandelt und auf die heutige Technik adaptiert. Das ist alles.“, gab Roger zu verstehen.

„Ich würde mir gerne die Testreihen mit den entsprechenden Forschungsergebnissen ansehen, die Sie bis zur Perfektion dieser Täuschungstechnik durchgeführt haben“, erwiderte Sermin.

„Oh, die gibt es nicht, es war das erste Mal, dass ich so etwas probiert habe. Und es hat erstaunlich gut funktioniert nicht wahr?“, erklärte der erste Offizier.

Andy Duke hätte fast in sein Glas gebissen,
„Wie, Sie haben das vorher noch nicht einmal probiert? Sie haben die Fiktion eines Filmes benutzt um eine Täuschung zu erzeugen, es zusammengebaut und das erste Mal gleich eingesetzt?“

Roger van Dyke blickte gelassen in die Runde,
„Was wollen Sie denn, es hat doch funktioniert, oder?“
Zuerst herrschte kurze Zeit eisiges Schweigen und dann schlug David Robinson mit der Faust auf den Tisch.

„So ein abgebrühter Hund hat diesem Schiff noch gefehlt. Prost!“ Die Anderen nickten zustimmend und hoben ihre Drinks an.

Ein mehrfaches Klirren der aneinanderschlagenden Gläser erklang und nach wenigen Sekunden standen alle geleert auf dem Tisch.
Roger van Dyke wurde von J.J. und David Robinson von einem Grüppchen zum anderen geschleppt, so dass er bis zum frühen Morgen die Hobbys, Lieblingsgerichte, Familienangehörigen und weitere Dinge von allen Junior- und Senioroffizieren kannte.
Im Lookout war es währenddessen ruhiger geworden, leise Musik säuselte aus der Audioanlage und nur noch wenige hatten solange ausgehalten.
Roger war inzwischen reichlich müde, saß am Fenster und blickte in den Weltraum, wo ihm die Sterne entgegenflogen.

David Robinson ging von Tisch zu Tisch und nahm sich überall die Zeit ein wenig mit den Leuten zu plaudern.
Bei den meisten erzeugte sein Auftauchen ein lautes ‘Halllooo’, nach und nach verabschiedete er sich von seinen bisherigen Kameraden und wünschte allen eine gute Zeit.

David kam die drei Stufen zu van Dyke herauf und zog sich einen Stuhl zu Recht.
„Na, wie geht’s? Haben Sie sich jetzt ein wenig mit der Crew akklimatisiert?“, wollte er von Roger wissen.

„Sie meinen, jetzt, nachdem ich weiß, dass man auf Regalet keine Katzen findet, weil Sie von den großen Ratten gefressen werden, oder dass man seine Schwiegermutter anstatt seiner Braut mit auf die Hochzeitsreise mitnimmt, nur um zu beweisen, dass man als Mann in der Lage ist, die Frischvermählte angemessen zu versorgen?“

Robinson musste lachen, er erinnerte sich an die lebhaft erzählten Geschichten, welche die Crewmitglieder im Laufe des Abends zum Besten gegeben hatten.

„Wie ist eigentlich Ihr persönliches Gespräch mit Captain Wikland verlaufen?“ wollte van Dyke wissen.
„Ooch, eigentlich recht zivilisiert, wenn man von der etwas temperamentvollen Begrüßung einmal absieht.
Wissen Sie, der Captain und ich wir kennen uns schon lange.
Wir duzen uns sogar, wenn wir unter uns sind. Er hat mir gewaltig die Leviten gelesen und ehrlich gesagt hatte er ja auch völlig recht damit.
Ich weiß selbst nicht wie ich auf die Idee gekommen bin dieses Störfeld sprengen zu wollen, ohne Näheres darüber zu wissen.

Die Zerstörung der Energiezentrale hätte die ganze Insel zerreißen können. Wie dem auch sei, Er hat mir kräftig einen eingeschenkt und mir dann seine Beurteilung in die Hand gedrückt.
Können Sie sich vorstellen, dass er den Vorfall nicht mit einer Silbe erwähnt hat? Eine Eintragung hätte mir meinen ganzen weiteren Weg versauen können und ich hätte es ihm nicht einmal verübeln können.
Er hat es als missionsspezifische Option im Logbuch vermerkt, die vom verantwortlichen Offizier vor Ort getroffen werden konnte.“

Roger van Dyke nickte mit dem Kopf.
„Ich bin sicher, unser Captain ist ein aufrechter Kerl.
Er verdient es, dass man ehrlich zu ihm ist und voll hinter ihm und seinen Befehlen steht.
Ich weiß, er kann ein strenger Kommandant sein, aber er ist bei der Abwägung seiner Maßnahmen bislang immer fair gewesen.
Soweit ich das in der kurzen Zeit an Bord überhaupt beurteilen kann.
Lediglich sein nordisches Temperament scheint manchmal mit ihm durchzugehen und wenn ich an den Kampf bei Arlat 4 denke, ich glaube er hätte nicht Halt gemacht, wenn nicht die Rebellen aufgegeben hätten.“

David Robinson blickte ihn grinsend an,
„Das haben Sie geschickt eingefädelt Roger, ich ziehe meinen Hut vor Ihnen. Ein ganz hervorragender Schachzug, der den Captain trotzdem gut aussehen ließ.“

Van Dyke prostete David Robinson zu. „Ok,Ok, Sie haben mich durchschaut. Zumindest was diesen Punkt betrifft.
Ich glaube aber, jetzt sollten wir langsam Schluss mit dem Feiern machen, sonst müssen wir wieder in den unbequemen Stühlen auf der Brücke schlafen!“

Beide lachten herzlich, tranken ihr Glas aus und gingen langsam zum Ausgang.
Sie weckten noch die letzten Crewmitglieder, die müde und vom Starkbier leicht desorientiert in den Sitzen hingen und machten sich auf den Weg zu Ihren Quartieren.

* * *

Die Tagesschicht hatte in einigen Bereichen des Schiffes mit Verspätung begonnen, da einige Crewmitglieder anscheinend das Wecksignal überhört hatten.

Roger van Dyke war gleich zu Beginn seines Dienstes in die Stellarkarthographie gegangen und hatte sich gemeinsam mit Captain Wikland die übertragenen Daten der Dalerianer angesehen.
Neben allen Sternhaufen, Pulsaren und Protosternen waren selbst die feinsten Details mit aufgenommen.
Sogar kleine Asteroidentrümmer der Größe 16, was in Größe und Masse einem Hühnerei entsprach,
waren mit Flugrichtung und Geschwindigkeit angegeben und man konnte Ihre Position unter Zugrundelegung des Sternendatums genau bestimmen.
Einige Standardflugrouten, die den meisten gefährlichen Bereichen aus dem Weg gingen waren bereits eingezeichnet.
Ebenso alle Welten, die von den Dalerianern bislang besiedelt worden waren, oder mit denen sie Handel betrieben.
„Das ist eine ganz außergewöhnliche Datei Nummer Eins, nicht wahr?“

Wikland stütze sich auf das hüfthohe Geländer welches als Handlauf mit einem edlen Echtholzrahmen versehen war.

Roger van Dyke blickte sich im Raum um.

Die dreidimensionale Darstellung, die durch die Holomatrix erzeugt wurde erweckte den Eindruck, dass man sich tatsächlich mitten im All befinden würde.
Viele Einzelheiten schwebten an ihnen vorbei, wobei die Abbildungsgenauigkeit im Gegensatz zur Sternenflotten Dateninformation überwältigend war.

Dort wo Kleinobjekte in Föderationsunterlagen mit einem kleinen Symbol dargestellt wurden, welches Masse, Dichte und Größe angab, war in den Informationen der Dalerianer das entsprechende Objekt zusätzlich realitätsnah abgebildet.
Wenn man es mit dem Pointer antippte, erschien eine ganze Reihe von Angaben, die normalerweise nur nach intensiver Prüfung mittels Detailscannern zu erlangen waren.

Roger wandte sich zu Wikland:
„Es ist erstaunlich, was dieses Volk an Informationen über diesen Sektor zusammengetragen hat.

Wenn man die Technik des Schiffes berücksichtigt, dann könnte man meinen, Sie müssten einen Asteroiden mit einem Maßband ausmessen um nur seinen Durchmesser errechnen zu können.“
Wikland atmete tief ein und entließ die Luft schnaufend aus seinen Lungen.

„Ich bin fest davon überzeugt Nummer Eins, dass man uns nur das hat sehen lassen, was man uns wirklich zeigen wollte.
Diese Spezies hat mit Sicherheit noch viele Geheimnisse preiszugeben, von denen die Föderation bislang noch keine Ahnung hat.
Und was diese angebliche Schwäche betrifft, so haben Sie ja inzwischen sicherlich mitbekommen, dass man unseren Bluff ohne jede Mühe durchschaut hat.
Gott sei Dank hatten sie nicht die Absicht uns zu schaden, denn sonst wäre es möglicherweise doch noch zu einem anderen, weniger erfreulichen Ende gekommen.“

Roger van Dyke nickte langsam.
„Captain, wir erhalten einen Ruf von einem Föderationsschiff.“, kam die Stimme von Carah Pehl aus dem Interkom.

„Wir sind auf dem Weg!“ erwiderte Roger van Dyke und ging gemeinsam mit Wikland zum Ausgang.

„Legen Sie es auf den Schirm Lieutenant!“ rief der Captain zur Kommunikationsstation hinüber, während er auf seinem Stuhl Platz nahm.
Auf dem Hauptschirm erschien die Brücke der U.S.S. California, dem Flaggschiff der fünften Flotte.
Captain Mary Stevens stand in ihrer eng anliegenden perfekt sitzenden Sternenflotten Uniform in der Mitte der Brücke und blickte in die Übertragungskamera.

Neben Ihr stand Admiral Henry Blackwood, der Chef des sternenflotten Gehimdienstes mit einem Lächeln, das mehr verbarg, als es preisgab.
„Captain Wikland, schön Sie zu sehen...“ begann Mary Stevens, „...bitte ändern Sie Ihren Kurs auf zwei - vier - sieben komma eins - fünf - neun.
Wir sollen etwas bei Ihnen abholen und, was immer es auch wichtiges ist, eine kleine Kiste persönlich auf Ihr Schiff überstellen.
Wenn Sie nach der Kursänderung die Geschwindigkeit beibehalten, werden sich unsere Wege in ungefähr 20 Minuten kreuzen.“
Wikland schaute zu van Dyke, der rechts von Ihm saß und unschuldig die Hände hob, beide wussten genau, wem sie dieses Treffen zu verdanken hatten.
Es war die typische Handschrift von David Robinson, der irgendeine Gelegenheit genutzt hatte um eine Nachricht an die Sternenflotte abzusetzen.
Wie man unschwer erkennen konnte hatte er sich als Adressaten seinen alten Freund Admiral Henry Blackwood ausgesucht, der aufgrund seiner Position ohne Mühe ein Schiff für diese spezielle Aufgabe besorgen konnte.

Es war eine gemeine Verschwendung in Wiklands Augen.
Robinson hätte genauso gut von der Sternenbasis mit dem nächsten Versorgungsschiff zur Erde reisen können.

Aber nein, es musste sogar ein Schiff der Galaxy 2 Klasse sein, von dem seines Wissens nach bislang erst zwei Stück fertig gestellt worden waren.
Es graute ihm bei dem Gedanken, welcher Sektor des Alpha-Quadranten nun auf das Potential des schweren Kreuzers verzichten musste.
Wikland blickte wieder auf den Schirm und überlegte wie er antworten konnte.
Die blonden Haare von Mary Stevens zeigten bereits erste graue Strähnen, die darauf hindeuteten, dass man im Alter von 53 Jahren nicht mehr zu der jungen Garde gehörte.
Die streng nach hinten gebundene Frisur verströmte einen Hauch von Autorität und Unnahbarkeit.

Wikland konnte sich nicht entscheiden, wie er sie anreden sollte, obwohl er sie schon öfter bei offiziellen Anlässen getroffen hatte
und sich noch gut an die Zeit erinnern konnte,
als sie noch nicht den Rang eines Captain begleitete und auf der U.S.S. Crazy Horse stationiert war.

„Ich grüße Sie Admiral Blackwood, hallo Captain Stevens.
Es ist uns eine Ehre, dass sich das Flaggschiff der fünften Flotte die Mühe macht, einen Commander abzuholen und wir die Gelegenheit haben werden eines unserer neuen Schiffe zu treffen, welches gerade erst aus der Werft gekommen ist.“

Henry Blackwood hatte die Anspielung sofort erkannt und konterte geschickt.
„Nun, wie Sie wissen Captain, unterziehen wir jedes neue Schiff einer genauen Prüfung, bevor es den ersten Einsatz erhält.
Es war eine gute Gelegenheit, die technischen Einrichtungen und die taktischen Manöver noch einmal zu testen.
Wir werden direkt nach unserer Zusammenkunft auf die New Hope treffen und dann in einer wichtigen Angelegenheit zu den Randgebieten der Föderation aufbrechen.
Ich brauche sicherlich nicht zu erwähnen, dass es sich um einen streng geheimen Einsatz handelt, den ich selbst leiten werde.“

Wikland versuchte all seine Überzeugungskraft in einen freundlicheren Gesichtsausdruck zu legen und erwiderte dann:
„Selbstverständlich Admiral. Wenn wir den Redezvouspunkt erreicht haben erwarten wir Sie auf der ALEXANDRIA.“
Captain Mary Stevens trat einen Schritt vor.

„Wir freuen uns schon darauf Sie zu sehen Captain Wikland. California Ende.“

Damit verschwand das Bild und die Warpsterne füllten wieder den ganzen Bildschirm aus.
„Sagen Sie David Robinson er soll sich fertigmachen für den Transfer zur California, je eher wir ihn vom Schiff bekommen umso besser für uns. So langsam gehen mir seine Eskapaden auf den Zeiger.“, stellte Wikland fest.

Roger van Dyke nickte kurz und drückte seinen Kommunikator. „Commander Robinson, bitte halten Sie sich bereit für den Transfer zur California. Melden Sie sich in Transporterraum drei.
Vergessen Sie Ihre persönlichen Habseligkeiten nicht. Wir machen keine Nachsendungen.“

„Hier Robinson, verstanden. Machen Sie’s gut Roger, vielleicht trifft man sich ja mal wieder.
Sie wissen doch das Universum ist nicht größer als eine Schneekugel. Robinson Ende.!“
Roger van Dyke musste unweigerlich lachen.
Der Vergleich mit der Schneekugel, die man schütteln konnte und dann den Flocken beim Hinabsinken zusehen konnte war treffend.
Die unendlichen Weiten des Alls, Entfernungen, die man nur mit mehrfacher Lichtgeschwindigkeit überbrücken konnte, und wen traf man auf der abgelegensten Raumstation der Föderation?
Den kleinen rothaarigen Peter aus der Nachbarschaft, mit dem er früher in eines der alten Kinos gegangen war um sich die Filme auf der großen Leinwand anzusehen.
Er schüttelte den Kopf und konzentrierte sich wieder auf seine Aufgaben auf der Brücke.

Ramirez, der an der Conn saß hatte bereits mit dem Zielanflug begonnen.
Schon vor einigen Minuten war die Position der California auf den taktischen Kontrollen erschienen und er konnte erkennen, dass die beiden Punkte der Föderationsschiffe immer weiter aufeinander zusteuerten.

In diesem Moment ging Ramirez unter Warp und führte einige Kurskorrekturen durch.

Die California hatte bereits eine Halteposition eingenommen und schwebte majestätisch zwischen den Sternen.

Die ALEXANDRIA nahm eine Position direkt gegenüber ein und hätten die Brücken der Föderationsschiffe statt der großen Bildschirme echte Fenster, dann könnten sich die beiden Captains jetzt wahrscheinlich gegenseitig zuwinken.
Captain Wikland gab Carah Pehl ein Zeichen, die Verbindung mit der California wieder herzustellen.
Auf dem Schirm erschien das Gesicht von Captain Stevens.
Sie hatte es sich in ihrem Stuhl bequem gemacht und schenkte Wikland ein freundliches Lächeln.

„Captain, wir würden Sie und Admiral Blackwood gerne zu einem stilvollen Essen im kleinen Kreis auf der ALEXANDRIA begrüßen.
Wenn Sie nichts dagegen haben, können Sie in 30 Minuten zu uns herüberbeamen.“, eröffnete Captain Wikland der Kommandantin des anderen Föderationsschiffes.

„Vielen Dank Captain Wikland, diese Einladung nehmen wir gerne an. Nur das mit dem Beamen wird leider nicht klappen.
Bereiten Sie Ihren Shuttlehangar für uns vor, wir kommen mit einem Shuttle zu Ihnen.“
Wikland blickte van Dyke verstört an. Was hatte das denn nun zu bedeuten? Bei dieser Entfernung war ein Standortwechsel mit dem Transporter die sicherste Sache der Welt.

Er wandte sich wieder zum Hauptschirm um und fragte:
„Dürfte ich fragen warum? Sollen wir einen offiziellen Empfang für den Admiral vorbereiten?“

Mary Stevens schüttelte den Kopf
„Um Gottes Willen bloß kein Protokoll, wir sind doch hier unter uns. Sorgen Sie nur dafür, dass ein gewisser Roger van Dyke zur Stelle ist, den Rest erklären wir Ihnen später.“

Wikland nickte zustimmend und verabschiedete sich höflich.
Danach sprach er mit van Dyke einige Einzelheiten zum Essen durch.
Er wollte es so ungezwungen wie möglich machen, jedoch ohne eines der Kasinos oder die Bar zu nutzen.

Man einigte sich schließlich auf das Quartier des Captains, welches auch den meisten Platz für diesen Anlass bot.
Wikland dachte mit Schaudern daran, dass er dazu die Temperatur in seinem Quartier an ein lebensfähiges Maß für Humanuide erhöhen musste.

Mit Unbehagen stellte er sich die Nacht in dem völlig überheizten Raum vor.

* * *

David Robinson packte seine restlichen Habseligkeiten in die Tasche und hängte sie sich über die Schulter.

Das Quartier, welches er in den letzten Wochen bewohnt hatte war nur unwesentlich kleiner, als das des ersten Offiziers.
Es war eigentlich für hochrangige Gäste gedacht, die sich gelegentlich auf dem Schiff befanden.
David hatte keine Hemmungen gehabt, sich dieses lauschige Plätzchen selbst zuzuweisen.

Er hatte sogar die Frechheit besessen, den Raum durch die Wartungscrew seinen persönlichen Bedürfnissen und Vorlieben anpassen zu lassen.
Die Anweisungen hierfür hatte er in der allgemeinen Wartungsliste untergebracht, wo sie so schnell keiner finden würde.
Er blickte noch einmal auf den neuen Tisch mit dem grünen Spannbezug und der Lampe, die darüber hing.
Ja, die Pokerspiele in diesem Raum hatten auch ihren Reiz gehabt. David trat vor das Tischterminal und aktivierte es.

„Computer, übertrage die Datei 5674-4 an die gewählte Zieladresse. Kopiere alle Daten und Dateien, die einen persönlichen Vermerk von David Robinson besitzen auf die Isolineare Speicherplatte und lösche danach diese Dateien im Hauptrechner.“
Es dauerte einige Sekunden, dann meldete sich die Computerstimme der ALEXANDRIA:

„Anweisung ausgeführt, Datei verschickt, Datenfiles kopiert und im Hauptrechner gelöscht.“

Zufrieden blickte David auf das Display und schaltete es ab.
Er verließ den Raum und ging mit ruhigen Schritten in Richtung Turbolift um in den Transporterraum zu kommen.
Keros der Transporterchef erwartete ihn schon. Er schüttelte David freundschaftlich die Hand
„Passen Sie auf sich auf, Sie wissen doch, da draußen ist es gefährlich.“ sagte der Bolianer und zwinkerte David zu.

„Ach, Sie wissen doch, was auch immer passiert ich bin wie eine Katze.
Egal wohin oder wie weit man mich wirft, ich falle immer wieder auf die Füße.“, lächelte Robinson und stieg auf die Plattform zu den Kisten mit seinen persönlichen Sachen.

„Richten Sie den anderen meine besten Grüße aus, und halten Sie sich bei der nächsten Party vom Bier fern.“
grinste er bevor Keros die Kontrollen betätigte und sich David Robinson im einem bläulichen Schimmern auflöste.

* * *

Es war genau 21:00 Uhr als das Shuttle der California mit Admiral Blackwood und Captain Stevens in Shuttlerampe 3 aufsetzte.

Captain Wikland hatte wohlweislich die hintere Shuttlerampe für dieses Manöver gewählt, da die Hauptshuttlerampe durch den Modulaufsatz der Nebula Klasse nicht so einfach erreichbar war wie die der Galaxy Klasse.
Einige Sicherheitsoffiziere, welche Andy Duke selbst ausgewählt hatte, begleiteten die Gäste unauffällig zu Wiklands Quartier, obwohl hier an Bord mit Sicherheit keine Zwischenfälle zu erwarten waren.
Bereits nach wenigen Minuten waren Sie am Raum des Captains angekommen und das Türsignal ertönte.

Wikland ging zur Tür und wies den Computer an zu öffnen. Als die Türhälften mit leisem Zischen auseinander glitten stand ihm das Erstaunen ins Gesicht geschrieben.
Captain Stevens hatte die abweisende Bemerkung mit dem Protokoll bewusst gemacht und entsprechend ausgelegt.
Anstatt die übliche Sternenflottenuniform hatte Sie ein langes blaues Kleid mit einem silbernen Umhang gewählt was ihre Unnahbarkeit noch weiter verstärkte.

Auch Admiral Blackwood hatte sich für Zivilkleidung entschieden und schaute Wikland beim Eintreten kurz von oben nach unten an.

„Hatten Sie nicht etwas von ‘Stilvoll’ erwähnt Captain?“ bemerkte er leise im Vorübergehen.
In der linken Hand hielt er eine Standard Transportkiste der Föderation, die mit Sicherheitshinweisen gespickt war.
Wikland stellte seine beiden Brückenoffiziere, Roger van Dyke und Andy Duke vor und machte sie mit dem Admiral und Captain Stevens bekannt.

Nachdem sie alle Platz genommen hatten und die üblichen Höflichkeitsfloskeln ausgetauscht waren, wies Wikland den Crewman an, dass man mit dem Essen beginnen konnte.

Er hatte sich aus dem hydroponischen Garten einige Gemüsearten und Kartoffeln zubereiten lassen und auch eine lukullische Spezialität von Sakras 5 war unter den Speisen, die auf dem großen Tisch plaziert wurden.
Eine Tarkkeule im Teigmantel sowie einige kleine Happen gerösteten Geflügels rundeten die Auswahl der Gerichte ab.

Natürlich wollte Admiral Blackwood die zurückliegende Mission in allen Einzelheiten berichtet haben und Captain Wikland, Roger van Dyke und Andy Duke wechselten sich bei der Erzählung der Ereignisse ab.
Der Admiral nahm die Berichte mit Interesse entgegen.
Lediglich die Vorgehensweise von Wikland verursachte das ein oder andere Augenzucken.
Besondere Aufmerksamkeit schenkte er der Beschreibung der technischen Lösungen, die im Laufe dieser Mission eingesetzt wurden und er erkundigte sich wiederholt nach Einzelheiten zu der holographischen Darstellung und der Optimierung der Warpantriebs-Leistung.

In der anschließenden Unterhaltung ließ der Admiral dann durchblicken, dass die Sternenflotte vor drei Jahren ein geheimes Programm mit hochintelligenten Personen durchführen wollte, welches speziell auf die Lösung von Konfliktsituationen abgestimmt war.
Mit Bedauern betonte er, dass er nicht über nähere Informationen zu diesem speziellen Projekt verfüge, da es durch eine andere Dienststelle betreut worden sei.
Eigentlich frage er sich noch heute, ob es dieses Programm jemals gegeben habe, oder ob es nur ein Gerücht sei, welches man gezielt aufgebracht habe um ihn als Chef des Geheimdienstes der Sternenflotte zu ärgern.

„Captain Stevens, Sie hatten mir doch versprochen, zu erklären, warum Sie mit dem Shuttle zu uns gekommen sind.
Haben Sie eine Abneigung dagegen sich atomisieren zu lassen?“ wandte sich Wikland an die einzige Frau am Tisch.
Mary Stevens lachte leise und stellte ihr Glas auf den Tisch.

„Nein, ganz gewiss nicht.
Stellen Sie sich vor Captain, wir waren gerade von unserem ersten Testflug zurückgekehrt und hatten an der McKinley Raumstation angedockt um die Systemdaten auszulesen und sie mit den Konstruktionsspezifikationen zu vergleichen.
Nachdem Admiral Blackwood an Bord gekommen war und wir den Abflug hierher vorbereiteten, erhielten wir die Nachricht, dass ein Versorgungsschiff von der Erde noch wichtige Güter zu uns bringen sollte.
Wir waren schon spät dran und fragten ob man es nicht einfach zu uns heraufbeamen könnte, aber man erklärte uns, der Inhalt sei so sensibel, dass ein Transport auf diese Weise die Molekularstruktur vollkommen verändern würde.

Also warteten wir auf das Shuttle, welches uns diesen kleinen Standardcontainer brachte.
Alles was wir in Erfahrung bringen konnten war, dass es auf Anweisung von ganz oben an einen Commander Roger van Dyke zu übergeben sei und dass es sich um eine Ehrensache handeln würde.“

Alle in der Runde blickten Roger fragend an, der einen unschuldigen und nichtsahnenden Gesichtsausdruck aufsetzte.
„Schauen Sie mich nicht so an, ich weiß auch nicht was drin ist.“, sagte er.

Captain Stevens hob die kleine Kiste auf den inzwischen abgeräumten Tisch und übergab Roger van Dyke eine Speicherkarte für ein PADD.

Roger griff auf den kleinen Schrank neben sich und nahm eines der gelöschten PADD’s des Captains zur Hand.
Er fügte die Speicherkarte ein und decodierte den Inhalt mit seinem persönlichen Zugriffscode.
Auf dem PADD erschien ein kurzer Text den er erst überflog und dann laut vorlas.

„Hallo Commander van Dyke, wie es sich gehört habe ich mein Möglichstes getan um meine Wettschulden bei Ihnen angemessen einzulösen.
Ich gebe zu, ich hatte ein wenig Hilfe dabei, speziell was den Transportweg betrifft.
Ich habe die Fracht so deklarieren lassen, dass sie nicht durch den Transporter gejagt wird und somit die ursprüngliche Position aller Atome erhalten bleibt.
Ich hoffe, dass Sie sich über das Exponat freuen.
Gezeichnet
Nicolai Graves, Commander Sternenbasis Merlin.“

Roger van Dyke öffnete den Container und holte eine Kiste aus feinem Wurzelholz heraus.
Der Deckel war mit kleinen Messingscharnieren befestigt und mit einem Schnappschloss auf der Vorderseite versehen.
Der Commander öffnete den Deckel und damit ließen sich auch die Seitenteile nach außen wegklappen.

Vor ihm stand eine mechanische Schalteinheit.
Hauptbauteil war ein Übertragungsgestänge, welches mit einer gefrästen Aluminiumplatte abgedeckt war.
Die Platte hatte mehrere Langlöcher, die miteinander verbunden waren.

Aus der Platte ragte ein 15 Zentimeter langer und geneigter Chromstab nach oben, der mit einer schwarzen Kunststoffkugel abgeschlossen war, die im Durchmesser einem Golfball ähnelte.
Auf der Kugel waren mehrere arabische Zahlen zu erkennen, die mit Strichen verbunden waren.
Das Muster war identisch mit der Fräsung in der Platte.
Auf der Aluminiumplatte war in der linken unteren Ecke ein sich aufbäumendes Pferd eingraviert.

Das ganze Gebilde war auf einem Holzfuß montiert, der eine kleine silberne Plakette trug.
Die Aufschrift lautete „ZFA1230000MA00001, F-40, Enzo Ferrari“.

„Und was ist das jetzt?“ wollte Captain Stevens wissen.
Roger blickte voller Stolz auf das vor ihm stehende Bauteil.
„Das, ist die original Schaltkulisse des ersten Ferrari F-40,
der Enzo Ferraris persönliches Exemplar war.

Sie wurde bei dem Sportwagen benutzt um von Hand die verschiedenen Antriebsübersetzungen zu wählen.
Von diesem Wagen wurden insgesamt nur 400 Stück gebaut.
Dieses spezielle Bauteil ist mit Sicherheit eines der am schwersten zu besorgenden Originalunikate, die es auf der Erde gibt.
Ich kann mir gut vorstellen, dass Commander Graves dafür sehr tief in die Tasche greifen musste um das Teil und diesen besonderen Transport zu organisieren.
Es wird einen Ehrenplatz in meinem Quartier bekommen, soviel ist sicher.“

Natürlich wollten alle Anwesenden wissen warum Roger van Dyke sich mit diesen alten Maschinen, die inzwischen längst aus dem Verkehr gezogen worden waren, so gut auskannte und so kam es, dass er noch einige Begebenheiten aus seiner Zeit erzählte bevor er zur Sternenflotte gekommen war.
Seine Teilnahme an der Rennmeisterschaft, den Titelgewinn und seine allgemeine Vorliebe zu diesen Fortbewegungsmitteln.

„Captain, die Deltaschicht hat die Brücke übernommen, es ist alles in bester Ordnung.“, unterbrach die Stimme von Darian Wells, die aus der Audioanlage kam, die Unterhaltung.

„Wikland hier, verstanden. Ich wünsche Ihnen eine ruhige Nacht.
Bereiten Sie alles für unseren Weiterflug vor.
Unser Ziel ist ja bekannt. Wikland Ende.“
„Nun, dann wollen wir Sie auch nicht übermäßig aufhalten Captain.“ sagte Admiral Blackwood und erhob sich von seinem Platz.
„Commander Robinson ist ja bereits kurz nach Ihrer Ankunft zu uns an Bord gebeamt, so dass uns hier nur noch Ihre freundliche Gastfreundschaft hält, die wir bereits weidlich ausgenutzt haben.“

Wikland geleitete seine Gäste aus seinem Quartier und wollte sie zur Shuttlerampe begleiten.
Da fiel ihm noch eine wichtige Sache ein.
Er ließ die anderen ein paar Schritte vorausgehen und drückte seinen Kommunikator.

„Computer, Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Quartier des Captains auf die vorgewählten Standardwerte anpassen. Beschleunigter Modus.“
Die Antwort kam lediglich aus dem kleinen Lautsprecher an seinem Kommunikator.
„Bestätigt, Anweisung wird ausgeführt.“
Dann eilte er den Anderen nach und hatte sie noch vor dem Turbolift wieder unauffällig eingeholt.

In der Shuttlerampe verabschiedete er den Admiral und Captain Stevens mit einigen warmen Worten und versprach sich bald wieder einmal zu melden.
‚Völliger Blödsinn’ dachte er bei sich, wenn jeder hier stille Post spielt, dann sind die ohnehin überlasteten Subraumkanäle bald gar nicht mehr zu gebrauchen.

Dennoch lächelte er bis die beiden in das Shuttle eingestiegen waren und den Hangar verlassen hatten. Zufrieden drehte er sich zu seinen Offizieren um und verabschiedete sich zur Nachtruhe.

Als der Captain in seinen Raum zurückkehrte atmete er die kühle und frische Luft tief ein. Die gewohnt niedrige Zimmertemperatur weckte seine müden Lebensgeister wieder.

* * *

Obwohl ohnehin nur noch wenig Zeit bis zum Beginn der Tagesschicht verblieb, beschloss er vor der kurzen Nachtruhe noch ein Duschbad zu nehmen und verschwand im Badezimmer, welches direkt an seine Schlafkabine angrenzte.
Erst als er mit nassen Haaren und mit einem dünnen Morgenmantel bekleidet in seinen Raum zurückkam fiel ihm auf,
dass sein Tischterminal aktiviert war und der Eingang einer Nachricht durch das gleichmäßige Blinken der Statusleiste angezeigt wurde.
Wikland setzte sich an seinen Schreibtisch und betätigte das Zugriffsterminal.

„Nachricht für Jan Erik Wikland - Vertraulich“, erschien auf dem Display und die Stimme des Schiffscomputers forderte ihn auf seinen Autorisationscode einzugeben.
Nachdem Wikland seine Kennziffern genannt hatte, leuchtete auf dem Schirm eine Krankenakte auf, die mit dem Bild eines Mannes versehen war, dem er nie zuvor in seinem Leben begegnet war und den er auch nicht aus den Akten der Sternenflotte kannte.
Es war der Krankenbericht einer Klinik in der einige Schnittverletzungen behandelt worden waren.

Der Name des zirka 37 jährigen Mannes lautete auf Brendan P. Kehoe. Eine weitere Eintragung identifizierte Ihn allerdings als Peter Fennigan.
Den Angaben zufolge hatte sich der hagere Mann mit den kurzen braunen Haaren, beim ungeschickten Umgang mit Werkzeugen,
bei der Reparatur seines Gleiters verletzt und war im Krankenhaus mit der Bitte um ärztliche Versorgung vorstellig geworden.
Die weiteren Angaben enthielten Hinweise über Behandlungsmethoden und Nachuntersuchungen.
Das alles ergab für Wikland keinen Sinn.
Er las den Krankenbericht sowie die Entlassungsbestätigungen und lehnte sich dann kopfschüttelnd zurück.

„Computer, von wem wurde diese Datei übermittelt?“
Der Schiffscomputer antwortete umgehend.
„Die Datei wurde übermittelt von Commander David Alexander Robinson und ist versehen mit einer visuellen Nachricht!“
Wikland verzog verärgert das Gesicht, immer diese Versteckspiele. Eine Eigenart, die ihn an Robinson immer wieder gestört hatte.

„Computer, Nachricht abspielen!“
Das Krankenblatt auf dem Bildschirm wurde ersetzt durch das Gesicht von David Robinson, der mit einem süffisanten Lächeln in die Aufzeichnungskamera blickte.
„Hallo Captain Wikland, ich bedaure sehr, dass unsere Zusammenarbeit bereits nach einer so kurzen Zeit beendet ist. Ich stehe tief in Ihrer Schuld.
Obwohl ich mich durch die Zerstörung des Störsenders Ihrer und Commander van Dyke’s Anweisungen direkt widersetzt habe,
haben Sie alles unternommen um mich aus den Fängen der Separatisten zu befreien.
Das hätte ich, und da bin ich ganz ehrlich, unter den gegebenen Umständen nicht erwartet.
Ich habe mich daher entschlossen meine Kenntnisse und Befugnisse im medizinischen Bereich ein wenig zu nutzen und für Sie diese Datei ausfindig gemacht.
Ich hoffe Sie werden sie als nützlich erachten. Sie müssen sich allerdings 20 Jahre in die Vergangenheit zurückversetzen.

Übrigens habe ich eine weitere medizinische Dateneintragung gefunden, die Sie sicherlich auch interessieren wird.
Ich habe sie den medizinischen Daten Ihres neuen ersten Offiziers Roger van Dyke zugeordnet.
Sie erkennen Sie leicht wenn Sie nach Querverweisen über sein Koma suchen.

So Captain, damit möchte ich mich von Ihnen verabschieden.
Ich bin mir allerdings sicher, dass wir uns schon bald wieder begegnen werden, denn bei meiner neuen Tätigkeit werde ich sicher viel herumkommen und auch bald wieder in Ihrem Blickfeld auftauchen.
Bis dahin wünsche ich Ihnen alles Gute, und dass Sie immer wieder wohlbehalten die heimatliche Basis erreichen.“

Damit beendete der Computer die Wiedergabe der Nachricht und auf dem Display erschien wieder das Krankenblatt.
Lange betrachtete der Captain die Darstellung der Daten auf dem Display und überlegte ob ihn dieser Mann an jemanden aus seiner Vergangenheit erinnerte.
Zwanzig Jahre hatte Robinson gesagt? Zu diesem Zeitpunkt war er noch nicht einmal bei der Sternenflotte.

Das Gesicht und auch der Name passten zu keinem seiner früheren Freunde, und doch, irgend etwas an ihm kam Wikland unheimlich vertraut vor.
Wieder und wieder las er die Angaben über Verletzungen und persönliche Daten und konnte trotzdem keinen Bezug auf sein früheres Leben finden.
Er wollte gerade das Display abschalten, als ihm auf dem Bild des Mannes ein blinkender Gegenstand auffiel.
Wikland rieb sich die müden Augen, das konnte doch nicht sein...

Mit einem Satz war er aufgesprungen und zu seinem Bett hinübergeeilt. Mit dem digitalen Fotodisplay kam er an seinen Schreibtisch zurück.
Er drückte den Sensor und die Bilder von Ihm und seiner jungen Frau wechselten auf der Darstellungsfläche.

Bei einem Bild seiner Frau Anka stoppte er.
Um ihren Hals hing ein silbernes Kettchen mit einem Anhänger, der einen stilisierten Wasserfall darstellte.

Die glitzernden Wasserperlen die in der Gischt aufblitzten waren durch kleine Juwelen dargestellt.
Wikland wusste, dass es hiervon nur ein einziges Exemplar gab.
Ein alter Freund der Familie, ein Goldschmied hatte diese Arbeit nach dem Ebenbild des Wasserfalls angefertigt, der auf dem Grundstück der Wiklands in einen kleinen See stürzte.
Dieses Kettchen hatte er seiner späteren Frau Anka zur Verlobung geschenkt und es gab nur eine Erklärung, wie es in den Besitz dieses Mannes gelangt sein konnte.

Er war der Mörder seiner jungen Familie.
Wikland hatte sich damals geschworen, dass er diesen Mann, koste es was es wolle, zur Strecke bringen würde und endlich hatte er einen wihtigen Hinweis erhalten. Jetzt hatte dieser unterschwellige Hass, der in seinem Innern wohnte ein Gesicht.

Die Bemerkung über Roger van Dyke, die David Robinson so ungemein wichtig angekündigt hatte, erregte ebenfalls das Interesse des Captains.
Er hatte noch immer das Gefühl, dass in der Vergangenheit seines ersten Offiziers einige Lücken bestanden, die mit den vorliegenden Informationen zwar abgedeckt waren, der Captain glaubte jedoch, dass es eben genau das war, nämlich nur eine Abdeckung.
Die wirklichen Geschehnisse wichen nach seiner Meinung deutlich von den beschriebenen Fakten ab.
Für so etwas hatte Wikland einen Riecher. Die Eintragungen in der Akte waren viel zu glatt, alles passte aneinander.

Zudem die besondere und spezielle Akte, die er bereits studiert hatte. Kein normaler Sternenflottenoffizier hatte eine Sonderakte, wenn er nicht an irgendwelchen besonderen Situationen oder Projekten beteiligt gewesen war.

Auch die bisherigen Erfolge des Commanders konnten bei allem Respekt für seine Leistungen kein Grund für solche geheimen Unterlagen sein.
Er gab dem Computer die Anweisung die Akte seines ersten Offiziers zu öffnen und das Konterfei von Roger van Dyke erschien auf der rechten Bildschirmhälfte.

Links davon erschienen die persönlichen Daten und der Hinweis auf seine derzeitige Position und Dienststelle.
„Computer suche nach Querverweisen zum Koma, welches in der Krankenakte von Roger van Dyke vermerkt ist. Vollständige Suche nach allen Schlagwörtern.“
Der Bestätigungston ertönte und der Schiffscomputer antwortete:

„Suche nach Querverweisen zum Koma von Roger van Dyke, bitte warten............
Suche abgeschlossen, 34 Querverweise gefunden. Davon eine Datei mit besonderer Markierung durch Commander David Alexander Robinson.“

Wikland nickte zufrieden.
„Sehr gut. Computer, die markierte Datei zuerst aufrufen.“
Die Informationen, die nun auf dem Display erschienen gaben Auskunft über die Arbeit von Dr. Walter Bennings, dem Komaarzt, von dem Wikland in van Dykes Akte gelesen hatte.
Er betreute eine Gruppe von Arbeitern, die auf dem Mars durch die Druckwelle bei einer Explosion in ihren Schutzanzügen ins Koma gefallen waren.
Der Arzt hatte sie über zwei Jahre lang intensiv betreut und konnte alle bis auf einen wieder ins Leben zurückholen.

Der technische Defekt in den Schutzanzügen, der zur Umkehr der Sauerstoffversorgung geführt hatte, wurde durch eine Modernisierung der Anzüge behoben.
In der Mitte des Berichtes war der Behandlungszeitraum von David Robinson besonders markiert worden.
Die Datei trug die persönliche Codierung von Walter Bennings und war von der Sicherheitsabteilung als normaler Bericht klassifiziert.
Wikland schaltete auf die Akte von Roger van Dyke um und erkannte sofort die Übereinstimmung.

Es war nahezu ausgeschlossen, dass der Arzt bei all seinem Können Patienten auf dem Mars und gleichzeitig auf der Erde intensiv und persönlich betreuen konnte.
Er konnte also eine dieser Aufgaben nicht erfüllt haben.

„Computer alle Informationen anzeigen, die mit der Verletzung und Behandlung der Patienten auf dem Mars zu tun hatten.“
Der Bildschirm zeigte nacheinander Videoaufnahmen der geborstenen Atmosphärengeneratoren und der Behandlung der Patienten an.
Eine Datei enthielt eine Art Logbuch, in dem die wöchentlichen Fortschritte von Dr. Bennings selbst wiedergegeben wurden.
Damit stand fest, dass die Akte in van Dykes Daten eine Fälschung sein musste.

Aber wenn es so sein sollte, was sollte damit verborgen werden?
Wikland erinnerte sich an die Bemerkung von Henry Blackwood, welche dieser beim Essen gemacht hatte.

„Computer, welche geheimen Projekte wurden von der Föderation im Zeitraum des Komas von Roger van Dyke durchgeführt?“
Der Computer ließ einen kurzen Signalton hören und meldete dann:
„Diese Information steht nur dem Geheimdienst der Sternenflotte mit Sicherheitscode Tango, Victor Lima zur Verfügung.“

Wikland schlug verärgert mit der Faust auf den Tisch, das hätte er sich denken können, wenn nicht einmal Henry Blackwood an verschiedene Informationen herankam.
Er musste es also wieder einmal durch die Hintertür versuchen.
Mal sehen, wie clever die Künstliche Intelligenz beim Aufspüren von Zusammenhängen war,
„Computer, deckt sich der Beginn eines der Geheimprojekte der Föderation annähernd mit dem Datum an dem das Koma von Roger van Dyke begann?“
Während Wikland auf die Antwort wartete, überlegte er ob der Computer seinen Plan durchschauen würde, aber bereits Sekundenbruchteile später kam die Rückmeldung des Computers:

„Positiv, die Sternenflotte hat ein Projekt gestartet, welches zehn Tage nach dem Unfall des Commanders offiziell in den Akten erwähnt ist.“

Der Captain atmete auf, die Technik war wieder einmal auf eine einfache Frage hereingefallen. Die direkte Frage nach einer Geheiminformation wurde abgeblockt.
Der Vergleich von Datumsangaben hingegen schien der Computer für eine ganz normale Sache zu halten und hatte keine Hemmungen in den geheimsten Akten der Sternenflotte nach Übereinstimmung zu suchen.
Ein Fehler, dessen Korrektur Wikland seiner Chefingenieurin bei passender Gelegenheit zur Aufgabe machen würde.
Für heute jedoch war sein Wissensdurst erst einmal gestillt.

Er beschloß, van Dyke von seiner Entdeckung erst einmal nichts zu verraten, er wollte erst noch mehr Informationen zusammentragen.

Aber dann würde er ihn sich vornehmen.
Er konnte es nicht leiden, wenn seine Mannschaft Geheimnisse vor ihm hatte. Für den Captain war es wichtig, alle Hintergründe zu kennen, damit er im Zweifelsfalle entsprechend entscheiden konnte.
Kapitel 22 by Harald Latus
Lt. Commander Jefferson hatte im Maschinenraum alle Aggregate überprüft und war dann auf die Brücke gegangen um die neuen und modifizierten Steuerprotokolle in die technische Station der Brückenkontrolle zu integrieren.
Sie drehte sich gerade in dem Moment von der Ingenieurskonsole zum Hauptschirm, als die ALEXANDRIA unter Warp ging und auf die Sternenbasis 491 zusteuerte. Sie sah beim Anflug auf den Andockring gerade noch den Traktorstrahl, der einen alten T-164 Deltawing Jäger in den Schutzhangar zog.

„Haben Sie das gesehen Captain, das war ein T-164, von den alten Erdstreitkräften...“ sagte van Dyke zu Wikland
„...ein richtiges Stück Föderationsgeschichte“.
Es musste ein originalgetreuer Nachbau, eine Replika sein, denn es gab keine Schiffe dieser Bauart mehr, die im ersten Verteidigungskrieg der noch jungen Föderation eingesetzt worden waren.

Ein wendiger und gut bewaffneter Einmann-Jäger mit enormer Feuerkraft und hoher Beschleunigung. Nahezu jeder Pilot der Sternenflotte träumte davon ein solches Schiff einmal aus der Nähe zu sehen.
Jefferson hatte schon beim letzten Besuch der Station Gerüchte davon gehört, dass ein Schiff aus dem späten 21. Jahrhundert auf der Station erwartet wurde,
da es in Kürze zum Smithsonian Institute of Technologie überführt werden sollte.

„Captain...“ ohne weiter darüber nachzudenken gab J.J. ihrem Wunsch nach
„...ich bitte um Freistellung vom Dienst und die Erlaubnis zur Station hinüberzubeamen, ich möchte mir dieses Schiff gerne aus der Nähe ansehen.“, wandte sie sich an den Captain.

„Tut mir leid Lt. Commander...“, erwiderte Wikland
„...aber diesen Wunsch kann ich Ihnen nicht erfüllen.
Ich habe Admiral Parker versprochen, dass Sie ihm bei einer technischen Überprüfung auf der Station für 2 Wochen behilflich sind, und ich halte meine Versprechen.“

In Jefferson kochte es.
„...aber Captain, Sie selbst haben gesagt, ich hätte mir einen ausgedehnten Freigang durch meine Leistungen verdient,
und die Gelegenheit den Nachbau eines T-164 aus der Nähe zu sehen wird wahrscheinlich nie wiederkommen, wenn er erst einmal im Smithsonian Institute in der Halle hängt...“

Der Captain verlieh seiner Stimme etwas mehr Gewicht
„Sie werden meinen Befehl befolgen und sich in 30 Minuten bei Admiral Parker vom technischen Dienst der Raumstation melden und ich erwarte, dass Sie die Ihnen gestellte Aufgabe mit der gleichen Präzision und Hingabe erfüllen, wie Sie Ihren Dienst hier an Bord erledigen, ist das klar ?“

Obwohl sich in J.J’s. Magen alles zusammenkrampfte antwortete Sie mit einem deutlichen: „Ja, Sir!“ und verließ die Brücke, um sich für den Transfer vorzubereiten.
Sie konnte die Reaktion des Captains überhaupt nicht verstehen, er war mit ihrer Leistung nach dem Kampf gegen die Argosianer und der vergangenen Mission doch so zufrieden gewesen und jetzt verlangte er von ihr, dass sie weitere zwei Wochen Dienst schieben sollte, noch dazu wo jetzt alle anderen nach Schichtende auf die Sternenbasis gehen konnten.
Sie fluchte leise in sich hinein.
Diese Art von offensichtlichen Ungerechtigkeiten brachte sie immer wieder auf die Palme.

Es waren genau 24 Minuten vergangen, als sie in Transporterraum 7 der Station materialisierte. Obwohl sie früh dran war, war der Admiral bereits anwesend und wartete mit einem dünnen Lächeln auf den Lippen.
In seiner linken Hand hielt er seine Pfeife die leichte Rauchfäden von sich gab.

„Hallo Lt. Commander, ich freue mich, dass Captain Wikland Sie für diese spezielle Angelegenheit von technischen, wie soll ich sagen, vorsintflutlichen Reparaturen abstellen konnte.“ Jefferson verstand gar nichts mehr, sie war einfach nur sauer. Nicht einmal ein Lächel zu Begrüßung hatte sie für den Admiral übrig. Doch Theo Partker machte sich nichts daraus.

„Wenn Sie mir bitte folgen wollen, wir müssen runter auf Deck 24.
Ich habe mir sagen lassen, Sie kennen sich mit der Konfiguration von Kernfusionstriebwerken der ersten Generation aus und sind in der Lage diese in Gang zu setzen.“, fragte der Admiral.

„Das schon, es ist eines meiner vielen Hobbys, aber die Station wird soweit ich weiß durch eine Materie/Antimaterie-Standardeinheit versorgt.

Welche Simulation wollen Sie denn in Ihrem Labor aufbauen?
Diese Technik ist schon total veraltet und es gibt meines Wissens nach keine Gründe, die eine erneute Verwendung dieser Technologie rechtfertigen könnten.“, entgegnete die junge Frau immer noch missmutig.

Sie betraten den Turbolift und er übergab ihr einen Sicherheitsausweis der Stufe Gelb, was bedeutete, dass es in einen Hochsicherheitsteil der Station ging, der nur der Führungsebene und wenigen hochrangigen Sicherheitsoffizieren zugänglich war. J.J. wurde stutzig. Für solch sensiblen Bereiche hatte die Sternenflotte eigens ausgebildete Mitarbeiter, die jedes noch so kleine Problemchen lösen konnten.
Es war also nahezu ausgeschlossen, dass jemand von einer Schiffsbesatzung diesen Bereich je von Innen sah. Jaqueline drehte die Karte in ihrer Hand und sah sie geankenverloren an.

„Nun, es handelt sich nicht um die Station...“ sagte Admiral Parker ein wenig geheimnisvoll und machte dabei mit der Pfeife in der linken Hand einen großen Kreis.
Sie verließen währenddessen den Turbolift, durchschritten eine Luftschleuse und standen nun vor einer Tür mit Codesystem, die von zwei Sicherheitsoffizieren bewacht wurde.
Er nahm einen genüsslichen Zug aus seiner Pfeife, bei dem er Jefferson lange anblickte, stopfte dann den Tabak nach und deutete dann mit der Pfeife auf die geschlossene Tür.

„...Es geht vielmehr um die Wiederbelebung eines Mythos...“ und im gleichen Augenblick öffnete sich das Tor und gab den Blick auf den T-164 Deltawing frei, der im Hangar stand.
„Sie sollen den Antrieb dieses Babys wieder Flott machen...“
J.J. war wie gelähmt vor Erstaunen. Mit so etwas hatte sie überhaupt nicht gerechnet. Mit langsamen Schritten durchquerte sie die Halle.

Der Deltawing glänzte, und mit seiner frischen Lackierung sah er aus wie gerade aus der Werft gekommen.
Das Schiff war eine Mischung aus einem Flugzeug und einem Raketenbauteil, wie es früher für Marschflugkörper verwendet wurde.

Die kurzen Stummelflügel mit den nach oben gerichteten Flügelenden machten es Atmosphärentauglich.
Hinter den Flügeln schloss sich der Triebwerksblock an, der aus zwei Haupttriebwerken und einigen Steuerdüsen bestand.
Die Steuerdüsen waren das Geheimnis der Wendigkeit dieses Jägers. Selbst bei maximaler Beschleunigung konnte man durch Zünden dieser Düsen waghalsige Manöver fliegen.
Jefferson hatte das kleine Schiff in einem weiten Bogen umrundet und stand nun direkt vor der Pilotenkanzel.

Sogar das Angriffssymbol, ein Falke mit ausgebreiteten Schwingen und ausgefahrenen Krallen die nach der Beute schnappen, glänzte in frischen Farben an der Bugspitze.
Es war eine Hommage an die Kampfpiloten der ersten Weltkriege auf der Erde, die Ihren Kampffliegern diese Symbole gaben und meist einen besonderen Rufnamen trugen, der sie und Ihr Schiff identifizierte.
Jaqueline ging am Fahrwerk vorbei und betrat den Jäger, der nur wenig Platz im Cockpit bot, durch die rückwärtige untere Einstiegsluke.
Die für heutigen Standard spärlichen Instrumente trugen das typische Design des späten 21. Jahrhunderts.
Die Besonderheit dieses Schiffes aber war der Steuerknüppel, der dem Piloten wie bei den alten Flugmaschinen der Erde die Möglichkeit gab das Schiff direkt mit den Händen zu steuern.
Das musste ein phantastisches Gefühl sein, wenn das Schiff den eigenen Bewegungen direkt folgte, ohne irgendwelche Computerunterstützung.

Es war eine gute Arbeit, von der modernen Technik war überhaupt nichts zu sehen und Jefferson fragte sich,
ob man die wahrscheinlich im Verborgenen angebrachten, modernen Displaykontrollsysteme mit den überall hervorstehenden Kipp- und Druckschaltern verbunden hatte.
Soweit sie sich erinnerte, entsprachen alle Bedienpanels den Abbildungen und Zeichnungen, die sie aus alten Büchern und den Dateien der Sternenflotte kannte.

Alles war vorhanden, bis hin zur letzten kleinen Schraube.

Obwohl das Äußere des Jägers mit der frischen Farbe aussah, als komme er gerade aus der Fabrik, so hatte man im Cockpit eher den Eindruck als habe man schon einige Schlachten mit Ihm geschlagen.
Bei genauerem Hinsehen konnte man erkennen, dass einige der Schalter schon deutliche Abnutzungserscheinen zeigten,
teilweise abgegriffen waren und an manchen Stellen die Beschriftung der Schalter und Knöpfe unvollständig war.

Gerade so, als habe man die Schalter beim Systemcheck vor dem Take-off mehrere hunderte Male gedrückt.
Ihr Blick fiel dann auf eine auffällige Plakette neben dem Steuerpult. Sie trug das Falkensymbol, welches auch am Bug auflackiert war, eine Risszeichnung des alten Sternenflotten Symbols und in der Mitte prangte eine Gravur mit der Aufschrift:

San Francisco Fleet Yard
In Dienst gestellt 5. März 2189
Seriennummer: 1034-Delta
Pilot : Wild Falcon

Mit dem ihr eigenen Temperament und einem unverkennbaren entrüsteten Unterton wandte sie sich an den Admiral,
der entspannt in der Einstiegsluke stand, sich mit der rechten Hand am oberen Lukenrand abstützte einen weiteren Zug aus seiner Pfeife nahm und das Aroma des Tabaks auf der Zunge schmeckte.

„Finden Sie es als Mitglied der Sternenflotte bei einem solchen legendären Schiffstyp nicht ein wenig anmaßend und geschmacklos für diesen nachgebauten Jäger auch noch das markante Original-Serienschild zu kopieren?“

„Wer sagt denn, dass das ein Nachbau ist?“, entgegnete der Admiral mit ruhiger Stimme und einem verschmitzten Lächeln
„Wir haben ihn bei Verhandlungen mit den Vorisi auf Derian III gefunden. Ein alter Pilot hatte ihn sich damals als Kriegsbeute unter den Nagel gerissen und er wurde zufällig in seiner Lagerhalle entdeckt.

Seine Nachfahren hatten keine Verwendung dafür und waren gerne bereit den Jäger an die Vertreter der Sternenflotte abzugeben“

Augenblicklich zog Jefferson ihre Hände vom lederbezogenen Pilotensitz weg, so als hätte sie gerade verbotener Weise eine Heiligenfigur berührt.
Sie stand in einem Original Deltawing, das würde ihr ohnehin keine Menschenseele glauben, soviel war sicher.

„Captain Wikland hat erwähnt, dass Sie neben Ihren technischen Fähigkeiten eine hervorragende Pilotin sind und er hat uns empfohlen Sie auch mit den Testflügen für diesen Jäger zu betrauen. Wir wollen ihn in voll funktionsfähigem Zustand an das Institut übergeben.
Wenn Sie es schaffen, ihn in drei Tagen wieder flott zu bekommen, dann können Sie sogar die Überführung zur Erde übernehmen, da Sie von Captain Wikland für ganze zwei Wochen abgestellt sind.“

Die junge Frau kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, soviel Glück auf einmal konnte sie gar nicht fassen.
„Darauf können Sie Gift nehmen, Admiral“, lachte Jefferson und mit einem Mal war ihr Ärger völlig verflogen. Sofort machte sie sich an die Arbeit.

„Ich gebe mein Bestes. Morgen Abend wird er wieder fliegen, und zwar aus eigener Kraft!“

Erst in diesem Moment wurde ihr richtig bewusst, dass diese Aufgabe eigentlich kein Dienst, sondern ein besonderes Dankeschön des Captains war, für den ungewöhnlich hohen Einsatz der letzten Wochen.
Während sie am Terminal des Hangars stand fiel ihr das geflügelte Wort der ALEXANDRIA Crew ein.

„Jeden Tüchtigen erwischt es Irgendwann einmal!“

Sie war dem Captain auf den Leim gegangen und hatte tatsächlich nichts gemerkt.

Lächelnd griff sie nach der Zugangskarte und rief damit die Baupläne des Antriebsaggregates des T-164 Jägers am Terminal auf.
Epilog by Harald Latus
An Bord der ALEXANDRIA war Ruhe eingekehrt, das Schiff umkreiste in einem engen Orbit die Station und machte einen fast schlafenden Eindruck.
Nachdem der Captain den Standarddienstplan aufgehoben hatte, waren nicht viele an Bord zurückgeblieben.
Lediglich in den Decks mit den Quartieren waren noch einige, meist Zivilisten, zu sehen die von den zurückliegenden Vorfällen nur wenig mitbekommen hatten und Ihrem normalen Tagesablauf nachgingen.
Die restlichen Decks der ALEXANDRIA waren wie leergefegt, lediglich Holodeck zwei und fünf waren belegt und einige Bordwachen waren in den Decks und auf der Brücke im Dienst.
Der Rest der Mannschaft war auf die Station hinübergebeamt um einige Einkäufe zu tätigen und in den Freizeiteinrichtungen zu entspannen.

Im Gang auf Deck sieben war trotz der exzellenten Schalldämmung der Nebula Klasse der leise Wohlklang eines Steinway Flügels wahrzunehmen.
Jeder der diese Musik hörte, wusste genau, dass sie nicht vom Audiosystem des Schiffes stammte, welches in der Lage war jede Musikrichtung und jedes Instrument akustisch perfekt zu reproduzieren.

Ein großer blonder Mann saß zufrieden vor dem Flügel in seinem kühlen Quartier und schmunzelte, während er sein Lieblingsstück auf dem antiken Musikinstrument spielte.

Ende der Aufzeichnung
End Notes:
Ich hoffe Euch hat die Geschichte gefallen, wie auch immer, ich freue mich über ein Feedback. Ob als Review, als Mail oder auch als PN im Forum als,na wer wohl? Mein Alter Ego - Roger van Dyke

Danke fürs Lesen
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